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Junge Mittel- und Osteuropäer stehen mit großer Mehrheit fest zur EU, Einstellung zur Einwanderung aber trennt sie

GÜTERSLOH. Finanz- und Wirtschaftskrise, drohender „Grexit“, Flüchtlingsfrage, „Brexit“ – und immer wieder anti-europäische und nationalistische Töne aus verschiedenen Teilen Europas: Die EU ist unter Dauerbeschuss. Doch eine Mehrheit der jungen Menschen in Mittel- und Osteuropa steht hinter ihr und schätzt sie vor allem als Friedensgarant. Dies hat eine Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergeben. In Puncto Einwanderung allerdings lassen sich deutliche Unterschiede in den Einstellungen ausmachen.

Das Erasmus-Programm der EU hilft nicht nur Studenten, ins Ausland zu kommen. Foto: veschiedene Wikimedia Nutzer / Wikimedia Commons

Das Erasmus-Programm der EU hilft jungen Menschen, ins Ausland zu kommen – und trägt so zur Beliebtheit Europas bei. Foto: veschiedene Wikimedia Nutzer / Wikimedia Commons

In diesem Jahr feiert die EU – ihre Vorgängerorganisationen mitgezählt – 60. Geburtstag. Mittlerweile umfasst sie 28 Staaten. 2004 bis 2013 kam eine Reihe mittel-, ost- und südosteuropäischer Länder dazu – nicht zuletzt, weil sie sich Sicherheit und wirtschaftliche Vorteile von einer EU-Mitgliedschaft versprachen. Doch in letzter Zeit wurde der Zusammenhalt der europäischen Staatengemeinschaft durch einige Krisen auf eine harte Probe gestellt. In Teilen Europas haben nationalistische Töne wieder Hochkonjunktur. So hetzt das ungarische Kabinett unter Viktor Orban nicht nur gegen Minderheiten, sondern zieht auch regelmäßig über Brüssel her. Von der polnischen Regierung, bei der Ex-Premier Jarosław Kaczyński noch immer im Hintergrund mitwirkt, ist ähnliches zu hören. Auch aus Prag und Bratislava kommen anti-europäische Töne.

In diesen Chor ihrer Regierungen will eine Mehrheit der jungen Polen, Ungarn, Tschechen und Slowaken nicht einstimmen, wie unsere aktuelle Umfrage zeigt. Der Europäischen Union stellen sie und ihre Altersgenossen in Deutschland und Österreich ein insgesamt gutes Zeugnis aus. Für eine klare Mehrheit der jungen Mittel- und Osteuropäer ist die EU-Mitgliedschaft ihres Landes eine gute Sache. Am meisten schätzen die Befragten im Alter von 15 bis 24 Jahren die europäische Staatengemeinschaft als Garant für Frieden. Auch findet es eine Mehrheit von ihnen gut, innerhalb der EU in einem anderen Land studieren, leben und arbeiten zu können.

Friedensprojekt EU

Für 75 bis 81 Prozent der jungen Mittel- und Osteuropäer ist die EU vor allem als Friedensgarant des europäischen Kontinents von zentraler Bedeutung. 61 bis 65 Prozent schätzen außerdem die Möglichkeit, in einem anderen EU-Land studieren zu können und 60 bis 72 Prozent begrüßen es, dort leben und arbeiten zu können. Dass im Rahmen des Schengen-Raums die einstigen innereuropäischen Grenzkontrollen weggefallen sind, ist für 46 bis 63 Prozent der Befragten wichtig.

In einem Punkt unterscheiden sich die Einstellungen der jungen Menschen allerdings deutlich voneinander – je nachdem, ob sie aus ehemals kommunistischen Staaten stammen oder aus dem früheren Westen. Junge Leute in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei haben ein deutlich negativeres Bild von Immigranten. Die Mehrheit der jungen Deutschen (58 Prozent) sieht in Immigranten zum Beispiel keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit in Deutschland (27 Prozent doch), bei den Österreichern sind es noch 48 Prozent gegenüber gut einem Drittel (36 Prozent), die eine solche Gefahr durchaus wahrnehmen. In Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn werden Immigranten von der Mehrheit hingegen als Gefahr für die öffentliche Sicherheit in ihren jeweiligen Ländern betrachtet (Polen und Tschechien: je 60 Prozent, Slowakei: 68 Prozent, Ungarn: 70 Prozent).

Bei der Frage, ob „Immigranten eine Last für das Sozialsystem des Landes“ sei, gibt es ein ähnliches Bild: In Ungarn (74 Prozent), Slowakei (73 Prozent), Tschechien (70 Prozent), Polen (60 Prozent) und Österreich (44 Prozent) stimmen die Jugendlichen mehrheitlich zu. In Deutschland sehen das die jungen Menschen anders. 34 Prozent stimmen der Aussage zu, 52 glauben nicht daran. Agentur für Bildungsjournalismus

Ein Kommentar

  1. Schon wieder eine Verlautbarung des Bertelsmann-Ministeriums??

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