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Ob G8 oder G9 macht im späteren Leben offenbar nicht viel Unterschied

DUISBURG. G8 oder G9? Das ist eine Frage, um die es noch immer erbitterte Grabenkämpfe gibt, quer durch die gesamte Bildungslandschaft. Doch wie machen sich eigentlich die G8-Absolventen im Vergleich zu den G9ern auf dem Weg zum Berufsleben. In einem Projekt hat das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen Absolventen des 2013er-Doppeljahrgangs in NRW befragt. In den Übergangsverläufen ließen sich kaum Unterschiede feststellen. Lässt sich natürlich noch nicht sagen, ob dies auch für das spätere Leben gilt und ist die Umfrage nicht repräsentativ, gibt sie doch Hinweise darauf, dass die Diskussion möglicherweise am eigentlichen Thema vorbeigeht.

Wo sind sie geblieben, die Abiturienten von 2013? Damals haben die letzten Absolventen des neunjährigen Gymnasiums zeitgleich mit den ersten „G8“-Schülern das Abitur gemacht. Vor- und Nachteile einer kürzeren oder längeren Schulzeit werden immer noch heftig diskutiert. Was die Betroffenen selbst davon halten und was aus ihnen geworden ist, hat das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) in einem Lehrforschungsprojekt untersucht.

Ob hier jemand G8 oder G9 hinter sich hat, lässt sich kaum feststellen. Foto: Universität Salzburg (PR) / flickr (CC BY 2.0)

Ob hier jemand G8 oder G9 hinter sich hat, lässt sich kaum feststellen. Foto: Universität Salzburg (PR) / flickr (CC BY 2.0)

Ein Ergebnis der qualitativen Befragung von 68 Absolventen drei Jahre nach dem Abschluss: Ob junge Menschen ihr Reifezeugnis nach acht- oder neun Jahren erworben haben wirkt sich nicht auf ihre Chancen aus. Es lassen sich auch keine Unterschiede bei den Übergangsverläufen erkennen.

Über die Hälfte der Befragten (37) hat unmittelbar nach dem Abitur ein Studium aufgenommen und führt seitdem den begonnenen Studiengang fort. Weitere neun Befragte haben zwar direkt nach dem Abitur angefangen zu studieren, aber seitdem entweder das Studienfach gewechselt (6) oder stattdessen mit einer Ausbildung begonnen (3); ein Wechsel von einer Ausbildung in ein Studium ist unter den Befragten nicht vorgekommen. Nur zwei von ihnen sind direkt nach dem Abitur in eine duale Ausbildung gewechselt. Ein weiterer hat sich nach dem Abitur zum Dienst bei der Bundeswehr verpflichtet.

19 Befragte haben erst später mit einem Studium oder einer Ausbildung begonnen. Die befragten G8er und G9er haben sich etwa gleich häufig für eine Zwischenstation entschieden. Direkt nach dem Abitur findet sich in dieser Gruppe ein breites Spektrum an Aktivitäten: Freiwilliges Soziales Jahr, Bundesfreiwilligendienst, Bundeswehr, Vorpraktika oder Betriebspraktika, Auslandsaufenthalte, Jobben oder Warten auf einen Studienplatz.

Die Gründe für die Wahl des Bildungswegs sind bei beiden Gruppen individuell sehr unterschiedlich ohne signifikante Unterschiede zwischen G8er und G9ern. Bei den meisten Gesprächspartnern wurden die getroffenen Entscheidungen durch mehrere Faktoren beeinflusst. Der Wunsch zu studieren steht dabei häufig im Vordergrund. Nur ein Teil der Studenten sprach in diesem Zusammenhang von einem konkreten beruflichen Ziel. Man habe einen bestimmten Studiengang gewählt, weil man sich etwa für Mathematik, Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Geschichte, Wirtschaft oder Sozialwissenschaften interessierte.

Die Befürchtungen, dass der Doppeljahrgang wegen der hohen Absolventenzahlen schlechte bis sehr schlechte Perspektiven habe, bestätigten sich in der Befragung 2016 nicht. Die kürzere Schulzeit hat nach Einschätzung der Mehrheit keine besonderen Nachteile gebracht; die meisten litten weder unter höherem Leistungsdruck, noch fühlten sie sich überfordert. Kritisiert werden – vor allem von den G9-Prüflingen – fehlende Freizeit und zu wenig Zeit zum Lernen im G8-Bildungsgang. „Wer G8 durchlaufen hat, betrachtet seinen Bildungsgang selbst wesentlich weniger problematisch“, stellten die IAQ-Forscherinnen Brigitte Micheel und Sybille Stöbe-Blossey fest.

