Startseite ::: Aus der Wirtschaft ::: Was Moritz Freiherr Knigge – Urahn des Benimm-Papstes – über die Manieren heutiger Schüler und Azubis zu sagen hat

Was Moritz Freiherr Knigge – Urahn des Benimm-Papstes – über die Manieren heutiger Schüler und Azubis zu sagen hat

DÜSSELDORF. „Die Schere zwischen betrieblicher Anforderung und sozialer Kompetenz der Auszubildenden geht weiter auseinander“, so heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Jedes zweite Unternehmen klagt laut einer DIHK-Umfrage über mangelnde Disziplin und Belastbarkeit sowie fehlende Leistungsbereitschaft und Motivation von Schulabgängern. Jedes dritte bemängelt die Umgangsformen der Lehrstellen-Bewerber.

Kennt sich mit gutem Benehmen aus: Moritz Freiherr Knigge. Foto: privat.

Kennt sich mit gutem Benehmen aus: Moritz Freiherr Knigge. Foto: privat.

Es hapert bei Schülerinnen und Schüler offenbar zunehmend an den sogenannten Soft Skills. Welche sozialen Kompetenzen müssen junge Menschen denn mitbringen, die erfolgreich in den Beruf starten wollen? „Zunächst mal die Basics des Zwischenmenschlichen: Danke, Bitte, Guten Tag, Auf Wiedersehen“, sagt einer, der es wissen muss: Moritz Freiherr Knigge, Unternehmensberater und Nachfahre von Benimm-Papst Adolph Freiherr Knigge. Der schrieb in seinem bekanntesten, 1788 erschienenen Buch „Über den Umgang mit Menschen“ darüber, wie Menschen miteinander umgehen sollten, um sich und anderen das Leben leichter zu machen. Moritz Freiherr Knigge referiert auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress (zu dem auch Hunderte von Berufsschulleitern aus ganz Deutschland erwartet werden) zum Thema: „Haben Schule und Elternhaus versagt? So vermitteln Sie den Azubis elementare Verhaltensregeln“.

Reichen denn die Grundregeln der Höflichkeit? Nicht ganz. „Darüber hinaus“, so betont Knigge, „sei die Aufmerksamkeit für die sozialen Codes des Unternehmens und das Bewusstsein für die doch gravierenden Unterschiede zwischen Schule und Arbeit wie beispielsweise Hierarchien, Altersunterschiede, Umgang mit digitalen Medien oder die Dauer der Betriebszugehörigkeit für Ausbildungsanfänger unabdingbar.“ Wie ist seine Einschätzung: Haben junge Menschen in der Regel ein Sozialverhalten, das sie im Beruf weiterbringt? Knigge: „Ich arbeite ja recht häufig mit Auszubildenden und erlebe sie meist als interessiert und aufgeschlossen. Jedoch auch als unsicher gegenüber den an sie gestellten Erwartungen. Grundsätzlich würde ich sagen, dass junge Menschen sehr direkt kommunizieren. Was in teils sehr distanzierten beruflichen Umfeldern durchaus zu Missverständnissen führen kann.“

Wer ist in der Verantwortung, jungen Menschen Benimmregeln beizubringen? „In der Verantwortung stehen alle, die sich ein besseres Miteinander wünschen, weil es die Zusammenarbeit und den gemeinsamen Erfolg fördert. Mängel im Sozialverhalten lassen sich ja nicht dadurch beheben, dass Elternhäuser, Schulen und Unternehmen sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben“, sagt Knigge.

Was rät er Unternehmen, die Mängel im Sozialverhalten bei ihrem Berufsnachwuchs feststellen? „Zunächst einmal selbst eine klare Haltung zu entwickeln und sich die Frage zu stellen, wie im Unternehmen miteinander umgegangen wird und wie man miteinander umgehen will. Danach die damit verbundenen Erwartungen klar kommunizieren. Alleine mit Maßregelungen wie ‚Das sollte doch selbstverständlich sein!‘ ändert sich in der Regel wenig.“ Ähnliches dürfte für Schulen gelten. N4t

