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Wanka fordert: Migranten-Anteil in Klassen begrenzen! Die Praxis zeigt: Probleme konzentrieren sich zunehmend in Brennpunkt-Schulen

BERLIN. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat an die Bundesländer appelliert, den Migrantenanteil in Schulklassen zu begrenzen. Gegenüber dem „Focus“ sagte Wanka, der Anteil von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund müsse für eine erfolgreiche Integration möglichst ausgewogen sein. Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Philologenverbands, begrüßte den Vorstoß und forderte Wanka auf, ihren Worten nun auch Taten folgen zu lassen. Der Blick in die Praxis zeigt allerdings: Es ist offenbar nicht so leicht, Kinder von Schule zu Schule umzuverteilen. Der VBE hält die Idee deshalb auch für „abstrus und illusorisch“.

Immer mehr Flüchtlingskinder kommen in die Regelschulen. Foto: UK Department for International Development / flickr (CC BY 2.0)

Immer mehr Flüchtlingskinder kommen in die Regelschulen – in manche jedenfalls. Foto: UK Department for International Development / flickr (CC BY 2.0)

„Es sollte keine Klassen geben, in denen der hohe Migrantenanteil dazu führt, dass die Schüler untereinander vorwiegend in ihrer Muttersprache sprechen und damit eine Integration erschwert wird“, so meint Wanka laut „Focus“ – lehnt eine feste Quote, ab der gehandelt werden muss, aber ab. Die Bundesbildungsministerin betonte in dem Interview zwar, dass es Fortschritte bei der Integration gebe. „Etwa 90 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder mit Migrationshintergrund gehen inzwischen in die Kita.“ Die Ministerin forderte die Eltern jedoch auf, zu Hause mehr Deutsch zu sprechen. Knapp zwei Drittel der Kita-Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren mit Migrationshintergrund sprächen daheim nicht Deutsch. Wanka: „Das ist kein kleines Problem, sondern eines, das Auswirkungen auf spätere Leistungen in allen Fächern und damit auf die Chance zur Teilhabe und die Integration hat. Da haben die Eltern eine Bringschuld.“

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Laut Philologen-Chef Meidinger gibt es drei Gründe, von Seiten der Bildungsministerien und der Schulaufsicht mehr Einfluss auf eine gleichmäßigere Verteilung von Kindern mit Migrationshintergrund zu nehmen: „Erstens beobachten wir derzeit eine Konzentration sehr hoher Migrantenanteile in bestimmten Regionen, Ballungsgebieten und sozialen Brennpunkten. So klappt vielfach zum Beispiel die Überführung der Flüchtlingskinder aus Willkommensklassen in die Regelklassen nicht, stattdessen werden in den Regelschulen zusätzliche Flüchtlingskinder-Klassen gebildet. Zweitens erschweren zu hohe Ausländeranteile in einzelnen Klassen die sprachliche und soziale Integration der Kinder mit Migrationshintergrund. Und drittens sinken, wie Studien ergeben haben, ab einem Anteil von 40 Prozent Migrantenanteil die Leistungen aller Schülerinnen und Schüler in diesen Klassen rapide ab, weswegen deutsche Eltern solche Klassen für ihre Kinder vermeiden wollen, was zu einem Teufelskreis führt.“

Meidinger fordert die Bundesbildungsministerin und die Kultusministerkonferenz auf, den Worten jetzt auch Taten folgen zu lassen. Es sei zwar schön, wenn die Politik zu richtigen Einsichten gelange, gefragt seien aber  „praktikable, flexible Lösungen vor Ort“.

