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Gleiches Geld für gleiche Arbeit? Fachlehrer für Hauptschule müssen Realschullehrer werden können

KOBLENZ. Nach Auflösung der Hauptschulen in Rheinland-Pfalz arbeiten rund 50 dort tätige Fachlehrer an den Realschulen plus. Die Prüfung zur Lehramtsbefähigung für die Realschule plus konnten sie bislang nicht ablegen. Das muss sich ändern, urteilte nun das Verwaltungsgericht Koblenz. Doch das Bildungsministerium lehnt Erleichterung für die Fachlehrer nach wie vor ab.

Fachlehrer für Grund- und Hauptschulen in Rheinland-Pfalz müssen die Möglichkeit bekommen, Realschullehrer werden zu können. Das hat das Verwaltungsgericht Koblenz entschieden, wie die Gerichts-Pressestelle am Donnerstag mitteilte. Wird das Urteil rechtskräftig, muss die Landesregierung für die rund 50 Betroffenen eine neue Regelung schaffen.

Eine mehrmonatige Hausarbeit, könne der Klägerin nicht zugemutet werden, urteilte das Koblenzer Verwaltungsgericht. Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Eine mehrmonatige Hausarbeit, könne der Klägerin nicht zugemutet werden, urteilte das Koblenzer Verwaltungsgericht. Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Geklagt hatte eine Lehrerin, die nicht an einer Universität, sondern an einer Fachhochschule ausgebildet wurde. Als vor einigen Jahren die Hauptschulen abgeschafft und die Realschulen plus eingeführt wurden, unterrichtete sie dort. Anders als ihre Kollegen, die an der Universität studierten, darf sie aber nicht die Prüfung machen, mit der sie die Lehramtsbefähigung für Realschulen plus – und damit eine höhere Besoldung als die von Realschullehrern – erreicht hätte.

Die Koblenzer Richter erklärten, dass die Frau diese Prüfung nach gültiger Rechtslage nicht ablegen kann. Aber auch eine andere Prüfung ginge nicht – denn diese beinhalte eine mehrmonatige Hausarbeit, die der Frau nicht zugemutet werden könne. Also müsse das Bildungsministerium eine neue Regelung finden. Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) erklärte, die Lehrer unterrichteten seit Jahren an Realschulen, also sollten sie auch wie ihre Kollegen bezahlt werden.

Das Bildungsministerium erklärte, es halte die derzeitige Regelung für angemessen. Erleichterungen könne es für die Fachlehrer – die zum Teil kein Abitur haben – nicht geben. Das Ministerium überlege, Rechtsmittel einzulegen, teilte eine Sprecherin mit. (dpa)

34 Kommentare

  1. Wieso kann der Lehrerin eine mehrmonatige Hausarbeit nicht zugemutet werden? Wenn in Hessen ein Haupt- und Realschullehrer z. B. zum Gmynasiallehrer aufstocken möchte, so muss er zunächst noch einmal das 1. Staatsexamen für das Gymnasiale Lehramt erwerben, also erneut an der Uni studieren. Anschließend „darf“ der Bewerber dann nochmals ein Referendariat absolvieren (bei Referendarsbesoldung!) – besitzt dann insgesamt 4 Staatsexamina. Danach findet sich der Bewerber dann auf der Rangliste wieder, ist also immer noch nicht durch.
    In Rheinland-Pfalz wird wenigstens auf das ereute Referendariat verzichtet (auch in NRW) nach §23 Schullaufbahnverordnung, was im Gegensatz zu Hessen eine erhebliche Entlastung darstellt.
    Wenn ich nun lese, dass die Koblenzer Richter eine mehrmonatige Hausarbeit als unzumutbar ansehen bzw. die Lehrerin das ablehnt, dann wundere ich mich schon.
    Ich habe in Hessen als H+R-Lehrer das 3. Staatsexamen (für GYM) nachgeholt – war also wieder an meiner alten Uni als Student (obwohl ich längst Beamter auf Lebenzeit bin) und bin froh, dass RLP das genügt (die hessischen Verhältnise erspare ich mir lieber), wenngleich es momentan auch dort schwierig ist im Ranglistenverfahren. Mit Bewerbernote 1,09 (Englisch und Deutsch) habe ich 4 Jahre lang keine Stelle bekommen bisher…
    Also, liebe Kollegin: Hausarbeit machen und dann ist es doch gut.

