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Ungleiche Beamten-Bezüge: Gymnasiallehrer in Bayern verdient über 5.500 Euro mehr im Jahr als Kollege in Berlin

BERLIN. Ob man nun verbeamtete Lehrkraft in Berlin oder Bayern ist, macht einen großen Unterschied. Zumindest im Portemonnaie. Auch bei der von den Gewerschaften geforderten Übernahme des Tarifergebnisses agieren die Bundesländer unterschiedlich: Bislang sieben haben angekündigt, den Abschluss auf ihre Beamten übertragen zu wollen.

Dabei geht es nicht nur um Kleingeld: Die Beamtenbezüge sind in den Bundesländern unterschiedlich hoch. Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Dabei geht es nicht nur um Kleingeld: Die Beamtenbezüge sind in den Bundesländern unterschiedlich hoch. Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Lehrer, Polizisten und andere Beamte verdienen in finanzschwachen Bundesländern wie Berlin, dem Saarland oder Rheinland-Pfalz deutlich weniger als in reichen Ländern. Bayerische Beamte bekommen im Ländervergleich die höchsten Gehälter, wie aus einem bislang unveröffentlichten neuen Besoldungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervorgeht. Nur die Beamten des Bundes liegen noch vor denen in Bayern.

Ein vom Land beschäftiger Gymnasiallehrer der Besoldungsgruppe A 13 zum Beispiel erhält im Bundesdurchschnitt derzeit ein Jahresbruttogehalt von 59 794 Euro. Dahinter liegen etwa Berlin (57 061), Rheinland-Pfalz (57 928), Saarland (58 172), Brandenburg (58 396), Bremen (58 589), Schleswig-Holstein (58 874), Hamburg (59 316), Sachsen-Anhalt (59 452) und Nordrhein-Westfalen (59 590). Bundesbeamte dieser Besoldungsgruppe bekommen laut DGB-Report 6913 Euro brutto mehr als ihre Kollegen beim Dienstherrn Berlin – auch wenn sie ebenfalls in Berlin leben und arbeiten.

VBE-Chef: Schluss mit Lehrergehältern „nach Schuhgröße“ der Kinder – GEW: „A13 für alle!“

DGB-Vize Elke Hannack sagte: «Mit der Besoldung nach Kassenlage muss endlich Schluss sein, denn damit büßt der öffentliche Dienst weiter an Attraktivität ein und kann sich kaum für künftige Herausforderungen wappnen.» Schon heute fehle qualifiziertes Personal in einer Größenordnung von bis zu 110 000 Beschäftigten, sagte Hannack unter Berufung auf eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Für Beamte können Gewerkschaften keine Tarifverträge abschließen. Ihre Dienstherren übertragen die Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst in der Regel auf sie, machen dabei aber häufig Abstriche. Seit 2006 können die Länder wie der Bund entscheiden, ob und wie sie die Tarifabschüsse für die eigenen Beamten übernehmen wollen. dpa

Einigung im Länder-Tarifstreit: 4,35 Prozent mehr Lohn innerhalb von zwei Jahren – auch Entgeltstufe sechs wird kommen

 

Hintergrund: Gehaltskluft bei Beamten

BERLIN. Das Gehaltsgefälle zwischen den Bundesländern bei Beamten kann mehrere tausend Euro im Jahr ausmachen. Das zeigt der neue Besoldungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Ein Überblick über die Verdienstkluft und die Hintergründe:

Wie groß sind die Unterschiede bei der Beamtenbezahlung?

Beispiel Polizeimeister der Besoldungsstufe A 7: Im Bundesdurchschnitt verdienen sie 33 666 Euro brutto im Jahr. Berlin liegt laut der DGB-Studie 2075 Euro dahinter, in Bayern verdienen sie 1547 Euro mehr als der Durchschnitt. Ein Straßenmeister, der Straßen pflegt und Unfälle absichert, bekommt in Stufe A 9 in Brandenburg 38 689 Euro im Jahr, im wohlhabenden Baden-Württemberg sind es 40 300. In Stufe A 13 – etwa für viele Gymnasiallehrer – gibt es im bundesweiten Durchschnitt der Länder 59 794 Euro, in Nordrhein-Westfalen sind es 203 Euro, in Berlin sogar 2733 Euro weniger, in Bayern dagegen 2943 Euro mehr im Jahr.

Welche Beispiele gibt es noch?