Immense Kosten

Dabei ist allerdings unklar, wie diese konkret aussehen können. Die Idee, Migrantenkinder innerhalb von Städten auf möglichst viele Schulen zu verteilen, ist nicht neu – und sie wird nirgends konsequent umgesetzt. Kein Wunder: Die Kosten für einen Schülertransport quer durchs Stadtgebiet sind für die Kommunen immens. Und an bislang unbelasteten Schulen regt sich häufig Widerstand. In Bonn beispielsweise gab es bereits 2015 eine entsprechende Initiative der regierenden Koalition aus CDU, FDP und Grünen. Hintergrund:  In der ehemaligen Bundeshauptstadt gibt es einem Bericht des „Bonner General-Anzeigers“ zufolge Schulklassen, in denen 85 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund sitzen –  und andere mit null Prozent. Geschehen ist dort allerdings bislang wenig, um die Situation zu ändern.

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Ähnlich ist die Lage aktuell in Magdeburg. In der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt sind es derzeit vier Brennpunkt-Schulen, in denen sich die Probleme ballen – nicht nur sprachliche. „60 Prozent unserer Schüler kommen aus Hartz-IV-Familien“, und damit aus teils schwierigen Verhältnissen, so berichtet eine Schulleitung gegenüber der „Volksstimme“. Deutsche Familien würden zunehmend versuchen, ihre Kinder von der Schule zu nehmen. „Und wenn sich neue Lehrer an der Schule vorstellen, lehnen die dankend ab, wenn sie die Verhältnisse gesehen haben.“ Die meisten Lehrkräfte im Team würden kämpfen, um die Kinder weiterzubringen. Doch es werde immer schwerer.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper sieht das Problem – kann nach eigener Aussage allerdings wenig daran ändern. Schulbezirke umplanen? Werde nicht viel ändern, so meint er laut „Volksstimme“. Der Stadtverwaltung seien die Hände gebunden. Denn für die Zuweisung der Schüler sei das Landesschulamt verantwortlich, „und das verweist dahin, wo es Sprachlehrer und -klassen gibt“. Und die gibt es – nur an den Brennpunktschulen. „Wir haben uns um extra Sprachlehrer bemüht, jetzt sind wir die in den Po Gekniffenen“, sagt die Leitung der betroffenen Schule. Ein Teufelskreis. Agentur für Bildungsjournalismus

 

Aktueller Nachtrag: Die Reaktion des VBE

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht den Vorstoß von Bundesbildungsministerin Wanka überaus kritisch. „Die Forderung nach einer Quotierung von Kindern mit Migrationshintergrund in Lerngruppen ist abstrus und illusorisch. Dies würde in der Konsequenz dazu führen, dass aus bestimmten Stadtteilen, in denen es einen hohen Anteil von Familien mit Migrationshintergrund gibt, zum Beispiel in den Nordteilen der Ruhrgebietsstädte, bestehende Klassen aufgelöst werden müssten und zukünftig die Kinder mit dem Bus auf die Schulen verteilt werden müssten, um bestimmte Quoten zu erreichen. Zudem stellt sich die Frage: Gilt diese Quotierung nur für die erste oder auch für die zweite oder dritte Generation von Menschen mit Migrationshintergrund“, fragt VBE-Chef Udo Beckmann.

Er sieht das Problem bei der Standortpolitik und mangelnder Integration. Beckmann führt aus: „Aus Sicht des VBE kann die Frage nur gelöst werden, wenn die Stadtentwicklung und Wohnungspolitik möglichst bald nicht mehr dazu führen, dass es in bestimmten Stadtteilen zu einer Ballung von Menschen mit Migrationshintergrund kommt. Neben einer entsprechenden Wohnungspolitik ist für die Integration maßgeblich, dass es frühzeitig gelingt, die Migrantinnen und Migranten der deutschen Sprache zu befähigen, und es umfassende Integrationskonzepte von der Kita bis zur Hochschule gibt.“

5 Kommentare

  1. Vor allem frage ich mich auch, wie das umgesetzt werden soll. Wohin kommen dann die Kinder, die an einer Schule (in ihrer Nähe) nicht eingeschult werden können, weil dort der maximale Migrantenanteil in den jeweiligen Klassen bereits „erfüllt“ ist. Und wer zahlt dann die ggf. anfallenden Beförderungskosten? Heutzutage wollen das betroffenen Eltern garantiert erstattet bekommen und Richter werden ihnen Recht geben.

