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Sechs Punkte, die eine gute Schule ausmachen – Der Jury-Sprecher des Deutschen Schulpreises im News4teachers-Interview

DÜSSELDORF. Woran erkennen Eltern eine gute Schule? Was sind Qualitätsmerkmale, an denen sich auch Lehrkräfte und Schulleitungen orientieren sollten? Der renommierte Bildungsforscher Prof. Dr. Michael Schratz, Dekan der School of Education an der Universität Innsbruck und Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises, referiert darüber auf dem Deutschen Schulleiterkongress. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Was macht eine gute Schule aus? Der Deutsche Schulpreis 2016 ging an die Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf, Niedersachsen. Foto: Deutscher Schulpreis

Was macht eine gute Schule aus? Der Deutsche Schulpreis 2016 ging an die Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf, Niedersachsen. Foto: Deutscher Schulpreis

News4teachers: PISA ist gerade wieder veröffentlicht worden und viele Menschen fragen sich: Ist das alles? Muss Schule nicht viel mehr vermitteln als Kompetenzen in Mathe, den Naturwissenschaften und im Lesen, die zu einem Länderranking führen?

Schratz: Ja, da gebe ich Ihnen Recht. Bildung ist viel mehr, als empirische Bildungsstudien messen können. Bildung ist ein lebenslanger Prozess. PISA, TIMSS und Co bilden nur bestimmte Kompetenzen ab. Allerdings lässt sich damit schon feststellen, wie groß etwa die Gruppe der Risikoschüler ist. Wer nicht sinnhaft lesen kann, wird sich auch keine Bildung aneignen können. Dazu kommt: Es war für eine Schule früher schwierig einzuschätzen, was ist überhaupt eine gute Leistung? PISA hat eine Diskussion angestoßen, wegen der wir heute bundesweit Bildungsstandards haben. An denen können sich die Schulen ausrichten – um sagen zu können, wo sie stehen. VERA, die Vergleichsarbeiten in der dritten und achten Klasse, bieten hier zum Beispiel einen guten Maßstab. Und um messbare Leistungen muss es uns schon auch gehen.

News4teachers: Auch beim Deutschen Schulpreis?

Schratz: Ja, klar. Beim Deutschen Schulpreis gilt für die Preisträger: Sie müssen besser abschneiden als der Durchschnitt vergleichbarer Schulen. Letzteres ist aber wichtig – wir können Brennpunkt-Schulen schließlich nicht mit Schulen in einem gutbürgerlichen Umfeld vergleichen.

News4teachers: Was macht darüber hinaus eine gute Schule aus?

Schratz: Wir haben beim Deutschen Schulpreis sechs Bereiche, in denen wir die Schulen begutachten. Erstens, wie gesagt, die Leistung. Zweiter Punkt: Wie geht eine Schule mit Vielfalt um? Unsere Gesellschaft wird immer bunter. Die Schulen stehen vor den Herausforderungen Inklusion und Integration, ob es sich dabei um Flüchtlingskinder oder um Kinder mit Behinderungen handelt – und wir schauen, wie sie diese Herausforderungen bewältigen.

News4teachers: Aber ist das nicht vor allem eine Ressourcenfrage, also eine Frage von genügend Lehrpersonal, auf das die Schulen ja keinen Einfluss haben?

Schratz: Unsere exzellenten Preisträgerschulen haben so viele Mittel wie andere auch. Sie finden aber Lösungen trotz bestehender Ressourcenprobleme. Das können Kooperationen sein. Ich war neulich an einer Schule, die mit einem Theater zusammenarbeitet – und einem Schüler, der stark stotterte, die Hauptrolle gab. Nach zwei Jahren hatte der Junge sein Stottern verloren und er zeigte bessere Schulleistungen. Oder eine andere Schule kooperiert mit einer Musikschule – und ermöglicht es Kindern, ein Instrument zu lernen, die sonst nie die Möglichkeit dazu gehabt hätten. Das sind tolle Beispiele, die zeigen: Es hängt nicht vom Geld allein ab.

Deutscher Schulpreis: Eine Grundschule aus Niedersachsen gilt nun als „beste Schule Deutschlands“

News4teachers: Was checken Sie noch beim Deutschen Schulpreis?

Schratz: Wir achten drittens auf die Unterrichtsqualität. Dabei ist es uns wichtig zu sehen, dass jeder Schüler in seinen Fähigkeiten vorangebracht wird, dass jeder zu Zielen geführt wird, die er sich vielleicht selbst nicht zugetraut hat, dass jeder Schüler herausgefordert wird. Die Kinder sollen Aufgaben bekommen, in denen sie Sinn sehen und sich die Welt erschließen. Und sie sollen keinen engstirnigen Buch-Unterricht haben.

