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Der Einstieg ins Lehrerleben: komplizierter, intransparenter, ungewisser denn je – Gedanken einer Junglehrerin

JENA. Ich bin jung, gebildet, motiviert, pragmatisch und voller Ideen. Das nützt mir aber scheinbar rein gar nichts, denn ich bekomme schlicht und einfach keine Chance, dies alles zu nutzen und mich selbst zu beweisen. Im Oktober 2016 habe ich an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mein 1. Staatsexamen für die Fächer Deutsch/Chemie (Gymnasium) mit der Gesamtnote 1,85 abgeschlossen – eigentlich eine ordentliche Leistung, auf die man stolz sein könnte, so sollte man doch meinen. Doch nachdem ich das ganze Bewerbungsverfahren rund ums Referendariat nun durchlaufen habe, muss ich mir eingestehen:  Immer mehr bekomme ich das Gefühl, dass meine Leistung wertlos ist, ebenso meine Persönlichkeit. Aber das wirklich Katastrophale an der Sache ist, dass ich dabei bei weitem kein Einzelfall bin, ganz im Gegenteil. Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch wirklich diskriminierend.

Wir alle wissen, dass „Lehrer sein“ mehr bedeutet als Vermittlung von Faktenwissen. Nicht umsonst schwebt seit der Kultusministerkonferenz 2004 immer wieder das Schlagwort „Kompetenzorientierung“ im Raum.  Wir sollen fördern und fordern, sodass möglichst jeder einzelne Lernende seine Fähigkeiten und Fertigkeiten zielführend zur Entfaltung bringen kann. Ein idealistisches, aber gerade deshalb sehr edles Anliegen. Auch in der universitären Phase der Lehrerbildung bekommt man als Lehramtsstudierender immer wieder eingetrichtert: Es geht in diesem Job um weit mehr als Fachwissen vermitteln und abfragen. Aufgabe als Lehrerkraft ist es, letztendlich mündige und selbstständige Individuen hervorzubringen, damit das Fundament einer demokratischen Gesellschaft bestehen bleibt. Eine ehren- und gleichermaßen verantwortungsvolle Aufgabe.

Maren Böhm ist eine Junglehrerin mit vielen Ideen. Foto: Oliver Raabe

Bedauerlicherweise musste ich feststellen, dass diese Aufgabe offenbar in einem gigantischen Widerspruch mit den Prozessen, die hinter den Kulissen in Schulämtern und Behörden ablaufen, steht. Wie sollen Lehrer- und Lehrerinnen (egal welchen Alters und welcher Schulart) Persönlichkeiten und Individuen formen, wenn sie selbst nicht als solche wahrgenommen und behandelt werden? Wie kann ein System am Ende fähige Bürgerinnen und Bürger hervorbringen, wenn es innerlich selbst mit denen dafür entscheidenden Werten bricht? Es ist mir bewusst, dass wir uns in einem unglaublich komplexen und tiefschichtigen Netzwerk befinden und dass sich solche Schwierigkeiten nicht über Nacht beseitigen lassen. Es ist mir auch bewusst, dass dies in der Tat harte und spitze Wort sind. Es ist mir auch bewusst, dass es leichter ist zu kritisieren als am Ende wirklich zu verändern. Doch gleichermaßen ist mir auch bewusst, dass diese Gedanken nicht mehr länger ignoriert werden dürfen, da sie tagtäglich in sämtlichen Lehrerzimmern diskutiert werden, was teilweise auch für ein hohes Frustrationslevel aller Beteiligten sorgt. Dass dies am Ende Gift für jeden von uns ist, liegt auf der Hand. Auch wenn ich noch jung und am Anfang meines Lehrerlebens stehe, ist meine Skepsis gegenüber den bestehenden Strukturen schon tief verwurzelt. Im Folgenden möchte ich kurz erläutern, was die Ursachen für meine Zweifel sind, dabei aber gleichzeitige einige Ansätze zur Verbesserung in den Raum werfen.

  1. Wartezeiten

Egal wie diszipliniert man studiert, wie hart und gewissenhaft man arbeitet, wie gut man sich auch vorbereitet, ob man nach Musterstudienplan fertig wird oder nicht; jeder Absolvent muss mindestens ein halbes Jahr nach Beendigung seines Studiums aussitzen, bevor er überhaupt eine Chance auf einen Referendariatsplatz bekommen kann. Dabei hat jedoch keiner die Gewissheit, dass bei einem halben Jahr bleibt, für die meisten wird die Wartezeit doppelt so lang. Viele meiner Kommilitonen versuchen sich mit Minijobs und Aushilfsarbeiten irgendwie verzweifelt über Wasser zu halten und kämpfen mit Existenzängsten. Ich frage mich, ob es nicht möglich wäre in irgendeiner Form offizielle Programme oder Austauschmöglichkeiten zu organisieren, die diese Übergangszeit mehr strukturieren, sodass die Studierenden nicht mehr länger das Gefühl haben, in ein undefinierbares Loch zu fallen.

        2. Unterdrückung von Eigeninitiative und Autonomie bei Bewerbern und Schulen

Es ist für mich bisweilen nur sehr begrenzt nachvollziehbar, warum den einzelnen Ausbildungsschulen bei der Auswahl der Referendare so wenig Mitspracherecht und Eigenständigkeit zugestanden wird. Man sollte doch meinen, dass jede Einrichtung selbst am besten weiß, in welchen Fächern und Bereichen Bedarf an Referendaren besteht und welche Persönlichkeitsmerkmale ein Referendar haben sollte, damit er gut zur jeweiligen Schule passt. Mich beschleicht immer mehr das Gefühl, das dies alles im derzeitigen Bewerbungsverfahren überhaupt nicht berücksichtig wird. Natürlich kann ich alle Aspekte rund um den organisatorischen Aufwand verstehen aber zeitgleich wirft sich für mich die Frage auf: Würde sich nicht der organisatorische Aufwand für alle Seiten auch verringern, wenn man den Schulen mehr Autonomie geben würde? Veranschaulichen möchte ich das gerne an meinem eigenen Beispiel: Ich habe mir nach Abschluss meines Studiums ein Empfehlungsschreiben vom Gymnasium im Schmalkalden ausstellen lassen, da ich dort ein halbjähriges Praktikum absolviert habe und ich mich sehr tief mit dieser Schule verbunden fühle. Jenes Schreiben sagt aus, dass die Schulleitung mich dort gerne als Referendarin aufnehmen wollen würde, es dort auch Kapazitäten für mich gibt, geeignete Mentoren vorhanden sind und man mich für eine angemessene Kandidatin befindet. Ich habe aber nun schmerzlich begriffen, dass Schreiben wie solche nicht berücksichtigt werden. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklären. Für mich werfen sich nur folgende Fragen auf: Würde man mit der Beachtung solcher Schreiben alle Beteiligten zufriedener machen? Würde das nicht sogar gleichermaßen den wünschenswerten Nebeneffekt mit sich bringen, dass der organisatorische Aufwand für alle Instanzen abnimmt?

