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Gastbeitrag: Und sie ist doch wichtig – warum die Bedeutung der Klassengröße oft verkannt wird

BREMEN. Seit Jahren hören wir aus der Politik: Kleine Klassen bringen nichts. Sie seien teuer, aber die Schüler lernten nicht mehr als in größeren Gruppen. Als Kronzeugen für solche Urteile werden Studien wie PISA und Hatties großer Forschungsüberblick von 2013 herangezogen. Wichtiger als die Klassengröße sei die Art des Unterrichts.

Richtig ist: Eine kleine Gruppengröße kann sich nicht auszahlen, wenn in einer Förderklasse mit 9 Kindern alle im Gleichschritt denselben Lehrgang bearbeiten, Und umgekehrt werden die Schülerinnen auch in einer dreimal so großen Klasse besser lernen, wenn der Unterricht Raum für individuelle Lernwege bietet, als wenn alle zur gleichen Zeit dieselbe Aufgabe bearbeiten müssen. Kompetenz der Lehrperson und didaktisches Konzept sind zentrale Bedingungen für den Unterrichtserfolg. Aber ist die Klassengröße deshalb unwichtig?

Auf den ersten Blick sprechen viele Forschungsbefunde für diese These. Allerdings stammen sie aus Querschnittuntersuchungen, in denen verschiedenen Bedingungen zur gleichen Zeit erhoben werden. Das macht es schwierig, Ursache und Wirkung auszumachen. So vergibt manches Schulamt mehr Lehrerstunden an Schulen in sozialen Brennpunkten, die deshalb die Klassen verkleinern können. Auch innerhalb einer Schule wird oft versucht, Lehrer/innen zu entlasten, in deren Klassen sich Schüler/innen mit Schwierigkeiten konzentrieren. Schwache Leistungen sind dann nicht die Folge von kleinen Gruppen, sondern der Grund für ihre Bildung.

Aussagekräftig sind insofern nur Längsschnittstudien. Der Bildungsforscher William J. Mathis hat die Ergebnisse der us-amerikanischen Forschung in einem aktuellen Überblick zusammengefasst. Er kommt zu demselben Schluss wie schon 2003 die American Educational Research Association: Kleinere Klassen führen unmittelbar zu besseren fachlichen Leistungen, darüber hinaus haben sie auch langfristig positive Wirkungen, zum Beispiel machen die Schüler/innen bessere Abschlüsse und erzielen höhere Einkommen im Beruf. Der Bildungsökonom Alan Krueger kommt sogar zu dem Schluss, dass der volkswirtschaftliche Nutzen den finanziellen Aufwand für kleiner Klassen überwiegt.

Privatschulen wollen mehr für Flüchtlinge tun – gegen Geld. Foto: Jens Rötzsch / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Wen wunderts – die Klassengröße spielt doch eine Rolle, sagt unser Autor. Foto: Jens Rötzsch / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Ganz zu schweigen von den sozialpolitischen Vorteilen. Denn von einer Verkleinerung der Gruppengröße profitieren vor allem Kinder aus armen Familien und aus Minderheitengruppen. Die Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft schrumpft erheblich. Ein wichtiges Argument in Zeiten großer Flüchtlingsströme. Als Gründe nennt Mathis Bedingungen, die auch Lehrer/innen aus ihrer Alltagserfahrung vertraut sind: stärkere Individualisierung des Unterrichts und mehr Zeit für eine individuelle Zuwendung zu einzelnen Kindern, mehr Aufwand für die Durchsicht von Schülerarbeiten, wirksamere Klassenführung und besseres Sozialklima, mehr Zeit für Absprachen mit Eltern.

Allerdings reicht, wie auch das Eingangsbeispiel zeigt, eine bloß zahlenmäßige Reduktion der Klassengröße nicht aus: Um die Potenziale kleiner Gruppen voll zu nutzen, müssen auch Lehrer/innen ihren Unterrichtsstil ändern. Dies ist eine Aufgabe der Lehreraus- und -fortbildung.

Über den Autor

Hans Brügelmann war bis Februar 2012 Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Grundschulpädagogik und -didaktik an der Universität Siegen. Seit seiner Pensionierung ist er selbstständiger pädagogischer Publizist, Fachreferent „Qualitätsentwicklung“ des Grundschulverbands, Frankfurt und Mitglied im Vorstand der Landesgruppe Bremen des Grundschulverbands.

Der Artikel erschien erstmals in der Zeitschrift Grundschule aktuell des Grundschulverbands Nr. 135/September 2016.

Quellen

AERA (2003): Class size: Counting students can count. In: Research Points, Vol. 1, No. 2, 1-4.

Brügelmann, H. (2005): Schule verstehen und gestalten  – Perspektiven der Forschung auf Probleme von Erziehung und Unterricht. Libelle: CH-Lengwil, Kap. 54 & 55.

Mathis, J. M. (2016): The effectiveness of class size reduction. School of Education/ University of Colorado Boulder http://nepc.colorado.edu/publication/research-based-options

38 Kommentare

  1. „mehr Zeit für eine individuelle Zuwendung zu einzelnen Kindern, mehr Aufwand für die Durchsicht von Schülerarbeiten, wirksamere Klassenführung und besseres Sozialklima, mehr Zeit für Absprachen mit Eltern.“
    Diese Aussage kann ich nur unterstreichen. Vor allem kann ich mich bei kleineren Klassen, wenn die Kinder an einer Aufgabe arbeiten, wesentlich intensiver um ein Kind kümmern.
    Doch klingt der Artikel so, wie wir bis dahin kommen sollen, dass wir jedem Schüler sein individuelles Süppchen kochen. Das geht einfach nicht. Wenn alle dasselbe Klassenziel erreichen sollen, braucht es so etwas wie ein gemeinschaftliches Konzept, einem Konzept, wo eine gewisse Individualisierung möglich ist, aber dennoch der rote Faden nicht verloren wird. Ein gewisses Aufgabenniveau müssen alle zur gleichen Zeit erreichen, wenn ich das für alle abprüfen soll und keine differenzierte Arbeiten schreiben darf. Für einen gewissen individualisierten Unterricht selbst gibt es gute Ansätze, die in der Grundschule entwickelt wurden (z.B. offene Aufgaben), die aber nicht bei jeder Aufgabenstellung Sinn machen. Ich persönlich bin auch kein Freund davon, dass jeder Schüler individuell in seinem Arbeitsheft arbeitet, für mich ist das kein Unterricht und zu einseitig; ich möchte, dass die Schüler etwas gemeinsam entwickeln und eine Abwechslung in den Arbeitsformen erfahren. Der Unterricht sollte rhythmitisiert sein und die Schüler sollen immer wieder Teamwork erfahren; das ist bei zu starker Individualisierung nicht möglich.
    Dennoch habe ich bei kleineren Klassen viel mehr Zeit, einzelne Schüler zu unterstützen, mich um sie zu kümmern, Lautstärke und andere Störungen werden geringer. Es würde ein angenehmeres Arbeitsklima herrschen.