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Unabhängig von G8 oder G9 ist die Entscheidung für den weiteren Bildungsweg sehr komplex und stellt an junge Erwachsene hohe Anforderungen, wie die Befragung zeigt. Die Eltern spielen im Orientierungsprozess eine große Rolle. Die grundsätzliche Entscheidung „Studium ja oder nein“ ist dabei nur selten eine Frage des Geldes. Aber die hohen Wohnkosten in teuren Uni-Städten und Studiengebühren im Ausland beeinflussen durchaus, wo und was man studiert, und beschränken die Wahlfreiheit.

Die Berufs- und Studienorientierung in der Oberstufe ist nach Einschätzung der IAQ-Forscherinnen ausbaufähig. Die Mehrheit der ehemaligen Schüler ist damit eher unzufrieden. Zehn Befragte geben an, dass es an ihrer Schule keine derartigen Angebote gegeben habe. Bei anderen bleibt offen, ob es tatsächlich keine Angebote gab oder ob diese nicht in Erinnerung geblieben sind.

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Bei anderen Befragten zeigte sich allerdings auch, dass die schulische Berufsorientierung wichtig für ihre Entscheidung war. Die Befragung im Rahmen des Projekts bestätigte frühere Forschungsergebnisse denen zufolge weibliche Befragte die schulischen Orientierungsangebote etwa doppelt so häufig nutzten, wie ihre männlichen Mitschüler.

Die Angebote von Schulen, Berufsberatung und Hochschulen müssten weiterentwickelt werden und den individuell sehr unterschiedlichen Bedarf berücksichtigen. Wer etwa bereits eine mehr oder weniger klare Vorstellung über den künftigen Bildungs- und Berufsweg hat, braucht andere und vor allem fachspezifischer ausgerichtete Angebote als Jugendliche, die eine erste Orientierung suchen. Das Fazit der IAQ-Forscherinnen: „Es ist dringender, sich um die Anschlussperspektiven und um geeignete Konzepte zu kümmern, wie der Übergang von der Schule begleitet werden kann, als über G8 oder G9 zu debattieren!“ (zab, UDE)

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20 Kommentare

  1. Axel von Lintig

    Die befragte Gruppe(37 Personen) ist zu klein , um valide Aussagen machen zu können.
    Was wir aber von betroffenen Schülern von G8 wissen ist, dass sie deutlich weniger Freizeit haben als Schüler mit G 9. Diese ist aber genauso wichtig für die Entwicklung einer Persönlichkeit.
    Hinzu kommt dann noch die zweite Fremdsprache bereits in der 6. Klasse.Und durch die häufig vorhandenen Rechtschreibprobleme gibt es dann zusätzlichen Stress.

  2. Es stimmt, dass die Stichprobe sehr klein ist. Andererseits verwundet es doch, dass sich der G9-Jahrgang über fehlende Freizeit beklagt, was doch _das_ zentrale Argument für die Rückkehr zu G9 ist.

    Vielleicht ist es doch nicht verwunderlich: Ein Studium ist ein Vollzeitjob, genauso wie für etliche der G8-Schüler. Letztere wurden folglich schon während der Schulzeit auf das Studiumspensum vorbereitet, während die G9-Schüler sehr entspannt durch die Schule kamen. Dies bestätigt auch wieder meine Befürchtung, dass bei der Rückkehr zu G9 die Gammelhaltung wieder in die Schule zurückkehrt, verstärkt durch die Beibehaltung des im Vergleich zu G9-alt stark abgespeckten G8-Lehrplans.

    • Axel von Lintig

      Ich hatte das G9. Sie wahrscheinlich auch.Ich habe mein Studium in der Regelzeit beendet. Die meisten ehemaligen Mitschüler auch. Andererseits leisten im Anschluss an das Abitur viele G 8 Absolventen ein freiwilliges soziales Jahr oder sie beginnen eine Lehre, weil sie noch in ihrer Entscheidung für ihr späteres Leben sich nicht festlegen können, was sie studieren wollen.
      Meine Generation hatte dann noch die Bundeswehr oder den Zivildienst zur Besinnung. Die heutige Generation ist weitaus jünger,teilweise 17 oder 18 Jahre alt. Ich habe mit 20 Jahren mein Abitur abgelegt und dann kam direkt der Zivildienst , zuerst 4 Monate in einer Jugendherberge und danach in einem Krankenhaus. Das brachte die Entscheidung. Und zwischendurch konnte ich sehr viel lesen und mich weiterbilden.