3. Oberflächliche Strukturen im Bewerbungsverfahren

Jene Strukturen stehen eng im Zusammenhang mit den bereits erwähnten Punkten. Leider musste ich feststellen, dass die Struktur des Bewerbungsverfahrens völlig falsche Signale setzt. Man bekommt unterschwellig suggeriert, man ist eine leblose Nummer auf einer Liste, die nach Gutdünken auf Basis des Notendurchschnitts erstellt und abgearbeitet wird. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass die besten Absolventen auch am schnellsten einen Platz bekommen sollten, aber warum macht man es dem Rest dabei so schwer? Ich bin der Meinung, dass der alleinige Blick auf eine einzige Abschlussnote sehr oberflächlich ist und wenig Aussagekraft darüber besitzt, inwiefern ein junger Mensch für den Lehrerberuf geeignet ist oder nicht. Hand aufs Herz: Ich denke, wir alle kennen jene Kollegen, die fachliche Spitzenreiter sind, denen es aber maßgeblich an Sozialkompetenz und pädagogischen Feingefühl fehlt. Genau diese, werden durch die Struktur des Verfahrens signifikant bevorzugt. Der Lehrerberuf ist doch ein Beruf, in dem es unglaublich auf die Struktur der Persönlichkeit, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit ankommt.

Warum werden diese Aspekte bei der Bewerbung für das Referendariat überhaupt nicht berücksichtig? Warum gibt man den Absolventen nicht die Möglichkeit, sich persönlich an Schulen vorzustellen, Gespräche zu führen, Probeunterricht zu gestalten und somit mit dem menschlichen Gesamtpaket zu überzeugen? Warum ist eine leblose Zahl mehr wert, als entscheidende Persönlichkeitsmerkmale? Widerspricht das nicht alles völlig den Grundsätzen, die ein erfolgreicher zeitgemäßer Lehrer vertreten sollte?   Zusammenfassen könnten man meine Ausführungen zu diesem Punkt mit dem Wunsch nach einer „Humanisierung des Referendariats“. Ich bin davon überzeugt, dass Lehrer und Referendare nur humane Werte bei ihren Zöglingen fördern können, wenn sie selbst entsprechend behandelt werden.

Wohin geht die Reise für Junglehrer? Foto: Gabi Hamann / pixelio.de

Wohin geht die Reise für Junglehrer? Foto: Gabi Hamann / pixelio.de

4. Schlechte Übergänge zwischen den Generationen und die nicht endende Diskussion über den Lehrermangel

Meine Ausführungen haben gezeigt, wie schwer es für eine junge Lehrkraft bereits ist, überhaupt erst einmal an eine Schule zu kommen. Folglich gibt es eine große Anzahl an jungen, motivierten Absolventen, die ohne Arbeit sind. Auf der anderen Seite habe ich aber aus zahlreichen, langen Gesprächen mit den älteren Kollegen erfahren, dass es viele über 60-jährige Lehrkräfte gibt, die gerne das Feld für die Jugend räumen würden, denen aber der Eintritt in die Rente verweigert wird. Zwei Feststellungen, die für mich in einem völlig paradoxen Zusammenhang stehen. Warum macht man den jungen Kollegen den Einstieg und zeitgleich den älteren den Ausstieg so schwer? Würden auch hier nicht alle Beteiligten davon profitieren, wenn dieser Konflikt entschärft werden würde? Noch kurioser wird die Situation, wenn man sie unter dem altbekannten Schlagwort „Lehrermangel“ betrachtet. Personalprobleme und Stundenausfälle sind fast überall zum Tagesgeschäft geworden, obwohl es zugleich wahnsinnig viele engagierte Junglehrer gibt, die nur darauf warten, endlich zu vernünftigen Bedingungen arbeiten zu können. Diskussionen und immer wieder neu erscheinende Zeitungsartikel zum Thema Lehrermangel führen bei mir und meine Leidensgenossen mittlerweile nur noch zu einem resignierenden, sarkastischen Lachen.

Ein weiterer Punkt, der mir als Junglehrer problematisch erscheint, ist das Thema der kontinuierlichen Sicherung der Unterrichtsqualität über die Jahre hinweg. Im Referendariat werden junge Lehrer permanent kontrolliert, sehr genau bewertet und ihr Unterricht wird über alle rationalen Maße hinweg kleinlich auseinandergenommen.  Nach Beendigung des Referendariats gibt es hingegen kaum noch Kontrollen zur Qualitätssicherung. Wenn es zu Hospitationen oder ähnlichen Maßnahmen kommt, werden sie wenig ernstgenommen, da sie kaum mit Konsequenzen verbunden sind. Während meines Studiums habe ich – wie sehr viele meiner Kommilitonen auch – wirklich wahnsinnig viel schlechten, lieblosen Unterricht gesehen, wobei sich die Lehrkräfte zum Großteil durchaus ihrer mangelnden Unterrichtsqualität bewusst waren, aber schlimmer noch: Es war ihnen teilweise sogar völlig egal, selbst wenn ein Lehramtsstudierender hospitiert hat. Hauptsache bequem. Nachdem ich nun schon 4 Jahre als Nachhilfelehrerin jobbe, kann ich die Auswirkungen eines so gestalteten Unterrichts immer wieder hautnah miterleben. Das tut mir teilweise unglaublich weh. Dies verfehlt völlig das oberste Ziel unseres Berufes, die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Entwicklung zu mündigen, selbstständigen Bürgern zu unterstützen und sie dazu zu befähigen, ihr Potenzial zur Entfaltung zu bringen. Das macht mich so traurig. Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang daher die Frage: Gibt es nicht eine Möglichkeit, diesen Kontrast zwischen dauerhaften Überprüfung im Referendariat und der danach anscheinend völlig fehlenden irgendwie zu überbrücken? Kann man nicht Wege schaffen, die die punktuelle Sicherung der Unterrichtsqualität hin zu einer kontinuierlichen Sicherung bei gleichzeitiger verstärkter Unterstützung der Lehrkräfte auszubauen? Mir kommen dabei Ansätze an vermehrte Hospitationszirkel oder Konzepte wie Team-Teaching in den Sinn. Vor allem wäre aber auch wichtig, dass Hospitationen oder ähnliche Maßnahmen mehr Konsequenzen mit sich bringen müssen. Warum arbeiten wir so viel gegeneinander, anstatt miteinander.

5. Mangelnde Kommunikation

Der letzte Aspekt, den ich noch anreißen möchte, ist das Thema der mangelnden Kommunikation. Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass es in unserem Bildungssystem auf allen Ebenen an vernünftiger Kommunikation mangelt. Um nur ein paar Schlagworte zu nennen: Es gibt zu wenig zielführende Kommunikation, was den Übertritt von Primar- zur Sekundarstufe betrifft; zwischen Schule und Universität (Stichwort zeitgemäße Lehrerbildung); zwischen den einzelnen Fachschaften einer Schule; zwischen den Schulen und Ämtern. Ein für besonders illustrierendes Beispiel dafür betrifft besonders Lehrende der Naturwissenschaften und das Unterrichtsfach Mensch-Natur-Technik, welches im Schuljahr 2009/2010 eingeführt wurde. Es soll in den Klassenstufen 5 und 6 alle Naturwissenschaften vereinen. Viele Lehrerkräfte sind damit überfordert, da sie meistens nicht für alle Naturwissenschaften ausgebildet sind. 7 Jahre nach der Einführung des Faches sollte man doch allerdings davon ausgehen, dass nun wenigstens die kommende Lehrergeneration an Naturwissenschaftslehrern eine universitäre Ausbildung für das Fach MNT erhält. Leider ist dies aber immer noch nicht einmal im Ansatz der Fall. In der praktischen Konsequenz verfährt jede Lehrkraft nach Gutdünken – der Biologielehrer verbleibt bisweilen beim klassischen Biologieunterricht; der Physiklehrer gestaltet es nach Möglichkeit physikalisch und der Chemielehrer ist damit überfordert, weil die meisten Lernenden in der 5. Klasse noch nicht dazu bereit sind, in chemischen Strukturen zu denken. Ich bin daher nicht ganz sicher, ob das wirklich zielführend und besser als die klassische Dreiteilung der Naturwissenschaften ist. Natürlich ist MNT nur ein Beispiel, dass ich gewählt habe, weil es mich als Chemielehrerin betrifft. Andere ähnliche gelagerte Punkte betreffen Mammutaufgaben wie Inklusion oder sämtliche Diskussionen um Deutsch als Fremdsprache. Lehrkräfte sollen dies alles handeln können, bekommen aber keine Ausbildung und Unterstützung.

