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Niedersachsen: SPD und Grüne wollen Türkisch, Arabisch und weitere Fremdsprachen als Unterrichtsfach

HANNOVER. Türkisch, Arabisch, Polnisch, Russisch – die Regierungsfraktionen im Landtag wollen das Fremdsprachenangebot an Schulen ausbauen. Nur wer die eigene Muttersprache beherrsche, lerne auch schnell Deutsch, heißt es. In anderen Bundesländern ist das schon Alltag.

Arabisch und Türkisch sollen das Fremdsprachenangebot an niedersächsischen Schulen erweitern. Foto: reisende-unter-der-sonne / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Unter anderem sollen Arabisch und Türkisch das Fremdsprachenangebot an niedersächsischen Schulen erweitern. Foto: reisende-unter-der-sonne / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen das Fremdsprachenangebot an den weiterführenden Schulen unter anderem um Türkisch und Arabisch erweitern. „An diesem Unterricht können dann alle Schüler teilnehmen“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) im Landtag in Hannover. „Auch deutsche Schüler können diese Sprachen mit erwerben.“ Der Vorschlag ist Bestandteil eines rot-grünen Antrags, mit dem die Fraktionen fordern, Schüler mit nicht-deutscher Herkunftssprachen stärker zu fördern.

Dabei berufen sie sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach das Beherrschen der eigenen Muttersprache Voraussetzung für ein leichteres Lernen weiterer Sprachen ist. „Es reicht jedoch nicht aus, die eigene Herkunftssprache nur von den Eltern zu lernen“, sagte der schulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Heiner Scholing. „Dieser Spracherwerb ist mit dem Eintritt in der Schule nicht abgeschlossen.“

Schon seit mehreren Jahren werden deshalb vor allem Grundschüler mit Migrationshintergrund auch in ihren eigenen Herkunftssprachen unterrichtet. Nun soll das Angebot erweitert und auch an anderen Schulformen prominenter angeboten werden. Dabei sollen auch Sprachen wie Türkisch, Arabisch, Polnisch oder Russisch als zweite und dritte Fremdsprache eingerichtet werden. „Bis hin zur Berücksichtigung im Abitur“, sagte Scholing.

In anderen Bundesländern ist das schon Alltag. In Hamburg etwa können Schüler je nach Schulform neben den üblichen Fremdsprachen auch Polnisch, Russisch, Türkisch oder Chinesisch lernen. Diese Sprachen können dort auch als schriftliches oder mündliches Abiturfach belegt werden. In Nordrhein-Westfalen gibt es einen Kernlehrplan für Türkisch am Gymnasium.

Obwohl die Bundesländer zu wenig für die Primarstufe aufwenden, liegen die deutschen Grundschulen im internationalen Vergleich mit an der Spitze. Foto: Jens-Olaf Walter / flickr (CC BY-NC 2.0)

Die niedersächsische CDU sieht das geplante Fremdsprachenangebot in Konkurrenz zur deutschen Sprache. Foto: Jens-Olaf Walter / flickr (CC BY-NC 2.0)

Reaktionen anderer Parteien
Kritik an dem Vorhaben in Niedersachsen kam vor allem von der CDU-Fraktion. „Beim Spracherwerb steht für uns die Integration im Mittelpunkt“, sagte der Unions-Abgeordnete Clemens Lammerskitten. „Die Vermittlung der deutschen Sprache muss in unseren Kitas und an unseren Schulen an erster Stelle stehen. Das steht leider nicht in Ihrem Antrag.“

Scholing warnte davor, Deutsch gegen andere Fremdsprachen auszuspielen. „Die Förderung der Herkunftssprache und des Deutschen stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Das ist eine sehr verkürzte und schließlich auch falsche Sichtweise.“ Ziel sei nun vor allem, die entsprechenden Studiengänge zu bewerben und auch Abschlüsse aus anderen Herkunftsländern leichter anzuerkennen. Nur so könne der entsprechende Bedarf an Lehrkräften gestillt werden.