Viertens, und das wird bei PISA tatsächlich kaum berücksichtigt: Bekommen die Schüler Verantwortung übertragen? Sie sollen ja in der Schule auch lernen, später einmal als Staatsbürger die Demokratie mitzugestalten. Und dieses gesellschaftliche Engagement fängt in der Schule im Kleinen an – meinetwegen in der Schulkantine mit dem Teller abräumen. Das kann aber auch eine funktionierende Schülermitwirkung sein. Oder, wie an einer Schule in Brandenburg, dass die Schüler einmal im Jahr die Schule einen Tag lang übernehmen – und verantwortlich den Betrieb organisieren.

Die letzten beiden Punkte sind das Schulklima und die Außenbeziehungen – also das Miteinander von Lehrern, Schülern und Eltern – sowie die Schule als lernende Organisation: Wie entwickelt sie sich weiter? Wie sorgt das Kollegium dafür, dass es nicht in Einzelkämpfer zerfällt, sondern systematisch an einem Konzept entlang arbeitet?

News4teachers: Diese sechs Punkte können Eltern ja kaum erfassen. Was raten Sie denen – woran können Eltern erkennen, ob eine Schule gut ist?

Schratz: Sie sollten fragen, wie die Schule mit Besonderheiten umgeht. Jedes Kind ist anders. Das eine hat eine Leseschwäche, das andere ist besonders sportlich. Wie geht die Schule mit solchen Unterschieden um? Spielen die eine Rolle? Ist der Unterricht auf die besonderen Bedürfnisse zugeschnitten? Oder hat die Schule keine Vorstellung davon, wie sie damit umgehen soll? Dann können Eltern auch nach dem Schulprogramm fragen – hat die Schule eine Idee, wohin sie sich entwickeln möchte? Daran lässt sich viel erkennen.

News4teachers: Wie wichtig ist die Schulleitung für die Qualität einer Schule?

Schratz: Der Schulleiter ist – nach den Schülern – die wichtigste Person in der Schule. Er sollte sich als Agent für die Schüler verstehen, also darauf achten, ob sie bekommen, was ihnen zusteht. Er sollte sich immer wieder drei Fragen stellen: Wie gut sind wir? Woher wissen wir das? Wie können wir besser werden? Überhaupt: Er sollte eine Vision haben, einen Leitstern, wohin die Reise gehen soll.

News4teachers: Konfliktscheu darf er aber nicht sein?

Schratz: Auf keinen Fall.

Agentur für Bildungsjournalismus

Hintergrund: Der Deutsche Schulleiterkongress
Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises: Prof. Dr. Michael Schratz. Foto: Bernhard Aichner / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises: Prof. Dr. Michael Schratz. Foto: Bernhard Aichner / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Prof. Dr. Michael Schratz wird seine Thesen am 24. März 2017 von 11.15 bis 12.30 Uhr auf dem Deutschen Schulleiterkongress vorstellen. Über 120 Experten aus unterschiedlichen Bereichen diskutieren in Düsseldorf beim 6. Deutschen Schulleiterkongress (DSLK) vom 23. bis 25. März 2017 mit Schulleitungen aus ganz Deutschland über die Zukunft. Es geht um den Austausch von Ideen, wie die Schule von morgen gestaltet werden kann. Zugesagt haben unter anderem der Bergsteiger (und ehemalige Lehrer) Reinhold Messner, Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir, Rolf Noack, Kapitän der „Mein Schiff“ von TUI Cruises, und die Fernseh-Moderatorin und Buchautorin Petra Gerster („Charakter – worauf es bei Bildung wirklich ankommt“). Hier gibt es weitere Informationen.

17 Kommentare

  1. Nur die beste Schule erhält den Deutschen Schulpreis? Mit allem Nachruck hinterfrage ich diese Behauptung!
    Anlässlich der letzjährigen Prämierung teilte ich der Projektleiterin meine Einwände mit. Sie hielt es nicht einmal für nötig, meine Mail zu bestätigen. Meine erneute Nachfrage blieb unbeantwortet. Offensichtlich sind offen – kritische Diskussionen nicht erwünscht.

    Die „Macher“ dieses Schulpreises fördern nämlich genau den Unterricht, der in diesem Forum aktuell z.B. von Axel von Lintig – und m.E. völlig zurecht – so vehement kritisiert wird. Das schließt auch die Person H. Brügelmann mit ein, der als gelernter Jurist nach meinem Kenntnisstand (kann ich gerne noch mal prüfen) z.B. niemals Unterrichtserfahrungen sammelte.