    • der unterschied ist hier, dass keine änderung des Arbeitsplatzes vorgesehen ist und der arbeitnehmer vom land aus zu einer realschule geschickt wurde. also formale juristerei.

      • Nein, es geht eben nicht um Juristerei, es geht um Haushaltseinsparungen. Wäre es anders, gäbe es die Entgeltordnung für Lehrkräfte schon seit zwei Jahren. Diese haben aber die Verbände des dbb bei den Tarifverhandlungen mit der TdL verhindert.

        • Es ist meiner Meinung nach doch Juristerei. Nämlich die Frage, ob eine verbeamtete Lehrkraft, die gezwungermaßen die Schulform wechseln musste, auch gemäß dieser Schulform bezahlt werden darf/soll/muss (oder auch nicht). Die Initiative ging vom Arbeitgeber und nicht vom Arbeitnehmer aus. Die Motive des Arbeitgebers (Schulformauflösung aufgrund von Haushaltseinsparungen) spielen da aus meiner Sicht eine nur untergeordnete Rolle. Durch die nicht zumutbare Hausarbeit wird das nur bestätigt.

          • Das ist anders, sonst würde es bei den Tarifbeschäftigten nicht den Tatbestand des Nichterfüllers geben, die in einer eigenen Entgeltstufe feststecken.

            In RLP gibt es das Lehramt für GS und HS. Bei einem Bundeslandwechsel nach NRW würde der Abschluss für das Lehramt GHR anerkannt. Die lehrkraft in RLP kann ja nichts dafür, dass es keine HS mehr gibt. DAs war ein politischer Beschluss.

    • Da sie ggf. Vollzeit berufstätig ist. Arbeitet sie Teilzeit, hat sie Gründe. Zusätzlich zur vertraglich vereinbarten Arbeitszeit, darf ihr der Arbeitgeber keine zusätzlichen Stunden aufbürden – außer er entlastet sie. Dafür hat er aber keine Ressourcen eingeplant.

      Ihr Fall ist nicht vergleichbar, Sie haben nebenbei auf Lehramt BK/GY studiert – Ihre Entscheidung, um in den höheren Dienst zu gelangen.
      Der Fall aus RLP ist anders gelagert, da wird der Besoldungsstufenaufstieg formal verweigert, obwohl die betreffende Person die entsprechenden Aufgaben der nächst höheren Besodungsgruppe innerhalb des gehobenen Dienstes längst wahrnimmt.

  2. Die Lösung ist meiner Meinung nach, dass künftig nur noch zwischen a) Lehrer an Grundschulen und b) Lehrer an weiterführenden Schulen unterschieden wird (in der Ausbildung). Letztere sollten dann an jeder weiterführenden Schulart einsetzbar sein.

    Man könnte natürlich auch nur noch „Lehrer“ ausbilden, die dann alle überall einsetzbar sind. Das favorisiere ich momentan nicht, weil ich eben doch deutliche pädagogische, inhaltliche u.a. Unterschiede zwischen (a) und (b) sehe.

    • Ich bin sogar der Meinung, für den Zugang zum Lehramt an Grundschulen sollte wieder wie früher kein Studium nötig sein (wie es zumindest im Osten war). Das öffnet diesen Beruf wieder für mehr Schulabgänger und gegenwärtig stellen wir ja gerade fest, die Ausbildung früher (ohne Studium) war auch nicht schlechter. Die Lernergebnisse der Schüler sogar besser.

