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Bildungsminister spricht von „geringen Anpassungen“ – GEW und Grundschulverband warnen Schulen vor gravierenden Einschnitten

MAGDEBURG. Sachsen-Anhalts Schulen stehen aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor gravierenden Einschnitten. «Anstatt für das nächste Schuljahr durch Einstellungen für das nötige Personal zu sorgen, plant der Bildungsminister in erheblichem Maße, die Zuweisungen von Lehrerwochenstunden für die Schulen zu vermindern», teilte die GEW in einer Resolution mit.

«Wir kommen voran, auch wenn der Weg steinig ist»: Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner. Foto: EvDa13 / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

«Wir kommen voran, auch wenn der Weg steinig ist»: Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner. Foto: EvDa13 / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

«In Kauf genommen werden damit Klassenzusammenlegungen, jahrgangsübergreifender Unterricht, größere Lerngruppen und weniger Förderung des Einzelnen.» Mit den sogenannten bedarfsmindernden Maßnahmen solle die bestehende katastrophale Unterrichtsversorgung kaschiert werden.

Ähnliche Kritik kam auch vom Grundschulverband Sachsen-Anhalt. Schon in den zurückliegenden Jahren seien die Stundenkontingente verringert worden. Gleichzeitig sei das Unterstützungssystem der pädagogischen Mitarbeiter abgebaut worden. Von größeren Lerngruppen und der Minimierung der professionellen Ressourcen seien vor allem die Fächer Musik, Sport, Gestalten und Ethik/Religion betroffen, hieß es. «Es stellt sich die Frage, wie mit 30 oder mehr Kindern geflötet, Geräteturnen durchgeführt, mit dem Stabilbaukasten gebaut oder philosophische Gespräche geführt werden sollen?»

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hatte in einem Brief an die Schulen im Land im März erklärt, alle Chancen für Neueinstellungen zu nutzen. Zudem solle es «geringe Anpassungen» bei den Zuweisungen von Lehrerwochenstunden geben. Die Unterrichtsversorgung an den Schulen im Land liegt aktuell deutlich unter dem von der Koalition angestrebten Wert von 103 Prozent, der auch für Krankheitsfälle oder Elternzeiten Vertretungen zuließe. Zum Stichtag 21. September 216 hatte der Wert an den allgemeinbildenden Schulen nur 99,5 Prozent erreicht. dpa

 

7 Kommentare

  1. Tut mir leid, letztendlich ist auch das eine Folge der Mehr-netto-vom-Brutto-Politik. Sie macht den Staat „arm“ und zwingt ihn zu allen möglichen Einsparmaßnahmen. Es muss endlich jeder begreifen, dass mehr netto vom Brutto nur den Reichen nützt. Die haben wirklich mehr in der Tasche. Alle anderen zahlen am Ende nur drauf – in Form von mehr Ausgaben (für Medikamente, Gebühren) oder in Form von schlechten Bedingungen (z.B. an den Schulen). Die Vermögenden schicken ihre Kinder dann einfach an Privatschulen und deren Verfechter fordern dann noch 100% Finanzierung vom Staat (also von der Allgemeinheit), denn „jedes Kind sei ja gleich viel wert.“ Es gibt eben für alles das passende Argument. Man muss es nur finden. 😉

    Im September sind Bundestagswahlen.

    • Vielleicht sollten auch mal die staatlichen Ausgaben auf ihre Sinn- und Zweckhaftigkeit überprüft werden. Bei jeder Wahl werden neue „Wohltaten“ ins Leben gerufen, die hinterher nur schwer rückgängig gemacht werden können, weil das betreffende Klientel dann Zeter und Mordio schreit.
      Keine Partei macht sich gern unbeliebt durch Kürzungen oder Streichungen. Und so wird ständig draufgesattelt mit Staatsknete, die zum Großteil nichts anderes ist als Steuergeld der arbeitenden Bevölkerung.
      Mehr Netto vom Brutto ist eine sinnvolle und in der Realisierung längst überfällige Forderung.

  2. @ Gerald,

    bis auf den letzten Satz stimme ich Ihnen eigentlich zu. Nur Ihre Schlussfolgerung teile ich nicht.

