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Schon wieder das G9: Auch Philologen in Mecklenburg-Vorpommern wollen Abitur nach 13 Jahren – Vorhaben umstritten

G9 statt G8 – das wollen die Gymnasiallehrer. Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur hat den Zeitdruck, der auf den Jugendlichen lastet, aus ihrer Sicht zu stark erhöht. Bis zu 36 Stunden Unterricht in der Woche ließen das Engagement außerhalb der Schule verkümmern.

Jüngste Bestrebungen in Bayern für eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren haben auch die Befürworter im Nordosten auf den Plan gerufen. Der Philologenverband Mecklenburg-Vorpommern – die Gewerkschaft der Gymnasiallehrer – will seine Forderung nach Verlängerung der Schulzeit bei einem Treffen mit der neuen Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) in der kommenden Woche auf den Tisch legen. «Beim Abitur nach zwölf Schuljahren ist ein Jahr weniger Zeit, aber es ist nicht weniger Stoff», sagte der Verbandsvorsitzende Jörg Seifert der Deutschen Presse-Agentur.

Die Folge sei ein stark erhöhter Zeitdruck für die Schüler mit bis zu 36 Unterrichtsstunden in der Woche. Soziale Aktivitäten außerhalb der Schule, die für die Entwicklung junger Menschen zu künftigen Führungskräften wichtig seien, hätten in den vergangenen Jahren abgenommen. Seifert nannte Beispiele: «Freiwillige Feuerwehren klagen, das DRK hat Schwierigkeiten bei der Suche nach Rettungsschwimmernachwuchs, Projekte zur Arbeit von Gymnasiasten mit Behinderten mussten eingestellt werden, bei Schülerzeitungen an Gymnasien gab es einen Rückgang.»

In Mecklenburg-Vorpommern verschärfe sich das Tempo im Gymnasium zusätzlich, weil die Schüler erst ab Klasse sieben kommen. «Den Kindern fehlt die Möglichkeit, sich in Klasse fünf und sechs im Gymnasium auszuprobieren», sagte Seifert. Wer ohne Schulempfehlung in Klasse sieben ans Gymnasium komme, stehe praktisch vom ersten Tag an unter Erfolgsdruck – und das in einem Alter, in dem die Pubertät beginnt. Nach einem halben Jahr werde entschieden, ob der Betreffende bleiben kann.

Zur Gesamtschule "verkommmen"? Die Schulform Gymnasium. Foto: twicepix / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Schulform Gymnasium kommt nicht zur Ruhe. Foto: twicepix / flickr (CC BY-SA 2.0)

Als erstes Bundesland hatte Niedersachsen 2015 die Kehrtwende zu 13 Schuljahren bis zum Abitur als Regelfall vollzogen. Bayern will nachziehen: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) setzte vorige Woche einen Kabinettsausschuss mit dem Auftrag ein, den Weg zurück zum neunjährigen Gymnasium klarzumachen.

In Schleswig-Holstein sprachen sich zuletzt CDU und Philologenverband für G9 aus. Alle Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre hätten gezeigt, dass die Kürzung der gymnasialen Schulzeit um ein Schuljahr ein pädagogischer Fehler gewesen sei, hatte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Schleswig-Holstein, Helmut Siegmon, beim Jahreskongress seines Verbandes vor einer Woche gesagt.

In der Schweriner Landespolitik finden die G9-Freunde derzeit keine Verbündeten. SPD und CDU haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, an den Schulstrukturen in den kommenden fünf Jahren nichts verändern zu wollen. «Für uns ist Verlässlichkeit und Planbarkeit in der Schulpolitik oberstes Gebot», sagte der Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Oliver Kaiser. Auch die Fraktionsvorsitzende der Linken, Simone Oldenburg, will G8 beibehalten. Sie sprach sich für eine Stundenverschiebung aus den Klassen 11 und 12 in die unteren Klassen aus, um die Oberstufen-Schüler zu entlasten. Fünftklässler haben allerdings auch schon 30 Wochenstunden, Sechstklässler 31. dpa

3 Kommentare

  1. Wolfgang Kuert

    Wolfgang Kuert informiert

    Werte Redaktion von news4teachers, nicht nur die Philologen, sondern auch die Elternvertreter in MV fordern eine Rückkehr zum G9.