      • Die Lehrer aus meiner Grundschulzeit haben alle studiert, und sie waren sehr gut ausgebildet.Sie mussten sich ihre Arbeitsmaterialien selbst erstellen.Sie waren umfassend in Linguistik, der Rechtschreibung und Der Didaktik geschult. Es wurde während des Studiums Praktika in den Schulen abgehalten.Und da müssen wir wieder hinkommen. Die Ausbildung der Lehrer muss wieder auf einen hohen Stand gebracht werden. Den Beruf des Lehrers zu einem reinen Ausbildungsberuf verkommen zu lassen geht überhaupt nicht!
        Ohne Linguistische Schulung läuft gar nichts. Und ich bin froh, dass es noch Lehrer mit einem Staatsexamen gibt, damit diese entsprechend ihrem Können und ihren Fähigkeiten entsprechend entlohnt werden. Was auch gar nicht geht, ist diesen Kettenverträge mit einer Arbeitslosigkeit in den Sommerferien anzubieten.Das hatten wir auch im AIP(Arzt im Praktikum), und wir sind dann nach, Skandinavien, die Niederlande und nach England gegangen.

      • @ sofawolf
        Ein Blick in die COAKTIV-Studie bzw. in die TEDS-M-Studie sagt aber etwas ganz anderes.

        Zitate aus der COAKTIV-Studie:
        „Der jeweilige Wissensstand der Lehrerinnen und Lehrer hängt dabei deutlich mit der Art der Lehramtsausbildung zusammen, nicht jedoch mit der Dauer der Berufserfahrung.“

        „Dabei wirkt sich das fachdidaktische Wissen positiv auf das Ausmaß der kognitiven Aktivierung und die individuelle Unterstützung der Schüler im Unterricht aus, jedoch nicht auf die Effizienz der Klassenführung. Hierbei kann das Fachwissen der Lehrkraft als Bedingung für das fachdidaktische Wissen verstanden werden.“

        Ein Link zu einem Bericht über die TEDS-M-Studie:
        http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/paedagogen-pisa-wehe-wenn-der-mathelehrer-rechnen-muss-a-689146.html

        • Ja – und welche aktiven Lehrkräfte sind denn noch an PHs ausgebildet worden?
          Tatsache ist, dass die in der Jetztzeit angehende Lehrkräfte universitäre Studiengänge absolviert haben. Die Inhalte im Referendariat und in der Anwärterzeit sind deckungsgleich.
          Lehrkräfte an GY unterrichten durchschnittlich auch nur ein Drittel ihrer Unterrichtsverpflichtung in der Oberstufe. Lehrkräftze an Beruflichen Schulen unterrichten zwar grundsätzlich in der Sekundarstufe II, aber sie stehen auch nicht ausschließlich vor Schülern der höheren Berufsfachklassen oder des beruflichen GY bzw. der GOSt eines BK.
          Die Frage jenseits der zitierten Studie ist doch, ob der Mathematik-Unterricht fachfremd erteilt wird oder nicht. Mittlerweile ist es doch Usus, dass selbst an Schulen, die nicht dem Klassenlehrerprinzip unterworfen sind, Unterricht in der Sekundarstufe I vielfach fachfremd erteilt wird, um den Vorgaben zu entsprechen.

          • In der TEDS-M-Studie ging es um Lehrer an verschiedenen Schularten. Und dort haben sich gewissen Unterschiede herauskristallisiert.

            Zitat:
            „Mathelehrer an deutschen Gymnasien sind Weltspitze – aber sonst sieht es manchmal ziemlich dunkel aus, zeigt eine Vergleichsstudie aus 17 Ländern. Einige können nicht mal die Aufgaben lösen, die sie ihren Schülern stellen.“

          • Ja und? – An GeS unterrichten in der SekI Mathematik-Lehrkräfte des gehobenen und höheren Dienstes neben einander ohne dass die SuS die Ergebnisse der Studie bemerken würden.

            Aber auf die Anmerkung, dass nicht jede Lehrkraft, die Mathematik-Unterricht – vor allem in der Primarstufe – erteilt, auch Fakultas für das Fach Mathematik hat, gehen Sie natürlich nicht ein.

          • Warum sollte ich. Es geht ja in dieser Studie um „gelernte“ Mathematiklehrer, nicht um diejenigen, die fachfremd unterrichten (außer in der Grundschule, aber dies ist in der Studie ja extra vermerkt).
            Außerdem habe ich auf sofawolf geantwortet, der schrieb:

            „Ich bin sogar der Meinung, für den Zugang zum Lehramt an Grundschulen sollte wieder wie früher kein Studium nötig sein“

            worauf ich antwortete, dass diverse Studien das Gegenteil zeigten, nämlich dass Fachwissen nötig ist. Je mehr desto besser für die Schüler.