  2. Die aus meiner Sicht einzige Möglichkeit wäre die Auflösung der sozialen Brennpunkte. Das gelingt nur durch erzwungene Umzüge von Millionen von Haushalten. Das wäre zumindest bei Mietwohnungen theoretisch einfacher, wenn die Kommunen ihre Wohnungsbaugesellschaften nicht aufgegeben aka privatisiert hätten. Bei Stadtteilen mit überwiegend Eigentum ist das nicht möglich.

    Fazit: Das ist unmöglich. Und selbst wenn diese Massenumzüge realisierbar wären, würden die solventen Eltern ihre Kinder auf eigene Kosten an irgendwelche anderen Schulen anmelden mit der Folge, dass sich die Migranten erneut an vergleichsweise wenigen Schulen konzentrieren.

    Ach ja: Man darf nicht vergessen, dass „Migrantenanteil“ wieder nur ein politisch korrektes Synonym für türkische Paschasöhne und ähnliche Mentalitäten ist. Die Wahrheit, nämlich dass man doch etliche Kinder zurücklassen muss, wenn sie nicht aus eigenem Antrieb mitgenommen werden wollen oder gar andere Kinder am mitgenommen werden hindern, kennt die Politik auch, wird sie jedoch aufgrund von Wählerstimmen niemals öffentlich kundtun.

  3. „Die Ministerin forderte die Eltern jedoch auf, zu Hause mehr Deutsch zu sprechen. “
    ARGH! Frau Wanka sollte sich mit dem Erst- und Zweitspracherwerb auseinandersetzen oder beraten lassen, BEVOR sie solche Äußerungen in die Welt setzt!

    Dass es beim Übergang von Willkommensklassen in Regelklassen zu Problemen kommen würde, war schon klar, als man diese eingerichtet hat. Ein fließender Wechsel in Regelklassen kann ja nur an dieser Schule erfolgen. Innerhalb der 1-2 Besuchsjahre in der Willkommensklasse erfolgt ein großer Teil der Integration, Freundschaften bilden sich, die man bei erneutem Schulwechsel wieder trennt.
    Andererseits war man aber nicht bereit, jede Schule entsprechend mit Sprachförderstunden auszustatten.

    … ansonsten ist doch an den Gymnasien sicher noch eine Menge Platz für i-Kinder und Migranten. Die dortigen SuS sind gute Sprachvorbilder im Deutschen, sie sind früh mehrsprachig, bringen kommunikative Kompetenz mit und sind intellektuell in der Lage, sich in die Situation anderer hineinzuversetzen und Fremde zu inkludieren 😉
    … oder was wollte Herr Meidinger sagen?

    • Genau das wollte Herr Meidinger damit sagen. Außerdem sind Gymnasien heile Welten, die keine Sozialarbeiter erfordern. Dort gibt es also nicht nur Platz, dieser ist sogar mit geringeren Mehrkosten verbunden als die mittleren Schulformen. Also zwei Fliegen mit einer Klappe.

      (Ich gehe allerdings davon aus, dass Herr Meidingers eigene Kinder schon längst aus der Schule raus sind. Persönlich ist er somit nicht von seiner Forderung betroffen.)

  4. Man muss doch nur mal in die Kindergärten gucken, wie solche Forderungen umgesetzt werden würden. Kindergärten bekommen für Migrantenkinder frühkindliche Sprachkurse. Ich weiß nicht genau, wie das verteilt wird und welche Förderung es genau gibt, aber meine Kinder fanden sich in dieser Klasse wieder, weil mein Mann im Ausland geboren wurde. Der Kindergarten teilte uns auch mit, dass sie recht glücklich waren über die deutschen Migranten, weil das die Förderung erhöhen würde ohne dass tatsächlich Bedarf bestehe. Ähnlich äußerte sich die Grundschule. Man müsste nicht angeben woher die Migrantenkinder kämen, nur wie viele es sind. Die weiterführende Schule war zurückhaltender.

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