Als Letztes möchte ich noch erwähnen, dass ich es besonders schade finde, dass es so wenig Kommunikation zwischen der jüngeren und der älteren Lehrergeneration gibt. Ich bin fest davon überzeugt, dass dadurch wichtige Gedanken und Ansätze verloren gehen. Wir können doch alle irgendwie immer etwas voneinander lernen. Auch hier stellt sich mir die Frage: Warum arbeiten wir offensichtlich so viel gegeneinander, anstatt einfach etwas mehr miteinander?

Ich weiß, dass alle meine Gedanken idealistisch sind. Ich weiß, dass ich vielleicht an der ein oder anderen Stelle über das Ziel hinausgeschossen bin. Ich weiß, dass alles unglaublich komplex ist. Ich weiß, dass ich noch nicht über wirklich viel standfeste Erfahrung verfüge und noch viel lernen muss. Ich weiß, dass kritisieren einfacher und schneller ist als verändernde Prozesse in Gang zu bringen. Aber ich weiß auch, dass ich mich aus tiefsten Herzen gerne an einer Veränderung beteiligen möchte und ich hoffe nur, dass mir unser Bildungssystem bald einfach nur die Chance dazu geben wird. Maren Böhm

Der Text ist erstmals erschienen in: Thüringer Schule, Zeitschrift des tlv thüringer lehrerverband, Nr. 1/2017

31 Kommentare

  1. Ein paar Anmerkungen:

    (zu 1. / I) Wenn sich Referendare (und Lehrer) direkt an Schulen bewerben würden, wäre aber die Kehrseite, dass die ganze Arbeit des Auswahlverfahrens dann die Schulleitung auch noch übernehmen muss. Es würden sich dann ja auch nicht nur die persönlich bereits bekannten Personen dort bewerben, sondern zahllose andere. Viele würden sich gleich bei mehreren Schulen bewerben und “unfair” fände ich wiederum, wenn die, die dort bereits persönlich bekannt sind, alleine dadurch einen Vorteil haben. Man kann ja schlecht überall “bekannt” sein, um dann eine Stelle zu ergattern.

    (zu 1. / II): Ich kenne es so, dass es auch eine umfangreiche schriftliche Beurteilung aus der Referendarszeit gibt. Die spielt doch bei der Auswahl sicherlich eine Rolle – je nach Auswahlmöglichkeiten. Wie bei jeder Ablehnung, erfährt man die Gründe nicht bzw. hat kein Recht darauf – ebenso sicherlich wie, wenn man genommen wird. Bei Referendaren wiederum frage ich mich – sie waren ja bislang nur Studenten -, wer diese Beurteilung schreiben sollte, da ja im heutigen System jeder Student mal hier, mal da, mal dort in Vorlesungen und Seminaren sitzt und keine feste Gruppe mehr hat. Bzgl. der “Vorstellungsgespräche” an Schulen, siehe meinen ersten Punkt.

    (zu 2.) Das klingt widersprüchlich: Ältere Kollegen sollen in Rente gehen dürfen (wo wird Frühpensionierung gemäß der gesetzlichen Bestimmungen verwehrt? Oder soll man schon mit 40 in Rente gehen dürfen?), andererseits gäbe es Lehrermangel. Wenn alle in Rente gehen dürfen, wann sie wollen, wird der Lehrermangel doch noch größer? Es gibt doch gar nicht genug “Nachwuchs” – je nach Fach. Überall steigen die Quereinsteiger-Anteile, von denen leider nicht wenige scheitern oder aufgeben.

    (zu 3.) Es gibt ständig Forderungen nach Fortbildungen. Viele machen das auch. Bei (vermeintlich) schlechtem Unterricht stehen rasch Eltern auf der Matte. Sollen andere Berufsgruppen auch permanent überprüft werden, ob sie ihre Arbeit gut machen? In gewissen Abständen gibt es das ja auch im Schulwesen. Ich finde, dieser Punkt stellt Lehrer sehr einseitig unter den üblichen Generalverdacht. Klar gibt es schwarze Schafe, aber wie gesagt, Eltern sind ganz schnell da, wenn sich Unzufriedenheit häuft, Kinder sich beschweren, Noten sich deutlich verschlechtern, Ausfall sich häuft … und das hat kein Lehrer gerne. Der muss sich dann mindestens intern verantworten!!! Unterschiedlich sind aber durchaus die Ansichten, was denn guter Unterricht sei (siehe auch die Bemerkung zum Verhältnis ältere – jüngere Kollegen; oft treten ja gerade die jüngeren Kollegen so auf, dass sie den Stein der Weisen gefunden hätten. Ich finde hingegen, dass man gerade von den Erfahrungen der älteren Kollegen viel Nützliches lernen kann)!!!

    (zu 4.) Die neuen Fächerzusammenlegungen sehe ich ähnlich skeptisch. Da wird halt was probiert, vielleicht wird es irgendwann wieder geändert. 😉

    • An selbständigen Schulen in NRW werden die Bewerber auf schulscharf ausgeschriebenen Stellen durch eine Auswahlkommission der Schule begutachtet. Die Kommission erstellt ein Ranking, der Erstplatzierte erhält die Stellenzusage. Bei Absage des Erstplatzierten geht die Stelle an den Zweiten usw.

      Referndare und Anwärter können sich einen Seminarort ihrer Wahl aussuchen, sie müssen Erst-, Zweit- und Drittwunsch angeben. In der Regel erfogt die Zuweisung zu Wunschort 1 oder 2. Fordern Schulleitungen Referendare oder LAA beim Seminar an, werden sie in den meisten Fällen diesen Schulen zugewiesen.

      Entscheidend für die Gesamtnoten im Vorbereitungsdienst ist in NRW das Schulleitergutachten, das mit einer hohen Gewichtung in die Gesamtnote eingeht.

      Zu2) in TH sind viele Kollegen nicht verbeamtet sondern tarifbeschäftigt. Die Tarifbeschäftigten haben auf der Basis des TV-L keine Möglichkeit in ATZ zu gehen. Sie können nur ohne Abschläge in Rente gehen, wenn sie 63 sind und 45 Berufsjahre haben oder sie nehmen 0,3% Abnschläge je Monat, den sie früher ausscheiden, (max 10%) Rentenabschlag in Kauf.

      zu 3) Fortbildungen während der Unterrichtszeit … Erste Frage von SL, ob das denn notwendig sei. Für die Teilnahme an vielen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen (Z-Kurse) gibt es keine ausreichende Stundenermäßigungen. Konsequenz ist dann die Fortbildung zu besuchen und Teilzeit zu machen, also Lohneinbußen in Kauf zu nehmen. Für A12er lohnt sich der ganze Aufwand nicht, für die meisten gilt einmal A12 immer A12, da es in NRW keine Regelbeförderungen gibt und Funktions- und Schulleitungsstellen in der Primar- und Sekundarstufe I sehr rar sind.