          • … wobei aber wiederum eine Studie, die besagt, dass nämlich Fachwissen nötig ist, @GriasDi, damit alleine noch lange nicht ausgesagt hat, dass dieses Fachwissen nur an einer Hochschule und nicht an einer Fachschule (Pädagogisches Fachseminar in BaWü bzw. Institute für Lehrerbildung in der DDR) erworben werden KANN?

            Insofern entdecke ich in der Studie noch kein trifftiges Argument gegen eine Fachschulausbildung der Grundschullehrer wie früher üblich.

            Hat sich denn der Grundschulunterricht so sehr verbessert, seit die GS-Lehrer an Hochschulen studieren? Sie gehören doch zu jenen, die das immer eher bezweifeln. Und wenn Sie nun einwerfen, es gehe ja um die neuen Methoden des Unterrichtens, ja, so ist das doch auch nur ein neues Argument dafür, dass es nicht auf die „äußere Form“ (Hochschule vs. Fachschule) ankommt, sondern auf die konkreten Inhalte der Ausbildung. Mein Reden!

          • Warum neue Strukturen schaffen, wenn man alte (die Uni) nutzen könnte?

          • @ Sie wechseln aber überraschend schnell die Perspektive. 🙂 Sagten Sie nicht eben noch, dass sei nicht anzuraten, weil laut irgendeiner Studie die Ausbildung Basis des Lehrererfolgs ist?

            Nun stimmte ich Ihnen darin sogar zu, wenn auch mit ganz anderer Schlussfolgerung. Nun fragen Sie, warum Bestehendes ändern, wobei das Bestehende ja selbst eine Änderung des „zuvor Bestanden-Habenden“ darstellt.

            Ich sagte eingangs, WARUM ich das befürworte. Wieso muss ich das jetzt wieder heraussuchen und ständig das Gleiche schreiben? Sie haben keine Lust zum Suchen? Ok. Ich aber auch nicht. Es steht da irgendwo am Anfang meiner Äußerungen zu diesem Thema. 😉

          • In vielen Bundesländern gibt es kein eigenständiges Lehramtsstudium für die Primarstufe mehr. Wie der Fall in RLP zeigt ist das lehramt GS/HS, das ja eine Fortschreibung des alten Volksschullehrers ist, ein Auslaufmodell.
            Da der Staat seine verbeamteten Lehrkräfte alimentiert und nicht entlassen kann, wenn ihre Qualifikation nicht ausreichend ist, muss er sie fortbilden bzw. die Strukturen anpassen. In den meisten Bundesländern ist das dahin gehen passiert, dass es nur noch die Lehrämter für GY/BK und für die SekI und Primarstufe gibt. Lehramt Primarstufe bildet einen Schwerpunkt in der Lehrkräfteausbildung dar.

            Das alles ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Aufteilung in gehobenen und höheren Dienst einen Anachronismus darstellt, der einen deutschen Sonderweg innerhalb der EU abbildet. Da es keine Fachhochschulen mehr gibt sondern infolge des Bologna-Prozesses nur die akademischen Grade Bachelor und Master von jeder Hochschule sowie der Doktor-Grad von bestimmten Hochschulen – solchen mit Promotionsrecht – vergeben werden kann, ist der Streit bei den Lehrkräften über die Einstufung ein Widerspruch im Verwaltungshandeln. Die Gleichheit des Verwaltungshandels wird bezüglich der Lehrerbesoldung außer Kraft gesetzt. Für alle anderen Verwaltungsbereiche des öffentlichen Dienstes gilt als Eingangskriterium für die Aufnahme in den Anwärterdienst ein erfolgreich absolviertes Bachelor-Studium, das es im Bereich der Lehrämter aber nicht gibt.
            Es bedarf also einer Musterklage, die von einer Lehrkraft des gehobenen Dienstes, die entsprechend der neuen Prüfungsordnung für Lehrer ausgebildet worden ist, anzustrengen ist.

