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Der Chor der krähenden Babys: Ab wann ist musikalische Früherziehung sinnvoll? Eine Berliner Musiklehrerin sagt: Ab drei Monaten

BERLIN. Tanzende Eltern und Babys mit Rasseln. Die Musikkurse von Louise Watts sind für beide Seiten bestimmt. Es geht um Spaß und um den Zugang zur Musik.

Am Anfang geht es nicht darum, die richtigen Töne zu treffen. Foto: Pedro Klien / flickr (CC BY 2.0)

Am Anfang geht es nicht darum, die richtigen Töne zu treffen. Foto: Pedro Klien / flickr (CC BY 2.0)

Musikunterricht für Babys? Nein, es handelt sich um keine Schule für Wunderkinder, in der Einjährige Tonleitern auf und ab singen. In den Kursen von Louise Watts singen hauptsächlich die Eltern – und die Babys hopsen zum Takt. Musik, so ihr Wunsch, soll Teil des Lebens werden.

Im Donnerstagskurs im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg sitzen zwölf Mütter im Kreis, ihre Kleinen auf dem Schoß. Die Zielgruppe sind 10 bis 24 Monate alte Kinder. Eines hat noch seinen Schnuller im Mund. Mit großen Augen starren die Babys in die Runde, als die Mütter beginnen, zur Begrüßung «Say hallo» zu singen.

Rasseln, Schellen, farbige Tücher

Rasseln, Schellen und farbige Tücher gehören zu den Instrumenten von Louise Watts. Die 40-jährige Australierin stimmt die Lieder an: «I know a chicken» oder «The more we get together». Dass sie alle auf Englisch sind, stört niemanden. Zum einen sind die Kinder im Babykurs zu jung, um die Texte zu verstehen, zum anderen kommen die Mütter aus der ganzen Welt. Prenzlauer Berg eben. Der einzige Vater, der mitgekommen ist, wartet draußen.

Louise Watts kam 2008 zum ersten Mal für eine Sommerschule nach Berlin und verliebte sich in die Hauptstadt. Zwei Jahre später zog sie ganz von Sydney nach Deutschland. In Berlin begann die Musik- und Schauspiellehrerin vor zwei Jahren, Musikunterricht für Kinder zu organisieren – auf Englisch, aber offen für alle. «Wenn die Kinder so klein sind, geht es nicht um die Sprache, sondern um die Musik und die Bewegung», erzählt Watts. «Ich hoffe, dass die Kinder Musik ihr Leben lang lieben.»

Für die Mütter ist die musikalische Erziehung weniger wichtig, es geht um den Spaß. Irina stammt aus dem russischen Brjansk und wohnt erst seit Mai in Prenzlauer Berg. Seit September kommt sie regelmäßig zu den 45-minütigen Babykursen und ist mindestens genauso begeistert wie ihre 14-monatige Tochter. «Sophia liebt es, mit den anderen Kindern zu der Musik zu tanzen», sagt die 31-jährige Russin. Als die Musik beginnt, nimmt sie selbst die Rassel in die Hand und wippt zur Musik. Nach einigen Minuten zeigen auch die Babys erste Regungen, die kleine Sophia greift sich ein Rassel-Ei und wagt sich in die Mitte.

«Solche Angebote sind ja nicht nur für Kinder, sondern auch für die Eltern», erzählt Claudia Wanner vom Verband Deutscher Musikschulen. «Es geht darum, Musik in den Alltag zu integrieren, und dafür sind solche Kurse gut.» Aus dem Projekt «Musikalische Bildung von Anfang an» heraus erarbeite der Verband einen Bildungsplan für Kinder bis zehn Jahre. Den Eltern-Kind-Gruppen bis zu drei Jahren ist ein ganzes Kapitel gewidmet.

Watts bietet auch Kurse für die ganz Kleinen zwischen drei und zehn Monaten an. Die älteren Kinder können – dann schon etwas artikulierter – im Kinderchor mitsingen. Doch auch hier geht es weniger um die richtigen Töne als um Spiel und Spaß. Und wenn ein Kind dabei den Begriff «legato» mit nach Hause nimmt, umso besser.

Watts erzählt stolz, dass im Chor gerade die ersten Kinder mitgesungen haben, die früher schon bei den Babykursen mitgemacht hatten. So lange hat die Liebe zur Musik schon mal gehalten. Von Alexej Hock, dpa

Ein Kommentar

  1. Mindestens denselben Effekt haben auch Eltern, die ihren Kindern eine Trommel oder ein Holzxylophon kaufen, und anschließend mit dem Kind Musik machen oder sich auch einfach nur mit dem Kind beschäftigen. Billiger ist es auch.

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