  2. @ ysnp, wow, das gibt es tatsächlich, dass ich Ihnen unumwunden zustimme und nichts zu ergänzen habe.

  3. Axel von Lintig

    Die Hattie-Studie konnte deshalb keinen signifikanten Effekt auf das Lernverhalten der Schüler feststellen, weil die Klassengrößen im untersuchten anglo-amerikanischen Raum um 20 bis 25 Schüler lagen.Da ergibt sich dann kein Unterschied auf den Lerneffekt.
    Die von Herrn Brügelmann propagierten Methoden sind ineffektiv und aus pädagogischer Sicht, wegen ihrer geringen Effektivität mit Werten unter 0,23, abzulehnen.
    Wissenschaftlich fundiert ist das Intra-Act-Plus-Konzept von Streit/Jansen, welches sich beim Versagen des Schriftspracherwerb und des Erlernen des Lesens signifikant Lernerfolge aufweist.
    Erfolgreich sind Methoden, welche durch wiederholende Übungen zur Speicherung des Lerninhaltes im Langzeitgedächtnis führen und so zu einer Automatik des Schreiben und Lesens führen.
    Der eigenständige, selbst gesteuerte, eigen initiative und selbst bestimmte Lernweg führt zu katastrophalen Ergebnissen im Erlernen des Schreiben und Lesens.
    Das sehen wir an den katastrophalen Ergebnissen der Schulabgänger.

    • Sie werfen alles in einen Topf: Klassengröße, anglo-amerikanisches Schulsystem mit vielen Hilfskräften und Möglichkeiten und deutsches System ohne zusätzliches Personal, ihr geliebtes Intra-Act-Konzept – das sie im Einzelunterricht mit ihrer Tochter ausprobiert haben…
      Und sie scheren alles über einen Kamm: offene Lernformen gibt es von gelenktem Wochenplan bis hin zu robischon-Pädagogik und Freien Schulen. Es ist nicht alles dasselbe. Das Gegenteil von Schulmedizin mag Alternative Medizin sein, aber auch da gibt es unzählige Möglichkeiten und Richtungen… und tatsächlich könnten darunter einige sei, die die Schulmedizin begleiten oder bereichern können.

      Und die katastrophalen Ergebnisse der Schulabgänger sehen wir gar nicht. Wir bekommen Studien vorgelegt, deren Bedingungen wir nicht kennen, und hören die Kritik der Handwerker, Unternehmen und Uni-Dozierenden, die bei Erstsemestern etwas anderes erwarten, als sie angeblich bekommen.

      Heutzutage gibt es in Klassen
      – Kinder, mit Beeinträchtigungen, die ihnen das Lernen auf unterschiedliche Weise schwer machen
      – Kinder, die durch Erziehung oder Vernachlässigung das Lernen gar nicht erlernt haben (zu wenig Anreize/zu viel Medienkonsum) oder zu sehr mit anderen Problemen belastet sind, sodass sie nicht lernbereit sein können
      – Kinder, die weit über das normale Maß hinaus in einzelnen oder mehreren Bereichen begabt sind oder gefördert wurden
      – Kinder, mit Störungsbildern, von denen vor 20 Jahren kaum einer gesprochen hat, was nicht bedeutet, dass es diese nicht gab
      – Kinder, die viel eher eingeschult werden müssen (Gesetzliche Grundlage/ keine Möglichkeiten der Zurückstellungen mehr)

      ALLES deckt EINE Grundschullehrkraft ab, zusätzliche Stunden sind in jedem Bundesland anders bemessen und kommen in den Regelschulen nicht immer so an, wie sie auf dem Papier stehen.

      Es wäre so, als würden Sie zeitlgleich Spezialist für unterschiedliche Fachrichtungen sein (HNO, Orthopäde und Neurologie – entspricht dem Förderbedarf Hören, Motorik und Lernen an der Grenze zur geistigen Beeinträchtigung), mehrere Behandlungen zeitgleich in einem Raum durchführen wobei sie nur eine Methode oder ein Medikament einsetzen dürfen, gleichzeitig übernehmen Sie auch die Arbeit der Krankenschwestern und der Organisation des Hauses – in gleicher Zeit zum abgespeckten Gehalt bei 60 Std-Woche.

      Am Ende kommen 7 Prüfer, von unterschiedlichen Konzernen finanziert, bewerten sie nach vielfältigen, nicht transparenten Kriterien, und ihre Ergebnisse werden von einer Studie zusammengefasst, die dann allumfassende Aussagen tätigt: Vielleicht ist das Ergebnis, dass sie mit einer Methode wenigstens einer Person helfen konnten… und das ist dann für die nächsten 100 Jahre die allein seligmachende, die alle in allen Bereichen anwenden sollten.

      • Axel von Lintig

        Haben sie die PdF Anleitung im Internet zum Intra-Act-Konzept durchgelesen ?

        Dort sind die neurophysiologischen Grundlagen zum Verständnis des Erlernen des automatisierten Lesens und des automatisierten Schreibens und Rechnens und anderer Lerninhalte aufgeführt.
        Es geht um die Übertragung des Gelernten in das akustische und optische Langzeitgedächtnis.
        Mit dem Langzeitgedächtnis arbeitet man viel schneller(700 ms) als mit dem Kurzzeitgedächtnis (1000 bis 1900 ms)pro Sequenz.
        Parallel kann man sich dann über das Kurzzeitgedächtnis auf de Text oder die neue Lernaufgabe konzentrieren. Man liest automatisiert mit Hilfe der erlernten Lesetechniken, das heißt auch automatisierte Augenbewegungen von links nach recht mit dem Erarbeiten eines optischen Lesefensters nach rechts.Und man konzentriert sich auf den Inhalt des Gelesenen.
        Und dies wird erst durch ausreichende Wiederholungen ermöglicht.
        Kinder wiederholen gerne(z.B. Lieder, lesen wiederholt Geschichten) und durch diese wiederholenden Übungen erlernen sie alles besser, sie speichern es im Langzeitgedächtnis ab.
        Kinder mit Lernstörungen haben Probleme mit dem Wiederholen. Es fällt ihnen entsprechend schwer sich etwas langfristig anzueignen.
        Wichtig ist, das beim ersten Erklären eines neuen Lerninhaltes ,dieser ausreichend gut und verständlich erklärt wird. und selbstverständlich muss man den Lerninhalt mehrfach in Zeitabständen wiederholen. Manchmal, z.B. das 1 x 1 (z.B.von 7 )einer bestimmten Zahl, und nur der 7 , an einem Tag mehrmals mit Verdopplung der Zahl, x10, dann halbieren etc.(7, 70, 35,+7 =42 halbieren 21 ,7,14,28, 56 etc. Montessori)