          • Warum wechsle ich die Perspektive, wenn ich sage, dass ein Lehramtsstudium dort verbleiben soll, wo es ist – nämlich an der Uni. Es müssen halt die Inhalte angepasst werden. Und zwar in die Richtung, wie es die TEDS-M-Studie vorgibt.

  3. @ Axel,

    nun, da sind Sie einfach durch das geprägt, was Sie kennen. 🙂 Im Osten (DDR) mussten die Unterstufenlehrer nicht studieren. Sie machten ihre Ausbildung an den Instituten für Lehrerbildung. Warum soll das per se eine schlechtere Ausbildung sein? Warum glauben Sie, dass es außerhalb der Uni keine umfassende Ausbildung in Linguistik, Didaktik, Rechtschreibung, Didaktik und keine Praktikas geben kann / würde???

    https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f%C3%BCr_Lehrerbildung

    Übrigens können Sie in dem Artikel lesen, dass es das auch im Westen (Alt-BRD) gab und heute noch in BaWü gibt.

    Wer eine im Schnitt 5-jährige Lehrerausbildung an einer Universität gemacht hat (1. Staatsexamen) bestätigt oft, dass man das Meiste davon nicht braucht und man sich vieles erst wirklich aneignet, wenn man bereits als Lehrer arbeitet (Lernen durch Erfahrung). Deshalb könnte meiner Meinung nach die universitäre Phase radikal gekürzt werden. Sie sprechen da echt als Außenstehender. Die Forderung nach Praktika während des Studiums ist ebenfalls ein alter Hut. Da hat sich einiges getan, dennoch wird sie ständig neu erhoben. Aber Haupt-Praktikum ist nunmal das im Schnitt 2-jährige Referendariat (2. Staatsexamen).

    • Ich kenne zwei Grundschullehrer aus derr Zeit von 1962 bis 1996.Es sind beides nahe Verwandte. Eine studierte in Duisburg bei Prof. Krämer, die andere in Essen-Kettwig. Die Ausbildung war sehr praxisorientiert, es flossen viele fundierte Erkenntnisse in die Didaktik ein.Muss ein Grundschullehrer denn wirklich die Integral- und Differentialrechnung beherrschen. Ich meine nein.Er muss in der Lage sein sich in die einzelnen Schüler und ihre Probleme hineinversetzen können um ihnen das Lernen zu erleichtern. Dazu gehört aber auch eine fachdidaktische Ausbildung , die die Schüler nicht mit einer totalen Selbstständigkeit überfordert.
      Kinder brauchen nach der Erfahrung dieser beiden Lehrer in den ersten zwei Schuljahren sehr viel Unterstützung und Anleitung mit vielen Einübungen, seien es Wortdiktate, eigene Texte,analoge Wörter, sowie strukturierte Schreibhilfen.Natürlich muss das phonologische Bewusstsein gefördert werden. Die Schüler sind heute viel heterogener und da gibt es dann auch keine Patentrezepte. Aber Lesen durch schreiben geht gar nicht bei Migranten, Kindern mit ADS/ADHS, Legastenie( ca.5 %),hörbedingte in der Sprachentwicklung verzögerte Kinder ,Kindern mit umgangssprachlichem Akzent oder Dialekt gefärbter Sprache, und vielen anderen Schülergruppen. Und gilt das das ABC nicht die Laute der deutschen Sprache abbildet.

      • Es gibt in NRW nur noch zwei Sorten Lehrkräfte. Die einen für den höheren, die anderen für den gehobenen Dienst. Bei letzterer Gruppe gibt es die mit dem Schwerpunkt Primarstufe. Grundsätzlich dürfen die Lehrkräfte für Primarstufe aber auch an allen anderen Schulformen außer dem GY bis Klasse 10 unterrichten.

      • @ Axel,

        schön und gut, aber das ist ja keinerlei Antwort auf die Frage, wieso Grundschullehrer unbedingt Abitur und eine universitäre Ausbildung brauchen (Ihrer Meinung nach). Eher sprechen Ihre Ausführungen dafür, dass es auch ohne Hochschulabschluss geht.

        Na gut, ich will mich zurückziehen. Ich mag nicht, wenn sich Diskussionen so in die Länge ziehen und man vom Hundersten ins Tausendste kommt. 😀

        Frohe Weihnachten!

