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„Die Arbeit ist aus der Balance geraten“: GEW und VBE trommeln gemeinsam dafür, dass Grundschul-Lehrkräfte mehr Zeit bekommen. Und mehr Geld

DÜSSELDORF. Immer mehr offene Stellen, steigende Belastung, wachsender Frust – und sinkende Leistungen: Die Grundschule entwickelt sich spätestens seit dem TIMSS-Schock in der vergangenen Woche zum Problemkind des deutschen Schulsystems. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wollen die GEW und der VBE die Entwicklung nicht mehr hinnehmen – sie machen Druck auf die rot-grüne Landesregierung, mehr Mittel für die Primarstufe zur Verfügung zu stellen. Das Thema läuft heiß, denn im kommenden Mai sind Landtagswahlen.

Spätestens seit der TIMSS-Studie vergangene Woche sind die Probleme der Grundschule offenkundig. Foto: Jens-Olaf Walter / flickr (CC BY-NC 2.0)

Spätestens seit der TIMSS-Studie vergangene Woche sind die Probleme der Grundschule offenkundig. Foto: Jens-Olaf Walter / flickr (CC BY-NC 2.0)

Auf einer Anhörung im Landtag gaben die Lehrerverbände ihre Sorgen und Nöte hinsichtlich der Grundschule zu Protokoll. „Die Arbeit in den Grundschulen ist aus der Balance geraten“, so heißt es in einer Pressemitteilung des VBE. Es fehlten Lehrkräfte, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, sozialpädagogische Fachkräfte, und Lehrkräfte mit einer Qualifikation für Deutsch als Zweitsprache. Die Klassen seien zu groß. Laut einer Blitz- Umfrage von Mitte November werden in 60 Prozent der Grundschulklassen in Nordrhein-Westfalen 24 Kinder und mehr unterrichtet, rund 13 Prozent der Klassen umfassen 28 und mehr Kinder.

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In keiner Schulform fehlten mehr Schulleitungen. Um die Attraktivität des Amtes zu stärken, würden zwar künftig die Schulleitungen höher besoldet (das hatte die Landesregierung unlängst entschieden). Bedauerlich sei aber, dass die Stellvertretungen in ihrer bisherigen Besoldungsstufe verbleiben. „Mit Blick auf die vielen unbesetzten Stellen für stellvertretende Schulleitungen ein fatales Signal“, so schreibt der VBE. Es gebe zu wenig Zeit für Aufgaben neben dem Unterricht, wie etwa Elternberatungen, um Konzepte für das digitale Lernen zu erarbeiten oder die Gestaltung des Ganztags. Der VBE vergleicht: Eine Grundschule mit 200 Schülern erhält dafür zwei Anrechnungsstunden für das gesamte Kollegium. Ein Gymnasium mit 200 Schülern in der Sekundarstufe II erhält hingegen 19 Anrechnungsstunden.

„Das System muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden“, verlangt der Vorsitzende des VBE, Udo Beckmann. „Gerade Kinder im Grundschulalter benötigen eine zeitaufwendige Betreuung und Begleitung für einen gelingenden Einstieg in unser Bildungssystem und die Lehrkräfte dafür ausreichende zeitliche Ressourcen.“

Der VBE fordert:

  • Die Schaffung einer Vertretungsreserve für jede Grundschule.
  • Ein Schulleitungsteam aus Rektor und Konrektor für jede Grundschule, die beide deutlich besser besoldet werden als Lehrkräfte.
  • Eine Doppelbesetzung in allen inklusiven Klassen.
  • Mehr Ressourcen für qualitativ hochwertige Ganztagsangebote.
  • Drastische Absenkung der Klassengröße.
  • Die Anpassung der Unterrichtsverpflichtung an das Niveau der Schulen des längeren gemeinsamen Lernens, auch an Grundschulen.

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Die GEW schlägt in die gleiche Kerbe. Die Gewerkschaft erkennt in einer Pressemitteilung zwar „vielerlei Bemühungen der Landesregierung, die Lage der Grundschulen zu verbessern“ an – sieht aber trotzdem „mit Sorge, dass die Grundschulen unterfinanziert sind und NRW pro Grundschule deutlich weniger Geld für die personelle und sächliche Ausstattung investiert als andere Länder“.

„Wir vermissen konkrete Maßnahmen zur Behebung der Missstände in den Grundschulen. Lehrkräfte an Grundschulen brauchen vor allem mehr Zeit, um sich den vielfältigen Anforderungen stellen zu können, wie die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes. Dafür sind eine Absenkung der Pflichtstunden und eine Beschränkung der Klassengröße erforderlich“, erklärt GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer). Viele neue Aufgaben, wie Inklusion und Integration, seien hinzugekommen, ohne dass es genügend Unterstützung bei der Implementierung gegeben hätte. Die jüngsten TIMSS-Ergebnisse seien ein Beleg für die Belastungssituation.

Kritisch äußerte sich Schäfer zu der Initiative der oppositionellen CDU-Landtagsfraktion, da sie kurz griffe. In ihrem Antrag zum „Masterplan Grundschule“ würden die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte zu wenig in den Fokus genommen, auch fehlten konkrete Maßnahmen zur Behebung der Missstände. Zentrale Fragestellungen wie die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der schulischen Inklusion und eine angemessene Ausstattung der Schulen mit Sonderpädagogen würden unzureichend behandelt. Zudem vermisse die GEW ein Konzept gegen den derzeit grassierenden Lehrkräftemangel.

Schäfer monierte auch, dass die Empfehlungen der „Projektgruppe Schulleitungen“ mit der geplanten Erhöhung der Besoldung für alle Schulleiter nach A14 nur teilweise umgesetzt würden. Schäfer sagte: „Wir fordern mindestens A14 für die Schulleiterinnen und Schulleiter und A13Z für die Konrektorinnen und Konrektoren. Zudem müssen alle Schulen Konrektorenstellen erhalten. Unabdingbar sind mehr Leitungsstunden und mehr Entlastung durch täglich anwesende Schulsekretärinnen.“ Nach wie vor fehle es auch an attraktiven Bedingungen für Leitungsfunktionen in Teilzeit.

Schäfer bekräftigte die GEW-Forderung, alle Grundschullehrkräfte nach A13 zu besolden. Der verfassungswidrige Zustand ungleicher Besoldung bei gleich langer und gleichwertiger Ausbildung müsse endlich behoben werden. Agentur für Bildungsjournalismus

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Ein Kommentar

  1. Diesmal stimme ich zu!

    Da geht es endlich mal nicht nur ums Geld, wobei ich einer besseren Bezahlung der Stellvertreter auch voll zustimme. Daneben sind wesentliche andere Dinge erfasst, die tatsächlich Entlastung bringen!

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