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Thüringen will wieder verbeamten, jetzt fehlen Amtsärzte

ERFURT. Mit Beginn des neuen Schuljahres können alle Thüringer Lehrer unter 47 den Beamtenstatus erwerben, wenn sie dies wollen. DA es dafür an Amtsärzten mangelt, sollen jetzt Hausärzte einspringen.

Angesichts der Personalengpässe bei Amtsärzten in Thüringen springen nun Hausärzte ein, um Lehrer zu untersuchen, die sich verbeamten lassen wollen. «Lehrer können zu ihrem Hausarzt gehen und ihm mitteilen, wo er sich melden soll, wenn er ein Gesundheitsgutachten ausstellen möchte», sagte Bildungsstaatssekretärin Gabi Ohler. Das Gesundheitsministerium habe ihr mitgeteilt, dass nicht zwingend Amtsärzte die Untersuchungen vornehmen müssten. Ein solcher Gesundheitscheck ist Pflicht vor einer Verbeamtung.

Damit Lehrer wieder Beamte sein können, müssen nicht zuletzt genug Ärzte bereitstehen. Foto: heipei / flickr (CC BY-SA 2.0)

Damit Lehrer wieder Beamte sein können, müssen nicht zuletzt genug Ärzte bereitstehen. Foto: heipei / flickr (CC BY-SA 2.0)

«Wir sind darauf angewiesen, dass auch andere Ärzte begutachten können, wenn wir zum nächsten Schuljahr verbeamten wollen», erklärte Ohler. Deshalb liefen vor dem entsprechenden Beschluss des Kabinetts Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung. «Das war die Voraussetzung, dass wir es so in die Wege leiten konnten», sagte die Staatssekretärin. Nun müsse noch mit den Ministerien für Inneres und Gesundheit geklärt werden, ob Amtsärzte am Schluss einen Blick auf die medizinischen Gutachten von Hausärzten werfen müssten.

«Letztlich ist es eine Ressourcenfrage. Wir haben nicht so viele Amtsärzte», gab die Staatssekretärin zu bedenken. Dieses Problem besteht seit Jahren. Das Land hatte erst zu Jahresbeginn den Kommunen mehr Geld für die Besetzung offener Amtsarztstellen und Qualifizierung in Aussicht gestellt. Es war zunächst befürchtet worden, dass die Verbeamtung von Lehrern ins Stocken geraten könnte, weil es an Amtsärzten fehlt.

Das entsprechende Formular für Hausärzte könne vom kommenden Dienstag an auf der Internetseite des Ministeriums heruntergeladen werden, kündigte Ohler an. Dann werde ihnen mitgeteilt, was sie alles untersuchen müssten. Zunächst war überlegt worden, die Bundeswehr um Hilfe zu bitten. «Das war Plan B», berichtete sie. «Die Antwort lautete aber: In der Größenordnung schaffen wir das auch nicht.»

Für Lehrer, die eine Verbeamtung anstreben, gibt es nach Angaben von Ohler seit vergangenem Freitag Aushänge in den Schulen. Zudem schaltete das Bildungsministerium eine Internetseite mit Informationen frei. Auch der Thüringer Lehrerverband hatte angekündigt, in Schulen über die Verbeamtung informieren zu wollen.

In Thüringen arbeiten nach Angaben des Ministeriums mehr als 17 400 Lehrer. Davon seien 10 128 bereits verbeamtet und 7285 beim Land angestellt. Davon seien 3332 zwischen 23 und 47 Jahre alt und kämen somit für eine Verbeamtung infrage, hieß es. In Thüringen darf nur dann der Beamtenstatus verliehen werden, wenn zu erwarten ist, dass jemand 20 weitere Jahre im Staatsdienst bleibt.

Die Anträge auf einen Beamtenstatus sollten bis 21. März eingereicht werden. Dann gebe es einen ersten Überblick, wie viele Lehrkräfte diesen Schritt gehen wollten, erklärte Ohler. «Wir versuchen, möglichst viele Lehrer gleichzeitig zu verbeamten.» Sie sei sich aber sicher, dass auch nach Ablauf der Frist weitere Anträge eingereicht würden, betonte Ohler. «Es ist ja sehr zeitnah.» Das Kabinett hatte erst am vergangenen Dienstag den Beschluss getroffen.

Das Bildungsministerium hofft mit der Verbeamtung, dass sich auch künftig genügend Lehrer auf offene Stellen bewerben. Viele andere Bundesländer verbeamten ihre Lehrer. «Ich rechne beim nächsten Einstellungstermin im Sommer damit, dass weniger Bewerber in andere Bundesländer gehen», erklärte Ohler. Sie verwies darauf, dass sich in der Vergangenheit nicht wenige Lehrkräfte für Bundesländer entschieden hätten, in denen sie verbeamtet werden. In der Regel verschicken Lehrer bei der Suche nach einer Anstellung mehrere Bewerbungen. (dpa)

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