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Gastkommentar: Entlastet endlich die Grundschulen!

Ein Gastkommentar von Peter Mlodoch/Weser Kurier

BREMEN. Die Befreiung der Schulleiter an niedersächsischen Grundschulen vom Bürokram war überfällig. Angesichts von Inklusion und auch Integration der vielen Flüchtlingskinder haben die Rektoren wahrlich Besseres zu tun, als etwa die Arbeitsverträge ihrer pädagogischen Mitarbeiter auszuformulieren. Die Übertragung des Personalgeschäfts auf die Landesschulbehörde kann jedoch nur ein erster Schritt sein.

Die verantwortungsvolle Arbeit an den Grundschulen mit ihrer vielschichtigen Klientel gilt es endlich angemessen zu würdigen. Hier werden die entscheidenden Weichen für den Erfolg des gesamten Bildungssystems gestellt. Vom Engagement der Lehrkräfte hängt es ab, welchen Weg die Kinder einschlagen, dass dabei möglichst niemand auf der Strecke bleibt. In den vergangenen Jahren sind die Herausforderungen und auch die Belastungen enorm gestiegen. Ein finanzieller Ausgleich oder eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung gingen jedoch nicht damit einher. Noch immer hinken die Lehrer an Grundschulen bei Besoldung und Arbeitszeit den Kollegen anderer Schulformen gewaltig hinterher. Die Frage muss erlaubt sein, ob dies wirklich noch zeitgemäß ist.

9 Kommentare

  1. Dass die Grudnschulpädagogen in Sachen Arbeitszeit den Lehrkräften anderer Schularten gewaltig hinterhinkten, ist ein Ammenmärchen und wird auch durch Wiederholung nicht besser.

    Es stimmt, dass die Unterrichtsverpflichtung bei Grudnschullehrerinnen höher ist, bei der Gesamtarbeitszeit einschließlich Unterrichtsvor- und -nachbereitung sind aber die Grundschullehrkräfte im Vorteil, wie alle Arbeitszeitstudien der letzten Jahre und Jahrzehnte zeigen.

    Beiuspiel Mummert@Partner:

    Gymnasial- und Berufsschullehrer: 46 Stunden Wochenarbeitszeit
    Grundschullehrkräfte: 42 Stunden Wochenarbeitszeit

    Dass selbst renommierte Bildungsjournalisten jedesmal wieder auf solche Fakenews hereinfallen, ist traurig.

    • Können Sie zu dem Beispiel einen Link setzen, der das belegt?
      Hier hatten wir einmal eine ausführlichere Diskussion bzw. verschiedene Meinungen dazu.
      Eine GEW – Studie aus Niedersachsen von 2016 sagt z.B., – und das ist ein ziemlich aktuelles Datum – dass Vollzeitgrundschullehrkräfte im Vergleich eine Arbeitszeit von 42 – 46 Stunden haben und Gymnasiallehrkräfte eine Arbeitszeit von 41- 46 Stunden.
      http://arbeitszeitstudie.gew-nds.de/index.php/schulformen/grundschulen/277-unterrichtsverpflichtung-viel-zu-hoch

      • Bernhard Färber

        Ich weiß wirklich nicht, woher Sie diese Zahlen haben. Anbei ein Auszug aus der Osnabrücker Zeitung zu genau dieser von Ihnen falsch zitierten Studie der Universität Göttingen, die von der GEW in Auftrag gegeben wurde. Die Zahlen zur unterschiedlichen Gesamtbelastung von Gymnasiallehrkräften und Grudnschullehrerinnen sind noch dramatsicher als von Conny angegeben:

        Osnabrücker Zeitung, 15.10.2016
        Hannover. Viele Lehrer in Niedersachsen sind massiv überlastet. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie der Universität Göttingen im Auftrag der Gewerkschaft GEW. Demnach arbeitet ein Gymnasiallehrer in einer Durchschnittswoche mehr als 49 Stunden.

        Niedersachsens Lehrer leisten nach einer Studie im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) viele unbezahlte Überstunden. Vor allem an Gymnasien häuft sich nach der Erhebung der Uni Göttingen demnach massive Mehrarbeit an: Im Wochenschnitt leiste ein Gymnasiallehrer im direkten Vergleich zu einem Beamten mit 40-Stunden-Woche drei Stunden mehr – damit häuften sich allein dort landesweit pro Woche 50000 unbezahlte Überstunden an. Auf ein Jahr hochgerechnet kommt die GEW damit alleine bei Gymnasien auf zwei Millionen Stunden. Lehrkräfte an Grundschulen lägen 1,2 Stunden über dem Soll. Viele Lehrkräfte arbeiteten auch die Wochenenden durch, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Der Erhebung zufolge besteht nur ein Teil der Arbeitszeit aus Unterricht: Auf eine 45 Minuten lange Schulstunde kommen beim Gymnasium laut Studie zusätzliche 113 Minuten Vor- und Nachbereitung.

        Das ist wohlgemerkt das Ergebnis einer von der GEW, die vor allem Grudnschullehrkräfte vertritt, in Auftrag gegebenen Untersuchung.

  2. Der Kommentar wirkt eher wie ein Leserbrief. 😉

  3. Harzburger Zeitung, 24.02.2017

    Große Probleme an kleinen Schulen, kleine Lösungen: Nach diesem Motto verfährt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) beim Thema Grundschulen.
    „An die harten Faktoren Bezahlung und Unterrichtsverpflichtung traut sich das Land nicht heran.“

    Kommentar von Michael Ahlers

    Derzeit suchen 145 Grundschulen im Land einen Leiter. Woran das vor allem liegt, hat der Vorsitzende des niedersächsischen Schulleitungsverbandes kürzlich
    noch einmal deutlich gesagt. Das Leiten einer kleinen Grundschule lohnt sich finanziell nicht. Eine Zulage von rund 150 Euro etwa ist nun mal kein Anerkenntnis einer
    wichtigen Aufgabe und Ausdruck von Wertschätzung. Es ist eher eine Ohrfeige.

    Dass Ministerin Heiligenstadt vom 2. Februar 2018 an die Landesschulbehörde die Vertragsangelegenheiten der Grundschulen und kleinen Schulen regeln lassen
    will, ist in der Tat ein Beitrag zur Entlastung. Das Lob von Grundschulverband und der Lehrergewerkschaft GEW wird die Ministerin gerade im Jahr vor der Landtagswahl
    frohgemut stimmen.

    An die harten Faktoren Bezahlung sowie Unterrichtsverpflichtung traut sich das Land aber nicht heran. Die Regelstundenzahl für Grundschullehrer zu senken, wäre allerdings schon angesichts der vergleichsweise schlechten Unterrichtsversorgung ein Ritt auf der Rasierklinge. So behilft sich Heiligenstadt mit „Entlastung light“. Die aber wird bei den Schülern auch nur so weichgespült ankommen. Dabei ist die Grundschule der Startpunkt für das, was angeblich so wichtig ist: gute Schule.

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