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Salafisten sind die am stärksten wachsende extremistische Ideologie – jetzt sollen Schulen gegen die islamistischen Verführer mobil machen

DÜSSELDORF. Islamisten sprechen in Deutschland inzwischen gezielt labile Jugendliche in Lebenskrisen an. Mit Theater, Lesungen und Comic-Workshops soll ihnen an den nordrhein-westfälischen Schulen nun etwas entgegengesetzt werden.

«Als Kanonenfutter nehmen die jeden. Wenn es ums Kämpfen geht, dann brauchen sie erfahrene Leute, Tschetschenen oder so.» Der Vater ist verzweifelt, er tobt, er ist zynisch, er äfft die Verantwortlichen nach, deren Besorgnis für ihn zu spät kommt. Sein Sohn Lukas ist nach Syrien abgetaucht, zum Kanonenfutter des Islamischen Staats geworden. «Dschihad One-Way» heißt das Stück des Jungen Theaters Hof. Schulen in Nordrhein-Westfalen können die Aufführungen künftig kostenlos buchen.

Theaterleiter Bernd Plöger berichtet am Montag vor gut 200 Lehrern und Sozialarbeitern in Düsseldorf von einem beklemmenden Moment: Als es bei einer Aufführung in Bayern an der Garderobentür klopft und davor ein Mann steht: «Ich bin der Vater aus ihrem Stück.»

Um den Islamisten den Nachwuchs zu entziehen, setzt die Landesregierung auf eine Aufklärungskampagne in den Schulen. Mit Lesungen, Theater und Comic-Workshops sollen Schüler künftig vor den Menschenfängern gewarnt werden, bevor sie in die Szene abrutschen.

Der Salafismus mit inzwischen 9000 Anhängern sei die am stärksten wachsende extremistische Ideologie in Deutschland, sagt NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Die Islamisten hätten es inzwischen auf labile Kinder und Jugendliche abgesehen und oft schon «einen direkten Draht ins Kinderzimmer». «Aus Minderwertigkeitsgefühl wird Hass. Die Saat geht leider auf», sagt Jäger.

Wie die Gehirnwäsche funktioniert, mit der die Salafisten Nachschub rekrutieren, das haben die Schriftsteller Christian Linker, Benno Köpfer und Peter Mathews kundig nachgezeichnet. «Dschihad Calling» und «Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten» heißen ihre Bücher. Nun gehen sie auf Lese-Tournee durch die Schulen.

Benno Köpfer ist Autor nur im Nebenberuf, im Hauptberuf ist er Analyst des Verfassungsschutzes in Baden-Württemberg: «Es gibt Fälle, die einen auch nach Dienstende beschäftigen.» Daraus wurde die Geschichte um Kadir: «Er fand es cool, seinen Abgang aus der Schule zu einer religiösen Sache zu machen.» Irgendwann landet er in Syrien in einem Minenfeld.

«Ich bin total überwältigt, wie muslimische Jugendliche darauf reagieren», sagt Autor Linker, der schon ein Jahr Lesereise hinter sich hat. Sein Protagonist Jakob verliebt sich in die Salafistin Samira – und beginnt bald auch mit ihrer Ideologie zu flirten.

«So manche Schule hätte lieber drüber weggeguckt, um nicht nach außen den Anschein eines Problems zu erwecken», räumt NRW-Schulstaatssekretär Ludwig Hecke ein. Inzwischen beschäftigten sich schon mehr als 1000 Schulen mit der Ideologie. Von Frank Christiansen, dpa

Hier können Lehrkräfte Material anfordern.

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