Eine Sekretärin der Stufe A 6 kommt laut Berechnungen des Beamtenbundes dbb in Bayern auf 2777 Euro im Monat, darauf folgt Hamburg mit 2622 Euro. Am unteren Ende der Skala befinden sich Brandenburg mit 2565 und Berlin mit 2405 Euro. Das Gehalt der Stufe A 16 – etwa für einen Museumsdirektor – reicht von 6389 Euro in Berlin bis zu 7126 Euro in Bayern. Im oberen Mittelfeld liegt in der Regel hinter Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und Hessen noch Sachsen. Weniger Geld gibt es in der Regel in Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen, Brandenburg und eben Berlin. Bundesbeamte liegen beim Verdienst übrigens über den Landesbeamten.

Wie sind Unterschiede zu erklären?

Die Länder können seit der Föderalismusreform 2006 entscheiden, ob und in welcher Form sie die Tarifabschlüsse für den öffentlichen Dienst für ihre 1,3 Millionen Beamte übernehmen. Für diese Abschlüsse gibt es Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften. Eine Übertragung auf Beamte geschieht mit Landesbesoldungsgesetzen. Viele Länder haben Tariferhöhungen aber nicht voll weitergegeben.

Welche Probleme bringt das Gehaltsgefälle mit sich?

Bereits vor zehn Jahren warnte etwa der Beamtenbund vor einer Abwanderung besonders qualifizierter Beamtenanwärter aus den finanzschwachen Ländern, wenn diese schlechter bezahlen. Der befürchtete Effekt: So tun sich diese Länder umso schwerer, gegenüber den bereits wohlhabenderen aufholen. Tatsächlich gab es seither solche Abwanderungstendenzen.

Schließt sich die Gehaltskluft wieder?

Das ist wegen der hohen Kosten, die das verursachen würde, nicht greifbar. Aber das Bundesverfassungsgericht schränkte den großen Spielraum des Gesetzgebers bei der Besoldung vor zwei Jahren ein. Schlusslicht Berlin passte die Besoldung seiner Beamten zuletzt auch überdurchschnittlich an. Auch mit Zulagen versuchen einige Länder, ihre Position im Wettbewerb ums Personal zu verbessern.

Wie ist die aktuelle Lage bei der Übertragung des Tarifergebnisses auf die Beamten?

Der Tarifabschluss für die rund eine Million Landesangestellten von Mitte Februar – sie bekommen 4,35 Prozent mehr Lohn innerhalb von zwei Jahren – soll auf die Beamten übertragen werden, fordert der dbb. Bayern, Hamburg, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen kündigten dies auch schon an. Hier und da wird aber auch noch gespart – so will NRW das Ergebnis zwar eins zu eins übernehmen, aber erst drei Monate später.

25 Kommentare

  1. Zitat: „Gymnasiallehrer in Bayern verdient über 5.500 Euro mehr im Jahr als Kollege in Berlin.“ Und das ist doch schon immer so gewesen, oder?!

    Und wo sind sie nun, die alle immer darauf pochen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

    ???

  2. Es ist nicht nur die Kluft zwischen Berlin und Bayern. Berlin toppt das sogar innerhalb der Stadtgrenzen mit einem Unterschied von zum Teil über 500€ im Monat. Das allein nur, weil einer an einer Schule im ehemaligen Westteil und der andere im ehemaligen Ostteil der Stadt arbeitet. Nur zur Erinnerung die Teilung der Stadt/des Landes Berlin ist über zwei Jahrzehnte her. Hier ist es völlig unerheblich, ob angestellt oder verbeamtet. Der Unterschied besteht hier ebenfalls.

    • Reden Sie von Brutto oder Netto?
      Die unterschiedlichen Netto-Beträge bei Angestellten ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Beitragssätze für die Sozialversicherungssysteme, weshalb des den TV-L (Ost) und den TV-L (West) gibt.

      Der entscheidende Punkt dürfte aber in der Überleitung der alten Verträge in den TVÜ für das Land Berlin in 2006 liegen.

  3. @ hops: Und das seit über 20 Jahren? Unglaublich!!!! Ich habe aber noch nie von Protesten diesbezüglich gehört.

  4. ZITAT: „Berlin toppt das sogar innerhalb der Stadtgrenzen mit einem Unterschied von zum Teil über 500€ im Monat.“

    @ Hallo Hops,

    können Sie das genauer erklären, wieso ein Lehrer im ehemaligen Ostteil der Stadt zum Teil über 500 Euro weniger verdient als ein Lehrer im ehemaligen Westteil? Natürlich gehen wir alle davon aus, dass sich um die gleiche Anstellungsart (Beamter oder Angestellter), den gleichen Abschluss und die gleiche Schulart handelt!?!

    Ich halte das nämlich für eine Falschmeldung.

    • Um es mal vorweg zu nehmen, sofern der Gehaltsunterschied in der Anstellungstart, dem Abschluss oder der Schulart begründet ist, mag es zwar ärgerlich sein, hat aber nichts mit Ost und West zu tun!!!

