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Bildungsministerin Hesse: «Schulsport ist nicht nur Sportunterricht»

SCHWERIN. In kaum einem anderen Bundesland ist der Anteil dicker Kinder so hoch wie in Mecklenburg-Vorpommern. Dem will Bildungsministerin Birgit Hesse eine Schule entgegensetzen die als Bewegungs-, Spiel- und Sportwelt wahrgenommen werde. Setzt sie dabei besonders auf den Ausbau des Ganztags, sieht der Landessportbund schon beim regulären Sportunterricht Mängel.

Beim weiteren Ausbau der Ganztagsschulen in Mecklenburg-Vorpommern sollen die Angebote für Sport und Spiel deutlich ausgedehnt werden. «Als Kernelemente einer positiven und nachhaltigen Schulentwicklung und als zentrale Bestandteile der Gesundheitsförderung sind Bewegung, Sport und Spiel unabdingbar», sagte Bildungs- und Sportministerin Birgit Hesse (SPD) bei der zweiten Landeskonferenz für Sport und Gesundheit in Schwerin. Kinder und Jugendliche, die sich viel bewegen, fühlten sich einfach besser. Zur erfolgreichen Umsetzung seien aber noch engere Kooperationen der Schulen mit Sportvereinen und -verbänden nötig.

Lediglich 15 Prozent der Jungen und Mädchen empfanden laut einer Brandenburger Studie den Sportunterricht als anstrengend Foto: Jim Larrison / flickr (CC BY 2.0)

Lediglich 15 Prozent der Jungen und Mädchen empinden laut einer Brandenburger Studie den Sportunterricht als anstrengend Foto: Jim Larrison / flickr (CC BY 2.0)

Der Landessportbund sei bereit, betonte Präsident Andreas Bluhm. Schulen böten die beste Möglichkeit, Kinder frühzeitig für regelmäßiges Sporttreiben zu begeistern. Im derzeitigen Schulalltag komme Bewegung insgesamt aber noch viel zu kurz, monierte Bluhm und verwies auf wissenschaftliche Empfehlungen für mindestens 90 Minuten körperliche Bewegung am Tag.

«Wir brauchen eine Debatte darüber, ob etwa unsere Grundschulen diesen Bewegungsnormen gerecht werden. Und wir müssen sicherstellen, dass auch Kinder in ländlichen Regionen genügend Möglichkeiten zum Sporttreiben erhalten. Oft setzt der Schulbus das zeitliche Limit. Und das ist nicht gut», betonte Bluhm.

Die rund 130 Konferenzteilnehmer, darunter Fachleute aus den Bereichen Erziehung, Unterricht, Vereinssport, Sozialarbeit, Medizin und Verwaltung, diskutierten auch Erfahrungen aus dem Nachbarland Brandenburg. Dort hatten Wissenschaftler der Universität Potsdam das tatsächliche Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass mehr als die Hälfte der Schüler den Sportunterricht zu ihren Lieblingsfächern zählen und vor allem jüngere Kinder mehr Sport wünschen. Doch fühlten sich Schüler oft auch unterfordert. Lediglich 15 Prozent der Jungen und Mädchen empfanden laut Studie den Sportunterricht als anstrengend.

Dem deutlich erkennbaren Bewegungsmangel von Kindern und Jugendlichen solle daher durch Qualitätserhöhung im Schulsport entgegengewirkt werden. Dazu hätten die zuständigen Länderminister und der Sportdachverband DOSB gemeinsame Handlungsempfehlung entwickelt. «Schulsport ist nicht nur Sportunterricht», betonte Hesse. Schule solle als Bewegungs-, Spiel- und Sportwelt wahrgenommen werden. Zudem gelte es, eine kontinuierliche Qualifizierung von Lehr- und Fachkräften zu sichern.

Der Landessportbund verwies auf Studien, wonach in kaum einem anderen Schulfach der Unterricht so häufig fachfremd vertreten wird, wie im Sport. Zudem sei ein Drittel der Sportlehrer an Grundschulen älter als 60 Jahre und der pädagogische Nachwuchs in diesem Fach dünn gesät. (dpa)

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