    Hier ein kleiner Ausschnitt meines Schreibens an die Projektleiterin:

    Es ist immer von der „besten“ Schule Deutschlands die Rede. Von zirka 40.000 Schulen nahmen in diesem Jahr 80 Schulen an dem Wettbewerb teil. Das sind 0,2 Prozent. 14 erreichten die Endausscheidung. Müsste es deshalb nicht korrekt heißen:
    Beim diesjährigen Deutschen Schulpreis hat die Grundschule in Schüttorf unter 80 teilgenommenen Schulen den ersten Platz errungen?
    „Die Schule, die den Deutschen Schulpreis gewinnt, ist der Gewinner des Deutschen Schulpreises und mit Sicherheit nicht die beste Schule Deutschlands.“
    Das schreibt ein Leser im Bildungsmagazin News4teachers (n4t).

    In dem Wettbewerb haben nur Schulen eine Chance, nominiert zu werden, die sechs Kriterien erfüllen. Es wird zum Beispiel erwartet, dass eine Schule „selbstorganisiertes Arbeiten“ und „individuelles Lernen“ ermöglicht. Nun ist diese Form der Unterrichtsorganisation keine „neuzeitliche Erfindung“. Bereits vor vielen Jahrzehnten wurde so in den Schulen gearbeitet. Aber nicht als durchgängiges Unterrichtsprinzip, sondern im Sinne der Methodenvielfalt.
    Selbst Professor Hilbert Meyer, der „Vater“ des offenen Unterrichts, räumte später ein, dass diese Unterrichtsform weniger das Wissen fördere, als vielmehr das soziale Lernen.
    Ich kenne keine Studie, in der nicht die Überlegenheit des herkömmlichen Gymnasiums gegenüber einer Gesamtschule betont wird.
    Die Initiatoren des deutschen Schulpreises vermitteln aber den Eindruck, dass nur Schulen erfolgreich arbeiten, in denen gemeinsames Lernen und offene Unterrichtsformen im Vordergrund stehen. Betont wird auch immer die Wohlfühlatmosphäre.

    „Super, in Deutschlands bester Schule sind Lehrkräfte eigentlich überflüssig, weil die Schüler das Lernen am besten selbstständig erledigen. Eine Frohbotschaft an die Finanzminister der Bundesländer.“ (n4t)
    Ein Nutzer ergänzt noch augenzwinkernd, dass es ohne Lehrkräfte nun auch nicht ginge. Jemand müsse ja die Lernateliers einrichten und betreuen. (n4t)
    Nach Spiegel-Online darf sich Schüler Jarle in der Grundschule auf dem Süsteresch selbst aussuchen, was er lernen will. Mathe oder Lesen oder Schreiben, das ist in den „Selbstlernzeiten“ an der Grundschule auf dem Süsteresch ganz egal.
    „Wir müssen noch nicht mal sagen, was wir machen“, sagt Jarle. „Wir gehen einfach alle an die Arbeit.“

    Noch einmal: Ich kenne keine Studie, die belegt, dass diese Form des Lernens dem herkömmlichen Unterricht überlegen ist.
    Deshalb kann schon vermutete werden, dass die ausgezeichneten Schulen nicht die besten Schulen Deutschlands sind, sondern die, die den Organisatoren am besten ins bildungsideologische Konzept passen. (n4t)

    • Danke für Ihren Kommentar! Ihre Meinung teile ich restlos. Außerdem möchte ich Ihnen meine Anerkennung dafür aussprechen, das Sie der Projektleiterin Ihre Bedenken mitgeteilt haben, obwohl zu erwarten war, dass Ihre Einwände ignoriert würden.
      Ich glaube, die meisten Lehrer wissen inzwischen, dass der deutsche Schulpreis nicht die beste Schule auszeichnet, sondern die Schule, die sich am besten für Werbezwecke der vorherrschenden Bildungsideologie eignet.

    • Auf jeden Fall ist die beste Schule am besten in der Vermarktung ihres Konzeptes nach Außen. Verpackung ist schließlich (in diesem Fall) wichtiger als der Inhalt.

    • Nirgends beansprucht der Deutsche Schulpreis, die beste Schule Deutschlands auszuzeichen – das ist das, was die Medien daraus machen. Insofern habe ich volles Verständnis dafür, dass die Projektleiterin einem Kritiker nicht antwortet, der sich nicht mal die Mühe macht, sich mit dem Gegenstand seiner Kritik zu beschäftigen und die dazugehörige Homepage zu besuchen.

