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„Nicht nur Musik-, sondern auch Zeitgeschichte“: Stones-Sammlung aus Rheinland-Pfalz kommt an Freiburger Uni

FREIBURG. Die Rolling Stones rocken seit 55 Jahren – und begeistern ihre Anhänger. Einer von ihnen hat ein beachtliches Fan-Archiv aufgebaut. Nun wird die im nördlichen Rheinland-Pfalz entstandene Stones-Sammlung ein Fall für die Wissenschaft.

Forschungsobjekt: Mick Jagger, Sänger der Rolling Stones (hier auf einem Foto von 1976). Foto: Bert Verhoeff (ANEFO) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Forschungsobjekt: Mick Jagger, Sänger der Rolling Stones (hier auf einem Foto von 1976). Foto: Bert Verhoeff (ANEFO) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Vor 55 Jahren haben sich die Rolling Stones gegründet. Die britische Rockband hat seither Musikgeschichte geschrieben. Sie ist eine der langlebigsten und erfolgreichsten Rockgruppen. Nun kommen die Stones in Freiburg an die Universität: Die Hochschule beherbergt ihren Angaben zufolge künftig eines der weltweit ersten und größten Rolling-Stones-Archive. Ein Fan der Stones hat in Rheinland-Pfalz zahlreiche Originalstücke gesammelt, nun kümmern sich Wissenschaftler darum.

Noch lagert die Sammlung, die am Montag erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde, in mehr als 100 Kartons. Die Erben des Sammlers stellen sie dauerhaft dem in Freiburg ansässigen Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM) der Universität zur Verfügung. Dort werden die Stones-Stücke archiviert und dienen der Wissenschaft.

Der Rechtsanwalt und Stones-Fan Reinhold Karpp (1946-2012) hat die Sammlung in seinem privaten Wohnhaus in Windhagen (Landkreis Neuwied) angelegt. Als 18-Jähriger kam er erstmals in Kontakt mit den Stones, sagt seine Tochter Annette Karpp. Die Musik und das revolutionäre Auftreten der 1962 gegründeten britischen Gruppe begeisterte ihn. Er fing an, alles über die Stones zu sammeln.

Er kaufte weltweit bei Plattenbörsen und ging zu mehr als 130 Konzerten. «Es entstand eine Sammlung, die in dieser Form einmalig ist», sagt die Tochter. Und die in einer Zeit geschaffen wurde, in der Digitalisierung oder Online-Handel noch Zukunftsmusik waren.

Stones-Flipper

Die Zahlen: Mehr als 15.000 Tonträger, meist Vinylplatten, viele davon Unikate. Hinzu kommen mehrere zehntausend original Fan-Artikel, Bücher, Zeitungsausschnitte und Briefe. Sie stammen aus knapp fünf Jahrzehnten, von 1964 bis 2012. Konzerttickets sind dabei, Berichte in Zeitungen, Aufkleber und Autogrammkarten, Poster und T-Shirts mit Stones-Aufdruck. Und dazu ein Flipperautomat mit Stones-Motiven. Für den Sieger spielt der Automat am Ende ein Lied der Band.

«Die Sammlung erzählt von der Geschichte, der Musik und den Konzerten der Stones», sagt der geschäftsführende Direktor des Zentrums, Michael Fischer: «Sie dokumentiert nicht nur Musik-, sondern auch Zeitgeschichte.» So lasse sich an ihr ablesen, wie beispielsweise Marketing früher funktionierte und was sich verändert habe, wie Platten gehandelt und weltweit Konzerte organisiert wurden.

Alle wissenschaftlichen Bereiche sollen die Sammlung künftig nutzen können. Neben dem 1914 gegründeten Volksliedarchiv, dem Deutschen Musicalarchiv und dem Popmusikarchiv wird das Stones-Archiv in dem Freiburger Zentrum nun eine tragende Rolle spielen. Historiker können die Archive ebenso nutzen wie Musik- oder andere Wissenschaftler. «Die Sammlung war neben der Familie das Lebenswerk meines Vaters», sagt die Tochter: «Es war unser Anliegen, sie dauerhaft zu erhalten und nicht auf dem Dachboden verstauben zu lassen.» In den nächsten Jahren soll sie in Freiburg auch Besuchern geöffnet werden.

«Doch das wird noch eine Weile dauern», sagt der Prorektor der Freiburger Uni, Gunther Neuhaus. Bis dahin können Fans der Band das Rolling-Stones-Museum im niedersächsischen Lüchow im Wendland sowie eine öffentliche Stones-Sammlung im sächsischen Bautzen besuchen. Die Freiburger Sammlung soll diese Einrichtungen künftig ergänzen. Von Jürgen Ruf, dpa

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