        Durch automatiseirtes Einüben gelingt vieles viel schneller, einfacher, ausdauernder und ohne Stress. Den hat man , wenn man sich ständig umstellen muss.
        Oder möchten sie von einem Chirurgen operiert werden, oder von einem Anästhesisten reanimiert werden, oder was auch immer auch welche ärztliche Tätigkeit an Ihnen vollzogen wird, der seine Tätigkeiten nicht automatisiert im Langzeitgedächtnis hinterlegt hat.
        Für Notfallsituationen gibt es zusätzliche spezielle Algorhythmen, zum Beispiel für die Reanimation, bei Massenblutungen etc.. Die sind einstudiert und werden automatisiert durchgezogen. Und so läuft dann der Vorgang ruhig, strukturiert und automatisiert zum Wohle des Patienten ab.
        Das gleiche gilt auch für Piloten und jeden anderen Beruf.

        Und um genau das geht es bei den Grundkenntnissen des Schreibens, Rechnens und Lesens in den Grundschulen. So laufen auch andere strukturierte Schreib- und Lese-Lehrgänge für die Grundschule ab ( Kieler Lese-Aufbau, Silben-analytische und analytisch-synthetische Schreiblehrgänge).
        Natürlich muss dann ab der zweiten Klasse auch entdeckend gearbeitet werden.
        Alle Kulturtechniken unterscheiden sich von selbstständigen Laufen und gehen lernen. Man muss auch beim Erlernen eines Musikinstruments zunächst üben, und üben unter Anleitung und kann dann selbstständig spielen unter weiterem üben.

        • Ihre Ausführungen so zusammengefasst finde ich interessant. Es dürfte jedem Lehrer klar sein, dass nur durchs ständige Wiederholen Dinge automatisiert werden. Noch besser wird das Lernen, wenn – das ist auch von der Hirnforschung bewiesen – an vorhandenes Wissen angeknüpft werden kann. Da ist es wichtig möglichst viele Verknüpfungspunkte zu finden. Deswegen wird in der Unterrichtsplanung das Vorwissen der Schüler beachtet.
          Kinder mit Lernstörungen haben leider nicht nur ein Problem mit Wiederholungen, was ich jetzt einmal als mangelnde Merkfähigkeit sehe. Sie haben meistens ein Problem mit der auditiven Wahrnehmung bzw. derer Verarbeitung, auch optische und insbesondere Raum-Lageprobleme. Bei Intelligenztests sind Teilbereiche unausgewogen. Bei diesen Kindern fallen oft auch noch eine motorische (kann feinmotorisch oder grobmotorisch sein) Unsicherheit auf. Einige dieser Kinder sind unorganisiert. So meine Beobachtungen.

          • An welches Wissen anknüpfen? Wissen ist doch out man kann doch alles googeln.

          • Naja, es gibt immerhin noch spiralförmige Curricula. ; – )
            Außerdem ist das mit dem oben erwähnten Übungszusammenhang zu sehen – wenn der Unterbau sitzt, kann ich auf diesem Wissen aufbauen.
            Grundlegende mathematische und sprachliche Dinge muss ich eben können um weiterzukommen. Das kann man auch auf andere Fächer erweitern. Da hilft Google nichts. Google hilft beim Recherchieren zu einem selbst zu erarbeitenden Thema.
            In HSU könnte ich z.B. bei neuen Themen erst einmal Vorwissen abrufen und darauf meinen Unterricht planen. Ich nehme einmal an, dass die Aussage ironisch in Richtung Kompetenzen gemeint war. Es geht ja dann eher darum, dass es inzwischen so vieles gibt und es nicht mehr möglich ist, alles in der Schule (auswendig) zu lernen. Da hilft dann nur noch das Recherchieren.

          • Das beobachte ich genauso.
            Es ist die Wahrnehmung, die schwächer ausgebildet ist, die Kindern das Begreifen erschwert, die Üben anstrengend werden lässt, weil immer wieder diese nicht vorhandenen Fähigkeiten strapaziert werden müssen.
            Andere Kinder benötigen weit weniger Übung um Gleiches zu können.

            Die Kinder, die schon in den ersten Wochen Schwierigkeiten zeigen, benötigen Begleitung. Wenn ein Kind nicht lesen kann und Laute nicht wahrnehmen kann, dann sollte man es üben. Dazu braucht es aber eine Kleingruppe oder eine 1:1-Situation. Gleiches gilt für das Rechnen, wenn Kinder kein Zahlenverständnis haben und sich dann nicht vom Zählen lösen können. Lässt man sie mit den üblichen Aufgaben allein, werden sie das Zählen vervollkommnen, aber nicht eine Aufgabe automatisieren. Das Üben im herkömmlichen Sinne nutzt da leider überhaupt nichts. Entsprechend muss man die Übungen anpassen, je nachdem, wo die Problematik liegt. Es ist unsinnig, ein Material oder eine Methode nach Fahrplan durchzuziehen, wenn es zu dem, was die SuS noch nicht beherrschen, gar nicht passt.

            Im obigen Artikel geht es um die Klassengröße.
            Als Lehrkraft habe ich erheblich schneller einen Überblick über das Leistungsvermögen einzelner SuS, wenn die Klasse kleiner ist.

            Ich muss ohnehin differenzieren, aber die Möglichkeiten kann ich besser ausschöpfen, wenn die Lerngruppe kleiner ist. (Noch besser wäre es, wenn für individuelle Förderung auch personelle Ressourcen zur Verfügung stünden).

            Ich muss bei einer kleineren Lerngruppe weit weniger Dokumentationen schreiben, die kosten nämlich extrem viel Zeit, habe dann aber auch noch Tagesstunden übrig, mich um das Material und die Bereitstellung der Förderung zu kümmern, damit Förderpläne keine Lippenbekenntnisse sind.

            In einer kleineren Klasse sind die Störungen weniger und die Möglichkeiten, wirklich mit einzelnen Kindern oder Kleingruppen etwas noch einmal zu erläutern, leichter zu erwirken, weil weniger Kinder um die Aufmerksamkeit buhlen. Gerade die Kleinen teilen diese nämlich nicht gern und müssen erst lernen, dass die Lehrkraft nicht speziell nur für sie da ist.

