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Schmuddeliger Patron: Uni Greifswald legt Namen «Ernst Moritz Arndt» ab

GREIFSWALD. Die Universität Greifswald trägt künftig nicht mehr den Namen «Ernst Moritz Arndt». Der Senat entschied am Mittwoch mit Zweidrittelmehrheit den Namen des umstrittenen Publizisten und Hochschulprofessors Arndt (1769-1860) abzulegen. Die Hochschule wird künftig nur noch Universität Greifswald heißen. Mit der Streichung des Namens kehrt die 1456 gegründete Hochschule wieder zu ihrer ursprünglichen Bezeichnung zurück.

Antisemit und Nationalist: Ernst Moritz Arndt. Illustration: Wikimedia Commons

Den Antrag auf Streichung des Namens hatten die zwölf studentischen Mitglieder im Senat eingebracht. Sie argumentierten, dass das Festhalten an Arndt die angestrebte verstärkte Internationalisierung und die Darstellung der Uni als Ort einer fortschrittlichen Wissenschaft erschwere.

Arndt hatte Anfang des 19. Jahrhunderts gegen Napoleon und die Franzosen polemisiert. Er gilt als Verfechter der deutschen Einheit. Arndt hat auch antisemitische und nationalistische Schriften veröffentlicht. Die Nationalsozialisten sahen in ihm einen Vordenker. Zu DDR-Zeiten wurde hervorgehoben, dass Arndt mit seinen Schriften die Abschaffung der Leibeigenschaft 1806 in Pommern befördert hatte.

Seit 1933 trug die Uni – mit neunjähriger Unterbrechung nach Kriegsende – den Namen des in Pommern geborenen Publizisten. Genehmigt wurde der Name vom damaligen preußischen Ministerpräsidenten und Reichsminister Hermann Göring. dpa

2 Kommentare

  1. Die Abschaffung der Leibeigenschaft und die Bürgerlichen Rechte durchgesetzt hat Napoleon in den besetzten deutschen Gebieten .
    Die nachfolgenden wichtigen Reformen in Preußen haben dann der Freiherr von Stein(Aufhebung der Leibeigenschaft) und Hardenberg ( Heeresreform mit der allgemeinen Wehrpflicht) als längst überfällige Antwort bewirkt, um überhaupt eine Chance zur Erhaltung der absolutistischen Monarchie in Preußen zu bewirken.

  2. Sehr geehrter Herr Wrobel,
    Ihre Aussage mag für andere Territorien gelten, aber nicht für das ehemalige Schwedisch-Pommern (erst seit 1815 preußisch). Hier hat der schwedische König – wenn auch im Kontext der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 – die Abschaffung der Leibeigenschaft und der Patrimonialgerichtsbarkeit verfügt. Zu dieser Maßnahme sollen auch die Schriften Arndts (selbst Sohn eines später freigekauften Leibeigenen) beigetragen haben. Im Übrigen ist es beschämend, die Aussagen Arndts zur nationalen Einheit Deutschlands aus dem 19. Jhd (die damals als Ausdruck demokratischen Denkens galten) durch die heutige Brille zu betrachten. Auch sonst ist Arndt mehr gewesen als „Antisemit und Nationalist“ (Bildunterschrift). Was ist eigentlich mit Luther, der sich auch antisemitisch geäußert hat? Was soll die neue „Bilderstürmerei“? Umgang mit Geschichte bedeutet kritische Reflexion, aber kein fanatisches Ausmerzen von Gewesenem, nur weil es der heutige Zeitgeist vermeintlich fordert.

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