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Grüne kritisieren Vernachlässigung des Fachs Sozialkunde in Bayern

MÜNCHEN. Nur zwei Stunden Sozialkundeunterricht in der Abschlussklasse sieht der Stundenplan an bayerischen Realschulen vor und nur jede dritte würde von einem Fachlehrer unterrichtet, kritisieren die bayerischen Grünen. Doch das zu ändern, würde derzeit zu einer «eklatante Personalschieflage» führen, heißt es aus dem Ministerium. Lehrkräfte mit fachnaher Beschäftigung würden seit vielen Jahren den Lehrplan adäquat umsetzen. Überdies liege der Ball bei den Schulleitungen.

Sozialkunde unterrichten in Bayern vor allem an den Realschulen oft Lehrer ohne Lehrbefähigung für dieses Fach. Im Schuljahr 2015/2016 war dies bei 70,4 Prozent der Unterrichtsstunden der Fall, wie aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hervorgeht. An staatlichen Gymnasien betrug der Anteil 8,0 und an staatlichen Berufsschulen 8,2 Prozent. Die Grünen bemängeln einen zu geringen Stellenwert des Fachs.

Viele Lehrer mit einer Befähigung für Fächer mit einer Nähe zur Sozialkunde würden das Fach Sozialkunde nunmehr seit vielen Jahren unterrichten. An ihrem Engagement zweifelt wohl niemand. Foto: woodleywonderworks / flickr (CC BY 2.0)

Viele Lehrer mit einer Befähigung für Fächer mit einer Nähe zur Sozialkunde würden das Fach Sozialkunde nunmehr seit vielen Jahren unterrichten. An ihrem Engagement zweifelt wohl niemand. Foto: woodleywonderworks / flickr (CC BY 2.0)

Als Grund für den hohen Anteil an den Realschulen führt das Haus von Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) die Entwicklung in den vergangenen Jahren an, darunter die Bewerbersituation in einzelnen Fächerverbindungen. Das habe dazu geführt, dass vielfach Lehrer mit einer Befähigung für Fächer mit einer Nähe zur Sozialkunde, etwa Geschichte oder Wirtschaftswissenschaften, den Unterricht übernahmen. «Diese Lehrkräfte unterrichten das Fach Sozialkunde nunmehr seit vielen Jahren und setzen den Lehrplan adäquat um», so das Ministerium.

Würden diese Lehrer nicht mehr in Sozialkunde eingesetzt und durch neue Kräfte mit der Fächerverbindung Wirtschaftswissenschaften/Sozialkunde ersetzt, würde dies den Angaben nach zum einen bei den Betroffenen zu großem Unverständnis führen. Zum anderen wäre auch eine «eklatante Personalschieflage» an den staatlichen Realschulen die Folge: Für die neu eingestellten Lehrer bestünde keine Einsatzmöglichkeit im Zweitfach. Die Stammlehrkräfte, die derzeit Sozialkunde unterrichten, könnten mit ihrem Stundendeputat nicht mehr eingesetzt werden. Daher forderten Schulleitungen derzeit kaum Sozialkunde-Lehrkräfte an.

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Aus Sicht der Grünen wird das Fach Sozialkunde vernachlässigt. In sämtlichen Jahrgangsstufen unter Klasse 10 seien null Stunden vorgesehen, in der Realschul-Abschlussklasse seien es zwei. Am Gymnasium sehe der Stundenplan von Klasse 10 bis 12 je nur eine Stunde Sozialkunde vor. Der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Gehring, fordert unter anderem, früher mit der politischen Bildung zu starten und das Unterrichtspensum beim neunjährigen Gymnasium zu erhöhen. Zudem müsse die Demokratiebildung bereits in der Lehrkräfteaus- und Fortbildung gestärkt werden. «Die CSU hat keinerlei Interesse daran, unsere Schülerinnen und Schüler fit zu machen für mehr Demokratie», warf Gehring der Staatsregierung vor.

Das Ministerium betonte, dass die Realschulleiter regelmäßig darauf hingewiesen würden, dass der fachfremde Einsatz in Sozialkunde rückgebaut werden soll und sie – wann immer möglich und notwendig – Lehrer mit der Fächerverbindung Wirtschaftswissenschaften/Sozialkunde anfordern sollen. Gleichzeitig würden Lehramtsstudenten für Realschulen zu einer Erweiterungsprüfung in Sozialkunde motiviert.

Immerhin: An den staatlichen Realschulen und Gymnasien konnten im Schuljahr 2015/2016 den Angaben nach alle Unterrichtsstunden im Fach Sozialkunde eingerichtet werden. An den staatlichen Berufsschulen war das bei 1,6 Prozent der Sozialkunde-Stunden nicht der Fall. (dpa)

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