        • Ich fand u.a. einen Hinweis auf den Seiten von Prof. Thomé interessant, der besagt, dass viele Lehrkräfte viel zu wenig Sprachwissenschaften studieren würden. DAS finde ich seit Jahren beim Vergleich meiner Studieninhalte mit denen anderer Lehrkräfte bzw. mit den Möglichkeiten, die es damals gab. Es war eher Zufall, dass ich so viel Sprachwissenschaften gewählt habe, aber mir ist seit Jahren klar, das mir dies für den Erstunterricht wie auch die Beschulung bei Lernstörungen sehr dienlich ist.

          Sicherlich kann man manche Inhalte streichen. Etliches sollte man aber gerade verpflichtend in ein Studium aufnehmen, damit die Lehrkräfte in jedem Fall grundlegende Kenntnisse erlangen und für ein Lehramt mit vielen Fächern gerüstet sind, das es auch in Zukunft geben wird. Auch die für den Erstunterricht notwendigen Kenntnisse sollten nicht unterschätzt werden, sondern herausgehoben.

          Gleiches gilt für alle Inhalte, die die von Axel von Lintig bereits in Teilen benannten Lernschwierigkeiten oder Störungen beinhalten. Einige davon begegnen jeder Lehrkraft (Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Lernschwierigkeiten, sozial-emotionale Auffälligkeiten), andere könnte man womöglich als Spezialisierungen anbieten (Förderschulbereiche, die in die Inklusion gehen), sodass in den Schulen mehr Lehrkräfte mit Zugang und Kentnissen dahingehend vertreten sind.

          Ferner denke ich, dass es einem gelegentlich so vorkommt, als hätte man im Studium einige Inhalte nicht gebraucht, dennoch tragen viele zur Persönlichkeitsbildung bei und manches erschließt sich womöglich erst nach mehreren Dienstjahren oder -jahrzehnten.

    • @sofawolf: Ich hätte viel zu sagen, aber es ist ja Weihnachten. Nur eins muss ich richtig stellen, bevor ich platze:
      Auch in Baden-Württemberg studieren Grundschullehrer, und zwar an der Pädagogischen Hochschule (PH). Bis zu diesem Jahr hieß das Studium „Lehramt an Grund-und Hauptschulen“. Durch das Aufkommen der Gemeinschaftsschulen ist es jetzt aber wie in anderen Bundesländern getrennt und man studiert Lehramt an Grundschulen oder für die SEK I.

      • Nicht auch sondern ausschließlich. BaWü ist das einzige Bundesland, das PHs unterhält. In allen anderen Bundesländern werden die Lehramtsstudenten in Uni-/Hochschul-Studiengängen unterrichtet. In einigen Bundesländern – so z.B. in NRW – sind diese Hochschulstudiengänge für alle Lehrämter zwischenzeitlich bezüglich der Regelstudienzeit auf einen einheitlichen Wert angeglichen worden.

  4. @ missisippi, dann ist es bei Wikipedia falsch dargestellt oder ich habe da was falsch verstanden oder wir reden aneinander vorbei.

    Zitat: „Institute für Lehrerbildung (IfL) waren Fachschulen in der DDR, an denen Unterstufenlehrer (Klassen 1 bis 4 der damaligen POS) sowie Heimerzieher und Pionierleiter ausgebildet wurden. Sie waren mit den in der BRD zur gleichen Zeit gegründeten (heute nur noch in Baden-Württemberg existenten) Pädagogischen Fachseminaren vergleichbar.“ (Wikipedia)

    Ist jetzt aber auch nicht mein Punkt, wie es derzeit in BaWü ist. Mein Punkt ist, dass man für den Grundschullehrerberuf meiner Meinung nach keine Hochschulausbildung braucht / brauchen sollte (!), was Sie womöglich wieder als Geringschätzung verstehen werden, was ich aber ganz anders meinte. Nur dazu müssen Sie sich schon die Mühe machen, auch meine vorherigen Beiträge dazu zu lesen. Wer es als Geringschätzung versteht (vielleicht missverstehe ich Ihr „Platzen“ auch), der schätzt selbst all die Kollegen gering, die ohne Hochschulstudium Lehrer geworden sind (Unterstufenlehrer / Grundschullehrer). Ich tue das nicht. Ich kenne nicht wenige Privatschulen im Osten Deutschlands, die nehmen mit Kusshand in der DDR ausgebildete Unterstufenlehrer, während sich der öffentliche Dienst heute damit schwertut, weil die eben nicht studiert haben.