    • Axel von Lintig

      Die letzte Generation, die nach G 8 ihr Abitur ablegen musste , war die meines Vaters.
      Die sollten dann für das Vaterland sterben. All jene, die überlebten, die durften dann anschließend ihr Abitur noch einmal nach einem weiteren Schuljahr ablegen.
      Außerdem durften die dann noch ihr eigenes Studium durch Arbeit als Studenten finanzieren. Mein Vater hat in Clausthal-Zellerfeld in einer Erzgrube nach Eisenerz gegraben und in Peine im Stahlwerk gearbeitet.
      Da ging es uns doch wesentlich besser.
      So, und eine Generation von Politikern, die aus dem Vollen schöpfen durften haben dann anschließend das G 8 eingeführt. Vielen Dank auch Frau Schavan und all die anderen , denen man das zu verdanken hat.
      Kinder brauchen Zeit für ihre Entwicklung, aber auch die richtigen Methoden mit der richtigen Unterstützung zur rechten Zeit.
      Der größte Teil der heutigen Schüler hat durch die viel zu geringe Führung in den ersten beiden Schuljahren riesige Probleme überhaupt die richtige Rechtschreibung zu erlernen, weil es einfach nicht mehr so gezeigt wird.Und dann sollen diese dann das in den weiterführenden Schulen wieder aufholen. Viel Spaß dabei.
      Nicht jedes Kind hat engagierte Eltern, die voll hinter ihnen stehen.Bei den heutigen Methoden des eigen initiativen, selbst gesteuerten und individuellen Lernen, kommt es aber gerade auf die Unterstützung durch diese an. Das verdanken wir unseren Reform-Eiferern, welche selber, siehe Brügelmann, um die 20 Semester in den unterschiedlichsten Fächern studierten + „Hochschulkarriere“.

  3. Nee, glaube ich auch, dass es im späteren Leben keinen Unterschied macht. Das beweist ja der ganze Osten (ehem. DDR), die bis zur Wende alle das Abitur nach 12 Jahren ablegten (und inzwischen wieder). Es kommt halt darauf an, wie man diese 12 Schuljahre organisiert. Es heißt ja heute oft, im Osten war die Schulbildung besser.

    Ansonsten kann ich aber gut damit leben, wenn die Kinder später in die Arbeitswelt eintreten, zumal man heutzutage länger lebt und ja auch immer länger arbeiten muss.

  4. ZITAT A.v.L.,

    „Die letzte Generation, die nach G 8 ihr Abitur ablegen musste , war die meines Vaters.
    Die sollten dann für das Vaterland sterben.“

    Welchen Krieg habe ich verpasst? (1989?)

    • Axel von Lintig

      Sofawolf

      Sie haben den zweiten Weltkrieg nicht erleben müsse. Damals wurde das Abitur um ein Jahr verkürzt.
      Die mussten dann ihr Abitur nach einem weiteren Schuljahr ablegen.

      • Stimmt, Herr von Lintig! Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, spricht auch davon in diesem Artikel:

        https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/g8-oder-g9-vom-ende-einer-realsatire/

        • Axel von Lintig

          U.B.
          Vielen Dank für den Link.Die Kommentare zu dem hinterlegten Artikel sind sehr amüsant und aufschlussreich.

      • Nun der WKII ist auch schon ein paar Tage zu Ende – also spätestens seit 1990 mit der Erlangung der vollständigen Souveränität.

        ad 1) Das G8 war schon immer durch Springen in allen Schulgesetzen der gebrauchten Bundesländer verankert.

        ad 2) Das Ablegen eines Abitures nach 12 Vollzeitschuljahren stellt für die meisten Schülerinnen und Schüler, die für die Schulform GY geeignet sind, kein Problem dar.

        ad 3) Es gibt für alle anderen die Möglichkeit an anderen Schulformen mit einer GOSt nach mind. 13 Vollzeitschulbesuchsjahren das Abitur abzulegen – also an GeS und BK.

        ad 4) Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es, dass die damalige CDU/FDP-Regierung das G8 als dreijährige GOSt, die auf einer fünfjährigen SekI aufbaut, konstruiert hat. Sinnvoller und zweckentsprechender wäre es gewesen, an GY die EF wegfallen zu lassen und lediglich für SuS, die von anderen Schulformen in die GOSt gewechselt haben, die EF verbindlich vorzuschreiben. Im Grunde ist das in der APO-SekI auch schon angelegt. An allen Schulformen außer dem GY kann der SekI-abschluss sowohl als FOR-QE oder auch als FOR-QQ ausgesprochen werden.
        QE bedeudet „Berechting zum Besuch der EF und QQ meint das Überspringen der EF und den direkten Anschluss der Q1 an die Klasse 10.

        ad 5) Wer heute mit 17 sein Abitur ablegt, sollte sich bei seinen Eltern beschweren. Er oder sie ist vermutlich mit 5 1/2 Jahren eingeschult worden oder hat im Rahmen von JÜL die GS in 3 Jahren abgewickelt. Wer mit 6 bis 6 1/2 Jahren eingeschult worden ist, ist auch mit G8 18 beim Wechsel an eine Hochschule oder in eine betriebliche Ausbildung.

        ad 6) Mädchen, die ja auch in früheren Zeiten nicht zum Wehrdienst oder Zivildienst mussten, waren eigentlich nie älter als die heutige Studentenschaft in Gesamtheit.

