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Immer mehr Kinder kommen krank zum Unterricht – Fleischmann regt Betreuung in der Schule an

MÜNCHEN. Viele Eltern stehen beruflich stark unter Druck. Der Terminkalender ist voll, ständig drängt der Chef und die Sorge den häufig auch noch befristeten Job zu verlieren ist ohnehin stets gegenwärtig. Ist dann morgens das Kind krank, ist die Versuchung groß, es mit der Schule zumindest zu versuchen, anstatt sich freizunehmen. Zeigt sich in der Schule dann, dass es doch nicht geht, stehen die Lehrer vor einem Betreuungsproblem. BLLV-Präsidentin Fleischmann regt nun den Einsatz von Schulkrankenschwestern an, das Schulministerium sieht darin allerdings keine Lösung.

Die Grippewelle macht auch den Schulen in Bayern zu schaffen. Lehrer und Schüler liegen derzeit gleichermaßen flach – nicht zuletzt, weil Kinder trotz Krankheit immer häufiger doch zum Unterricht kommen. Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), bestätigt diese Entwicklung: «Wir sehen, dass Eltern unter Zwängen stehen», sagt sie. Mütter und Väter seien gestresst vom Beruf und könnten sich nicht freinehmen, auch wenn ihnen dies zur Pflege kranker Kinder eigentlich zustehe. Die Folge: Reihenweise sitzen schniefende Schüler in den Klassen oder melden sich, weil sie sich so schlecht fühlen und nur noch ins Bett wollen.

«Fast täglich sind da Kinder, die krank in die Schule kommen und um 8.20 Uhr vor mir stehen und fragen, kann ich nach Hause.», Birgit Dittmer-Glaubig von der Mittelschule Simmernstraße. Pexels / Pixabay (CC0 Public Domain)

«Fast täglich sind da Kinder, die krank in die Schule kommen und um 8.20 Uhr vor mir stehen und fragen, kann ich nach Hause.», Birgit Dittmer-Glaubig von der Mittelschule Simmernstraße. Pexels / Pixabay (CC0 Public Domain)

Die Erfahrung macht derzeit auch Birgit Dittmer-Glaubig, Konrektorin der Mittelschule an der Simmernstraße in München. «Fast täglich sind da Kinder, die krank in die Schule kommen und um 8.20 Uhr vor mir stehen und fragen, kann ich nach Hause.» Dann werde es problematisch, weil die Eltern oft nicht zu erreichen seien, um den Sohn oder die Tochter abzuholen. Mit etwas Glück gibt es in der betreffenden Klasse eine Ruheecke mit Sofa. Andere würden bei den Schulsozialarbeitern untergebracht. Keine Ideallösung, findet die Pädagogin. Schuld will sie aber niemandem zuweisen. Viele Eltern hätten Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, und oft gebe es niemanden, der schnell als Babysitter einspringen könne. «Da muss sich gesamtgesellschaftlich etwas ändern, dass die Wertschätzung von Familie eine größere wird», fordert Dittmer-Glaubig, die beim BLLV die Abteilung Berufswissenschaft leitet.

Gleich zwei extreme Krankheitswellen kommen aktuell in Deutschland (und in vielen Schulen) zusammen: Grippe und Norovirus

Fleischmann hat eine andere Lösung: Schulkrankenschwestern wie es sie etwa in Schweden gibt. «Dieses verschnupfte, körperlich geschwächte, spuckende Kind geht zu dieser Krankenschwester, es braucht Zuwendung, es braucht Zeit, einen warmen Tee und eine Decke», erklärt sie. Über so eine Lösung müsse ein reiches Bundesland wie Bayern diskutieren. Eine Anregung, die das Kultusministerium jedoch ablehnt. «Akut kranke Kinder brauchen häusliche Bettruhe», sagte eine Sprecherin. Außerdem könnten andere Schüler und Lehrer angesteckt werden.

Das Ministerium verweist stattdessen auf Initiativen, die im Notfall spontan eine Betreuung organisieren. Angeboten wird das etwa von der Tagespflegebörse Nürnberg oder vom Verein für Fraueninteressen in München, bei dessen Einrichtung «Zu Hause gesund werden» gerade Hochkonjunktur herrscht. Das ist Alltag Mitte Februar: «Wir werden um diese Zeit immer stark nachgefragt», sagt Leiterin Marlies Tremmel. 50 ehrenamtliche Helferinnen sind in der Stadt und im nahen Umland unterwegs und erhalten pro Stunde 6,50 Euro Aufwandsentschädigung plus Fahrtkosten. Wer Hilfe braucht, muss allerdings mit mindestens drei Stunden Vorlauf rechnen. «Man kann nicht um acht Uhr anrufen, weil man um halb neun jemanden braucht», erklärt Tremmel. Und manche Familien haben Pech. «Wir müssen momentan pro Tag einigen absagen.» (Cordula Dieckmann, dpa)

Das ist mal ein sinnvolles Projekt: Schulschwestern kümmern sich um kranke und verletzte Schüler – und entlasten damit die Lehrer

Ein Kommentar

  1. Wer baut die Gebäude, in denen sich die Kranken dann aufhalten und im Bett liegen?

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