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Hühner statt Handys: Wie eine Grundschule in Thüringen staunenden Kindern Natur und Landwirtschaft nahebringt

WEINBERGEN. Die Grundschüler im Thüringer Weinbergen wohnen zwar fast alle auf dem Dorf. Sie kannten bis vor kurzem Hühner, Tauben, Gänse und Enten aber nicht besser als die meisten Stadtkinder. Wie hat sich das geändert?

Wieso ist ein Hahn ein Bigamist? Foto: wattpublishing / flickr (CC BY 2.0)

Wieso ist ein Hahn ein Bigamist? Foto:
wattpublishing / flickr (CC BY 2.0)

«Wie wird aus dem Ei eine Henne?», «Warum hat der Hahn drei, vier Hennen?» – Für zehn Mädchen und Jungen der Thepra-Grundschule Weinbergen im Unstrut-Hainich-Kreis ist das Federvieh längst kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Seit mehr als einem Jahr machen die Sieben- bis Zehnjährigen bei den «Gefiederten Freunden» mit. Dass es die Arbeitsgemeinschaft (AG) überhaupt gibt, darauf ist Schulleiterin Elke Gerner sehr stolz.

«Das passt zu uns als Umweltschule und Schule im ländlichen Bereich», sagt sie. «Für so ein spezielles Angebot braucht man Fachleute», ergänzt sie. Die habe man im Rasselgeflügelzuchtverein Bollstedt gefunden, dessen Mitglied Ulrich Krüger die AG leitet. Gemeinsam mit Annette Michel, deren Sohn in die Thepra-Grundschule geht, kümmert er sich um die «Gefiederten Freunde». «Das Angebote ist einmalig in Thüringen», sagt Thomas Stötzer, Vorsitzender des Thüringer Landesverbandes für Rasselgeflügelzucht.

Das klappt nur, wenn Eltern und Verein mitmachen. «Uns fehlt der Nachwuchs», sagt Stötzer. Derzeit seien nur 600 der 7100 Mitglieder Jugendliche. Dabei sei das Interesse an Küken und Zwerghühner bei Kindern sehr groß. «Wenn die Eltern ihnen keine Tiere erlauben, wachsen die Kinder aber ohne auf», erklärt Stötzer.

«Unsere Nachbarn haben Hühner», erzählt Leonid aus der AG. Er taucht in jeder Schulwoche in die gefiederte Welt ein. Luca, Finn, Elise, Janine, Leonid, Max, Philipp und die anderen erfahren auf diese Weise mehr über Täuber, Ganter, Gössel oder Erpel.

Zwergstupphühner und Co

«Am besten kennen sie sich aber mit Gelben Zwergstupphühnern aus», sagt AG-Chef Ulrich Krüger. «Diese haben wir ausgewählt, weil es eine ausgefallene und seltene Rasse mit einem besonderen Federkleid ist.» An der Schule war es keine Problem, Mitstreiter zu finden. «Ich mag Tiere», sagt beispielsweise Finn. «Mir hat der Name der AG gefallen, und ich wollte mehr über Hühner erfahren», meint Luca. Auch Max wollte mehr über Tiere wissen. «Ich habe vorher noch nie ein Huhn angefasst», sagt Monique. Und Maximilian erzählt: «Ich habe keine Hühner, nur meine Oma hat welche.»

Nach 40 AG-Stunden sind die Grundschüler schon kleine Experten, die sich einmal pro Woche zum Fachsimpeln treffen. Erster Höhepunkt war die Kreisjugendschau vor einem Jahr. Damals haben sie sich mit einer eigenen Voliere präsentiert und sogar einen Preis erhalten. Schnell hatten die «Gefiederten Freunde» ihre Eltern und Großeltern mit ihrer neuen Leidenschaft angesteckt. Zwei Kinder haben sich sogar ein eigenes Huhn gekauft. «Allerdings haben die lange Zeit kein Ei gelegt», berichtet Philipp.

In der Arbeitsgemeinschaft wurde sich zunächst an das Thema herangetastet. Mit Eierkochen- und -braten, Malen und Basteln. Unvergessen bleibt der Besuch einer Rassegeflügelausstellung. Die Kinder durften bei den Vorbereitungen helfen und füllten Käfige mit Futter und Einstreu. Im Nachbarort Bollstedt stehen eigene Volieren. Darin wurden die ersten Gelben Zwergstupphühner groß – und legten natürlich viele Eier. Von Claudia Götze, dpa

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