        • Die Frühbeschulung von 5 1/2 jährigen in NRW wurde von Seiten der Politik eingeführt. Gleichzeitig wurden in NRW unter Herrn Rüttgers die Vorschulen abgeschafft, um Geld zu sparen.
          Die Vorgaben für die Beschulung der Kinder macht die Politik.
          Die Beschulung sollte aber von der Schulreife abhängen und nicht alleine vom Willen der Eltern.
          Wer Köpffüßler malt und sprachlich nicht die Vorraussetzungen für eine Beschulung mitbringt, der gehört in eine Vorschule oder in eine Sprachförderschule mit 5 Jahren Grundschulzeit. Also wäre es besser wieder Vorschulen einzuführen oder eine Vorbeschulung in den Kindergärten vorzunehmen. Dafür müssen die Kindergärtnerinnen und Kindergärtner auch besser ausgebildet und bezahlt werden. Das kostet natürlich mehr Geld, dafür erspart man sich dieses bei der späteren schulischen Förderung, welche viel teurer ist.
          Mädchern sind graphomotorisch deutlich weiter entwickelt als Jungen.
          Das erklärt auch warum diese deutliche Vorteile haben und besser in der Orthographie sind.
          Außerdem sind sie im körperlichen Entwicklungsverlauf viel weiter als Jungen und eher reif.
          Also warum soll denn nicht die Möglichkeit bestehen nach 13 Jahren sein Abitur abzulegen.

          • Und die Schulhorte, wobei aber gleichzeitig gegen die Ganztagsbeschulung polemisiert wird.

            Die Gemeinschaftsschule ist ebenfalls ein Konstrukt von Babsi Sommer.

          • Axel von Lintig

            Die Gemeinschaftsschule entwickelt sich hier im Ort zum Sammelbecken von sozial auffälligen Schülern.
            Vorher waren diese in den Haupt- und den Förderschulen untergebracht, dafür wurde jetzt die sehr lernintensive Realschule geschlossen.Also melden viele Eltern jetzt ihre Kinder in den Gymnasien oder den Gesamtschulen an.

          • Die Gymnasiasten und viele der ehemals Realien besuchen heutzutage so gut wie alle das Gymnasium bzw. die Gesamtschule. Die Förderschulen werden aufgelöst, die Haupt- und Realschulen in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Für Schüler, die das Gymnasium nicht schaffen können und die Gesamtschule nicht vorhanden oder erreichbar ist, bleibt nur die Gemeinschaftsschule. Folge ist das von Ihnen, Herr von Lintig, genannte Sammelbecken.

            Nebenbei: Bis wann war die Realschule eigentlich lernintensiv? Das Gymnasium ist es heute (zumindest für echte Gymnasiasten) trotz oder wegen G8 aka Kompetenzorientierung nicht mehr, die sehr gering gewordenen Anforderungen für den MSA lassen mich an einer Lernintensität zumindest zweifeln, auch für an der Realschule optimal aufgehobene Schüler.

          • Axel vonLintig

            XXX
            Die DESI Studie von 2009, mit 11.000 Schülern, wies eine deutlich bessere Vermittlung von Deutsch- und Englischkenntnissen bei Real- und Gymnasialschülern nach.

          • Sie haben meine Frage nicht beantwortet. Außerdem existierten 2009 in NRW die kompetenzorientierten Lehrpläne noch nicht, sogar nicht an den Gymnasien, wo schon seit 2007 nach G8 unterrichtet wurde.

          • @XXX, wer ist den heute noch so blöd bzw. ideologisch motiviert sein Kind an einer IGS anzumelden?
            Die SekS floppen, weil sie keine Oberstufe haben. Die GemS sind KOOP-Schulen, die die CDU ja nie wollte – bis B. Sommer zuständig war.
            Die GeS mutiert allmählich zur GHS also Gesamthauptschule, da ja die schwachen Realschüler und Hauptschüler irgendwo beschult werden müssen. Die Förderschüler fallen in der gemengelage ohnehin nur dadurch aud, dass sie sie sich vom Rest durch ein abgeschlossenes AOSF-Verfahren unterscheiden.
            Der Förderbedarf bei m überwiegenden Restteil der Klassen hat Förderbedarf – nur eben keinen Anspruch auf Unterstützung durch die SonPäd.

