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Berlins Bildungssenatorin unter Druck der Opposition – „Niemand kann das Schulsysystem in Berlin schönreden“

BERLIN. Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus hat ein Umsteuern der Regierung in der Bildungspolitik gefordert. Bundesweite Vergleiche zeigten, dass Berliner Schüler vielfach schlechter abschnitten als anderswo in Deutschland, sagte die CDU-Abgeordnete Hildegard Bentele am Donnerstag im Plenum. Vor allem der SPD, die seit Jahrzehnten Verantwortung für die Bildung in Berlin trage, und ihrer Senatorin Sandra Scheeres fehle es an «Einfühlungsvermögen, Ehrgeiz und Konzepten», hier Besserung zu erreichen. Nötig sei nicht zuletzt die Durchsetzung klarer Qualitätsstandards.

Der FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf monierte, in Berlin sei für den Bildungserfolg nach wie vor Herkunft und soziales Umfeld entscheidend. Seine Forderung: «Jeder muss gleiche Bildungs- und Aufstiegschancen haben.» Der AfD-Politiker Stefan Franz Kerker warf den Regierenden vor, am Schulsystem immer wieder neu und ohne erkennbaren Erfolg «herumzudoktern».

Scheeres warnte davor, die Situation schlechtzureden. Sie sehe zwei Schwerpunkte in den kommenden Jahren: Eine übergreifende Qualitätsoffensive sowie Schulneubau und -sanierung. Dies werde die Koalition zügig in Angriff nehmen. Die Schulstrukturreform der vergangenen Jahre zeige erste Erfolge: So gebe es mehr Abiturienten, auch legten mehr Schüler mit Migrationshintergrund das Abitur ab. «Ja, wir haben in Berlin starke Schulen, die es gut mit Schulen in anderen Bundesländern aufnehmen können», betonte Scheeres. Gleichwohl stehe noch viel Arbeit an.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat fast alle Fächer für Quereinsteiger geöffnet. Foto: Senatsverwaltung Berlin

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) steht unter Rechtfertigungsdruck. Foto: Senatsverwaltung Berlin

Die Linke-Abgeordnete Regina Kittler sagte, Berlin sei auf dem Weg zu gleichen Bildungschancen für alle schon gut vorangekommen. So erreichten in Berlin mehr Schüler das Abitur (44 Prozent) als im Bundesdurchschnitt. Auch beim jüngsten «Chancenspiegel», einer Analyse diverser wissenschaftlicher Institute, habe Berlin sehr gut abgeschnitten.

Die SPD-Bildungspolitikerin Maja Lasic (SPD) sagte: «Niemand kann das Schulsystem in Berlin schönreden.» Allerdings sei die Stadt mit dem Zwei-Säulen-Modell strukturell gut aufgestellt: Integrierte Sekundarschulen und Gymnasien böten gleichwertig den Weg zum Abitur. Nun gelte es, innerhalb dieser Struktur die Qualität zu verbessern.

Die Grünen-Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz sagte, die Sparpolitik der letzten Jahrzehnte habe den Schulen nicht gutgetan. Rot-Rot-Grün wolle die Probleme, die es zweifellos gebe, zügig angehen. «Sie haben keine Konzepte, wie Berlin die Rote Laterne abgeben kann», sagte die Politikerin an die Adresse der Opposition. dpa

4 Kommentare

  1. Da ist sie ja wieder, die einseitige Orientierung auf das Abitur. Je mehr Abitur machen, desto besser das Schulsystem? Was für eine Illusion! Da senkt man einfach die Standards, mildert die Notenmaßstäbe, gibt eben einfach bessere Noten und schon hat man das bessere Schulsystem.

    Und es kostet(e) keinen einzigen Cent.

  2. Die Linke-Abgeordnete Regina Kittler beruft sich ausgerechnet auf den „Chancenspiegel“, der von der Bertelsmann-Stiftung herausgegeben wird. Da geht man ganz grob so vor: Man zählt die Ganztagsschulen im Verhältnis zu den Halbtagsschulen, und je nach Zahlenverhältnis gibt es dann gute oder schlechte Chancen. Das ist keine Wissenschaft, das ist Propaganda. Nebenbei: In Deutschland heißt eine Schule schon dann „Ganztagsschule“, wenn sie an drei Tagen der Woche bis 15 Uhr die Kinder beschäftigt.
    Und die bloße Zahl derer, die Abitur machen, ist kein vernünftiger Maßstab, wenn man gleichzeitig durch Änderung der Spielregeln die Ansprüche senkt. Das erinnert eher an die Jubelmeldungen der SED über die gorßartigen Leistungen beim Fünf-Jahres-Plan.

    • Sie sagen es, Cavalieri! Ihrem Kommentar stimme ich voll und ganz zu.

      Nicht nur hier betreibt die Bertelsmann-Stiftung Propaganda, die dann „Studie“ oder „Untersuchung“ genannt wird und somit einen seriösen Anstrich erhält.

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