Unterstützung fand der Antrag zunächst bei der FDP-Fraktion. „Wenn die Kinder ihre Herkunftssprache kennen und beherrschen, lernen sie auch viel schneller Deutsch“, sagte der FDP-Abgeordnete Björn Försterling. Deswegen sei es gerechtfertigt, diesen Bereich auch aufzubauen. „Ich sehe allerdings aktuell viele andere drängende Probleme in den Schulen, die wir lösen sollten, bevor wir sie vor eine weitere Herausforderung stellen.“ (dpa)

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13 Kommentare

  1. Eine Islamisierung findet nicht statt.

    • Eine Verdeppung schon…

    • LetsMakeBildungGreatAgain

      Das ist eher ein Ausdruck der Bevölkerungsentwicklung. Deutsche Frauen haben im Schnitt 1,44 Kinder, türkische 2,44 Kinder (2008). Zusätzlich ist die Generationenfolge enger, also verstärkt sich der Effekt.
      Der SPD gehen aus naheliegenden Gründen die Wähler verloren, also versucht sie neu entstehende Schichten mit Klientelpolitik zur richtigen Wahlentscheidung zu bewegen. 😉

  2. 1) Woher kommen die Lehrer?
    2) Warum wird dann nicht auch japanisch, niederländisch, zulu oder hebräisch angeboten?
    3) Wieso werden die Türken und Araber erneut für ihre schlechten schulischen Leistungen diskriminiert, diesmal verpackt als Forderung für Zusatzangebote?

    • Ach XXX, das müssten Sie als NRW-Lehrperson 🙂 besser wissen. Schüler allgemeinbildender, weiterführender Schulen haben die Möglichkeit zur Teilnahme am “herkunfsstprachlichen” (früher: muttersprachlichen) Unterricht (HSU) teilzunehmen. Die Schulen, die den HSU erteilen, müssen entsprechende Bescheinigungen ausstellen. In den Bescheinigungen müssen das Anforderungsniveau des gegebenen Unterrichtes und die Note der Stammschule mit geteilt werden. Die Teilnahme am HSU ist auf den Versetzungs-/Halbjahreszeugnissen zu vermerken, ebenso auf den Abschlusszeugnissen. Die Note des HSU – wenn er von Klasse 5 bis 10 in ausreichendem Umfang kontinuierlich erteilt worden ist – kann an Stelle der ersten Fremdsprach (Englisch) bei der Ermittlung des Abschlusses gewertet werden.

      Im grenznahen Bereich gibt es Schulen, bei denen Niederländisch als Fremdsprache gelehrt wird.

  3. Ok, warum nicht.

    Meinetwegen könnten alle möglichen anderen Sprachen neben Englisch angeboten werden (wenn man Lehrer dafür hat).

    Die erste Fremdsprache sollte aber schon Englisch sein und die zweite eigentlich idealerweise die Sprache des unmittelbaren Nachbarlandes, z.B. Polnisch in Brandenburg, Dänisch in Schleswig-Holstein usw.

    • LetsMakeBildungGreatAgain

      Ich schätze, dass es aus Kostengründen bei Türkisch und Arabisch bleibt. In allen anderen Sprachen sind die Lerngruppen zu klein. Schon jetzt wird z.B. in BW das Angebot in der Oberstufe zusammen gestrichen für Fächer mit kleinen Gruppen.
      Begründet wird die Einseitigkeit damit, dass die Türken und Araber dann besser Deutsch lernen. Die Studie, auf die man sich beruft, würde ich gerne lesen. Wenn die Effekte so groß sind, würden die Bayern längst bayrisch als erste Fremdsprache implementiert haben.
      Rein logisch müssen ja die Stunden irgendwo anders eingespart werden, in einem Fach, das auf Deutsch unterrichtet wird. Ob da unterm Strich ein Mehrwert bleibt?
      Unterm Strich ein Versuch von SPD und Grünen, ihre Wähler anzusprechen. Also mal wieder Bildungspolitik als Spielball der Parteien.