            Die Schülerklientel, die in den 80ern auf eine GeS gingen, ist heute auf dem Gymnasium.

        • Das Einschulungsalter wurde in den Bundesländern unterschiedlich verändert, der Stichtag liegt bei einigen Bundesländern weiter Ende Juni, bei anderen im Herbst (Ende September – z.B. Nds.) oder im Winter (Ende Dezember – z.B. Berlin, wird ab diesem Sommer auf Sept. verschoben) – schöne Aufschlüsselung bei wikipedia, Eintrag „Einschulung“. Hatte man zuvor bei Kindern mit Geburtstag im Juni Bedenken bei der Einschulung und Auffälligkeiten in verschiedenen Entwicklungs- oder Lernbereichen, sind diese Kinder nun in einigen Bundesländern schulpflichtig und noch viel jüngere Kinder in den Klassen. Sieht es von außen betrachtet nach 1-2 Monaten aus, sei deutlich darauf verwiesen, dass diese Monate recht große Unterschiede bewirken.
          So oder so war schon zuvor die Rede davon, dass die Entwicklungsunterschied zum Zeitpunkt der Einschulung ca. 3 Jahre betragen würde, dieser dürfte in den letzten Jahren noch größer geworden sein.

          Zurückstellungen sind ebenfalls abhängig von den Möglichkeiten eines Bundeslandes sowie der Region: teilweise gibt es weiterhin die Möglichtkeit, Kinder vom Schulbesuch zurückzustellen – Besuch eines Schulkindergartens, weiteres KiGa-Jahr, es gibt auch Regionen, in denen das nicht möglich ist.

          War man also zuvor als Kann-Kind (Juli/August-Geborene) früh zur Schule gekommen, legte man sein Abi nach 13 Schuljahren ab und war 18 Jahre alt und wurde kurz danach 19 (traf auf die Kann-Kindervon Juli/August zu),
          heute ist es durchaus möglich, dass man erst im Herbst 18 wird oder noch später (Kann-Kind-Regelung bis Ende Dezember erweitert) oder, wenn man auch noch gesprungen ist, erst 17.

          Den Besuch einer Vorschule oder einer vorschulischen Gruppe fände auch ich sinnvoll, denkbar wäre, dass der Eintritt mit dem 5. Geburtstag erfolgt. Somit wäre die Schulreife darüber erheblich besser zu erfassen und man könnte individuellere Lösungen bieten. Damit einhergehen müssten Fördermöglichkeiten, die bei etlichen Kindern die Schulreife bzw. Schulfähigkeit deutlich verbessern.

          „Das kostet natürlich mehr Geld, dafür erspart man sich dieses bei der späteren schulischen Förderung, welche viel teurer ist.“ Ja. Wobei ich nicht der Meinung bin, dass Erzieherinnen per se schlecht ausgebildet sind.
          Die graphomotorische Entwicklung war womöglich früher bei Mädchen besser entwickelt, mit der Auflösung von Stereotypen in der Erziehung sowie im Allgemeinen ohnehin abnehmender Fingerfertigkeit fallen Mädchen wie Jungen gleichmaßen auf.

  5. Na sowas, gerade passend zu meinem Kommentar gefunden:

    „Eine Generation, die zunehmend in den besten Lebensjahren mit Burnout zu kämpfen hat, entwirft für ihre eigenen Kinder einen Lebensweg mit noch mehr Tempo, noch mehr Leistung, noch mehr „Förderung“. Sie funktioniert Kindergärten zu Schulen um, weil sie glaubt, Kinder, die früh Mathe lernen, seien schneller am Ziel. Moment einmal – an welchem Ziel?

    ~Herbert Renz-Polster~“

  6. @ dickebank 11. April 2017 um 17:42

    viele Ihrer Abk. verst. i. nicht – Sie diskutieren wohl über NRW, oder?

    In anderen Bundesländern ist die IGS sehr wohl eine gute Option, z.B. für ein G9 neben dem normalen G8 – z.B. hier in den Neuen Ländern, die das alte DDR-System von POS und EOS – natürlich modifiziert seit der Wende – weitergeführt haben. Auch die Gemeinschaftsschulen (Jenaplan, Montessorri, und wie sie alle heißen) bieten hier tragfähige Konzepte an, neben dem Regelschulabschluss (ist der bekannt?) weiterführende Qualifikationen zu erwerben.

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