            Im Übrigen freue ich mich, wenn Ärzte gut ausgebildet sind, ihre Spezifikationen und Fortbildungen anerkannt werden und sie genügend Unterstützung und Zeit haben, sich um die Patienten zu kümmern, sodass sie ihren Beruf gewissenhaft ausüben können.
            Gleiches sollte man Lehrkräften auch zugestehen.

          • Axel von Lintig

            Palim

            Von Lilo Gührs eignet sich sehr gut das aus der Montessori-Pädagogik abgeleitete Mathearbeitheft Fit trotz Rechenschwäche aus dem AOL-Verlag für 19,95 Euro.
            Die Anleitung ist gut verständlich gegliedert. Die Kinder erstellen die Lehrmaterialien selbst und lernen zunächst die Zahlen zu zerlegen. Gearbeitet wird mit einer Doppelreihigen Zehner-Tabelle. Die Mengenbilder sehen aus wie die von Lego-Steinen und verändern nicht ihre Form.Man kann damit die Zerlegung der Zahlen üben, Ergänzungen zum vollen Zehner, sowie durch Zerlegung der Zahlen beim Zehner-Übergang die Addition üben, quasi im Kopf über die Mengenbilder.
            Es handelt sich ursprünglich um Förder-Material für im Rechnen schwache Schüler, es eignet sich aber auch sehr gut für alle anderen Schüler um zu vermeiden, dass diese sich zu Zähl-Kindern entwickeln.
            Den Tipp erhielt ich von Ergotherapeuten.

          • Ja.
            Ich habe den Schrank voller Materialien, die ich empfehlen kann.
            Manches teile ich auch auf 4teachers. Nur, weil ich daran nicht verdiene, sind die Materialien nicht schlechter.

            Pauschal geht es aber nicht:
            Nicht jeder, der Bauchweh hat, wird gesund, wenn er Kamillentee trinkt.

            Man kann vieles üben, nicht jedes Kind braucht das gleiche und sehr viele Kinder brauchen für etwas sehr Spezielles noch und noch Übungen, bis die Wahrnehmung oder die Fähigkeit wirklich gefestigt ist.
            Und SIE ALLE brauchen Zuwendung und Begleitung. Ansonsten zählen sie selbst die Punkte der Legosteine – das sieht man dann, wenn sie im PC-Raum mit dem Finger Spuren auf dem Bildschirm hinterlassen oder einfach sehr, sehr lange für diese Aufgaben benötigen. Wenn ich Kinder mit Schwierigkeiten im Rechnen nicht im Zählen fördern will, muss ich mir Gedanken machen und mich allein mit ihnen beschäftigen.

          • Ich meinte es eigentlich ironisch.

  4. Axel von Lintig

    Das betrifft natürlich in erster Linie den Grundschulunterricht. Erst müssen die Grundschüler automatisiert lesen und schreiben lernen, bevor sie dann zunehmend mehr und mehr selbstständig arbeiten können.
    Ein selbstbestimmtes Lernen ist erst in weiterführenden Schulen möglich, wenn die Lese- und Schreib-Automatisierung weitgehend abgeschlossen sind.

    Natürlich sind kleine Klassen sehr viel effektiver. Allein der Nachweis ist von der Politik wegen der hohen Kosten nicht erwünscht.

    • „Ein selbstbestimmtes Lernen ist erst in weiterführenden Schulen möglich, wenn die Lese- und Schreib-Automatisierung weitgehend abgeschlossen sind.“
      Sie beziehen sich da jetzt nur auf die Automatisierungsprozesse und das, was Sie bei Ihren eigenen Kindern erfahren haben, die durch die selbstbestimmte Methode LdS lernten. (Diese Methode gab es in Bayern nie.) Ich habe das Gefühl, dass Sie sich einen Grundschulunterricht zu einfach vorstellen.
      Grundschule ist jedoch mehr. Man kann Ihre These nicht für alle Inhalte in der Grundschule anwenden. Ich selbst praktiziere in meinem Unterricht bei geeigneten, neuen Themen sehr wohl selbst entdeckendes Lernen, allerdings im Klassenunterricht. Hier ein Beispiel: Es gibt eine Fragestellung, die Schüler überlegen sich zuerst alleine eine Antwort, dann werden in Teams über Lösungen diskutiert, dann im Plenum und zum Schluss werden Ergebnisse verifiziert. Dadurch ist jeder gezwungen, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen und erhält durch den Austausch mit anderen die Möglichkeit sich aktiv beteiligend nochmals Gedanken zu machen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass man viele dadurch Schüler erreicht. Diese Methode nennt man Think -Pair – Share Verfahren.
      Auch zum Automatisieren gibt es Methoden, die in Richtung Selbstbestimmung gehen. Z.B. gehört die eigenverantwortliche Kontrolle von Übungaufgaben mit einem Lösungblatt und das selbsständige Erfragen von Hilfen zu den Standards in der Grundschule. Das ist eine Erziehung, die bei manchen die ganze Grundschulzeit dauert. Also Grundschule funktioniert nicht so einfach wie man sich das so als Alternative zu Brüggelmanns Vorschlägen vorstellt.

      • Axel von Lintig

        ysnp

        Lesen durch Schreiben ermöglicht nicht im geringsten eine Automatisierung im Schreib- und Lesevorgang und ist somit aus lern-physiologischer Sicht abzulehnen !

        Was die heutige Pädagogik dazu sagt ist was anderes, wohl eher ideologisch begründet unter dem Deckmantel einer „Pseudo-Neurowissenschaft“ nach Sommer-Stumpenhorst wird das Ende des automatisierten Lernprozesses bis in die 9. Klasse verschoben.
        Das gelang früher bis zum Ende der vierten Klasse. Ältere Lehrer im eigenen Verwandtenkreis stimmen dem zu, und es sind nicht wenige.
        Durch diese dämlichen Bilder in Verbindung mit einem Buchstaben zu jedem Buchstaben gelingt keine direkte Zuordnung des Lautes zum Buchstaben . Da werden Umwege im Gehirn hinterlegt, welche eine direkte Zuordnung im Langzeitgedächtnis erschweren.
        Und Silben werden beim Lesen durch Schreiben erst recht nicht erlernt und trainiert.
        Tatsächlich erfassen Kinder aber Silben beim Sprechen und die Sprache hat ihre eigenen Sprachregeln, welche in das Schriftsystem übertragen werden müssen.
        Diese Arbeit müssen Grundschullehrer leisten. Tun sie es nicht , so handelt es sich um eine unterlassene Hilfeleistung.
        Arbeiten sie nur mit einer Anlaut-Tabelle wie in Beckum, verbieten sie die Fehlerkorrektur durch die Eltern, so handelt es sich um eine gezielte Irreführung der Schüler.