    • Hallo sofawolf,
      erklären kann ich es leider nicht, da ich diesen haltlosen Zusatnd leider nicht nachvollziehen kann. Bin davon jedoch betroffen. Auf meinem Gehaltzettel steht sogar noch (bln/o).
      Ich gehe davon aus, dass die Anzahl der Betroffen Lehrer nicht so übermäßig groß ist, dass dies zu Protesten führen könnte.

  5. @ hops,

    dann sollten, nein müssen Sie Ihr Gehalt aber mit jemandem vergleichen, der wie gesagt die gleiche Anstellungsart, den gleichen Abschluss und die gleiche Schulart hat! Das haben Sie so vermutlich nicht getan. Es gibt Unterschiede, ja, aber sie sind dann eben in unterschiedlichen Anstellungsarten, Abschlüssen und/oder Schularten begründet (grundsätzlich).

    Nur Ost-West macht ganz sicher keine 500 Euro aus. Wenn Sie das hier so nebulös behaupten, also ohne konkret zu werden, finde ich das ein bisschen unfair. Sie haben ja lesen können, manch einer glaubt das sogar.

    So entstehen Gerüchte, um nicht wieder Falschmeldungen zu sagen.

    • Und warum betrifft es nur ganz wenige, wenn es ein 500-Euro-Ost-West-Unterschied sein soll?

      Es gibt rund 31.000 Lehrer in Berlin. Siehe: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201496/umfrage/anzahl-der-lehrer-in-deutschland-nach-bundeslaendern/

      Also pi mal Daumen vielleicht 15.000 im Osten und 15.000 im Westen. Irgendwas stimmt da nicht an Ihrer Aussage!

    • Sie vermuten falsch und es veranlasst mich trotzdem nicht mein Situation hier darzulegen, um diesen Fakt zu untermauern. In den öffentlichen Statistiken wird man dazu kaum etwas finden. Dann hätten wir Betroffenen ja eine Chance etwas zu unternehmen.

    • Das haben Sie doch im Westen innerhalb eines Bundeslandes bei gleichem Lehramt, gleicher Schulform, gleichem Dienstalter und ElStAmerkmalen auch.

      Die Lehrkräfte der nachstehenden Eingruppierungen erfüllen die gleichen Tätigkeitsmerkmale und dienstrechtlichen Voraussetzungen (Lehrkräfte SekI). Als Beamte hätten beide A12 mit der gelichen Erfahrungsstufe.

      E11/5 4613,36 EUR
      E12/5 5068,51 EUR

  6. @ dicke bank,

    ja, ok, einer hat E 11 und einer hat E 12. Und warum?

    • Fehlende Eingruppierungsordnung – sprich Eingruppierung nach Gutsherrenart.

      • Verdient ein Jurist beim Staat das selbe wie ein Mediziner? Sie wissen da sicher Bescheid.

        • Nein, sie stecken in Unterschiedlichen Besoldungsgruppen.
          Staatsanwälte und Richter werden in der R-Besoldung eingruppiert, Verwaltungsjuristen in der A-Besoldung.

          Bei den Medizinern ist es dann die Frage, ob sie an einer Universitätsklinik mit Lehrauftrag arbeiten, dann W-Besoldung, bei der Bundeswehr, dann S-Besoldung oder als Amtsarzt
          Hinzu kommt dass bei Ärzten unterschieden werden muss, ob sie beim Bund, einer Kommune oder einem Bundesland verbeamtet sind.

          Bevor Sie jubeln, eines haben sie alle gemeinsam, als Hochschulabsolventen (Master oder vergleichbarer Abschluss) mit 2. StEx sind sie alle im höheren Dienst eingruppiert

  7. @ hops,

    ja, das habe ich schon vermutet, dass Sie keine Details preisgeben. Das verstehe ich zwar, aber andererseits wird mir nicht klar, wieso es 500,- Euro Unterschied geben soll. Ich kenne etliche Kollegen in Berlin, das ist ja nicht so weit weg von mir. Ich habe davon noch nichts gehört.

    Also sage ich genauso pauschal wie Sie: Das stimmt nicht! Ich weiß genau.

  8. PS: Um das einzuschätzen, müssten Sie natürlich erstens wissen, was Ihre Kollegen verdienen und zweitens, wie sie eingruppiert worden sind und warum. Auch das halte ich für unwahrscheinlich. Ich weiß nicht, was meine Kollegen verdienen.

  9. Wie sieht es mit den Lebenshaltungskosten aus?

  10. Weiss jemand ob die Erhöhung auch für städtische Beamte gilt? z.B. Landeshauptstadt München

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