  5. @sofawolf
    In der Diskussion stehe ich ganz auf Ihrer Seite. Mein Studium habe ich hervorragend abgeschlossen, habe für den Unterricht in der Grundschule aber das Wenigste brauchen können. Was mich zur Lehrerin gemacht hat war erst die Schulpraxis.
    Über die Zeit des Referendariats kann ich auch nur sagen, dass mir die Seminare und Seminarleiterinnen am wenigsten brachten im Gegensatz zu meinen Mentorinnen. Was diese mir durch gegenseitige Hospitationen an Methodik und praktischen Tipps mitgegeben hat, war wirklich wertvoll.
    In den Seminaren habe ich dagegen gelernt, wie arbeitsaufwändige, vielseitige Unterrichtsvorbereitungen angefertigt werden, wie Vorführstunden mit pervers hohem Materialaufwand geplant und durchgeführt werden, wie man sich tage- und wochenlang auf nur eine Unterrichtstunde vorbereitet, die vor allem Show ist für gute Noten und wie man sich in den anschließenden Nachbesprechungen mit den verschiedenen Seminarleitern/Seminarleiterinnen psychologisch geschickt verhält, welche Art von Selbstkritik und Fachchinesisch gern gehört wird, was man sich deswegen schon mal im Voraus vornehmen kann, usw.

    Das Wenigste aus meinem Studium und auch nur wenig aus den späteren Seminaren habe ich für die Schulpraxis brauchen können. Umso mehr habe ich dafür durch Kolleginnen gelernt, den erfahrenen Mentorinnen, und nicht zuletzt durch learning by doing.
    Mein Studium habe ich vor allem dafür gebraucht, um später sagen zu können, ich hätte studiert. Für den Beruf brachte es wenig und kostete dafür reichlich viel Zeit und Geld.

    • Nur ist das in anderen Berufsfeldern nicht anders. Nach meinem ingenieurwissenschaftlichen Studium und einem Referendariat bei einer Landesoberbehörde, habe ich auch die notwendige berufliche Praxis in den ersten drei Berufsjahren in einem Ing-Büro erworben.
      Nach dem Seiteneinstieg war es trotz Vorbereitungsdienst für lehramt GHR(HRGe) im schulischen Alltag nicht anders. Nur trifft dieser Praxisschock Lehrkräfte des gehobenen und höheren Dienstes sowohl im Tarifbeschäftigten- als auch im Beamtenverhältnis unabhängig von der Schulform, in der sie eingesetzt werden.

    • Schade. Ich habe meine Lieblingsfächer gewählt. So habe ich mit meinem Hauptfach Deutsch fast ein Germanistikstudium, na ja damals Magister. Aber ich habe es geliebt. Und der Berliner Prof. für Mittelhochdeutsch war einfach toll. Ich habe viel zu viele mittelhochdeutsche Seminare belegt, aber es hat mir Spaß gemacht. Als ich mit meinen Viertklässlern das Thema Mittelalter hatte, haben wir mittelhochdeutsche Gedichte gelesen. Ich hoffe, meine Schüler waren so begeistert wie ich. Natürlich braucht niemand alle Inhalte, die er studiert hat, aber es ist doch auch für einen selber, prägt die Persönlichkeit und bereichert das Leben. Im Referendariat habe ich sehr viel mitgenommen für die Praxis. In Bayern dauerte das ja auch 2 Jahre und die Seminartage waren 2mal pro Woche. Vielleicht ist auch vieles eine Bundeslandsache.

  6. @ Laura,

    danke und Zustimmung.

  7. PS: Die „Baumstruktur“ der Diskussion nervt, finde ich. Ich verliere langsam den Überblick. Können wir nicht alle am Ende einen neuen Beitrag schreiben?

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