      • @Anna
        Sind Sie Hellseherin?
        Woher wollen Sie wissen, dass ich nicht auf der entsprechenden Homepage war?
        Woher wollen Sie wissen, dass ich mir nicht die zu beurteilenden sechs Bereiche angesehen habe?
        Sie lesen hier nur einen Teil meiner Kritik.

        In meinen Augen hat sich die Projektleiterin mir gegenüber unhöflich, wennn nicht respektlos verhalten. Nicht zu antworten, ist immer schlecht!
        Z.B. hätte sie auf den Punkt „beste Schule“ eingehen und sich dazu äußern können.
        So, so, die Medien sind dafür verantwortlich, dass ständig von der „besten Schule“, der „besten Lehrkraft“ usw. die Rede ist?
        Anscheinend können die Verantwortlichen damit aber gut leben, denn ein Dementi habe ich von den Verantwortlichen noch nicht vernommen.

        • Nein, Anna ist nicht Hellseherin. Genauso wie ein paar Herren hier geht sie Ihnen nur gern an den Kragen, auch wenn Kritik oder Vorwürfe aus den Fingern gesaugt werden müssen.
          Ihre Kommentare, die ich immer schätze, werden von dieser Seite offensichtlich nicht gern gesehen. Ich hoffe, Sie wissen das richtig einzuordnen und zu schätzen.

          • @Gerald
            Danke für Ihre freundlichen Worte.
            So weit es geht, vermeide ich auch den Disput mit der Dame und den Herren. Ich erinnere an mein Beispiel mit dem amerikanischen Abgeordneten, der sich lieber mit seinem Hund unterhielt, als die aus seiner Sicht dämlichen Interviewfragen zu beantworten.
            Nur lag „Anna“ dieses Mal aber so daneben, dass ich einfach reagieren musste.

    • Übrigens: Selbst in punkto soziales Lernen haben die von Ihnen kritisierten Methoden des selbstregulierten Lernens keinen signifikanten Vorsprung.
      Zitat aus dem Buch von Gerhard Roth:
      „Die genannten Studien (8 Studien, die nach Meinung Gerhard Roths gehobenen Ansprüchen genügen) zeigten entweder keine oder eine nur schwache Signifikanz in einem der SRL-Aspekte (Kognition, Metakognition, Motivation), und das auch nur in einem oder zwei Fächern.“

    • Solche Preise sind methodisch fragwürdig, wie man an diesem Beispiel sieht. Was die Frage „Gesamtschule vs Gymnasium“ damit zu tun hat, ist mir schleierhaft. Ich habe in den letzten Tagen dutzende Elterngespräche geführt, um neue 5er zu rekrutieren. Nebenan am kirchlichen Gymnasium haben sie es genauso gemacht. Dort spricht vor, wer 1,6 oder besser ist, bei uns, wer den Ganztag braucht, eine eingeschränkte Gym-Empfehlung oder eine für RS/HS oder G9 will. Und da brauchen Sie eine Studie (!), die bescheinigt, dass Schüler bei uns in kognitiv geprägten Fächern schlechter abschneiden? Das bestreitet von hunderten Menschen mit Expertise, die ich kenne, niemand. Wir nehmen für uns etwas ganz anderes in Anspruch, nämlich „unsere“ Klientel ihren Bedürfnissen entsprechend optimal zu betreuen. Manchmal springt sogar ein sehr schönes Abitur dabei raus, manchmal ein respektables und oft gar keins. Wir sind „besser“ als das kirchliche Gymnasium nebenan, wenn wir aus unserer Population relativ mehr machen und wir sind „schlechter“, wenn wir in dieser Relation weniger aus ihnen machen. Pädagogisch gesehen ist hier ein FOR mit 3.0 ein Wunder und dort ein Abitur von 1,8, bezogen auf die Möglichkeiten, die es gab, ein Skandal. Ohne differenzierende Methoden „nach innen“ geht das übrigens absolut nicht. Die Kinder sind nun einmal völlig verschieden, darauf muss man zumindest niederschwellig reagieren, auch wenn das oft genug schwierig ist und auch mal gar nicht gelingt.

      • Wieso? – Jeder lobbyverband kann seine „Besten“ küren. Das hat nichts mit Fragwürdigkeit zu tun, allenfalls mit Allgemeingültigkeit.

  2. Dieser ganze Preis ist verlogen ohne Ende, es geht doch nur darum, Schulen mit einer bestimmten Ideologie Staubzucker in den Arsch zu pusten, den sie vermutlich kaum verdient haben.

    Ich komme mal mit Fakten (keine alternativen Fakten, sondern gar harte und nachvollziehbare Fakten):
    Man betrachte die beiden Hamburger Preisträger und schaue nach, wie sich die beiden Schulen beim Hamburger Vorabideasaster in Mathematik so geschlagen haben.

