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Sollen Lehrer mit Schülern über den Anschlag von Berlin sprechen? VBE meint: Eine Gratwanderung

STUTTGART. Im Unterricht ist der Umgang mit dem Anschlag von Berlin aus Sicht von Pädagogen eine Gratwanderung. «Man darf keine Ängste wecken, so dass sich die Schüler nicht mehr aus dem Haus trauen, aber auch nicht zu Leichtsinn verführen nach dem Motto “Dir kann schon nichts passieren”», sagte der Sprecher des VBE Baden-Württemberg, Michael Gomolzig, am Dienstag in Stuttgart. Man müsse vermitteln, dass es in der Welt nicht überall friedlich zugehe, dass es hasserfüllte, ideologisch verblendete und auch kranke Menschen gebe.

Ganz jungen Schülern solle man das eher allgemein nahe bringen, wenn sie nicht ganz konkrete Fragen nach dem mutmaßlichen Terroranschlag stellten. Den Rat, Weihnachtsmärkte ganz zu meiden, werde er jedoch nicht geben. Gerade an Grundschulen fehle es an frei verfügbaren Stunden, um über solche Dinge zu sprechen, bedauerte Gomolzig.

Auch Baden-Württembergs Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, will Schülern nicht empfehlen, auf den Besuch von Weihnachtsmärkten zu verzichten. «Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, ist höher als bei einem Anschlag.» Wichtig sei, dass man Schüler reden lasse – auch über ihre Ängste. «Man muss deutlich machen, dass so etwas passieren kann, es aber wichtig ist, die Dinge weiterzumachen, die wir gerne tun.»

Im Unterricht ist der Umgang mit dem Anschlag von Berlin aus Sicht von Pädagogen eine Gratwanderung, für die sich Lehrer Zeit lassen sollten. «Man sollte nicht aus reiner emotionaler Betroffenheit, also aus dem Bauch heraus, reagieren», sagte Annette Greiner, die NRW-Vorsitzende des Verbandes der Schulpsychologen. Es sei wichtiger, zunächst im Lehrerzimmer zu beraten und ein oder zwei Tage vergehen zu lassen. «Ich denke nicht, das man als Lehrer jeder Meldung hinterherlaufen muss. Wichtiger ist es, sozusagen ein Delay (eine Verzögerung) einzuschieben und dann gemeinsam eine Strategie zu entwickeln.» Auch Lehrer seien nur «halbinformiert», sagte Greiner in Düsseldorf. dpa

 

Ein Kommentar

  1. Ich habe mit meinen Schülern kurz gesprochen. Am Anfang einer Stunde. Die Zeit muss man sich halt nehmen (aber nur “in meiner Klasse”). Im Kern habe ich gesagt, was passiert ist, die reinen Fakten und dann habe ich versucht, es herunterzuspielen. Man müsse vorsichtig sein, aber man brauche keine panische Angst zu haben, man könne jeden Tag auch aus ganz anderen Gründen (z.B. Verkehrsunfall) ums Leben kommen. Naja, heruntergespielt? So ist es ja eigentlich auch.

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