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Übergang in Ausbildung: Fast 300.000 junge Menschen in „Warteschleife“

WIESBADEN. Das zurecht hochgelobte duale Ausbildungssystem in Deutschland stellt hohe Ansprüche an Jugendliche, die einen Beruf erlernen wollen. Nicht alle schaffen den Einstieg auf Anhieb. Viele landen im „Übergangssystem“, wo sie auf die Aufnahme einer Ausbildung erst vorbereitet werden. Waren die Zahlen lange rückläufig, steigen sie mit der Flüchtlingsintegration wieder. Der DGB kritisiert indes dennoch eine „mangelnde Integrationskraft“ der dualen Ausbildung. Das bleibt nicht unwidersprochen.

Die Ankunft Hunderttausender Flüchtlinge in Deutschland hat die Nachfrage nach Bildungsprogrammen vor der eigentlichen Ausbildung deutlich erhöht. Fast 300 000 junge Menschen begannen 2016 ein Programm im sogenannten Übergangsbereich, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das war nach vorläufigen Ergebnissen ein Plus von 12,2 Prozent. In solchen Programmen werden berufliche Grundkenntnisse erworben beziehungsweise ein Haupt- oder Realschulabschluss nachgeholt. Die Teilnehmer sollen so ihre Chance auf einen Ausbildungsplatz verbessern.

Nach der Schule erst einmal ausgebremst. Viele Jugendliche müssen zunächst für die Ausbildung fit gemacht werden. Bild: Steffen Peschel / flickr  (CC BY-SA 2.0)

Nach der Schule erst einmal ausgebremst. Viele Jugendliche müssen zunächst für die Ausbildung fit gemacht werden. Bild: Steffen Peschel / flickr (CC BY-SA 2.0)

2005 hatte es sogar 417 000 Berufsanfänger in den Bildungsprogrammen gegeben. Die Zahl war dann bis auf 252 000 (2014) gesunken, seit 2015 steigen die Teilnehmerzahlen laut Statistikbehörde aber wieder an. Dies sei vor allem auf Programme zum Spracherwerb für jugendliche Flüchtlinge und Migranten zurückzuführen. Der Anteil der Teilnehmer ohne deutschen Pass betrug 31,8 Prozent.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte, die Entwicklung des Übergangssystems zeige letztlich, wie viele Jugendliche noch nicht den Sprung in die Ausbildung geschafft haben. Wenn die Lehrstellenzahl sinke, dann liege dies «an der mangelnden Integrationskraft der dualen Ausbildung», sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. «Vor allem Jugendliche mit Hauptschulabschluss oder einem mittleren Schulabschluss scheitern bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.»

50.000 Jugendliche pro Jahr scheitern an der Schule – und landen in der Arbeitslosigkeit. Können wir uns das leisten?

Hannack betonte, Deutschland brauche «deutlich mehr Ausbildungsplätze» und eine Ausbildungsgarantie. Zwar sei der jüngste Anstieg im Übergangssystem «auf geflüchtete Jugendliche in Sprach- und Integrationsklassen zurückzuführen. Das ist auch gewollt und in Ordnung.» Auch diese Menschen brauchten bald eine Lehrstelle, so die DGB-Vizechefin. Denn die Folgen des Mangels seien gravierend: Schon jetzt hätten gut 1,2 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren keinen Berufsabschluss – fast 13 Prozent dieser Altersgruppe.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, entgegnete auf Hannacks kritische Äußerungen, die Chance auf einen Ausbildungsplatz sei «derzeit besser denn je». Im Vorjahr hätten rund 14 000 IHK-Betriebe keine Bewerbungen für ihre Lehrstellen erhalten. «Daher haben auch Jugendliche mit Hauptschulabschluss beste Chancen auf eine Ausbildung. Zuletzt konnten drei von vier Hauptschülern eine Ausbildung beginnen», sagte Dercks. (dpa)

Nur wenige Jugendliche nutzen Übergangsmaßnahmen, um ihren Schulabschluss zu verbessern

2 Kommentare

  1. Wie ein anderer Forist an anderer Stelle schrieb: sie müssen es auch wollen!
    Oftmals ist es auch die fehlerhaft Einstellung zu den unterschiedlichen Berufen. Auf Berufsmessen sollte auch „Aktion“ zu sehen sein, etwas wo die möglichen Azubis auch mal was machen können, und vor allem mehr verpflichtende Praktika in den Allgemeinbildenden Schulen ab Klasse 8. und in der Oberstufe, gerade letztere Nutzen ihre Ferien gerne zum sehr ausgiebigem Feiern, ein Praktikum kann da schon wahrlich Wunder wirken. Außerdem hilft es die Frage zu beantworten: „Was möchtest du den später mal werden?“

    Sicher gibt es auch Berufe, die ein weniger gut nach gefragt sind, allerdings ist es wichtig, dass dort auch die Vorteile in den AA zur Sprache kommen und nicht pauschal von einem Beruf abgeraten wird. Schließlich wissen die jungen Leute nicht, ob dieser Beruf ihnen die Erfülllung und eine Menge guter Möglichkeiten gibt.

    Und wer nicht weiß, was er nach der Schule machen soll, der wird zu Praktika verdonnert. (Sorry für diesen Ausdruck.) Manche Schüler brauchen halt mal mehr als einen Schubs zu ihrem Glück.

    • Schöner Traum.

      Die Duale Ausbildung geht den meisten, die mit HA oder HSA die SekI verlassen am Allerwertesten vorbei.
      Die gehen, obwohl sie Null Bock auf Schule haben lieber noch zum Berufskolleg, um im BGJ den MSA zu versuchen. Dabei könnten sie den auch durch einen erfolgreichen Berufsabschluss – selbst in zweijährigen Berufsausbildungen erlangen. Erfolgreich heißt, befriedigend und besser.

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