      Wie soll man denn neben den ganzen Implementationsveranstaltungen, der Umsetzung in schulinterne Curricula, der Schaffung von Grundlagen für die Leistungsmessung und Beurteilung, Konferenzen, Schüler- und Elterngesprächen, Klassenleitung, Evaluationen und sonstigen Dienstverpflichtungen die Zeit bei einer Vollzeitstelle hernehmen? Den Vorbereitungsdienst mit 9 WS bdU und 2 WS angeleitetem Unterricht und einer Hospitationsstunde kann man auf einer A-Backe absitzen. Die A-Karte haben dann die “Junglehrer” mit voller Unterrichtsverpflichtung und hohem Ehrgeiz, der meist zu Kometenhaften-Flugbahnen (verglühend und immer nach unten) führt

    • Bzgl. MNT habe ich die Vermutung, dass das Fach zur Kaschierung des Physikermangels “erfunden” wurde. Schließlich kann dann auch der normalerweise vorhandene Biologielehrer den Physikunterricht in den Klassen 5-7 oder noch höher übernehmen. Ich (Physiker) habe auch mal in Klasse 5 MNT unterrichtet. Gab aber Stress mit den Eltern, weil ich als Physiker das Ganze halbwegs technisch aufziehen wollte und damit das Anspruchsniveau der Vorjahre durch die Biologen deutlich anhob, obwohl es die Schüler nicht überfordert hat.

    • @ sofawolf
      zu Ihrer Anmerkung (zu 1. / I)

      Nach mehreren Jahren im Ausland zurück in Deutschland wollte ich wieder als Lehrerin im Schuldienst arbeiten. Ehrlich gesagt hatte ich vergessen, dass es in den meisten deutschen Ländern eine Bewerbung mit einem Auswahlverfahren durch die Schule nicht gibt. Im Ausland hatte ich es nie anders erlebt: Nach einem Umzug Schule aussuchen, schreiben oder anrufen, sich vorstellen, bei Passgenauigkeit restliche Unterlagen fertig machen und die teils elendiglichen Bürokratiehürden nehmen, Einstellung, arbeiten. (Mag sein, dass es auch Staaten gibt, die es wie die meisten in D machen, mir sind sie nicht begegnet.)

      Beworben hatte ich mich zuerst in drei Bundesländern. Auswahlkriterium war der Arbeitsradius meines Mannes, der glücklicherweise einigen Spielraum für mich ließ. Ich kann Maren Böhms Gedanken und Hinterfragen zum Auswahlverfahren glatt unterschreiben. Mit einem Rucksack Lehr- und Lebenserfahrung kam ich mir in den Verfahren der Auswahlkommissionen der Schulämter/Bezirke etc. unglaublich abqualifiziert, auf eine Nummer unter zig anderen reduziert, auf nur formale Passgenauigkeit zusammengestoßen vor. Das “Kennenlernenwollen” war für die Mitglieder der Kommisionen nicht echt. Das spürte ich jeweils sofort. Ist auch irgendwie klar, das Ganze war reduziert auf einen Verwaltungsakt neben vielen anderen. Nie wieder hätte ich mit denen etwas zu tun bekommen, außer mit dem/der einen Schulrat/Schulrätin mit entsprechender Zuständigkeit. Aber selbst da … Und ob sich eine Gleichstellungsbeauftragte an ein Bewerbungsgespräch (an eins unter hunderten) von vor sieben Jahren erinnert, wenn man mit einem Anliegen auf sie zukommt?
      Ich fühlte mich nicht als Mensch und Lehrpersönlichkeit gewollt, sondern nur als Füller mit einer begehrten Fachkombination. Ich hatte von allen drei Ländern Zusagen, sogar für meine Favoritenorte. Ich hatte die erste der zugeteilten Schulen zwecks Kennenlernen gleich angerufen, um vor dem Zu- oder Absagen eine Grundlage zu haben. Waren ja nur zwei Tage Zeit. War ich naiv? Die Abfuhr war entmutigend. Ich sagte die Stelle ab und danach trudelten fast zur gleichen Zeit die beiden anderen Zusagen ein. Auch die habe ich abgesagt. Ich konnte und konnte mir einfach nicht vorstellen, irgendwo hingestopft zu werden – obwohl ich es einst als Absolvent schon erlebt hatte und es damals gut ging. Wer bin ich? Mensch oder Verwaltungsakt?

      Der Zufall wollte es, dass mein Mann in seiner neuen Firma rasch nach dem Eintritt das Angebot bekam, in die Zweigstelle in Mecklenburg zu wechseln. Wie wir noch darüber sannen und im Bekanntenkreis redeten, und ich überlegte, was ich denn beruflich alternativ machen könnte, erzählte mir eine Bekannte, dass ihre Nichte in Mecklenburg sei und sich direkt an einer Schule beworben hatte. Wir waren wie elektrisiert. Der übliche Bewerbungszeitraum war schon herum, aber es gab noch Stellen, auf die ich formal passte.

      Das erste Bewerbungsgespräch fühlte sich für mich fast wie ein Desaster an. Der Direktor und ich, wir bemühten uns beide, doch es lief nicht. Seine Erwartungshaltung entsprach ganz offensichtlich nicht der meinen. Worauf ich in der Arbeit mit den Kindern wert legte, das fand er für seine Schule anscheinend nicht so relevant. Er wollte Sachen, die fand ich richtig komisch für mich. Rundheraus: Es passte nicht. Obwohl er mir die Entscheidung aus seiner Sicht erst zwei Tage später mitteilen wollte, sagte ich schon eine Stunde später ab.
      Das zweite Gespräch war ok, Sympathie und Gleichklang kamen teilweise auf, soweit man das in einem ersten Gespräch erleben kann, zum Schulentwicklungskonzept passte ich – also, da würde ich schon anfangen, das konnte ich mir vorstellen, so bin ich rausgegangen. Begeisterung ist anders, aber ja, auch nach einem Überschlafen, das war nicht verkehrt, mein Gefühl.
      Beim dritten Gespräch war es ganz anders. Es hatte sich eine Stimmigkeit schon nach wenigen Minuten eingestellt. Kurze Einleitung, dann liefen wir schon durch die Schule, der Direktor erzählte und fragte und ich erzählte und fragte. Die Kollegin erzählte und fragte, die Stellvertreterin erklärte und fragte … Das war Augenhöhe. Was ich äußerlich wahrnahm, sagte mir, Demokratieerziehung ist hier ein Schwerpunkt und dies und das gefiel mir auch und dort hatte ich eine Idee … Die Kunsterzieherin, der wir begegneten, erläuterte das neue Kunstprojekt … Vorhaben hier, Organisatorisches so, Ausstattungsprobleme leider dort … Ich fühlte mich am richtigen Platz und an DER Schule bin ich nun. Ich möchte nirgendwo anders sein.
      Für die anderen beiden Schulen passen ganz sicher andere. Wir sind nun mal alle verschiedene Menschen.

