Startseite ::: Praxis ::: Bewerber rasseln durch Deutsch-Tests: BKA kann Stellen nicht besetzen – und gibt Schulsystem die Schuld

Bewerber rasseln durch Deutsch-Tests: BKA kann Stellen nicht besetzen – und gibt Schulsystem die Schuld

Weil Bewerber reihenweise den hauseigenen Deutschtest vermasselt haben, kann das Bundeskriminalamt (BKA) einem «Spiegel»-Bericht zufolge viele Stellen nicht besetzen. Eigentlich sollten 120 der in diesem Jahr neu geschaffenen 317 Stellen an Kommissarsanwärter vergeben werden, wie das Magazin unter Berufung auf den Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) berichtet. Doch nur 62 hätten ihre Ausbildung beim BKA angetreten.

Als Hauptgrund nannte der BDK-Vorsitzende André Schulz den Rechtschreibtest im Aufnahmeverfahren, an dem die meisten Bewerber trotz Abitur scheitern würden. «Die Hürden bei der Aufnahmeprüfung wurden schon in den vergangenen Jahren bei der Polizei in den Ländern und beim Bund gesenkt: sei es beim Mindestalter, bei der Mindestgröße oder beim Sporttest», sagte Schulz dem «Spiegel». «Wenn nun auch der Deutschtest reduziert oder gar abgeschafft wird, muss man sich schon fragen, was mit unserem Bildungssystem nicht in Ordnung ist.»

Die Mittelschule wurde weiträumig abgesperrt. (Symbolfoto). Foto: Matt Schley / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Die Anforderungen für angehenden Kriminalkommissare sind offenbar hoch. (Symbolfoto). Foto:
Matt Schley / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Eine Abschaffung scheint zwar nicht bevorzustehen, wohl aber eine Änderung im Testverfahren. Zwar teilte das Bundesinnenministerium dem Bericht zufolge auf Anfrage mit, es werde an den Sprachtests festhalten. Allerdings sollten die Anforderungen im nächsten Jahr «modernisiert» werden. dpa

19 Kommentare

  1. Die Grundlagen für die Rechtschreibung werden in der Grundschule gelegt.

    Was passiert dort bzw. was passiert dort nicht mehr?

    Warum wird trotz aller Reformen und Reformen, Differenzierungen, Individualisierungen und “Inkludierungen” alles immer nur schlechter und schlechter?

    Ist denn überhaupt irgendetwas besser geworden?

    • Eignungstest beim BKA:

      http://www.ausbildungspark.com/einstellungstest/polizei/

      Wow, das ist aber schwierig! lach.

      Wenn hier selbst Abiturienten stolpern, kann’s mit der “Bildung” tatsächlich nicht so weit her sein.

      • Das ist nur ein Test zum Vorbereiten. In wie weit er das Niveau trifft, wissen wir nicht.
        Außerdem ist das BKA eine andere Behörde, so weit ich weiß.

        • Kommissaranwärter ==> das bedeutet Vorbereitungsdienst für den gehobenen Staatsdienst. Der Anwärter muss also entweder während der Schulzeit oder während der polizeilichen Ausbildung (Polizeischüler) zumindest das Fachabitur erlangt haben.

          Bei den Länderpolizeien und der Bundespolizei – das BKA ist eine eigenenständige Behörde im Geschäftsbereich des BMI – gelten z.T. andere Voraussetzungen. Einige Bundesländer und der Bund stellen Kandidaten für den Polizeidienst als Beamte des mittleren Vollstreckungsdienstes (Polizeimeister) ein. Andere wie z.B. NRW stellen nur noch für den gehobenen Dienst (Kommissarlaufbahn) ein, während der Ausbildung absolvieren die Anwärter an den FHöV ein Bachelorstudium, das sie mit dem akademischen Grad BA abschließen.

          Um letztere Gruppe, die der Kommissaranwärter – geht es ebenfalls beim BKA. Leider gibt der Artikel nicht genügend grundlegende Daten. So wäre die Frage interessant, auf welchem Wege haben die Kandidaten, die nicht genügend Rechtschreibkenntnisse haben, ihr Abitur erlangt

          Dass 3 Wochenstunden Deutsch, wie sie in NRW Lehrplänen für weiterführende Schulen in der SekI festgesetzt worden sind, ggf. zu wenig ist, wird von Kollegien schon länger diskutiert. Englisch als erste Fremdsprche ist ebenfalls mit der gleichen Stundenzahl verankert.

          • Schön wäre eben auch zu wissen, wie hoch der Anteil der “Durchfaller beim Deutschtest” ist, die mit einer anderen Herkunftssprache als der Unterrichtssprache Deutsch aufgewachsen sind.

  2. “«Die Hürden bei der Aufnahmeprüfung wurden schon in den vergangenen Jahren bei der Polizei in den Ländern und beim Bund gesenkt: sei es beim Mindestalter, bei der Mindestgröße oder beim Sporttest», sagte Schulz dem «Spiegel». «Wenn nun auch der Deutschtest reduziert oder gar abgeschafft wird, muss man sich schon fragen, was mit unserem Bildungssystem nicht in Ordnung ist.»”

    Ob das Bildungssystem auch für die Mindestgröße herhalten muss?

  3. Die Aufnahmeprüfung zum BKA machen Abiturienten, weil sich ein Studium anschließt. Vielleicht sollten die Gymnasien wieder mehr für die Rechtschreibung tun, schließlich waren die Schüler vor dieser Aufnahmeprüfung mindestens 8 Jahre am Gymnasium.