Zum Bericht: Zwei Drittel der Bürger meinen, Schüler lernen „unnützes Zeug“ – Fach „Benehmen“ gefordert

 

Hintergrund: Der Deutsche Ausbildungsleiterkongress

Moritz Freiherr Knigge Knigge referiert auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress (DALK) am Dienstag, 22. November 2016, von 14 bis 15:15 Uhr zum Thema: „Knigge für Azubis – Haben Schule und Elternhaus versagt? So vermitteln Sie den Azubis elementare Verhaltensregeln“. Am Mittwoch, 23. November 2016, spricht er von 9 bis 10.15 Uhr zum Thema: „Business-Knigge – So vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern elementare Verhaltensregeln“.

Der Deutsche Ausbildungsleiterkongress (DALK) findet am 22. und 23. November in Düsseldorf zum ersten Mal statt. Mit seinen bereits angemeldeten rund 2.000 Teilnehmern ist der DALK schon jetzt Deutschlands größter Fachkongress für Personalverantwortliche und  Ausbildungsleiter. Über 80 Referenten aus der Praxis und aus der Wissenschaft gestalten ein Programm mit über 100 Vorträgen und Workshops zum modernen Ausbildungsmanagement. Zu den auftretenden Experten gehören:

  • der Unternehmer Wolfgang Grupp (Trigema),
  • der Fernsehjournalist und Schauspieler Jenke von Wilmsdorff,
  • das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit Detlef Scheele,
  • die Azubi-Trainerin und Psychologin Tanja Köhler,
  • der Integrationsforscher Prof. Aladin El-Mafaalani,
  • der Politikberater und ehemalige Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger,
  • der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky sowie
  • der Philosoph und Ex-Kultusstaatssekretär Prof. Julian Nida-Rümelin.

Die Fernsehjournalistin Nina Ruge moderiert den Kongress. Veranstalter ist der Informationsdienstleister Wolters Kluwer Deutschland, der unter anderem den Deutschen Schulleiterkongress  und den Deutschen Kitaleitungskongress organisiert und sich auch dabei bildungspolitischer Grundsatzfragen annimmt.  

6 Kommentare

  1. Wie steht Herr Knigge eigentlich zur Aussage, dass die geforderten Manieren in frühester Kindheit anerzogen und vorgelebt werden müssen (also durch die Eltern), im Kindergarten oder gar in der Schule meist das Kind sprichwörtlich bereits in den Brunnen gefallen ist?

    • Was Sie sagen, ist nach traditionellen Maßstäben richtig. Wenn aber schon Babys den ganzen Tag in Krippen verbringen, anschließend in Kindertagestätten und Schulen, frage ich mich, wie das noch funktionieren soll mit dem Anerziehen und Vorleben von Manieren durch die Eltern.
      Auf diesem Gebiet werden Kitas und Schulen immer wichtiger und immer mehr in die Verantwortung genommen, obwohl sie gar nicht leisten können, was Eltern zu leisten imstande sind und waren, wenn die Kinder den Großteil des Tages mit einem von ihnen verbringen.
      Kein Wunder, dass sich viele Eltern immer weniger für die Erziehung der Kinder zuständig fühlen und auf die Lehrer und Erzieher verweisen, zumal Bildungspolitiker gern das Blaue vom Himmel versprechen und so tun, als würden die Kinder von ihren Staatsbediensteten besser betreut und erzogen als von den Eltern.

  2. Bitte in der Überschrift „Freihe“ durch „Freiherr“ ersetzen.
    Herzlichen Dank dafür.

  3. Ist korrigiert – danke für den Hinweis. Die Redaktion

  4. hier handelt es sich offensichtlich nicht um den Urahn, sondern um den Urenkel, oder?

  5. Zitat: „Jedes zweite Unternehmen klagt laut einer DIHK-Umfrage über mangelnde Disziplin und Belastbarkeit sowie fehlende Leistungsbereitschaft und Motivation von Schulabgängern. Jedes dritte bemängelt die Umgangsformen der Lehrstellen-Bewerber.“

    Darüber klagen wir Lehrer auch! Leider kriegen wir oft Ärger, wenn wir dagegen etwas tun. 🙁

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*