      Ja, es ist zuerst einmal mehr Arbeit für die Schulleitung. Aber jemand, der sich an seiner Schule wohlfühlt und das Konzept, das andere vorher ohne sein Zutun aufgestellt hatten, aus tiefster Überzeugung mitträgt, der “macht” später weniger Arbeit. Es wäre müßig, hier aufzuzählen, warum. Weiß jeder, wie das Gegenteil läuft, wie die Auswirkungen von einem Sichdeplaziertfühlen häufig sind.

  2. Ich kann vieles nachvollziehen, manches habe ich als Berufsanfänger ähnlich gesehen.
    Jetzt schätze ich es so ein, dass die Kehrseite der Medaille leider nicht betrachtet wird: die aus den Vorschlägen resultierende Mehrarbeit.
    Diese ist einem als Junglehrer ziemlich gleichgültig, da man ja für den Beruf brennt und sich ausprobieren möchte.

    Sicherlich, die Vorschläge sind sinnvoll,
    wer aber wöchentlich über Jahre bzw. Jahrzehnte 28 oder 29 Stunden Unterricht in diversen Fächern erteilt – und dies nicht lieblos, sondern durchaus mit Aufwand betreibt,
    wer Klassen führt samt aller damit verbundenen Aufgaben,
    wer Inklusion und Migration stemmt,
    wer im Kollegium integriert ist, Aufgaben der Schulleitung oder Schulbehörde, der Fachleitung, Aufgaben zur Schulentwicklung und zum Schulleben übernimmt, natürlich ohne Ausgleich,
    wer ständig den Tisch voller Arbeit hat und bei einer 60Std.Woche kaum Land sieht (Arbeitszeitstudie Nds.)

    der ist so sehr mit Arbeit eingedeckt, dass er keine der genannten Aufgaben gerne und gut mit übernehmen kann oder möchte.
    Fachgespräche und Austausch zwischen KollegInnen gibt es durchaus, in meiner Schule in jedem Fall. Bei 4teachers übrigens auch, man sieht ja, wie viele Lehrkräfte aktiv daran mitwirken.

    Gespräche zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen gibt es ebenfalls in mehreren Bundesländern oder Regionen. Wenn sie darauf beschränkt werden, das gängige Schulbuch zu zeigen oder seitens der Gymnasien zu diktieren, was Grundschulen noch zu erledigen hätten, ebbt das Interesse sehr schnell ab.

    Wer ein Auswahlverfahren für eine schuleigene Lehrerstelle mit durchgeführt hat, der weiß, dass sehr viel Arbeit auf selbst kleinste Schulen übergeben wird, die in kürzester Zeit “nebenbei” zu erledigen ist, durch die rechtlichen Vorgaben haben die Schulen aber so gut wie kein Mitspracherecht. Wozu also die Mehrarbeit, wenn am Ende die Note zählt oder die Schule so weit in der Peripherie liegt, dass keiner der Kandidaten diese Schule auswählen wird?

    Unterrichtshospitationen finden durchaus statt, die Konsequenzen sind marginal, mag sein, aber können eben auch in verbindlichen Fortbildungen bestehen.
    Auch Schulen werden überprüft.
    Wo aber sind Hilfen und Hilfestellungen, wo sind Beschwerdestellen, Supervisionsangebote?
    Schulen wird nach der Inspektion bescheinigt, was gut ist und was nicht. Häufig sind es Schulstruktur und Gebäude, die nicht in Ordnung sind, daran kann die Schule selbst aber nichts ändern. Gerne wird zudem in Bereichen eine schlechte Note vergeben, in denen das Ministerium generellen Entwicklungsbedarf sieht, ohne auf die Schülerschaft und die Bedingungen, die Schulen zu Verfügung stehen, zu sehen (Inklusion, neue Medien).

    Und über einen Mangel an Konferenzen kann ich mich nicht beschweren. Es sind wöchentlich 1-2, manchmal sogar 3 davon zu absolvieren.
    Warum z.B. muss jede Schule, das Beispiel aufgreifend, die MNK-Curricula und fächerübergreifende Inhalte selbst erstellen, warum kann dies nicht zentral von einem Team VOR der Einführung erstellt werden? Raum für individuelle Ausgestaltung kann man ja dennoch einräumen. Warum werden den Schulen keine Stunden zur Verfügung gestellt, damit ein Team die neuen Curricula für die Schule übernehmen und alles Notwendige dafür vorbereiten kann?
    Gleiches gilt für alle anderen Curricula, alle anderen Konzepte und auch für Unterrichtsinhalte hinsichtlich Migration und Inklusion. Es wäre erheblich einfacher, wenn nicht jede Schule allein die Wege suchen und Trampelpfade anlegen muss, die, noch gar nicht ausgetreten, verändert werden müssen, da sich die Vorgaben schneller ändern, als die Umsetzung in Schulen erarbeitet werden kann.

    Dass man als Jungelehrer seinen Idealismus in die Schulen bringen will, das finde ich gut, denn Schulen brauchen auch junge Lehrkräfte mit viel Schwung, neuen Ideen und viel Kraft…
    … manches davon geht nach der 17. Reform und der 56. Zusatzaufgabe ohne Ausgleich nämlich verloren.

    • Übrigens gibt es Bundesländer, die so händeringend Lehrkräfte suchen,
      – dass Anwärter mit Mangelfächern wie Chemie bevorzugt das Ref. machen können.
      – dass Studierte (ohne Ref) als zusätzliche Lehrkräfte in Schulen eingestellt werden und dort Vertretungsunterricht (einschl. Klassenleitung etc.) übernehmen.

  3. Ich muss es mal ganz hartb sagen: Der ganze Artikel scheint eher aus der Warte eines enttäuschten Prinzesschens geschrieben, die Ich-Bezogenheit unter Ausblendung des Blicks auf das Ganze ist ja kaum zu ertragen.

    Viele Kritikpunkte sind bei einer Gesamtbetrachtung schlicht Unsinn:

    Die Schulen sollen jetzt auch noch die Referendare aussuchen? Wer soll die Arbeit bitte machen?

    Referendariatsplätze sollen nicht nach Note vergeben werden? Nach was denn dann? “Persönlichkeit, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit” sind nur mit viel Aufwand zu testen.

    Lehrermangel? Ja, den gibt es, aber wenn Prinzesschen eine Stelle möchte, ist sie vielleicht nur nicht in der Wuschstadt/Region vorhanden. Auch andere Arbeitssuchende müssen flexibel sein.

    Zu wenig Konferenzen oder Besprechungen? Da fällt mir gerade gar nichts mehr ein.

    Wenig Kommunikation zwischen der jüngeren und der älteren Lehrergeneration? An meiner Schule gibt es das nicht und Prinzesschen: Dazu gehören immer zwei.

    • Da die Praxisanteile in den Studiengängen erhöht worden sind, um im Gegnzug die Dauer des Vorbereitungsdienstes absenken zu können, sind viele Lehramtsstudenten in den lehrerzimmern in Hochschulnähe keine Seltenheit mehr. Einige Schulen können sich der Flut der Praktikanten kaum erwehren. Andere Schulen fernab größerer Städte mit Hochschulinstituten für Lehramt haben dieses Problem nicht.

