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Studie: In Zeiten von Social Media wird Internetsucht zum Mädchenthema

KÖLN. Rund 270.000 Jugendliche in Deutschland sind onlinesüchtig. Seit 2011 hat sich ihre Zahl annähernd verdoppelt. Wesentlich mehr Mädchen als Jungen sind betroffen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Die meisten jungen Menschen in Deutschland nutzen das Internet täglich. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 12 und 25 Jahren sind in ihrer Freizeit durchschnittlich 22 Stunden pro Woche online. Sie kommunizieren, spielen oder suchen Unterhaltung, ermittelte jetzt die BZgA für den Teilband „Computerspiele und Internet“ der Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015“. An Werktagen seien sie etwa drei Stunden und an Wochenenden etwa vier Stunden mit Computerspielen und anderen Internetaktivitäten beschäftigt.

Bei der Nutzung von Computerspielen und Internet zeigen sich bei Jugendlichen deutlich Geschlechtsunterschiede, die Mädchen anfälliger für Internetsucht machen als die Jungen. Foto: Jhaymesisviphotography / flickr (CC BY 2.0)

Bei der Nutzung von Computerspielen und Internet zeigen sich bei Jugendlichen deutlich Geschlechtsunterschiede, die Mädchen anfälliger für Internetsucht machen als die Jungen. Foto: Jhaymesisviphotography / flickr (CC BY 2.0)

Das Handy spielt als Zugangsweg ins Internet die größte Rolle. Knapp vier Fünftel der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen (78.0 %) und über drei Viertel der 18- bis 25- jährigen Erwachsenen (76,5 %) gehen mit dem Smartphone, ins Internet. Technisch steht Ihnen damit das Internet damit fast jederzeit und überall zur Verfügung.

Am häufigsten nutzen die Jugendlichen das Internet zur Kommunikation. Vier Fünftel der 12- bis 17-jährigen (80,6 %) haben in den letzten zwölf Monaten täglich das Internet genutzt, um sich mittels Chats, E-Mails, Online-Communities wie facebook oder WhatsApp mit anderen auszutauschen. Drei von fünf (59,7 %) nutzen das Internet jeden Tag, um Musik zu hören, Videos anzuschauen oder herunterzuladen oder um einfach so drauflos zu surfen. Computerspiele werden von jedem vierten Jugendlichen (24,0 %) gespielt. Ähnlich stark werden die Informationsmöglichkeiten, des Internets genutzt. Rund jein Viertel (24,0 %) informiert sich jeden Tag im Internet.

Jungen und Mädchen unterscheiden sich bei dem, was sie im Internet tun. Besonders klare Geschlechtsunterschiede bestehen der Studie zufolge in der Computerspielhäufigkeit: Jeder dritte männliche Jugendliche (36,2 %) aber nur jede neunte weibliche Jugendliche (11,3 %) spielt täglich Computerspiele. Nur 5,3 % der männlichen aber 25,1 % der weiblichen Jugendlichen spielen gar nicht am Rechner. Auch in der Häufigkeit, mit der Jugendliche das Internet zur Kommunikation nutzen, zeigt sich eine Differenz. Die tägliche Kommunikation ist unter männlichen Jugendlichen (77,2 %) deutlich geringer verbreitet als unter weiblichen Jugendlichen (84,3 %).

Im Vergleich zur ersten BZgA-Erhebung aus dem Jahr 2011 habe sich die Verbreitung computerspiel- und internetbezogener Störungen signifikant erhöht.  Betroffene beschäftigen sich beispielsweise gedanklich übermäßig stark mit dem Internet und Computerspielen, sie werden unruhig, ängstlich oder kommen in traurige Stimmung, wenn sie diese Angebote nicht nutzen können. Sie verwenden immer mehr Zeit für das Internet oder Computerspiele oder versuchen erfolglos, diese Aktivitäten einzuschränken. Sie täuschen andere über den Umfang ihrer Nutzung von Computerspielen und Internet oder nutzen Computerspiele und Internet um negative Stimmungen abzubauen. Oder sie setzen durch das Computerspielen und die Internetnutzung wichtige Beziehungen, ihren Arbeitsplatz oder Ausbildungs- und Berufschancen aufs Spiel. Auf der Compulsive Internet Use Scale (CIUS), einer Gefährdungsskala von 0 bis 56 erreichen sie Werte von über 30.

