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Ministerpräsident Haseloff (Physiker von Beruf) will Physiklehrern zeigen, wie „nicht-langweiliger“ Unterricht geht

MAGDEBURG. Der eine ist promovierter Physiker, der andere auf der Suche nach Physiklehrern: Sachsen Anhalts Ministerpräsident Haseloff und sein Bildungsminister haben sich online verabredet – zu einer Physikstunde. Lange bevor es losgeht, haben sie die Smartphones schon wieder in der Hand.

Promovierter Physiker: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) präferiert die Hochschulen. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-4.0)

Promovierter Physiker: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) präferiert die Hochschulen. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-4.0)

Auf einen Twitter-Plausch folgen Taten – und Frotzeleien: Nach ihrer Verabredung via Kurznachrichtendienst zu einer Schulstunde haben Ministerpräsident Reiner Haseloff und Bildungsminister Marco Tullner (beide CDU) Termine und die passenden Schulen gefunden. Mittwoch kommender Woche wollten beide in der Landesschule Pforta mit einer zwölften Klasse ein physikalisches Experiment durchführen, kündigte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Magdeburg an. Am 16. Februar 2017 unterrichten die zwei in der Magdeburger Gemeinschaftsschule Oskar Linke.

Am Donnerstag schrieben Minister und Regierungschef bei Twitter wieder hin und her. Haseloff, der ein Gymnasium in Gräfenhainichen besuchte, schrieb: «Testlauf mit Apparatur in der Physikstunde am Gymnasium Gräfenhainichen: Es hat alles geklappt. Auf zur Landesschule Pforta.» Tullner erwiderte: «Hoffentlich gab es keine Verletzten bei ihren Unterrichtsvorbereitungen. Aber warum üben Sie ohne mich?» Der Regierungschef darauf: «Den experimentellen Teil mache ich lieber selbst. Die Integro-Differentialgleichung lösen Sie dann. Schaffen Sie locker…» Tullner antwortete: «Ich wollte was mit heißer Luft machen.»

Mitte September hatte der promovierte Physiker Haseloff eine Twitter-Einladung Tullners mit den Worten angenommen: «Gern, ich wollte immer schon mal Ihre physikalische Eignung testen.» Vorangegangen war ein Besuch des Ministerpräsidenten beim Radiosender MDR Sputnik. Dort fragte er mit Blick auf den Lehrermangel: «Wer will denn Physiklehrer werden, wenn Physikunterricht langweilig ist.» dpa

 

15 Kommentare

  1. Effektiver Unterricht, also Unterricht, der nicht nur Spaß gemacht, sondern auch was gebracht hat, würde mich mehr interessieren.

    Ich habe mal gesehen, wie Schüler im Deutschunterricht, Thema Rechtschreibung, Stationsarbeit gemacht haben. Das hatte ihnen Spaß gemacht. An den Rechtschreiböleistungen hatte sich aber nichts verändert, sprich gebessert. 🙁

    • Unterrichtserfolg hängt auch an Aufmerksamkeit. Wenn zwei Minister eine Schulstunde halten, könnten die Schüler durchaus aufmerksamer sein als sonst; vielleicht war der Unterricht dann effektiv. Spaß ist nicht grundsätzlich hinderlich beim Lernen, und vielleicht haben die Minister ja auch etwas gelernt.

    • Dieses Argument verstehe ich jetzt nicht.
      Es kommt doch immer darauf an, mit welchen Aufgaben ich eine Station bestücke und wie ich die Arbeitsergebnisse kontrolliere bzw. kontrollieren lasse. Eine Stationenarbeit bei der Rechtschreibung ist eine reine Übungsphase nach einer wie auch immer gearteten Einführung, vom lehrerzentrierten Unterricht bis zum entdeckenden Lernen. Jeder, der Stationenarbeit macht, weiß, dass bei solchen etwas offeneren Unterrichtsformen die Möglichkeit der Selbstkontrolle gegeben sein muss, was meistens mit Kontrollblättern geschieht. Anschließend kontrolliert der Lehrer. Bei Stationentraining lernen die Schüler zudem eigenverantwortliches Arbeiten, Zeiteinteilung und Arbeitsorganisation.