        • Ja, das haben Sie schon oft geschrieben und wir arbeiten ja auch nicht damit. 😉
          Sommer-Stumpenhorst spielt bei uns keine Rolle.

          • Axel von Lintigl

            ysnp

            Wir arbeiten aber daran diesen Schulbuch-Unternehmer mit seinen Materialien aus den hiesigen Schulen hinauszudrängen.
            Leider unterstützen uns dabei keine entsprechenden Schul-Ministerialdirigenten wie bei der landesweiten Einführung der Methode im Münsterland, als Herr Christiani sich für das Konzept der Rechtschreibwerkstatt einsetzte.

        • Übrigens kann man hervorragend Silben mit dem Schreiben per Anlauttabelle verknüpfen. DAS ist wirklich sinnvoll und ermöglicht vielen Kindern einen einfacheren Zugang zur Schrift.
          Lautreine Wörter als Bilder zur Verfügung stellen, Silben dazu schwingen und zeichnen, Anlaut der ersten Silbe eintragen, Silbe für Silbe sprechen und schreiben. Auf diese Weise gelingen auch lange Wörter, wenn Kinder beim Hören große Probleme haben.
          Und man sieht sehr deutlich, welche Kinder phonologisch nicht fit sind oder einzelne Laut-Buchstaben-Verbindungen nicht verinnerlicht haben.

          Gut wäre, wenn man das im Herbst der 1. Klasse diagnostiziert und dann SOFORT eine Person zur Förderung einsetzen könnte.

          • Axel von Lintig

            Das Intra-Akt-Plus-Konzept arbeitet zunächst mit dem Erlesen von Buchstaben-Lauten, später werden dann die ganze Silben in der Klasse eingeübt. Ein Schüler ist der Sprach-Meister, der die Buchstaben umklappt.Es kann einzeln und in Gruppen gearbeitet werden.
            Aber es erfolgt die direkte Laut-Zuordnung ohne Bildchen, damit es eine direkte Bild und Laut-Zuordnung im Gehirn geschaltet wird über sich ausbildende Synapsen im Langzeitgedächtnis. Bilder würden das ganze erschweren, weil zusätzlich ein Bild gespeichert wird.
            Fehler , wie der Igel-Fehler ,langes I als Ausnahme anstelle des ie-Graphems, entfallen.

          • Axel von Lintig

            LRS- Kinder, das sind Weltweit 3 -5 % der Schüler eines Jahrgangs, fallen aber bei Lesen durch Schreiben nicht auf, da sie nur auffallen können, wenn sie trotz der Präsentation der richtigen Schreibung , diese falsch ausführen.
            Diese Schüler entgehen einer frühen Diagnostik.
            Hinzu kommen dann bei einer falschen Anwendung der Anlaut-Tabelle noch die Methoden bedingten rechtschreischwachen Schüler.

          • Die 3-5% halte ich für glaubwürdig. Allerdings ist es heutzutage sehr einfach, LRS diagnostiziert zu bekommen mit dem Ziel eines Nachteilsausgleichs bei Klassenarbeiten. Nicht umsonst gibt es für Dyskalkulie in der Oberstufe in NRW keinen Nachteilsausgleich, wahrscheinlich weil mit Dyskalkulie die Qualifikation für die Oberstufe nicht machbar ist. Die Mathematiker haben halt Ahnung von Testerstellung und Auswertung …

          • Axel von Lintigl

            Das sind weltweit erhobene Zahlen, welche ich aus dem Deutschen Ärzteblatt bezogen habe. Kann man im Internet unter Ärzteblatt nachlesen bei den Fortbildungen..

          • Wenn 1/4 der Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerung eine LRS entwickeln, dürfte die Prozentzahl bald höher ausfallen.

            Bei Lesen durch Schreiben kann man übrigens sehr gut diagnostizieren, welche Kinder pontentielle LRS-Kandidaten sind. GERADE da! Man erkennt doch an jeder Schreibung, was das Kind bereits umsetzt.

            Es gibt immer noch Lehrkräfte, die in Klasse 1 überwiegend abschreiben lassen. Da versteckt sich eine LRS erheblich besser: Kinder trainiern das Abmalen der Buchstaben, ohne überhaupt lesen zu können, und übertragen Buchstabe für Buchstabe.

            Wenn ich wissen will, wo meine SchülerInnen stehen und wo sie Förderung benötigen, nutze ich Bilderleisten, wie es sie schon lange vom Grundschulverband gibt und wie sie ebenfalls lange in der Hamburger Schreibprobe eingesetzt werden. In den ILEA-Materialien aus Berlin gibt es in Klasse 2 auch eine solche Liste. Bei gezielt gewählten Worten hat man mit wenig Aufwand eine recht weitreichende Diagnose. Dabei helfen die Bilder den Kindern mit geringer Merkfähigkeit und möglicherweise akustischen Problemen, die Wörter zu hören, zu erinnern und zu schreiben.

            Wenn es um ein einzelnes Kind geht, ist es sinnvoll, sich etwas selbst Geschriebenes anzusehen, also erdacht und ohne Vorlage. Danach kann man einschätzen, ob es gezieltere Tests braucht oder die Förderschwerpunkte offensichtlich sind.

          • Axel von Lintigl

            Aber es wichtig, dass mit den Schülern sehr viel das Lesen aktiv gefördert wird mit wiederholenden Übungen .Durch den Kieler Lese-Aufbau(1967) oder durch das Intra-Akt-Plus-Konzept(neuer) stehen uns wissenschaftlich untersuchte Methoden zur Verfügung , welche sich seit Jahren in der Praxis bewährt haben.

          • Axel von Lintig

            Palim

            Ich habe vor Ort guten Kontakt zu Kinderpsychologen, Logopädinnen und Ergotherapeuten.
            Diese teilen aber gemeinsam mit den von mir befragten 350 ehemaligen Schülern und deren Eltern, welche mit Lesen durch Schreiben unterrichtet wurden,die Erkenntnis, dass sie als Folge der Methode LdS deutliche und nachhaltige Probleme beim Erlernen der Orthographie hatten und haben.
            Eltern und Nachhilfelehrer mussten engagiert werden um diese Defizite auszugleichen, was aber mit einem deutlichen finanziellen und arbeittechnischen Aufwand verbunden war und noch ist.
            Das kann sich aber auch nicht jeder finanziell leisten. Es ist eigentlich auch nicht die Aufgabe dieser Eltern dieser Methode zum Erfolg zu verhelfen, wie es bereits bei der Marburger Studie nach der 2. Klasse alls Folge der Veröffentlichung der Ergebnisse der Fall war.

