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Forscher: Einfluss des Geschlechts auf die Schulleistung hängt auch an der sozialen Herkunft

FRANKFURT. Dass es geschlechtsspezifische Unterschiede in den Schulleistungen von Mädchen und Jungen gibt, ist keine neue Erkenntnis; dass sozioökonomische Unterschiede zwischen ihren Familien die schulischen Leistungen von Kindern beeinflussen auch nicht. Forschungsergebnisse des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung weisen nun darauf hin, dass beide Dimensionen zusammenhängen und es möglicherweise eines neuen Blicks auf den Einfluss der Geschlechterzugehörigkeit auf die Schulleistungen bedarf.

Jungen bleiben häufiger sitzen und machen seltener Abitur. Mädchen zeigen wiederum schlechtere Schulleistungen in Mathematik. Das belegen aktuelle Daten, etwa des Statistischen Bundesamts und ist in vielen Studien bereits untersucht worden. Die Kennzahlen scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen

„Dabei wird jedoch meist übersehen, dass Jungen und Mädchen keine homogenen sozialen Gruppen sind“, gibt Josefine Lühe zu bedenken. In einer Studie hat die Bildungsforscherin gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) herausgefunden, dass sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen je nach sozialem Hintergrund unterscheidet.

DEN Jungen und DAS Mädchen gibt es nicht. Foto: hannes.a.schwetz / flickr (CC BY-SA 2.0)

DEN Jungen und DAS Mädchen gibt es nicht. Foto: hannes.a.schwetz / flickr (CC BY-SA 2.0)

Sie empfiehlt daher, mit generalisierenden Aussagen zum Bildungserfolg nur aufgrund des Geschlechts vorsichtig zu sein. Über die wechselseitige Wirkung von sozialem Hintergrund und Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen sei bislang nur wenig systematisches Wissen vorhanden.

Um diese Lücke zu schließen untersuchten die Forscher Daten zu 3935 Schülerinnen und Schülern aus der sechsten Klasse von knapp 90 Berliner Grundschulen. Dabei konzentrierten sie sich auf Ergebnisse von Leistungstests in Lesen, Mathematik und Englisch sowie auf die Angaben der Eltern zu ihrem sozio-ökonomischen Status in Fragebögen. Das Team errechnete anschließend die Beziehung zwischen den Variablen.

Die Ergebnisse bestätigen zunächst die Befunde, dass Mädchen im Lesen und in Englisch, Jungen in Mathematik besser abschneiden. „Der Effekt der Geschlechtszugehörigkeit wird jedoch durch den sozio-ökonomischen Status der Jungen und Mädchen moderiert“, so Lühe. Das bedeutet, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern je nach sozialem Hintergrund unterschiedlich ausfallen. Im Vergleich mit den Mädchen sei bei den Jungen außerdem der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Leistung größer. Ihre Leistungen steigen also bei einem höheren sozio-ökonomischen Status stärker an und fallen umgekehrt bei einem niedrigeren Status deutlicher ab.

Weiterführende Erklärungen für die Effekte will Lühe noch nicht geben. Die Wissenschaftler verweisen jedoch darauf, dass sich möglicherweise gesellschaftliche Stereotypen auswirken. In Familien mit einem niedrigeren sozio-ökonomischen Status könnte beispielsweise die Vorstellung verbreiteter sein, dass es unmännlich sei, fleißig für die Schule zu lernen. Die Analysen könnten nun erweitert werden, etwa auf Kinder im ländlichen Raum oder auf andere Altersgruppen, Schulsysteme und Bundesländer. Als praktische Implikation hält Josefine Lühe aber schon jetzt fest: „Wenn es zum Beispiel um die Entwicklung und Anwendung von pädagogischen Fördermaßnahmen für Kinder geht, sollte man von stereotypen Vorstellungen von DEN Jungen oder DEN Mädchen besser abrücken.“ (zab, pm)

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2 Kommentare

  1. Beim Lesen dieses Artikels, fallen mir drei Dinge auf bzw. ein:

    1. Könnte jemand der Moderation einmal dahingehend lesen, dass die Fehler in der Zeichensetzung im Artikel korrigiert werden.

    2. Der Einfluss auf die schulischen Leistungen und Interessen wird natürlich betrachtet, wenn es um die Relativierung von Problemen geht. Wenn also alle Studien feststellen, dass Jungen die Bildungsverlierer sind, muss man nur behaupten, dass es ein facettenreiches Problem ist, das man nicht einfach am Geschlecht festmachen kann. So – und hier darf man mich korrigieren – wird festgestellt, dass Jungen statistisch signifikant häufiger sitzen bleiben und seltener das Abitur erreichen. Da dieser Nachteil bei sozialökonomisch besser gestellten Jungen geringer ist als bei in diesem Bereich schwächeren Jungen, lässt den Nachteil nicht verschwinden, aber plötzlich darf man ihn nicht mehr nennen, da das Problem ja facettenreich ist.

    3. Wenn man aber umgekehrt feststellt, dass Mädchen in MINT-Fächern schwächer sind, werden Forderungen nach einer entsprechenden Förderung schnell nicht nur laut, sondern auch schnell umgesetzt. Der Girls-Day ist neben den vielen tollen Veranstaltungen hier nur als ein Beispiel zu nennen. Diese Doppelmoral ist nur noch widerlich.

    Ich verweise in diesem Zusammenhang gerne auf eine Studie der GEW, die nicht nur die gleichen Ansätze liefert wie dieser Artikel. Sie geht sogar noch weiter und stellt einerseits fest, dass eine höhere Anzahl männlicher Lehrkräfte die Motivation der Jungen im Grundschulbereich nicht fördert, sondern nur Stereotypen schafft, weil Männer als schlechte Vorbilder ja Vorurteile an die Jungen weitergeben. Andererseits fordert die Studie mehr weibliche Lehrkräfte in den MINT-Fächern, um positive Vorbilder für Mädchen zu sein.
    Die Gender-Forschung stellt hier ihre widerliche Fratze zu Schau, indem sie die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts skandiert und die des männlichen vertuscht.

  2. Axel von Lintig

    Das ist schon wieder eine Studie , welche der Gender-Ideologie widerspricht.
    Es gibt eindeutige geschlechtsspezifische Unterschiede im Lernverhalten von Jungen und Mädchen.
    Männer haben eine bessere Raumorientierung (siehe Einparken, Orientierung an Hand von Karten), Frauen und Mädchen benutzen beide Hirnhälften, um die Stimmungslage des Gegenüber zu erkennen, Jungen und Männer nur eine Hälfte.Deshalb gibt es wohl auch statistisch mehr autistische Männer als Frauen.

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