    Das zweitschlechteste Gymnasium ist Preisträger Gymnasium Klosterschule. Die 58 Schüler im Vorabi haben eine Durchschnittsnote (vor der Hochsetzung um eine Note durch den Senator) von 4,8. Nicht Punkte, sondern NOTE. In Punkten sind da ja wohl nicht einmal 3 Punkte. Das ist eine erbärmliche Leistung, die nur von einem anderen Gymnasium so erreicht und einem deutlich unterboten wurde, alle anderen waren besser (auch Gymnasien mit einem noch schlechteren Sozialindex waren besser).

    Der andere Preisträger, die Erich Kästner-Stadtteilschule, hat einen durchschnittlichen Sozialindex, liegt also weder im Brennpunkt noch im Akademikerviertel. Nur ganze 8 Schüler haben dort am Vorabi Mathematik teilgenommen, was ansich ein Armutszeugnis ist. Die Mehrheit der Stadtteilschulen hat eine größere Teilnehmerzahl, auch die sogenannten Brennpunktschulen. Ansich sind diese Stadtteilschulen (die woanders Gesamt- oder Gemeinschaftsschulen heißen) allesamt versagt, die beste Schule hat einen Notenschnitt von 4,0. Unser großartiger Preisträger liegt deutlich schlechter mit einem Notenschnitt von 5,125, also in Punkten bei 1,9!

    Wenn die Schüler dieser Preisträgerschulen vollständig versagen, wofür haben die dann den Preis bekommen?

  3. Axel von Lintigl

    Herr Prof.Schratz scheint Hattie nicht gelesen oder verstanden zu haben. Die Bedeutung des Lehrers wird von ihm in keiner Weise gewürdigt.Aber gerade auf den kommt es an.Er stellt an oberster Stelle die Schüler, an zweiter Stelle den Schuleiter , der dafür zu sorgen hat ,dass die Ideen der Individualisierung , des eigenständigen, selbst gesteuerten eigenständigen Lernens , umgesetzt werden.
    „Bildung ist ein lebenslanger Prozess,“ wirft er ein. Hört sich toll an. Die Realität ist leider eine andere,wenn man sich umschaut , wie wenige Menschen bereit sind andere Methoden anzunehmen oder sich auf etwas Neues umzustellen. Wir sind eben „Gewohnheitstiere“. Der größte Teil der Bevölkerung wird sich jedenfalls nicht nach dieser Floskel verhalten.
    Wahrscheinlich hat er selbst nie Unterrichtserfahrungen gesammelt oder war nur sehr kurz in der Praxis tätig, weil er sonst dem Lehrer eine andere Bedeutung zumessen würde.
    Seine geladenen Gäste , Özdemir und Messner geben dem Ganzen noch den passenden populistischen Rahmen.
    Ich bin sehr dankbar für die Kommentare von mehrnachdenken und Küstenfuchs, die diese Art von realitätsferner Pädagogik treffend beschrieben haben.
    Danke an beide.

  4. „Ich war neulich an einer Schule, die mit einem Theater zusammenarbeitet – und einem Schüler, der stark stotterte, die Hauptrolle gab. Nach zwei Jahren hatte der Junge sein Stottern verloren und er zeigte bessere Schulleistungen.“
    Das würde aber den Bundesverband für Stottern und Selbsthilfe sehr freuen, wenn das so ginge. (Ironie)
    Ein solches Beispiel als Erfolg für eine erfolgreiche Schule herzunehmen, spricht von wenig Fachkenntnis.

  5. „VERA, die Vergleichsarbeiten in der dritten (und achten Klasse), bieten hier zum Beispiel einen guten Maßstab.“
    Dem muss ich widersprechen. VERA ist überhaupt kein Maßstab, sondern die Schulen, die ihre Schüler speziell auf VERA vorbereiten (es gibt da auch Arbeitshefte dafür z.B.), schneiden besser ab. Für mich ist VERA bei ca. 80 Prozent der Schüler die Bestätigung ihres aktuellen Rankings in der Klasse. Tja, und später, wenn es um den Übertritt geht, dann sind es ca. 60/70 Prozent, deren Übertrittsnoten dem entsprechen, welche Kompetenzstufen sie in den VERA Ergebnissen erreicht haben. Ich brauche keine VERA um analysieren zu können, wo die Schüler stehen und wo der Förderbedarf ist, da sind meine unterrichtsgerechten Materialien wesentlich besser. Den einzigen Nutzen, den ich aus den VERAs ziehe, ist, dass ich u.U. neue Aufgabenformate kennenlerne.

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