            Außerdem erfolgen Therapien in diesen Praxen, durch die sich den Anbietern ein reichhaltiges Betätigungsfeld für finanziell lukrative und therapeutische Angebote ergeben haben, was dann auch die Krankenkassen betrifft.

            Der von ihnen geäußerte Euphemismus wird von diesen Personen in keiner Weise getragen.Es ist eher das Gegenteil.
            Die von angeborener LRS betroffenen 5 % der Schüler können nicht frühzeitig diagnostiziert werden, da Rechtschreibfehler in den ersten zwei Schuljahren nicht korrigiert werden, sondern noch durch die Beurteilung mit Smilies sogar noch verstärkt werden.
            Nach wie vor werden Eltern vor Ort angehalten Fehler auf gar keinen Fall zu verbessern.
            Aber Fehler behindern den weiteren Prozess der Automatisierung in der Entwicklung des Schreibens und Lesens. Endsilben werden nicht mit dem Schwalaut-e gesprochen, sondern betont als ee wie bei Tee, Fee etc ausgesprochen. Das spielt dann direkt in die Orthographie hinein.

          • Vorab: es ging REIN um DIAGNOSE … und nicht wieder um viele andere Aspekte.

            Ich verstehe nicht, warum man bei LdS eine LRS nicht diagnostizieren können soll:
            Ich schaue mir den Text an und sehe an der Schreibweise, woran es hapert und wo ich genauer hinsehen oder mit dem Kind üben muss. Damit kann ich zumindest die Kinder, die Gefahr laufen, eine LRS zu entwickeln, sehr genau eingrenzen.
            Auch ist deutlich, welche Kinder in welchen Bereichen eine Wahrnehmungsstörung haben. Nur dass hier vor Ort die Rezepte für Logo- oder Ergotherapie so gut wie gar nicht zu bekommen sind, wie auffällig auch immer das Kind ist (O-Ton des Arztes: Das Kind ist dumm, das braucht keine Therapie). Sehr viele Kinder warten 12-18 Monate auf die Termine im nächsten SPZ und selbst dann sind Therapien eher selten, lieber wird ein Medikament verordnet.

            Im übrigen muss ich FÜR EINE DIAGNOSE die Fehler nicht vor den Augen der SuS korrigieren oder ihnen ihre Texte bunt markiert zurückgeben. Es gibt Kopierer, mit denen man das Geschriebene vervielfältigen kann und dann ganz ungeniert in den Texten markieren und Anmerkungen setzen kann, hinsichtlich Auffälligkeiten und Förderzielen, um diese dann als Dokument bei den individuellen Lernentwicklungsberichten abzuheften und bei Elterngesprächen einzusetzen. Überforderungstests sollten nicht als Denkzettel an SuS zurückgegeben werden.

            Der Umgang mit dem Schülertext für das Kind und der Umgang mit dem Schülertext für die Dokumentation sollten gerade bei Schulanfängern unterschiedlich sein.
            Ich kann das Kind loben, dass es den Ausflug ausführlich und anschaulich beschrieben hat, gleichzeitig aber in meinen Unterlagen vermerken, dass es dringend Förderung hinsichtlich der akustischen und körperlichen Wahrnehmung der Plosive oder hinsichtlich der Silbenstruktur benötigt und ggf. Logopädie angeraten sein könnte.

            Mein heutiges Erlebnis: Ein Kind, das kaum Deutsch kann, wollte den Bild-Wort-Test, den ich gestern hier angesprochen hatte, unbedingt mitschreiben. Im Nachhinein kann ich das Kind loben und sagen, dass es die Aufgabe gut bewältigt hat und ich mich über das Ergebnis freue und schon einige Wörter richtig geschrieben sind. Das Kind freut sich über das Lob und weiß trotzdem, dass noch nicht alles richtig war. Aber es hat die Aufgabe erstaunlich gut gelöst. Trotzdem werde ich mir die Fehlschreibungen sehr genau ansehen und daraus schließen, welche Laut-Buchstaben-Kombinationen noch nicht sitzen. Die anschließenden Übungsformate ergeben sich aus der Diagnose, haben aber mit der Testsituation nichts gemein.

          • Axel von Lintigl

            Palim

            Die Diagnosen stellen Kinderpsychologen und Kinderpsychiater und Sie können den Verdacht äußern. LRS ist eine eigenständige Teilleistungsstörung , welche in Kombination mit einer Dyskalkulie auftreten kann. Die Häufigkeit der LRS liegt weltweit um 5 %.

            Der weitaus größte Teil der schwachen Rechtschreiber ist Methoden bedingt ,als Folge einer antrainierten Rechtschreibschwäche durch eine fehlende oder zu geringe Anleitung im Schrift- und Leseerwerb in den ersten beiden Schuljahren durch den Lehrer.
            Eine falsch verstandene Fehlertoleranz bedingt in Verbindung mit einer positiven Verstärkung der Fehler (Smilies) systematische Fehler, welche das Erlernen des Schreibens zusätzlich erschweren.

            Man soll die falsche Schreibung durchstreichen und unter dem Text neu schreiben und den Schüler die richtige Schreibung einüben lassen.
            Und bloß nicht das Kind den Fehler suchen lassen, da sich sonst die falsche Schreibung zusätzlich einprägt.
            So empfiehlt es jedenfalls das Intra-Act-Plus-Konzept.

          • Ich glaube, dass der größte Teil der schwachen Rechtschreiber darin bedingt ist, dass diese Kinder Schwächen in der Wahrnehmung, der Merkfähigkeit, der phonologischen Bewusstheit haben. Sie können manches nicht verarbeiten und vieles nicht so bewerkstelligen, wie Kinder mit besseren Fähigkeiten in diesen Bereichen. Dadurch bleibt das System der Schrift ein Buch mit 7 Siegeln.

            Gäbe es frühzeitig hierfür Förderstunden oder Therapien von Spezialisten, die die Kinder in genau diesen schwach ausgebildeten Fähigkeiten unterstützen würden, und Zeit für die Kinder, genau das zu üben und zu lernen, wären es weit weniger Kinder, die in der Rechtschreibung auch später noch Auffälligkeiten vorweisen, gerade WEIL sie dann zwar Wörter und Regeln trainieren können, immer aber dabei ihre schlechtere Wahrnehmung kompensieren müssen, sie wurde ja zu wenig geschult.
            Ein Blinder kann auswendig lernen, welche Farben zueinander passen, und diese, sofern die Farben beschriftet sind, auch miteinander kombinieren, aber die Wahrnehmung für Farben in der Kunst entwickelt er nicht.