Bezogen auf alle 12- bis 17-jährigen Jugendlichen ist bei 5,8 % von einer computerspiel- oder internetbezogenen Störung auszugehen. Weibliche Jugendliche dieser Altersgruppe sind mit 7,1% statistisch signifikant stärker betroffen als die gleichaltrigen männlichen Jugendlichen (4,5 %). Betrachtet man diejenigen mit einer „vermutlich problematischen Internetnutzung“ (20 bis 29 Punkte) stieg die Quote bei männlichen Jugendlichen von 12,6 % im Jahr 2011 auf 20,3 % im Jahr 2015, bei den Mädchen von 12,5 % auf 23,1 %.

Zeige der große Teil der Jugendlichen im Umgang mit Computerspielen und dem Internet keine Verhaltensprobleme, erlebten die Jugendlichen insgesamt dennoch häufiger entsprechende Probleme. Alle Jugendlichen einbezogen, (also auch diejenigen mit einem unproblematischen Nutzungsverhalten ) ermittelten die BZgA-Forscher einen substanziellen Anstieg der auf der CIUS erreichten Punktwerte von 11,4 Punkten im Jahr 2011 auf 14,6 Punkte im Jahr 2015 (Jungen von 11,7 auf 14,4Punkte; Mädchen von 11,1 auf 14,8 Punkte).

Über die Gründe für die höhere Verbreitung von Internetbezogenen Störungen macht die Studie nur wenig Angaben. Lediglich hinsichtlich der höheren Verbreitung bei den Mädchen legt sie einen Zusammenhang zur Nutzung sozialer Netzwerke nah.

Für die Prävention seien insbesondere früh greifende Ansätze erforderlich, die Jugendliche über die Risiken der exzessiven Nutzung von Internet, Smartphones und Computerspielen aufklärten. Schulen allein seien mit dieser Problematik allerdings überfordert, betonen Experten wie etwa der Hamburger Suchtforscher und Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters Rainer Thomasius. Seiner Meinung nach wie auch aus Sicht der BZgA seien besonders die Eltern gefragt, die Medienkompetenz zu stärken. Ein erschreckend hoher Anteil von Eltern wisse ållerdings überhaupt nicht, wie lange ihre Kinder im Internet sind und welche Seiten sie sich angucken, so Thomasius.

Laut BZgA, sei es für Familien besonders wichtig, gemeinsam Zeit zu verbringen. Darüber hinaus gelte es, Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen für ihre Vorbildrolle für Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren. Eltern empfiehlt die Behörde insbesondere folgende Punkte zu beachten:

1. WANN? Mit dem Kind Zeitvereinbarungen treffen. Zeitkonten, wie zum Beispiel acht Stunden Spielzeit pro Woche, können gemeinsam geplant werden.
2. WAS? Gemeinsam festlegen, welche Angebote Kinder nutzen können. Dabei ist der Jugendschutz zu beachten. Einige Soziale Netzwerke sind beispielsweise zwar ab 13 Jahren erlaubt, werden aber von Pädagogen erst wesentlich später zur Nutzung empfohlen.
3. WO? Der Standort des PCs oder die Nutzungsorte des Smartphones haben großen Einfluss darauf, wann und wie Kinder und Jugendliche sie nutzen.
4. WAS SONST? Je abwechslungsreicher die Familienzeit gestaltet ist, umso zugänglicher sind Kinder und Jugendliche für andere Erlebnisse als online zu sein. (zab)

• Faktenblatt zur Studie (BZgA)
• vollständige Studie

• zum Bericht: Bei jedem 15. Teenager sorgt exzessive Computernutzung für Probleme in der Schule – Eltern setzen keine Regeln

2 Kommentare

  1. Und dann wird noch über Handy-Verbote an Schulen diskutiert.

  2. Daniela Weber

    In unserer Schule nutzen wir seit längerer Zeit den Service von hoojoo.de und dies spart uns wirklich eine Menge Arbeit.

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