    • Jeder weiß doch, woran es liegt: Das “Freie Schreiben” mit der Anlaut-Tabelle in der Grundschule hat das verbrochen. Wer einen 7-Jährigen mutwillig das Falsche zu lernen gibt, darf sich nicht wundern, dass das dann kaum noch aus den Köpfen zu kriegen ist. In dem Alter ist man am aufnahmefähigsten und was man dann aufnimmt hat “Ewigkeitscharakter”. Ich jedenfalls kann immer noch nach vielen Jahrzehten die Zeilen des “Herrn von Ribbek auf Ribbek im Havelland”.

      Die falsche Rechtschreibung wird auch nicht durch eigene Erfahrung beim Lesen von Büchern korrigiert, da nur noch What’s App-Nachrichten gelesen werden, die die falsche Rechtschreibung perpetuieren.

      Die ideologisierten Betonköpfe, die das freie Schreiben an Grundschulen durchgesetzt haben, sicher gegen den Widerstand der betroffenen Pädagogen sind “Muttersprachenmörder”

      • Heißt das, jeglicher Rechtschreibunterricht jenseits der 1. Klasse oder immerhin nach der Grundschulzeit ist überflüssig???? Zu meiner Schulzeit war das noch anders.

        • Sicher muss auch nach der ersten Klasse auf korrekte Rechtschreibung geachtet werden. Wenn die Schüler aber erst mal die flasche Rechtschreibung widerspruchsfrei internalisiert haben ist es unglaublich schwierig, das zu korrigieren.

          • Wie ist es denn mit Diktaten? Die muss man auch verbieten. Denn was die Kinder EINMAL falsch geschrieben haben, ist unglaublich schwierig zu korrigieren.

          • Ich habe mit Entsetzen gehört, dass Diktate auch nicht mehr geschrieben werden dürfen!
            Hamburg hat den Spuk allerdings ein Ende gemacht, und “freies Schreiben” untersagt.

            Was mich stört ist, dass die Schüler, die an einer Privatschule sind oder deren Eltern die Zeit/das Geld haben, korrigierend einzugreifen, eine im Ganzen funktionierende Rechtschreibung haben und dann nicht durch Einstellungstests fallen. Dadurch wird die Wohlsituiertheit erblich.

            Mit anderen Worten: “An der Rechtschreibung sollst du sie erkennen”, die nämlich, die geboren sind um bei McDoof zu bedienen

          • @ Michael: Es ist eher das Interesse, das die Eltern an der Bildung ihrer Kinder zeigen. Das kann von Helikopter bis sch***egal gehen, wobei der Helikopter bei vermögenden Eltern häufiger anzutreffen ist als bei armen Eltern, bei sch***egal ist es häufiger umgekehrt. Ob man das mit Privatschulen erklären kann, sei einmal dahingestellt.

      • @Michael
        Die ideologisierten Betonköpfe, die das freie Schreiben an Grundschulen durchgesetzt haben, sicher gegen den Widerstand der betroffenen Pädagogen sind „Muttersprachenmörder“

        Wenn ich nicht irre, entscheiden das die Lehrkräfte vor Ort. Vom Widerstand der Pädagogen oder hier besser Pädagoginnen habe ich noch niemals etwas gehört. Eher vom Gegenteil. Was nun?

        • Habe selbst eine Tante, die Grundschullehrerin und vehement gegen diese Anlaut-Pädagogik und das Schreiben “wie man es hört” war. Höre auch von Eltern immer nur, dass sie unter dieser Pädagogik leiden und krampfhaft versuchen, selbst ihren Kindern nach der Schule die richtige Rechtschreibung beizubringen.

      • Ach, wie gerne würde ich die BewerberInnen nun befragen … und bin mir sicher, dass vermutlich nur ein geringer Teil je mit der Anlauttabelle gearbeitet hat.
        So weit verbreitet, wie hier gerne dargestellt wird, ist das nämlich gar nicht.

        Aber wenn man genau diese eine Methode als einzige Ursache bestimmt hat, muss man sich um nichts anderes mehr kümmern.
        Deshalb kommen auch alle Kinder, die nicht mit der Anlauttabelle sondern überwiegend oder nur mit einem Fibellehrgang das Schreiben und Lesen erlernen, ohne Probleme auf das Gymnasium, erbringen ein makelloses Abitur und gehen ohne weiteres Zutun in den Beruf oder das Studium… “so wie es früher war”!

        • Ja, Palim, ich kenne nach langjähriger Zeit im Schuldienst auch nur sehr wenige LehrerInnen, die (nur) mit der Anlauttabelle arbeiten. Und wenn, sind sie schon pensioniert.

  4. Zitat: “Allerdings sollten die Anforderungen im nächsten Jahr «modernisiert» werden.”
    Es ist immer wieder herrlich zu lesen, was als “modern” und Modernisierung” bezeichnet wird.
    Und dann wundert man sich, wenn die positiven Begriffe mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, weil auch der Dümmste lernt, sie zu verstehen.

    @sofawolf
    Ihre Frage “Ist denn überhaupt irgendetwas besser geworden?” stelle ich mir auch immer mehr.
    Aber das sollten wir besser nicht laut sagen sagen, sonst kommt wieder die Abmahnung mit dem “Märchen von der guten alten Zeit”.
    Dabei ist die Historie voll von Beweisen für “die gute alte Zeit”, der schlechte und dunkle Epochen folgten.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*