    Ich bin z.B. nicht dafür, dass einfach Kindergeld erhöht wird. Es ist angeblich / vermeintlich für die Kinder, aber ob es wirklich bei den Kindern ankommt, ist die große Frage. Ich bin da eher dafür, dass der Staat „Dinge“ subventioniert, die wirklich Kindern zugute kommen, z.B. kostenloses Mittagessen, kostenfreie Kindergartenbetreuung, kostenloser öffentlicher Nahverkehr, kostenloser Eintritt in Freizeiteinrichtungen; kostenlose Versorgung mit Medikamenten; mehr Sozialarbeiter in Schulen, kostenlose Lehrbücher; mehr Lehrer, sanierte Schulen, bessere Ausstattung der Schulen usw.-usf.

    Das kommt alles direkt Kindern zugute und entlastet Eltern auch. Um mal nur ein Beispiel zu nennen; natürlich geht es mir nicht nur um die Kinder (es geht auch um Sicherheit / Polizei; Verwaltungsaufgaben und und und).

    Mehr netto vom Brutto, da haben Sie 50 Euro mehr im Monat und zahlen an anderer Stelle 100 Euro drauf. Das bringt Ihnen am Ende gar nichts.

    • Danke für die Antwort, sofawolf.
      Um es kurz zu sagen, ich bin gegen die Auffassung, dass der Staat alles immer besser weiß und besser macht für die Kinder als die Eltern selbst. Ich bin dagegen, dass Kinder immer mehr ganztags vom Staat betreut werden, weil das rechnungsmäßig und angeblich auch erzieherisch, für die Bildung und volkswirtschaftlich besser sei als die familiäre Erziehung. Ich bin dagegen, dass Kinder kaum mehr eine freiheitliche Kindheit während ihrer Wachzeit erfahren und uns immer vorgemacht wird, das sei Fortschritt.
      Ich bin dafür, dass wir uns nicht immer an Negativbeispielen für elterliche Erziehung orientieren, um die staatliche Erziehung zu lobpreisen und den Eltern Steuergelder zu rauben, die sie nötig hätten, um selbst erziehen zu können und nicht beiderseits voll berufstätig sein zu müssen.
      Und ich bin dagegen, dass Eltern und Lehrer immer wieder angeprangert werden für Defizite in der staatlichen Erziehung. Wenn da vieles schief läuft, weil die Lehrer schlichtweg überfordert sind mit Aufgaben, die früher Eltern wahrnahmen, heißt es immer wieder: Das ist Elternversagen und Elternschuld.
      Sowohl Eltern als auch Lehrer sind meiner Meinung nach vom Versagen der unnatürlichen staatlichen Rundumbetreuung überfordert. Mehr Netto vom Brutto würde da so manchen Eltern helfen, ihre Kinder wieder mehr selbst zu erziehen und nicht anzunehmen, diese Aufgabe läge wegen der Ganztagsbetreuung allein in Lehrerhand.

      • Die einzige Möglichkeit für mehr netto liegt in den Steuern (mit denen allerdings auch die von sofawolf genannten Lehrer, Sozialarbeiter, Bibliotheken, Straßen usw. bezahlt werden müssen). Sehr viele Eltern zahlen allerdings keine Steuern oder wenn so wenig, dass dieses mehr an netto nicht der Rede wert ist.

        • Stimmt so nicht, wie Sie das sagen. Ich bin allerdings zu müde und bin schon mit einem Bein im Bett, um das noch länger zu begründen.
          Gerae Eltern werden steuerlich enorm belastet. Denken Sie nur an die Mehrwertsteuer und überhaupt daran, was Kinder an Kosten bedeuten.
          Nicht umsonst sehen junge Paare auch aus Kosten- und Rentengründen von Kindern ab.

          • Die Mehrwertsteuer und allgemeine Kinderkosten haben nichts mit mehr netto vom brutto zu tun. Wenn überhaupt nur mit dem Kinderfreibetrag und das Kindergeld, was automatisch schon zu einem mehr an netto führt.

            Bei der Sache mit der Erziehungszeit und den Renteneinbußen gebe ich Ihnen allerdings recht.

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