      • Zitat:
        „Bei Stationentraining lernen die Schüler zudem eigenverantwortliches Arbeiten, Zeiteinteilung und Arbeitsorganisation.“

        Können Schüler das – Ergebnissen der Hirnforschung nach – nicht erst nach der Pubertät. Deren Gehirn ist doch laut Gehirnforschung vor und während der Pubertät zum vorausschauendem Planen gar nicht in der Lage.

        • Meine Schüler können in diesen offeneren Formen arbeiten. Sie können sich einteilen, welche Aufgaben sie zuerst machen möchten. Sie können Partner wählen oder sich mit eingeteilten Partnern arrangieren. Sie können sich mit den Partnern absprechen, damit sie gleichzeitig für eine Aufgabe Zeit haben.
          Sie nehmen sich für schwierigere Aufgaben mehr Zeit oder sie schieben die schwierigen Aufgaben vor sich her und wählen die leichtern zuerst. Sie suchen sich Hilfe, wenn sie welche benötigen.
          Sie können ihre Arbeit organisieren, indem sie die notwendigen Materialien besorgen, ihren Arbeitsplatz strukturieren, die Arbeit beginnen, fortsetzen, beenden und aufräumen.
          Nicht alle, stimmt. Aber auch nicht alle können gleich gut Einrad fahren oder rechnen.
          Wir üben das seit der 1. Klasse und es ist ein Lernprozess.

          Im übrigen sagt der Begriff „Stationenlernen“ nur sehr wenig über die tatsächliche Öffnung des Unterrichts aus.

          • Donnerwetter, was sind Sie doch für ein Tausendsassa!

          • @realo
            Wenn man von vorneherein Klassen in der Grundschule an solche Arbeitsformen gewöhnt, ist das keine Affaire. Stationenlernen in der Form, wie palim beschrieben hat, ist eine übliche Arbeitsform in der Grundschule und ich hoffe auch noch in der Sekundarstufe. In der Hauptschule habe ich es zumindest schon öfter gesehen. Wenn man ein Klassenlehrersystem mit eigenem Klassenzimmer hat, ist das natürlich einfacher unzusetzen. Wichtig ist, dass die Lehrkraft nachkontrolliert und nur zuverlässig gemachte Arbeiten akzeptiert.

          • Komischerweise verlernen diese Grundschüler alles über die Sommerferien, wenn sie an weiterführenden Schulen ankommen.

          • Ich wollte ausdrücken, dass gerade Stationslernen auch mit jüngeren Kindern machbar ist UND keine erhebliche Öffnung beinhalten muss.

            Anders sieht es aus mit sehr offenen Formen. Auch das wird von manchen Seminarleiterinnen für den Unterricht in der Grundschule eingefordert. Die Kinder finden das Ziel der Stunde allein, sie erklären sich selbst die Bildbetrachtung, führen sich selbst durch den Unterricht und die Aufgaben und formulieren am Ende die Quintessenz. DAS KANN klappen. Dazu braucht es aber sehr viel Erziehung zur Methode UND besonders gute Materialien, um den Kindern überhaupt Inhaltliches mitzugeben. Wenn Kind voneinander lernen sollen, braucht es zudem auch immer solche, die schon etwas können. Und genau diese brauchen m.E. auch im Unterricht Zuwendung, Herausforderung und die Möglichkeit dazuzulernen – nicht nur im sozialen Bereich.

            Im übrigen werden an Grundschulen sehr unterschiedliche Methoden eingesetzt, da muss man an der weiterführenden Schule sehen, woran man anknüpfen kann, und auch anderes geht über die Sommerferien verloren (1×1) … und das nicht nur zum Übergang an die weiterführenden Schulen.

          • Der Unterschied zwischen GS und weiterführender Schule ist nicht an den Sozialformen und methoden dingfest zu machen, es ist die Abkehr vom Klassenlehrer- und Klassenraumprinzip. Mindestens vier verschiedene Fächer am Tag, mindestens drei verschiedene Räume und vor allem ca. 26 Kinder, mit denen man noch nicht so vertraut wie mit den alten Kampfgenossen von der GS ist.

      • Beim Stationenlernen lernen Schüler, Stationen zu bearbeiten.

  2. „Nicht-langweiligen“ Unterricht kann jeder Lehrer, der nur genau eine (Physik)Stunde halten soll auch halten. Das Problem ist doch so oft wie möglich „nicht-langweiligen“ Unterricht zu halten.

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