  4. Ach gute Idee Deutsch wird abgeschafft , dass Behörden – Deutsch versteht eh keiner. Und eine Debatte auf türkisch im Parlament ist bestimmt spannender .

  5. 1. Was ist mit den Muttersprachen der anderen Migranten? Wenn schon, sollten alle Sprachen gleich behandelt werden.
    2. Wenn Kinder hier ihre nicht-deutsche Muttersprache extensiv sprechen (lernen), konsumieren sie z.B. auch Medien in den Sprachen und unterhalten sich zu Hause nicht auf Deutsch. Da allerorten über kulturelle Integration gesprochen wird und die Integrationswilligkeit/-fähigkeit eines Teils der Neubürger angezweifelt wird: Ich kann nicht erkennen, dass Türkisch als Unterrichtsfach die Integration stärkt. Und der Normallehrer kann immer weniger verstehen, worüber sich seine Schützlinge so austauschen … Mein Sohn hat sich früher schon auf dem Schulhof geärgert, wenn Mitschüler bewusst auf Türkisch kommunizierten, während/damit der Rest der Jugendlichen nichts verstand.
    3. Ich sehe (als Nicht-Lehrerin) in dem Vorschlag auch einen Paradigmenwechsel. Bisher werden Fremdsprachen vor allem gelehrt, damit man sich im internationalen Raum mit anderen Menschen verständigen kann, ggf. in anderen Ländern die Bevölkerung versteht. Paradebeispiel: Englisch. Jetzt sollen fremde Sprachen gelehrt werden, damit sich Teilgruppen in einem Land gut miteinander verständigen können. ?

    • Guter Kommentar! Sie argumentieren einleuchtend. Das mit dem “Paradigmenwechsel” ist mir noch gar nicht aufgefallen, stimmt aber.

    • Zum Kommentar E.H. 25.11. 10:14
      Das ist auch meine Meinung. Ihren Kommentar kann ich in allen Punkten unterstützen.
      Indem man die Herkunftssprachen verstärkt, verhindert man Integration und stärkt die Parallelgesellschaften. Wenn ich in einem Land lebe, dann gilt die Landessprache als Verständigungsmittel. Fremdsprachen lernen ist dann sinnvoll, wenn ich mich entweder international austauschen möchte (Englisch) oder in ein Land reise um es kennenzulernen oder dort zu arbeiten.

  6. Zitat Timo: “Guter Kommentar! Sie argumentieren einleuchtend. Das mit dem „Paradigmenwechsel“ ist mir noch gar nicht aufgefallen, stimmt aber.”

    Finde ich aber gar nicht. 🙂 Weder gut noch einleuchtend. Es geht doch dabei nicht um “Gerechtigkeit”, wonach dann also jede Sprache jedes möglichen Migranten in jeder Schule bzw. in einer Schule mit einem solchen “Migrantenhintergrundkind” angeboten werden müsste. Quatsch! Da darf der Staat schon Prioritäten setzen.

    Englisch, klar, das ist wichtig für die internationale Kommunikation. Braucht man dafür dann aber heutzutage noch Latein, Französisch, Spanisch – wo doch eh (fast) alle Englisch lernen? Man kann sich auf Englisch als 1. Fremdsprache konzentrieren und mit weiteren Fremdsprachen als wahlobligatorisches oder fakultatives Angebot andere Ziele verfolgen, wie z.B. ein gutnachbarschaftliches Verhältnis zu den Nachbarländern oder das Zugehen auf große Bevölkerungsgruppen (anderer Nationalität).

    Man sollte aber auch die Schüler damit nicht überfrachten. Es sollte eher ein Kann sein, kein Muss.

    • Ich habe den Kommentar ganz anders verstanden, sofawolf, und zwar als Gegenrede zu der geplanten Eiführung von Türkisch, Arabisch und weitere Fremdsprachen als Unterrichtsfächern und als Kritik an dem beschriebenen Paradigmenwechsel.

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