      Ich kann es keinem Sudenten verübeln, wenn er seinen Vorbereitungsdienst an einer Schule absolvieren möchte, die er als Praktikant schon kenen gelernt hat. Hat zumeist auch den Vorteil, dass man nicht groß umziehen muss.
      Ich kann aber auch die Schulen verstehen, die gerne Referendare und Anwärter nehmen. ) WS bdU je Ref/LAA sind eine Vollzeitstelle. Da freut sich jede SL, die so Löcher in der Unterrichtsverteilung stopfen kann. Blöd nur die zusätzliche Arbeit für die Kollegien, die ja ls Mentoren/Ausbildungslehrer die jungen Leute im Vorbereitungsdienst zusätzlich zu ihrer alltäglichen Arbeitsbelastung betreuen müssen.

      Ich kann dem, was Küstenfuchs schreibt, nur ausdrücklich zustimmen. Allein die Chuzpe sich während des Vorbereitungsdienstes bereits als Junglehrer zu bezeichnen, finde ich anmaßend. Bis jetzt dachte ich, dass mit dieser Bezeichnung Lehrkräfte während der ersten fünf Jahre – die noch unter “Welpenschutz” fallen – gemeint seien.
      (Was auf meine Person bezogen lustig war, ich war als Anerkenner während dieser Zeit Mitte 40 bis 50:)

      • In Schleswig-Holstein ist eine Zuweisung von Referendaren noch aus einem anderen Grund zwingend notwendig: Referendare “belasten” nicht die Zuweisung an Lehrerstellen pro Schule. Das bedeutet: Jeder Referendar muss 10 Stunden unterrichten und pro Fach eine Lehrkraft bekommt 2 Stunden Ermäßigung zur Betreuung. Also bedeutet jeder Referendar pro Schule 6 Stunden (also 1/4 Lehrerstelle) obendrauf.
        Daher ist es notwendig, dass die Referendare einigermaßen gleichmäßig verteilt werden, denn sonst haben die Schulen in Kiel, Lübeck und Flensburg einen riesigen Vorteil gegenüber den Schulen z.B. an der Westküste, ohne das die Schulen vom Konzept oder sonstwas etwas dafür könnten. Man stelle sich vor, eine Schule hat 10 Referendare und eine andere gar keinen. Das wären 2,5 Stellen Unterschied bei gleicher Schülerzahl.

        • Genau, das ist bei uns genauso, Referendare werden gleichmäßig verteilt; so viele kann ein Kollegium auch nicht verkraften. Bei uns gibt es eine Stunde Ermäßigung für die Betreuung. An den bayerischen Grundschulen gibt es den Sondnerfall, dass die Referendarinnen, bei uns Lehramtsanwärterinnen genannt, im 2. Jahr eine Klassenführung – in der Regel eine 3. Klasse- für ein Schuljahr übernehmen müssen. Danach sind sie mit der Prüfung fertig und werden versetzt. Die Übernahme von 3. Klassen bringt bei uns eine ständige Unruhe in den Jahrgangsstufen und nicht selten werden dadurch gut zusammenarbeitende KollegInnen auseinandergerissen.

          • Warum lässt man nicht die gut zusammenarbeitenden Teams zusammen und packt den Referendar als “Hilfsklassenlehrer” dazu? Ein Schuljahr später kommt das Team ja sowieso wieder zusammen.

          • Das wäre ein guter Vorschlag, doch bisher wird vom Ministerium so verfahren, dass die LAAS schon in der Ausbildung eine Klassenleitung eigenverantwortlich übernehmen müssen (es werden nur ganz selten Ausnahmen gemacht), im Hintergrund vom Seminar betreut. Es ist auch für eine Grundschulklasse nur begrenzt gut, denn die Referendare fehlen an 2 Wochentagen (da haben sie Seminar) und die Grundschüler müssen sich im 4. Schuljahr (Übertrittsjahr) wieder auf eine neue Klassenlehrerin einstellen. So lange das Ministerium diese Vorgaben in der Ausbildung macht, sind allen die Hände gebunden.

          • ysnp schrieb: “Bei uns gibt es eine Stunde Ermäßigung für die Betreuung.”

            Da haben Sie aber noch sehr gute Bedingungen.
            Ich betreue (in Nds.) gerade zwei Referendare. Entlastungsstunden: Fehlanzeige. Null!
            Für meine Klassenleitung gilt dasselbe. Entlastungsstunden: Fehlanzeige. Null! Eine Verfügungsstunde, in der man abseits des Stoffes etwas besprechen könnte, gibt es natürlich auch nicht.
            Für die Übernahme der Fachobschaft Musik (inkl. Sammlungsleitung) bekomme ich eine halbe SWS (Schuljahres-Wochenstunde) angerechnet. Eine Funktionsstelle (A 14) wie in anderen Fächern gibt es nicht.

    • Gut, dass Sie das so schreiben, Küstenfuchs, denn ich hatte den Beitrag schon abgehakt unter: anderes Bundesland, andere Schulart. Allerdings ist das der ewige Kreislauf: Wenn man frisch von der Uni kommt, dann meinen die viele, Sie hätten vieles besser drauf und schauen auf manche ältere KollgInnen von oben herab. In den letzten 10 Jahren ist das verstärkt zu beobachten. Allerdings ändern auch diese Leute sich, je länger sie mit dem Schulalltag konfrontiert werden. Die Sichtweise, die oben beschrieben wird, ist eben die einer gerade fertigen Studentin.
      Um ein paar Punkte herauszugreifen (da beziehe ich mich jetzt auf die südlichen Bundesländer/Grundschule/Hauptschule):
      Ich kann mir gut vorstellen, dass man unterschiedliche Unterrichtsstile bei Hospitationen sieht – das ist mir auch schon ergangen, als ich in verschiedenen Schularten hospitiert habe – doch die Leute haben sich bereit erklärt, Unterricht zu zeigen, weil es vielleicht kein anderer machen wollte. Ich habe schon KollegInnen erlebt, die furchtbar nervös waren, als ich zugeschaut habe. Anerkennend muss ich immer sagen: Sie haben sich bereit erklärt. Außerdem gibt es Klassen, mit denen kann man keinen Unterricht machen, so wie man es gerne hätte und da muss man Methodenreduzierung machen.
      Noch nie war es möglich, sich die Schulen heraussuchen zu können. Man konnte Wünsche angeben, ansonsten konnte der Standort an jedem Ort im Bundesland sein. Das macht flexibel. Ausnahme: trifftige persönliche Gründe. Eine Schule kann man sich nicht “gebacken” bekommen, durch Engagement kann man auch in einer Schule, wo Lehrer schon eingefahren sind, etwas bewirken.
      Bei uns gibt es kein Problem zwischen jung und alt. Referendare sind so oder so betreut und “Frischlinge” haben sich spätestens nach einem Jahr bei uns eingefunden. Interessant finde ich, dass sie erst einmal so für sich arbeiten auch unter dem Vorurteil, sie machen es besser – sie merken aber dann schnell, dass eine Zusammenarbeit besser ist und man sich gegenseitig bereichern kann. Außerdem haben auch sie sehr schnell mit alltäglichen Problemen zu kämpfen. Da ihnen die Erfahrung fehlt, haben sie mehr mit Eltern zu tun, als es ihnen lieb ist.
      Konferenzen /Dienstbesprechungen haben wir mehr als genug und durch Evaluation und Regelbeurteilung stehen wir ständig mit unserem Unterricht im Focus. Durch verpflichtende schulinterne Fortbildungen sind wir gut auf dem Laufenden. Bei uns ist es eher so, dass die “Alten” die zusätzliche Arbeit machen und die Neulinge sich erst einmal zurückhalten, was auch verständlich ist, wir aber dann ab dem 2. Jahr erwarten, dass sie sich an den Aufgaben beteiligen, die das Kollegium sonst noch zu bewältigen hat.

