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Lehrkräfte: Schüler schreiben immer schlechter mit der Hand – CDU will jetzt gegensteuern

POTSDAM. Lehrkräfte beobachten, dass sich immer mehr Kinder schwertun, das Handschreiben zu lernen. Dies wird nun noch einmal durch eine Umfrage bestätigt, die die CDU in Brandenburg unter Lehrerinnen und Lehrern des Bundeslands durchführen ließ. Danach meinen mehr als drei Viertel der Befragten, die Handschrift der Schüler hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Für die Christdemokraten ist das ein Anlass, jetzt gegenzusteuern: Sie fordern ein Modellprojekt, in dem die Förderung verbessert wird.

Eine schlechte Stifthaltung sieht dann etwa so aus. Foto: Jamie / flickr (CC BY 2.0)

Eine schlechte Stifthaltung sieht dann etwa so aus. Foto: Jamie / flickr (CC BY 2.0)

Die Ergebnisse sind eindeutig: 78 Prozent der Lehrkräfte in Brandenburg sehen, dass sich die Handschrift ihrer Schüler in den vergangenen Jahren verschlechtert habe – demgegenüber sind nur 20 Prozent der Meinung, die Fähigkeiten der Kinder in Sachen Handschreiben seien gleich geblieben. Lediglich zwei Prozent glauben, sie hätten sich verbessert. Das Thema brennt den Lehrkräften durchaus auf den Nägeln: 92 Prozent halten Handschreiben auch heute noch für „sehr wichtig“, sieben Prozent für „wichtig“. Andersherum: Praktisch kein Lehrer hält das Handschreiben für „weniger“ oder für „gar nicht mehr“ wichtig.

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Diese Resultate decken sich mit einer bundesweiten Umfrage, deren Ergebnisse das Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, und der Deutsche Lehrerverband (DL) vor knapp zwei Jahren vorgestellt hatten. Danach meinen vier Fünftel (79 Prozent) der an der Erhebung beteiligten Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen, die Handschrift ihrer Schülerinnen und Schüler habe sich im Schnitt verschlechtert. Sogar 83 Prozent der befragten Grundschullehrkräfte gaben an, dass sich die Kompetenzen, die Schüler als Voraussetzung für die Entwicklung der Handschrift mitbringen. Nach Einschätzung der an der Umfrage beteiligten Lehrkräfte haben die Hälfte der Jungen (51 Prozent) und ein Drittel der Mädchen (31 Prozent) Probleme mit der Handschrift.

DL-Präsident Josef Kraus forderte seinerzeit die Kultusminister der Länder auf, das Thema Handschreiben verstärkt in den Blick zu nehmen „Wir benötigen mehr Förderung der Grob- und Feinmotorik schon in den Kindertagesstätten und dann in den Grundschulen.“ Die Erzieherinnen und die Grundschullehrkräfte benötigten dafür angesichts der wachsenden Herausforderungen mehr Unterstützung. Passiert ist seitdem allerdings wenig.

„Große Bedeutung“

Kommt jetzt Bewegung in das Thema? Die frischgebackene Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), hat unlängst in einem Schreiben an die Grundschulen des Landes betont: „Dem Erlernen einer leserlichen Handschrift, wie sie über den Bildungsplan und die KMK bis zum Ende der Grundschulzeit eingefordert wird, messe ich große Bedeutung bei.“ VBE-Chef Udo Beckmann warnte kürzlich (anlässlich des Tags der Handschrift am 23. Januar) die Politik, die erkannten Probleme zu vernachlässigen. „Handschreiben ist keine überholte Technik. Das Halten eines Stiftes und das Schreiben mit der Hand fördern die feinmotorischen Fähigkeiten eines Kindes. Außerdem wurde in verschiedenen Studien bewiesen, dass dies auch Auswirkungen auf die geistigen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler hat“, erklärte er.

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Bemerkenswert: Auch Eltern und Kinder machen die Erfahrung, dass die Handschreib-Fähigkeiten und der Erfolg in der Schule zusammenhängen. Bei einer aktuellen Umfrage, die Stabilo Education in dieser Woche veröffentlicht hat, erklärten 91 Prozent der Eltern und 90 Prozent der Grundschüler, schulische Leistungen würden „stark“ oder sogar „sehr stark“ positiv von einer flüssigen Handschrift beeinflusst.

Die motorischen Grundlagen zum Schreibenlernen sollen in Brandenburgs Grundschulen und Kindertagesstätten deshalb jetzt stärker gefördert werden – jedenfalls nach dem Willen der oppositionellen CDU. Die Christdemokraten fordern ein Modellprojekt, in dem Übungen und Arbeitsmaterialien sowie ein Leitfaden und Fortbildungsangebote für Pädagogen entwickelt werden. Ziel sei es, das Projekt zum Schuljahr 2018/19 zu starten, erklärte der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Gordon Hoffmann. Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts, verwies auf wissenschaftliche Tests, die deutlich machen, dass mit wenig Aufwand durch spielerische Übungen sich die schreibmotorischen Fähigkeiten der Kinder schnell verbessern ließen. Evaluierte Materialien lägen bereits vor. Heißt: Die Landesregierungen müssen nur wollen. News4teachers / mit Material der dpa

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