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Rückkehr zu G9 in Bayern: Die Reform steht – Kabinett und CSU Fraktion (fast) einig

MÜNCHEN. Am Samstag traf sich der von Ministerpräsident Horst Seehofer eingesetzte Kabinettsausschuss, zur Rückkehr zum neunjährigen Abitur mit Mitgliedern der CSU-Fraktion. Laut Teilnehmern konnte dabei eine Einigung erzielt werden, Details blieben allerdings noch offen. Am 5. April soll die CSU-Fraktion das Zurück zum G9 endgültig beschließen. Noch ist also die Reform nicht in trockenen Tüchern, dennoch forderte jetzt die oppositionelle SPD die Landesregierung auf, sofort mit der Personalplanung zu beginnen.

Staatsregierung und Vertreter der CSU-Landtagsfraktion haben sich auf die Grundzüge der Gymnasialreform und des geplanten größeren Bildungspakets verständigt. Demnach wird Bayern – wenn am Ende auch die gesamte CSU-Fraktion zustimmt – wie angekündigt zum Abitur nach neun Jahren (G9) zurückkehren. Parallel dazu sollen Förderschulen und berufliche Schulen mehr Lehrer bekommen, Schulleiter sollen entlastet werden. Darauf verständigten sich ein Kabinettsausschuss unter Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Vertreter der Fraktion am Samstag in mehrstündigen Beratungen, wie Teilnehmer bestätigten.

Ließ schon früher seine Sympathien für G9 erkennen: Ministerpräsident Horst Seehofer. Foto: Ailura / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Es sieht gut aus für Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Seine eigene, bislang gespaltene Fraktion kann sich offenbar zunehmend mit der Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren anfreunden. Foto: Ailura / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

An diesem Montag und Dienstag stehen nun weitere Gespräche der Staatsregierung mit Bildungs- und Haushaltsexperten der Fraktion und dann weitere fraktionsinterne Beratungen an. Die endgültige Entscheidung soll in einer Fraktionssitzung am 5. April fallen.

Am Konzept von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) für die Gymnasialreform soll es demnach kaum mehr Änderungen geben. Somit soll das G9 zum Schuljahr 2018/19 eingeführt werden – und zwar für die Jahrgangsstufen fünf und sechs. Die jetzigen Viertklässler, die im Herbst auf das Gymnasium wechseln, wären also der erste G9-Jahrgang.

Diskussionsbedarf gab und gibt es noch über die Ausgestaltung der sogenannten «Überholspur»: Schüler, die das Abitur auch weiterhin nach acht Jahren ablegen wollen, sollen eine Klasse auslassen dürfen, am ehesten die elfte. Hier sei noch über Wege diskutiert worden, um dies wirklich für größere Schülerzahlen attraktiv zu machen, hieß es.

Beim geplanten Bildungspaket sollen die Details nach Angaben aus CSU-Kreisen nun noch mit der Fraktion festgezurrt werden. Klar aber ist, dass es für Förderschulen und berufliche Schulen mehr Lehrer geben soll. Auch für die Inklusion von Kindern mit Behinderungen in Regelschulen soll es noch einmal zusätzliche Stellen geben. Wie viele Lehrerstellen es insgesamt neu geben soll, solle nun bei den weiteren Beratungen mit der CSU-Landtagsfraktion geklärt werden, hieß es.

Zudem sollen Schulleiter aller Schularten entlastet werden und die Schulverwaltung gestärkt werden. Damit wolle man den immer weiter zunehmenden Belastungen der Schulleitungen Rechnung tragen, hieß es.

Die Beratungen des Kabinettsausschusses dauerten dem Vernehmen nach rund fünf Stunden. Das Treffen sei zwar lang, aber sehr konstruktiv gewesen, hieß es. Das Gremium war von Seehofer kürzlich eingesetzt worden; ihm gehören neben Seehofer und Spaenle unter anderem Finanzminister Markus Söder und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner an.

Details des Gymnasialkonzeptes sind seit einigen Tagen bekannt. Unter anderem soll der Unterricht am Nachmittag am G9 deutlich reduziert werden. In der Unter- und Mittelstufe beispielsweise soll es kaum mehr Nachmittagsunterricht geben. Insgesamt soll die Zahl der Wochenstunden im Vergleich zum G8 um etwa 18 Stunden steigen – und nicht einfach die aktuelle Stundenzahl auf neun Jahre gedehnt werden. Unter anderem sollen die Kernfächer gestärkt werden. Und: Informatik soll künftig Pflichtfach in allen Ausbildungsrichtungen werden.

