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Mit polnischen Kollegen gegen den Lehrermangel

FRANKFURT (ODER). Kommen nach den Handwerkern die Lehrer? – Rund 70 polnische Pädagogen unterrichten derzeit an Schulen in Brandenburg, die meisten von ihnen Polnisch oder Englisch als Fremdsprache. Aus Sicht des Kultusministeriums sollen es mehr werden um dem Mangel an qualifizierten Bewerbern auch in anderen Fächern zu begegnen. Die Universität Stettin soll gar das Studienprogramm an deutsche Anforderungen anpassen.

«Deutsch» steht in Großbuchstaben über der Tür des Klassenzimmers in der Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankfurt. Auf den Schulbänken sitzen 16 Kinder aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien und pauken eifrig deutsche Vokabeln. Ihre Lehrerin, die Sätze laut und deutlich vorspricht, mit ihnen Lieder singt und tanzt, ist die gebürtige Polin Monika Szafranska. Seit April dieses Jahres unterrichtet die 37-jährige studierte Germanistin an der Schule die Flüchtlingskinder-Willkommensklasse. Ein Glücksumstand für sie, wie für die Frankfurter Bildungseinrichtung, betont Schulleiterin Marina Bab.

In Ostbrandenburg, werden Lehrer für alle Fächer benötigt, da liegt es nah, auch in Polen nach geeigneten Kandidaten zu suchen. Foto: Steffen Hellwig/pixelio.de

In Ostbrandenburg, werden Lehrer für alle Fächer benötigt, da liegt es nah, auch in Polen nach geeigneten Kandidaten zu suchen. Foto: Steffen Hellwig/pixelio.de

«Sie besitzt ein großes Einfühlungsvermögen, lässt sich viel einfallen, um spielerisch Deutsch zu vermitteln und versteht sich prima mit den 20 anderen Kollegen an der Schule», lobt sie. Auch Haifa, Faris, Hussein und die anderen Neu-Grundschüler sind von ihrer Lehrerin begeistert. «Sie ist so freundlich und wir lernen viel», bringt die zwölfjährige Samira die Sache auf den Punkt. Nach Angaben des Brandenburger Bildungsministeriums sind an öffentlichen Schulen in der Mark aktuell 70 polnische Pädagogen beschäftigt. Die meisten von ihnen unterrichten Polnisch oder Englisch als Fremdsprache, sind außerdem im bilingualen Unterricht eingesetzt. Nur etwa zehn Prozent vermitteln bisher Deutsch als Fremdsprache.

Szafranska stammt aus Bydgoszcz im Nordwesten Polens. «Ich wollte, dass mein Sohn zweisprachig aufwächst. Das war in meiner Heimatstadt allerdings nicht möglich», erzählt die Lehrerin. Deswegen zog die polnische Familie im vergangenen Jahr nach Frankfurt. Szafranska fand Arbeit beim Internationalen Bund (IB), war zunächst für Praktika polnischer Jugendlicher zuständig und übernahm kurze Zeit später als vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugelassene Lehrkraft Sprachkurse für Asylbewerber, die der Bildungsträger betreut. Ihr Mann arbeitet in einem Autoteile-Werk in Zossen (Teltow-Fläming). Der Sohn besucht die Astrid-Lindgren-Grundschule. Über Kontakte zum staatlichen Schulamt, das Deutsch-Lehrer suchte, wechselte Szafranska im Frühjahr ebenfalls an die Bildungseinrichtung.

«Die Arbeit mit Flüchtlingskindern und deren Eltern ist für uns Pädagogen oft nicht leicht», so Schulleiterin Bab. Da sei es von Vorteil, dass Szafranska beim IB bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht habe. Beide Pädagogen entscheiden zusammen, wann ein Kind aus der Willkommens- in eine Regel-Schulklasse wechseln kann. «Lesen und Schreiben ist das A und O», betonen sie wie aus einem Mund. Ob sie nun polnische oder Kinder anderer Nationen unterrichtet, ist für Szafranska gleich. «Unterrichtsprache ist bei mir immer Deutsch, auch wenn ich hier anfangs noch Hände und Füße dazu nehmen musste», erklärt sie lächelnd. Das sei eben ihr Beruf, der sie erfülle.

«Angesichts der Schwierigkeiten, geeignete, qualifizierte Lehrkräfte im eigenen Land zu finden, sind uns polnische Pädagogen willkommen, sofern sie Fächer unterrichten, die gebraucht werden und sie regional einsetzbar sind», sagt Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. Im größten Brandenburger Schulamt Frankfurt (Oder), zuständig für 72 000 Schüler in Ostbrandenburg, würden Lehrer für alle Fächer benötigt, berichtet Behördenleiter Gerhard Kranz. «Rund 30 polnische Pädagogen haben wir bereits. Mit der Universität in Stettin sind wir in Verhandlungen, damit das dortige Lehrerstudium an unsere Anforderungen angepasst wird», sagt er.

Lehrermangel gebe es aktuell an der Astrid-Lindgren-Grundschule nicht, sagt Schulleiterin Bab, auch dank dreier sogenannter Seiteneinsteiger – eine ehemalige Trainerin der Frankfurter Sportschule, die sich für das Fach Biologie weiterbildet, ein ausgebildeter Lehrer, der nach der Wende aber jahrelang in anderen Berufen tätig war und ein staatlich anerkannter Erzieher, der Deutsch, Mathe und Sachkunde unterrichtet. Ihre polnische Kollegin möchte die Schulleiterin auch dann behalten, wenn es aufgrund der rückläufigen Flüchtlingszahlen keinen Bedarf mehr für Deutsch als Fremdsprache geben sollte: «Ich werde sie im normalen Deutsch-Unterricht einsetzen. Sie hat das Zeug dazu.» (Jeanette Bederke, dpa)

• zum Bericht: Lehrermangel: Sachsen will jetzt Lehrer aus Tschechien und Polen anwerben

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