      • “Bei uns ist es eher so, dass die „Alten“ die zusätzliche Arbeit machen und die Neulinge sich erst einmal zurückhalten, was auch verständlich ist, wir aber dann ab dem 2. Jahr erwarten, dass sie sich an den Aufgaben beteiligen, die das Kollegium sonst noch zu bewältigen hat.”

        @ysnp, ich glaube das ist nicht nur an bayrischen Grund- und Mittelschulen so. Berufsanfänger übersehen, dass es eine Menge an Aufgaben in Schulen gibt, die einem als Referendar oder Lehramtsanwärter verborgen bleiben, und die auch nicht “Junglehrern” auf’s Auge gedrückt werden. Alles Aufgaben die im Hintergrund laufen, ungeheuer bürokratisch sind, einen langen Atem einfordern, mit Konfliktpotential versehen sind und dergl. mehr. Alles das sind Aufgaben, die aus gutem Grund älteren, erfahreren und belastbareren Kollegen und Kolleginnen entweder von der Schulleitung oder von der Gesamtlehrkräftekonferenz aufgetragen werden, um “den Laden am Laufen zu halten”.

        Oder um es mit Hern “Schüttelspeer” zu sagen:

        There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy.

        Es schadete nichts, wenn sich der eine oder die andere dieses ins Stammbuch schreiben ließe.

        • Zumal man als Junglehrer noch nicht auf bereits erprobtes Material zurückgreifen kann, wenn man aufgrund von bürokratischen Nebenaufgaben keine Zeit für eine intensive Unterrichtsvorbereitung hat. Andererseits muss man sich in der heutigen Zeit als Junglehrer möglichst schnell unverzichtbar machen, damit man auch Chancen auf einen unbefristeten Vertrag, Verbeamtung auf Lebenszeit, eine zeitnahe Beförderung o.ä. hat.

    • @Küstenfuchs

      Pfui!
      Die Referendarin hat ihre Sicht der Dinge sachlich dargelegt. Wie kommen Sie dazu, Frau Böhm zynisch-abwertend mit Prinzesschen zu betiteln?

      War da mal etwas mit Erziehung zu Respekt und Achtung in unserem Beruf?

  4. Ich sehe vor allem das Bewerbermanagement für die Schulen problematisch.

    Es gibt ja nicht immer überall genau so viele Bewerber wie freie Stellen – egal, ob Referdariat oder Anstellung. Dann will vermutlich niemand an Brennpunktschulen (verständlicherweise) und die kommen gar nicht mehr zurecht. Andererseits werden “beliebte” Schulen der Bewerberflut nicht mehr Herr. Wer bearbeitet das alles? Die eine Sekretärin? Die eine Schulleiterin? Zusätzlich zu den bisherigen Aufgaben?

    Dann werden sich viele an mehreren Schulen bewerben, bekommen dann mehrere Zusagen und sagen mehrfach ab. Dann war die ganze Arbeit für die “abgesagten” Schulen umsonst.

    Und dann kommen die, die keiner will, an die Schulen, wohin keiner will. Ein Teufelskreis. 🙁

    • Wann darf schon manchmal glauben, dass “unsere Altvorderen” gute Gründe hatten für das, was sie sich “ausgedacht” haben !

    • Die Sekrtärin ist kommunale Angestellte. Die hat also nichts mit der Auswahl von Kandidaten für schulscharf ausgeschriebene Stellen zu tun. Das ist originäre von Schulleitungen in NRW.

      Zunächst muss die SL die bei der Bez.-Reg nachfragen, wie viele Stellen sie ausschreiben darf. Die Stellenausschreibungen muss sie selbst formulieren, sie muss somit auch festlegen welche Fächer bzw. Fächerkombinationen sie ausschreibt. Wenn die bewerbungsfrist zu Ende ist, werden die Bewerbungen von den Mitgliedern der Auswahlkommission gesichtet und es wird festgelegt bis zu welcher Ordnungsgruppe Bewerber eingeladen werden. Anschließend beginnt der Marthon der Bewerbungsgespräche, an deren Ende die Auswahlkommission zusammen mit der Beauftragten für Gleichstellungsfragen und dem Behindertenbeauftragten eine Rangliste der Kandidaten erstellt. Dem jeweils Erstplatzierten wird die Stelle angeboten. Dieser hat dann drei Tage Bedenkzeit, in denen er die Stelle annehmen oder ablehnen kann. Bei viel Pech sagen alle gecasteten Kandidaten ab. Sagt einer der kandidaten zu, gehen die unterlagen an die bez,-Reg und die Personalie wird mit dem PR abgestimmt. Spätestens an dieser Stelle muss der Behindertenbeauftragte sein Plazet erteilen, wenn er bei den Auswahlgesprächen nicht anweend war

      Keine Angst, auch an den Brennpunktschulen bewerben sich genügend Idealisten, die die Welt retten wolen und Realisten, die genau wissen, dass sie woanders keine Chance im Wettbewerb hätten.

      Zeitaufwändig und hikel ist icht das Auswahlverfahren. Heikel ist das Anschreiben, das die abgelehnten Kandidaten erhalten müssen. Und glauben Sie nicht, dass dies durch die Schulsekretärin erledigt wird. Die druckt das Schreiben allenfalls aus und tütet es ein, damit es von der städtischen Poststelle frankiert und versendet wird.

  5. Jürgen Günther

    Mir ist aufgefallen, dass kaum eine/r der Kommentierenden wirklich auch positiv auf die Anliegen der jungen Frau eingegangen ist. viele versuchen, wie es hier im Forum leider oft üblich ist, ihren eigenen Frust abzulassen.
    Das geht bis hin zur zynischer Herabwürdigung als Prinzesschen. Wundert sich da jemand über Kommunikationsstörungen zwischen jung und alt?
    Ich wünsche mir in diesem Forum mehr gegenseitigen Respekt, Verständnis und Achtung der Mitmenschen.

    • Aber die Mensch-Werdung beginnt für Beamte erst oberhalb der A13.

    • Der Artikel der jungen Frau strotzt von eigenem Selbstbewußtsein und der Herabwürdigung erfahrener Kollegen:

      “Während meines Studiums habe ich – wie sehr viele meiner Kommilitonen auch – wirklich wahnsinnig viel schlechten, lieblosen Unterricht gesehen, wobei sich die Lehrkräfte zum Großteil durchaus ihrer mangelnden Unterrichtsqualität bewusst waren, aber schlimmer noch: Es war ihnen teilweise sogar völlig egal, selbst wenn ein Lehramtsstudierender hospitiert hat. Hauptsache bequem. ”

      An meiner Schule liefern nur sehr wenige Kollegen (egal wie alt) wirklich schlechten Unterricht ab. Die gute Frau, ich nenne sie nun doch gerne wieder Prinzesschen, verwechselt hier vermutlich Unterricht eines Referendars oder Praktikanten, der stundenlang ein paar wenige Unterrichtsstunde vorbereiten kann, mit einem Lehrer, der 25+ Stunden die Woche zu leisten hat und dabei mit einer Arbeitszeit von 45 Stunden kaum auskommt.
      Die Kollegen brauchen in aller Regel keine “Nachhilfe” sprich Evaluation, sondern mehr Zeit. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen: In dem einen Halbjahr, in dem ich mal nur 19 Stunden Unterricht hatte (mein “Konto” war so überbrummt, dass ich abbummeln konnte) und ich einen freien Dienstag hatte, wurde meine Unterrichtsvorbereitung schlagartig besser.