            So wie Ärzte über Bildung und Unterricht sprechen können, können Pädagogen auch über Diagnosen sprechen. Nicht in jedem Bundesland braucht es die Diagnose eines Psychologen für einen Nachteilsausgleich zur LRS. Das hat auch Vorteile: Man muss nicht 2 Jahre warten, bis man die individuelle Förderung anpassen darf.

            Die Diagnose liegt bei Psychologen, weil ein IQ-Test hinzugenommen wird, deren Ergebnisse dann über der Lernbehinderung liegen müssen. Die anderen Tests sind genormte Rechtschreibtests und die Analyse von selbst verfassten Texten hinsichtlich der Rechtschreibentwicklung.
            Ausgeschlossen werden Kinder, die Seh- oder Hörstörungen oder motorische Störungen haben, die Abgrenzung davon ist m.E. nicht klar zu führen.
            Diese Kinder sitzen aber mit im Unterricht und sollen auch Lesen und Schreiben lernen. LRS hin oder her, sie benötigen Förderung, die in den meisten Fällen recht gut einzugrenzen ist. Ob mit oder ohne Diagnose muss ich mich als Lehrkraft um diese Kinder kümmern und kann sie nicht vor die Tür setzen, nur weil es nicht so einfach läuft.

            Konkret an einem Fall: Das Kind mit der Lernbehinderung hat zwar eine diagnostizierte AVWS, letztlich ist dies aber eine Störung der Merkfähigkeit. Daduruch, dass die Tests zur AVWS gerade auf der Grundlage der Merkfähigkeit geführt werden (etwas nachsprechen, etwas hören und Inhalte wiedergeben), fallen die Tests unterdurchschnittlich aus. Es ist also nicht eindeutlig, ob das Kind eine AVWS hat oder nicht. Trainiert man die phonologische Bewusstheit, weil dies zum Störungsbild der AVWS gehört, trainiert man gleichzeitig auch die Merkfähigkeit, da viele Übungen diese ansprechen, sodass sich Erfolge einstellen.
            Eine LRS würde ein Psychologe nicht feststellen, wenn der IQ zu gering ist, was wiederum daran liegen kann, dass auch hier die Tests auf Merkfähigkeit basieren.
            Das Kind wird lesen und schreiben lernen. Weil es sich kaum etwas merken kann, braucht es aber eheblich länger. Sind die Fortschritte zu gering, könnte irgendwann ein Test ergeben, dass eine geistige Beeinträchtigung vorliegt.
            Bei mangelnder Förderung kann man als Grundschullehrkraft 4 Jahre zusehen, wie das Kind allmählich verkümmert. Bei dauerhafter Überforderung hat man das schon nach 1 Jahr erreicht.

          • Axel von Lintig

            Auch ein Intelligenztest kann falsche Ergebnisse liefern.
            Etwa bei ADS,hier nicht ADHS, mit einer eingeschränkten Konzentrationsspanne . Wenn dann der Test trotz eines Einbruchs der Konzentration weitergeführt wird ,fällt das Ergebnis falsch aus.
            Ebenso bei einer anamnestisch erhobenen, beidseitigen Hörstörung , welche über einen längeren Zeitabschnitt , hier 2 bis 3 Jahre vorlag.
            Hörtest mit Hörgerät normal , aber das genaue Hinhören fallt sehr schwer.Trotzdem lag eine auditive Wahrnehmungsstörung vor.
            Hier hilft die Tomatis-Therapie weiter.
            In den Sitzungen erfolgt ein Training der Konzentrationsfähigkeit für gezieltes Hinhören durch eine Hörtherapie. Das funktioniert wirklich.
            In Verbindung mit einem Fachärztlichen Gutachten einer Kinderpsychologin oder eines Kinderpsychologen sollte es gelingen für derartige Kinder einen Schulbegleiter über die Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung zu gewinnen. Den brauchen Sie in jeden Fall für ihren Schüler. Ich kenne auch noch gute Anwälte, die bei entsprechenden Widerstand zur Überwindung dieser Widerstände erfolgreich beitragen.
            Aber sie müssen es dem Schüler ermöglichen über die korrekte, silbierte Schreibvorlage und die silbierte Lesevorlagen eine Automatsierung einzupflegen. Diese Schüler können sich nicht selbstständig das Lesen und schreiben beibringen, jedenfalls noch sehr viel weniger als Schüler ohne Hörprobleme.

          • Ja, Begleitung beantragen – noch so ein Thema.
            Das ist in meiner Region für ein Kind mit Hörbeeinträchtigung eine sehr selten gewährte Option. Aussage des Pädagogen der zuständigen Förderschule für Hörbeeinträchtigte: „Das gibt es nicht. Mir ist kein Fall bekannt.“
            Nun kennt er einen 😉

            Dennoch ist es oft ein steiniger Weg, eine Begleitung zu bekommen.
            Und es wäre mir lieber, wenn systemimmanent Hilfen und Förderungen zur Verfügung stünden – ohne lange Beantragungs- und Bearbeitungszeit mit all ihren Klippen.
            Es kennt ja nicht jeder den richtigen Psychologen oder Anwalt und manche Eltern sehen in einer Begleitung Nachteile und lehnen diese deshalb ab (in meinem Bundesland gibt es die Begleitung nur auf Antrag der Eltern).

            … die Tomatis-Therapie hat aber gar keine randomisierte Studie im Hintergrund 😉

          • Axel von Lintig

            Palim

            Natürlich will das keine Gemeinde oder Stadt bezahlen. Ein Teil der dieser Schüler benötigt diese Hilfen aber, damit sie als Lehrer entlastet werden und sich nicht ständig auf diese Kinder konzentrieren müssen. Diese Helfer sind bei ADS und auditiven Störungen sehr Hilfreich für den Schüler.
            Ich kenne inzwischen genügend Kinder, die mit der Tomatis-Therapie erfolgreich therapiert wurden. Und diese wurden vorher für debil erklärt und lernen jetzt wirklich Lesen und Schreiben.
            Je früher , desto besser sind die Erfolge.
            Ich kann Ihnen eine Therapeutin in Drensteinfurt nennen .
            Es bedarf aber auch eines speziellen Hörtestes.

          • Ich wohne am Ende der Welt… da muss man auf Spezialisten weitestgehend verzichten.
            Eine Anfahrt von über 2 Stunden halte ich für nicht angemessen, die Kosten sind für die Eltern meiner SuS nicht leistbar und Rezepte… das hatten wir ja schon, da reicht es nicht mal für „normale“ Ergo- oder Logopädie.