Die SPD forderte die Staatsregierung derweil auf, trotz fehlender Gesetzesgrundlage sofort mit der Personalplanung für das künftige G9 zu beginnen. «Das G9 wird kommen. Jetzt geht es darum, eine vorausschauende Stellen- und Kostenplanung vorzunehmen», sagte der Bildungsexperte Martin Güll. Ansonsten drohten vielen Lehrern jahrelange Teilzeitverträge und Arbeitszeitkonten oder Lehrermangel.

Die Gefahr bei der Personalplanung besteht laut Güll in der Annahme, dass zur Einführung des G9 zum Schuljahr 2018/19 über Jahre hinaus weniger Lehrkräfte benötigt würden, ab 2025/26 steige der Bedarf aber sprunghaft an. «Wir haben aber jetzt tausende Gymnasiallehrer auf den Wartelisten. Diese fallen nach 2022 aus den Wartelisten und stehen spätestens dann nicht mehr zur Verfügung», betonte Güll. Seiner Meinung nach müssten deshalb zu jedem Einstellungstermin mindestens 10 bis 20 Prozent mehr Lehrer in den Schuldienst übernommen werden.

Auch Michael Piazolo (Freie Wähler) verlangte ein «sauberes Übergangsmanagement». «Allein für das Gymnasium rechnen wir in den kommenden Jahren mit einem Kostenvolumen von einer Milliarde Euro – entsprechend des Konnexitätsprinzips zu tragen vom Freistaat, nicht von den Kommunen», sagte er. Gleichzeitig müsse aber auch in alle anderen Schulen investiert werden, um deren hohe Qualität zu halten und den Bildungsstandort Bayern zu stärken. «Auch dafür gibt es in den nächsten Jahren einen Bedarf von einer Milliarde Euro.» (dpa)

Widerstand gegen neues bayerisches G9 schwindet – die Reform im Überblick

6 Kommentare

  1. Der Lehrermehrbedarf hält sich in Grenzen, wenn das Schulministerium neben dem Gesetz für G9 einen öffentlich nicht so breit getretenen Erlass verschickt, das Springen zur Regel zu machen, um eine einzügige neue 11 einzurichten …

  2. Axel von Lintig

    Jetzt, da es die neuen Schulbücher gibt, die auf G8 abgestimmt sind,wird G8 wieder abgeschafft.

    • Bernhard Färber

      Es gibt derzeit neue Lehrbücher nur für die künftige 5. Jahrgangsstufe am Gymnasium in Bayern und an deren Lehrplan soll sich dem Vernehmen nach nichts ändern.
      Außerdem: Es gibt viele gute Gründe für G 9 und es gibt ein paar weniger gute Gründe für G 8. Das schwächste aller Argumente ist das mit den Lehrbüchern, weil es ein rein finanzielles ist. Ich weiß allerdings, dass bei Einführung des G8 der Einspareffekt ein ganz wesentlicher Grund für Stoiber und Huber war, diese Unsinnsreform durchzuführen.

      • Axel von Lintig

        Gespart wurde an den Personalkosten für Lehrer.
        Außerdem meinte man wohl längere Einzahlungszeiten in den Rentenkassen zu erzielen.
        Tatsächlich leisten viele Abiturienten ein freiwilliges soziales Jahr, da sie sich noch nicht entscheiden können, was sie weiter machen wollen.

  3. Dann wird sich kaum mehr ein/e fertige/r, arbeitslose/r GymnasiallehrerIn zum/zur GrundschullehrerIn oder MittelschullehrerIn umschulen lassen, da er/sie nun bessere Aussichten auf einen Job am Gymnasium hat. Da muss sich das Ministerium etwas Neues einfallen lassen um dem Grundschul- und Mittelschullehrermangel zu begegnen.
    Zur Warteliste: Nichts einfacher als das: die Voraussetzungen schaffen um diese zu verlängern.

    • Bernhard Färber

      Naja, wer rechnen kann, sieht natürlich, dass der Mehrbedarf von geschätzt 1000 Planstellen bei Einführung des G9 in Bayern zum nächsten oder übernächsten Schuljahr frühestens ab Schuljahr 2026/27 anfällt, wenn es die erste zusätzliche 13. Jahrgangsstufe gibt. Das können die jetzigen Wartelistenbewerber gar nicht abwarten.
      Da im Moment die Studienanfängerzahlen im Gymnasialbereich in den alten Bundesländern wegen des Lehrerüberschusses massiv zurückgehen, wird vermutlich der Schweinezyklus wieder zuschlagen.
      Eigentlich muss man folgendem Ratschlag folgen, der allerdings gute Nerven erfordert:
      Gibt es viele arbeitslose Junglehrer, studiere Lehramt! Herrscht Lehrermangel, lass es sein!

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