      Den von ihnen eingeforderten Respekt bringt Prinzesschen den Kollegen nicht entgegen. Die Verachtung ihnen gegenüber ist nicht nur zwischen den Zeilen spürbar, und wenn man von einigen Dingen, die ich oben schon erwähnt habe, keine Ahnung hat, sollte man einfach mal still sein und nicht so einen selbstgerechten Artikel veröffentlichen. Ansonsten muss man halt auch mit Gegenwind rechnen.

      Und zum Schluss mal eine Frage: Wer hat eigenlich diesen Unsinn von einer Kommunikationsstörung zwischen den Generationen in die Welt gesetzt bzw. an welcher Schule gibt es die?

      • volle Zustimmung küstenfuchs

        Aber so ist es halt, wenn man an der Schule, an der man selbst Abitur gemacht hat, dann auch noch die entsprechenden Schulpraktika vor und während des Studiums und auch sonst noch gut “vernetzt” ist – mit Schulleitung und Kollegium – keinen Ref-Platz bekommt (möglichst mit weiterer lebenslanger Perspektive).
        Dann schlägt der Frust über die Ungerechtigkeit dieser Welt schon mal richtig zu (Ironie aus).

  6. Meinen Kommentar finde ich aber nicht böse, sondern sachlich-argumentativ, nur halt größtenteils dagegen. Es ist doch nicht nur Zustimmung erlaubt, oder?

    Ansonsten fand ich eigentlich, dass viele teilweise zugestimmt haben bzw. Verständnis äußerten.

    • Dass man nur zustimmen darf, kenne ich noch aus meiner (Ost-)Schulzeit. Da gab der Lehrer im “Politgespräch” eine Meinung vor und man durfte noch sagen, warum er Recht hatte. Aber wehe, wenn nicht.

      (Ich sagte dann damals meistens nichts dazu, denn einfach nur zustimmen, war mir zu doof.)

  7. Ich finde nicht, dass der Text von Herabwürdigung älterer Lehrer “strotzt”; außer der von küstenfuchs zitierten Stelle ist mir keine negative Bemerkung aufgefallen.
    Dinge zu hinterfragen, das tun junge Menschen nunmal, war sicher auch bei den jetzt älteren Lehrern so.

    Was die Verteilung von Referendaren auf die Schulen angeht (gerade wenn schon feststeht, welche Bewerber genommen werden!), ist es doch aber wirklich nicht einsichtig, warum dabei nicht darauf geachtet werden kann, wer sich für welche konkrete Schule eignen könnte, oder welche Art Mensch im Team einer Schule noch gut zu gebrauchen wäre, mal ganz abgesehen davon, welche Art Lehrer für die Schüler sinnvoll wäre (quasi als Erweiterung des bestehenden Angebotes an Vorbildern und Vertrauenspersonen).

    Wenn Strukturen in Institutionen so sind, dass durch sie mehr Unzufriedenheit am Arbeitsplatz ausgelöst wird, dann macht es doch Sinn, neu darüber nachzudenken und an kleinen Stellschrauben zu drehen, sodass es für alle erträglicher wird! Diesen Aufwand sollte ein zufriendstellende(re)s Ergebnis doch wert sein, oder?

    • Folgenschwerer Irrtum. – Die referendare und Anwärter werden von den ZfsL (Studienseminare) ausgebildet. Die ZfsL sind auch deren Stammdienststelle. Im Rahmen ihrer Ausbildung werden die Lehrkräfte iim Vorbereitungsdienst an Schulen, die im Verwaltungsbereich der ZfsL liegen, mit 12 Wochenstunden abgeordnet. Die Schulen sind also nur indirekt an der Ausbildung beteiligt, da sie die “Praktikumsplätze” stellen. Schulen müssen folglich auch Referendare und Anwärter ausbilden, für die sie keinen Bedarf haben. Andersherum ist auch nicht besser, es gibt Bedarf in bestimmten Fächerkombinationen an der Ausbildungsschule, es gibt auch Referendare oder Anwärter mit entsprechenden Qualifikationen, es gibt aber niemanden in den entsprechenden Kollegien, der die Lehrkräfte während des Vorbereitungsdienstes betreuuen kann. Schulen mit vielen erfahrenenen Kollegen z.B. im MINT-Bereich bilden eben viele junge Leute in diesem bereich aus, ohne eigenen zusätzlichen Bedarf zu haben. Die Schulen können sich die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst nicht aussuchen, die werden ihnen zugewiesen.

      Hinzukommt dass Eltern und auch Schüler nicht unbedingt begeistert sind, wenn sie erfahren, dass Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst die Kurse ihrer Kinder bzw. die eigenen übernehmen. Besonders ärgerlich ist dies, wenn der Lehrerwechsel zum Halbjahr passiert. Referendare, die im November in den Vorbereitungsdienst einberufen werden, beginnen ihren bedarfdeckenden Unterricht (in NRW) nach den Halbjahreszeugnissen (im Februar) und geben die Kurse in darauffolgenden Januar wieder ab.

      • Andernorts (RLP, Nds.) gehen Lehreranwärter vom ersten Tag an in eigenverantwortlichen Unterricht, zumindest mit einem Teil ihrer Stunden (etwa die Hälfte).
        Außerdem kommt es vor, dass Schulen, die Lehrermangel haben, einen Referendar zugewiesen bekommen, sodass die Unterrichtsversorgung zum Teil über den Referendar gesichert wird.
        Für die Betreuung an den Schulen gibt es keine Entlastung.

        Dass das Referendariat zudem ein Nadelöhr ist und auch AbsolventInnen mit einer 1,85 als Note Wartezeiten aufbringen müssen, ist schon seit Jahrzehnten so. Das muss man nicht gutheißen, aber dann muss man die Strukturen der Ausbildung ändern:
        – Mehr Plätze an den Ausbildungsseminaren bedeutet auch, dass mehr Lehrkräfte bereit sein müssen, die Seminare zu leiten, Schulen in 60 km oder mehr Umkreis zu besuchen, dafür gibt es wenige Entlastungsstunden und einen Bonus von 150€.

        – Ausbildungsstrukturen an Schulen könnte auch bedeuten, dass die Referendare mit ihren Stunden zusätzlich ins Kollegium kommen. Ihre Stunden werden nicht auf die Unterrichtsversorgung angerechnet. Dadurch erhält die Schule einen Bonus, den sie für die Betreuung und weitere Aufgaben an der Schule selbst einsetzen könnte: die Möglichkeit, den Referendar wenn nötig enger zu begleiten oder aber ihm mehr Freiraum und Eigenverantwortung zu geben, dabei aber Doppelbesetzungen für die betroffenen Klassen oder Kollegen zu gewinnen.
        Das wurde im März schon von mehreren Lehrkräften angebracht und scheint in anderen Bundesländern (SH?) auch anders zu sein.

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