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Angekündigte neue Richtlinien zur Sexualerziehung lassen auf sich warten – GEW: Spaenle kuscht vor „erzkonservativem und homophobem“ Protest

MÜNCHEN. „Unser aller Hartnäckigkeit beim Protestieren und Argumentieren trägt erste Früchte“ – meinen die Organisatoren der „Demo für alle“, eines Aktionsbündnisses, das bundesweit gegen liberalere Bildungspläne zur Sexualerziehung zu Felde zieht. Jetzt auch in Bayern. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) habe ihnen zugesagt, die angekündigten neuen Richtlinien vorerst nicht zu erlassen und sich zunächst mit ihrer Kritik daran „eingehend zu befassen“, so heißt es auf der Homepage der Initiative. Die GEW ist empört und fordert, „homophobe“ Forderungen nicht nachträglich in den längst fertigen Entwurf aufzunehmen.

Gruppenbild mit Minister und Ministerialen: Aktivisten der "Demo für alle", darunter Birgit Kelle (4. v. r.) und Hedwig von Beverfoerde (2. v. r.), mit Ludwig Spaenle (r.). Foto: Demo für alle / flickr (CC BY-SA 2.0)

Gruppenbild mit Minister und Ministerialen: Aktivisten der „Demo für alle“, darunter Birgit Kelle (4. v. r.) und Hedwig von Beverfoerde (2. v. r.), mit Ludwig Spaenle (r.). Foto: Demo für alle / flickr (CC BY-SA 2.0)

Bereits im letzten Schuljahr hätten die fertigen Richtlinien zur Familien- und Sexualerziehung in den bayerischen Schulen fertig auf dem Tisch gelegen, so heißt es bei der GEW in einer Pressemitteilung. Von den Fachverbänden seien sie weitgehend positiv bewertet werden. „Es fehlte im Februar 2016 laut Kultusminister Spaenle nur noch seine Unterschrift. Doch dann kam alles anders. Nach einem Treffen mit den erzkonservativen und homophoben Vertretern von ‚Demo für alle‘ stehen nun Änderungen ins Haus, die einer aufgeklärten Gesellschaft und pädagogischen Erkenntnissen zuwiderlaufen“, schreibt die GEW.

Bei einem kürzlich erfolgten Gespräch von Gewerkschaftsvertretern mit dem Kultusministerium sei klar geworden: „Spaenle gibt den rückwärtsgewandten Forderungen  von ‚Demo für alle‘ nach. Damit ignoriert er die Arbeit und das Wissen der eigenen pädagogischen Fachkräfte im Ministerium, ganz zu schweigen von den Fachleuten, die an den Stellungnahmen mitgewirkt hatten. Darüber hinaus widerspricht es dem demokratischen Vorgehen, zuerst Stellungnahmen der Fachverbände, u. a. der Bildungsgewerkschaft GEW, einzuholen und dann diese bei Protest von rechts zu ignorieren. Dass deren homophobe Argumente mit pädagogisch gesicherten Erkenntnissen nichts zu tun haben, setzt dem Ganzen die Krone auf“, so meint die Gewerkschaft in ihrer Erklärung.

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Tatsächlich scheint das bereits im September erfolgte Treffen von Spaenle mit den Organisatoren der „Demo für alle“ harmonischer verlaufen zu sein – auf ihrer Seite veröffentlicht die Initiative ein Foto der Delegation (der mit der katholischen Aktivistin Hedwig von Beverfoerde und der Journalistin Birgit Kelle die Anführerinnen  des Protests gegen Lehrplanänderungen zur Sexualerziehung auch in Baden-Württemberg und Hessen angehörten), mit einem lächelnden Minister.

„Insgesamt herrschte eine konstruktive Atmosphäre. Sehr engagiert haben wir eine Reihe kritischer Passagen im Richtlinienentwurf eingehend diskutiert. Am Schluß (alte Rechtschreibung im Original, d. Red.) haben wir Kultusminister Spaenle unsere konkreten Forderungen (…) überreicht“, so heißt es.

Zentraler Punkt: „Einer unserer grundlegenden Kritikpunkte richtet sich bereits gegen einen der Gründe, die das Ministerium für die Neufassung der Richtlinien genannt hatte, nämlich »die Themenkomplexe „sexuelle Orientierung“ und „sexuelle Identität“ angemessen« in den Unterricht zu »verankern«. Nach unserer Überzeugung ist es nicht Aufgabe der Schule, daß Schüler »ihre „geschlechtliche/sexuelle Identität“ sowie „sexuelle Orientierung“ finden und annehmen«. Ein solches Bildungsziel sehen wir von den gesetzlichen Grundlagen für die schulische Sexualerziehung nicht gedeckt. »Sexuelle Identität« ist zudem ein unwissenschaftlicher, nicht definierter Begriff. Wir fordern daher, auf diesen Themenkomplex in der Schule vollständig zu verzichten.“

Ministerium wiegelt ab

Hat die Kritik Spaenle veranlasst, die neuen Richtlinien zu stoppen? Sein Sprecher beschwichtigt laut einem Bericht des „Bayerischen Rundfunks“. Er sagt danach: „Zu den Richtlinien hat es verschiedene Gespräche gegeben mit verschiedenen Gruppen, mit ‚Demo für alle‘, aber auch die Kirchen waren im Gespräch mit dem Minister. Das ist ganz normal, wenn man Richtlinien entwickelt.“ Derzeit würden sie redaktionell bearbeitet. „Manchmal liegt im Detail mehr Arbeit, als man vermutet“, erklärt er.

GEW-Landeschef Anton Salzbrunn sieht dagegen andere Gründe, warum die Richtlinien nicht endlich herausgegeben werden. „Die CSU hat wohl bereits in den Wahlkampfmodus umgeschaltet. Offensichtlich will sie am rechten Rand Stimmen fischen“, so meint er. Agentur für Bildungsjournalismus

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2 Kommentare

  1. Dass die GEW Meinungsgegner als „erzkonservativ und homophob“ bezeichnet, bestätigt mich mal wieder in meiner negativen Meinung über diese Pseudo-Gewerkschaft.
    „Erziehung zur Toleranz“ behaupten und zugleich übelste Verleumdung aller Menschen betreiben, die der Sexualpädagogik der Vielfalt mit Kritik begegnen. Das passt nicht zusammen.

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