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Auch Brandenburg kriegt den Lehrermangel nicht in den Griff

POTSDAM. Eltern beklagen hohen Unterrichtsausfall. Die Lehrerschaft gilt als stark überaltert. Selbst Vertreter der rot-roten Regierungskoalition räumen ein, dass die Neueinstellungen noch nicht ausreichten. Dazu erscheint die Situation zwischen Land und Lehrergewerkschaften verfahren.

Unterrichtsausfälle wegen fehlender Lehrer und unqualifizierte Vertretungen – das ist auch in diesem Jahr Alltag an vielen märkischen Schulen. Im ersten Schulhalbjahr 2016/2017 konnten in Brandenburg 116 329 Stunden nicht unterrichtet werden, teilte das Bildungsministerium auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Potsdamer Landtag mit. Damit seien 2,1 Prozent der vorgesehenen Unterrichtsstunden ersatzlos entfallen. Die Lehrergewerkschaft GEW kritisiert die Angaben als zu niedrig und geht von einem wesentlich höheren Stundenausfall aus.

241841 Unterrichtsstunden sind in Brandenburg im letzten Schuljahr ausgefallen. Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

241841 Unterrichtsstunden sind in Brandenburg im letzten Schuljahr ausgefallen. Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Einer früheren Übersicht des Ministeriums zufolge konnte der Stundenausfall im Vergleich zum ersten Schulhalbjahr 2015/2016 nur um knapp 1,5 Prozent verringert werden. Im gesamten vorangegangenen Schuljahr fielen 241 841 Unterrichtsstunden aus, wie aus der Antwort an die CDU-Fraktion weiter hervorgeht. Am häufigsten mussten Jungen und Mädchen der 7. bis 10. Klassenstufen auf Unterricht verzichten. Die geringsten Ausfälle gab es an Gymnasien und Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe.

Im Vergleich zu früheren Jahren gelang es dem Bildungsministerium, durch Neueinstellung von Lehrern die Ausfälle etwas zu verringern. Sie betrugen im Schuljahr 2013/2014 noch rund 251 500 Stunden, ein Jahr später waren es gut 247 200 Stunden. Die neuen Lehrer konnten jedoch die altersbedingten Abgänge von Pädagogen nicht voll ausgleichen.

Erst im November 2016 hatte eine Elterninitiative aus dem Landkreis Barnim in einer mit 8000 Unterschriften versehenen Petition an den Landtag mehr Lehrer im Land gefordert. Die Arbeitsangebote müssten attraktiver werden und um Stundenausfälle zu vermeiden, müsse die Vertretungsreserve deutlich aufgestockt werden, lauteten die Forderungen.

Das Problem scheint in der rot-roten Koalition erkannt, eine Lösung ist aber noch nicht in Sicht. Linke-Fraktionschef Ralf Christoffers räumte im Januar bei seinem Jahresausblick ein, dass die Neueinstellungen an den Schulen noch nicht ausreichten. Auch sei eine Entlastung älterer Lehrer erforderlich.

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Für den Brandenburger Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, klingt das wie Hohn. «Bei den Verhandlungen über die Unterrichtsversorgung hat die Landesregierung nichts angeboten», sagt Fuchs. Die GEW habe die Gespräche daraufhin abgebrochen. «Es mangelt der Regierung am Willen zu mehr Neueinstellungen von Lehrern und an einem Grundkonzept zur Lehrergewinnung.»

Nach Angaben der Gewerkschaft beträgt der Unterrichtsausfall an den Brandenburger Schulen acht bis neun Prozent, wenn man die Zusammenlegung von Klassen und Kursen, den Wegfall von Förder- und Teilungsunterricht und den Einsatz der Lehrkräfte mit sonderpädagogischen Qualifizierungen als Vertretungsreserve aufrechne. Fuchs: «Wir brauchen eine Vertretungsreserve von mindestens acht bis zehn Prozent.» Bislang seien es drei Prozent.

Brandenburgs Lehrerschaft gilt als stark überaltert. Ihr Durchschnittsalter betrug im vergangenen Schuljahr 50,3 Jahre. Bis 2021 gehen laut einer Statistik des Bildungsministeriums insgesamt rund 1900 Pädagogen in den Ruhestand – fast jeder zehnte. Bis dahin steigt die Zahl der aus dem Schuldienst ausscheidenden Lehrer Jahr für Jahr.

Um den Krankenstand von neun bis zehn Prozent zu senken, müsse es endlich zu einer Entlastung älterer Pädagogen kommen, fordert Fuchs weiter. «Um wieder konkurrenzfähig mit anderen Bundesländern zu werden, müssen Beruf und Laufbahnen attraktiver werden.» Ein anderes Problem, unter dem die Unterrichtsqualität leide, seien ungenügend qualifizierte Lehrer. «In bestimmten Regionen haben wir bis zu 40 Prozent Einstellungen von nicht ausgebildeten Lehrkräften. Dafür brauchen wir ein Qualifizierungsprogramm.»

Laut Fuchs hat die GEW Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) aufgefordert, die Verhandlungen zur Absicherung der Unterrichtsversorgung wieder aufzunehmen. «Das Aussitzen löst die Probleme nicht. Woidke muss endlich von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch machen.» (Manfred Rey, dpa)

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