    Siehe

    svz.de, 23.03.2017

    KEHRTWENDE: Abitur wieder nach 13 Schuljahren?
    Gymnasiallehrer: Verkürzung der Schulzeit hat Zeitdruck auf Jugendliche zu stark erhöht. Bildungsministerin Birgit Hesse will keine Experimente

    Jüngste Bestrebungen in Bayern für eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren haben auch die Befürworter im Nordosten auf den Plan gerufen. Der Philologenverband MV – die Gewerkschaft der Gymnasiallehrer – will seine Forderung nach Verlängerung der Schulzeit bei einem Treffen mit der neuen Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) in der kommenden Woche auf den Tisch legen. „Beim Abitur nach zwölf Schuljahren ist ein Jahr weniger Zeit, aber es ist nicht weniger Stoff“, sagte der Verbandsvorsitzende Jörg Seifert.

    Die Folge sei ein stark erhöhter Zeitdruck für die Schüler mit bis zu 36 Unterrichtsstunden in der Woche. Soziale Aktivitäten außerhalb der Schule, die für die Entwicklung junger Menschen zu künftigen Führungskräften wichtig seien, hätten in den vergangenen Jahren abgenommen. Seifert: „Freiwillige Feuerwehren klagen, das DRK hat Schwierigkeiten bei der Suche nach Rettungsschwimmernachwuchs, Projekte zur Arbeit von Gymnasiasten mit Behinderten mussten eingestellt werden, bei Schülerzeitungen an Gymnasien gab es einen Rückgang.“ In MV verschärfe sich das Tempo im Gymnasium zudem, weil die Schüler erst ab Klasse sieben kommen. „Den Kindern fehlt die Möglichkeit, sich in Klasse fünf und sechs im Gymnasium auszuprobieren“, sagte Seifert.

    Die Vorsitzende des Landeselternrates, Anja Betty Ritter, sieht eine Überlastung. „Wir haben Kinder, die nicht mehr können“, sagte sie und sprach sich für eine Verlängerung der Schulzeit bis zum Abitur auf 13 Jahre aus. Ihr Appell: „Wir sollten Kinder länger Kinder sein lassen.“ Sie müssten später vermutlich bis zum 70. Lebensjahr arbeiten.

    Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) zeigt sich verwundert: „Ich bin mit dem Versprechen angetreten, nicht erneut durch Strukturveränderungen Unruhe an den Schulen zu schaffen. Jetzt geht es um Qualitätsverbesserungen, nicht um Experimente.“ Auch der Bildungssprecher der SPD-Fraktion, Andreas Butzki, sagte, G8 habe sich bewährt. In Sachsen werde das Abitur auch nach zwölf Schuljahren abgelegt, und das Land liege in Bildungstests vorn.

    Als erstes Bundesland hatte Niedersachsen 2015 die Kehrtwende zu 13 Schuljahren bis zum Abitur als Regelfall vollzogen. Bayern will nachziehen: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) setzte einen Kabinettsausschuss mit dem Auftrag ein, den Weg zurück zum neunjährigen Gymnasium klarzumachen. In Schleswig-Holstein sprachen sich CDU und Philologenverband für G9 aus. Die Kürzung der gymnasialen Schulzeit sei ein Fehler gewesen sei, so der Chef des Philologenverbandes, Helmut Siegmon.

  2. wie viele wochenstunden hatten die schüler aus mv denn zu ddr-zeiten? dort gab es das abitur-analogon auch nach 12 jahren.

  3. Ja, das ist interessant, wenn es sogar Ossi-Lehrer fordern.

    Ich kann nur vermuten, dass es daran liegt, dass bei der Rückkehr von G 9 zu G 8 die Stundenzahl aber gleich geblieben ist und es zu Ost-Zeiten erheblich weniger waren. Komisch nur, dass trotzdem früher mehr gelernt worden ist, wie immer alle sagen.

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