            Die Aussage, dass es keine Begleitung für diese SuS gäbe, kam vom Förderschullehrer/ Schwerpunkt Hören. Er vertrat u.a. die Meinung, dass die Begleitung das Kind darin hindere, das Zuhören zu erlernen. (Wobei ich seine Argumentation nachvollziehen kann.) Die Testung in dieser Schule hat dieses Kind übrigens verweigert, den Förderbedarf gab es trotzdem.
            Die Kostenstelle war hinsichtlich der Begleitung weniger zögerlich.

    • @ Axel von Lintig: Wir haben hier alle ausreichend Material, nachdem wir teilweise 25 Jahre oder länger im Beruf sind, danke. Natürlich sind kleine Klassengrößen von Vorteil. Im Laufe meines Lehrerinnendaseins habe ich die Erfahrung gemacht, dass es auch sehr auf Methodenvielfalt angekommt. Wenn man nur frontal unterrichtet, weiß man nicht so genau, wo einzelne Kinder stehen, wo sie Probleme haben, weil viele nur mitlaufen. Dürfen Kinder streckenweise nach eigenem Tempo arbeiten, kann man sie viel besser begleiten und die Dinge länger üben, bei denen sie noch Probleme haben. Und dabei kann man prima differenzieren, die Guten mit schwierigen Knobeleien beschäftigen, andere am PC üben lassen, die Schwachen mit (oft selbstgebasteltem anschaulichem) Material unterstützen. Es kommt nicht so auf ein einziges seligmachendes Lehrwerk an. Übung ist natürlich gut, darf sich bei einer Gruppe von über 20 Kindern nicht auf die gleiche Art und Weise beschränken. Wir haben nicht nur 1 Kind zu unterrichten, sondern viele verschiedene Köpfe, nach diesen unterschiedlichen Lerntypen richten wir uns. Wir unterstützen die Kinder individuell so gut es geht.

      • Axel von Lintigl

        mississippi

        Ich stelle hier niemanden von Ihnen in Frage. Es handelt sich nur um Anregungen .
        Wenn ich von diesem Forum vorhergewusst hätte, hätte ich mir hier die notwendigen Tipps bei Ihnen geholt. Denn eine Tochter hat drei riesige Probleme und Dank individueller Förderung kommt sie langsam aus dem tiefen Tal heraus.
        Ich bin selber dankbar für Anregungen zum effektiveren Lernen.

  5. So ist das mit Leuten, die von Stochastik wenig bis keine Ahnung haben und dann noch Schlussfolgerungen anstellen.
    Bei einer Querschnittsbetrachtung aller zum VW-Konzerngehörenden Marken und den dort hergestellten Modellen ist der NOX-Ausstoß vollkommen unbedenklich. Die Längsschnittstudie bezüglich der Dieselaggregate des Konzerns kommt somit zu einer vollkommen verzerrten Darstelung des Sachverhaltes.

    Im Analogieschluss bedeutet es, kleine Klassen können überhaupt nicht gut für den Lernerfolg sein un belasten zudem die öffentlichen Kassen überproportional. Es macht keinen Sinn sechs Parallelklassen u bilden, die lernen nicht schlechten, wenn man die 170 SuS gemeinsam unterrichtet.

  6. Größere Lerngruppen sind kein Problem, wenn man nur andere als lehrerzentrierte Unterrichtformen nutzt?
    Wenn ich in Klassen mit wie bei uns 28 – 32 Schülerinnen und Schülern plus zwei Schulbegleiter Think-Pair-Share, Gruppenarbeit oder Freiarbeit mache, habe ich spätestens nach der dritten Stunde einen Hörschaden und ob des Grundlärms einen Haufen völlig verzweifelter Kinder vor mit sitzen, weil die Räume für solche Unterrichtsformen überhaupt nicht ausgelegt sind.

    Da können die SuS noch so diszipliniert sein: wenn 30 Kinder sich leise unterhalten, von A nach B gehen ist schon der Grundpegel so hoch, dass konzentriertes Arbeiten nicht möglich ist.

    Wir sind so voll, wir haben keinen einzigen Gruppenraum und schon der Standardunterricht ähnelt eher einer Käfighaltung.
    Die Lehrkräfte sind durchaus gewillt und auch befähigt, große Gruppen zu unterrichten. Nur eben nicht unter den gegebenen Bedingungen.

  7. Axel von Lintigl

    Ich widerspreche dem Autor in seinen einleitend vorgetragenen Thesen.Er liefert uns miteinander verknüpfte Behauptungen, um die von ihm propagierten individuellen Unterrichtsmethoden zu rechtfertigen.
    Der Autor des Artikels behauptet erstens,dass eine kleine Gruppengröße sich bei einer Förderklasse nicht auszahlen kann, wenn in einer Förderklasse mit 9 Kindern alle im Gleichschritt den gleichen Lehrgang bearbeiten.
    Meine Tochter wurde sogar in einer Sprachförderklasse mit 15 Schülern sehr erfolgreich im Gleichschritt unterrichtet.
    Warum sollten unterschiedliche Lernmethoden bei einer derartig homogenen Gruppe Vorteile bringen ?
    Selbstverständlich arbeiteten die Schüler nach vorheriger Anleitung eigenständig an ihrem Lernstoff. Einige brauchten dabei mehr Unterstützung durch den Lehrer. Die Ergebnisse wurden anschließend gegenkontrolliert.
    Alle wurden sehr weit gebracht, alleine das freie Schreiben bereitete einem Teil der Schüler Schwierigkeiten.

    In der zweiten These behauptet er, ohne die Zusammensetzung der Gruppe zu benennen, das umgekehrt bei einer dreimal so großen Gruppe, also 27 Schülern, die Schüler besser lernen, wenn der Unterricht Raum für individuelle Lernwege bietet, als wenn alle zur gleichen Zeit dieselbe Aufgabe bearbeiten.
    Dem Widerspricht die bis in das Jahr praktizierte Unterrichtsmethodik des Lehrer zentrierten Unterrichts mit direkten Anleitungen, feedback, Einübungen des automatisierten Lese- und Schreiberwerbs .

    Der Autor ist kein Lehrer und hat wahrscheinlich bis auf seine eigenen Kinder niemanden schulisch unterrichtet.
    Wie er Professor für den Anfangsunterricht mit seinen Qualifikationen werden konnte erschließt sich mir und vielen anderen nicht.Da sollte man mal in Bremen nachfragen.

  8. Axel von Lintigl

    das Jahr 2000

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