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Weniger Theorie verlangt: SPD unterstützt Forderung der Schüler nach mehr “lebensnaher” Politik im Unterricht

WIESBADEN. Die Forderung der Landesschülervertretung nach mehr politischer Bildung im Unterricht (“weniger Theorie, mehr Lebensnähe”) stößt auf offene Ohren bei Hessens SPD. Nur wer gelernt habe, wie Demokratie funktioniert und auf welchen Werten sie basiert, könne als mündiger Bürger daran teilhaben, sagte Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel am Mittwoch in Wiesbaden. Auch durch mehr echte Ganztagsschulen könne der Raum für eine breiter angelegte Wissensvermittlung geschaffen werden.

Landesschulsprecher André Ponzi hatte zuvor gefordert, das Angebot in den Fächern Politik und Wirtschaft in den Schulen auszubauen und die Inhalte stärker am tatsächlichen realen Geschehen zu orientieren. Derzeit sei der Unterricht viel zu theorielastig und beschäftige sich zu viel mit bürokratischen Feinheiten internationaler Organisationen. Ponzi machte sich auch für mehr kontroverse und offene Diskussionen, Treffen mit Abgeordneten und Wissenschaftlern sowie Besuche in Parlamenten stark. Dadurch könne auch wieder Begeisterung für Politik und Gesellschaft geweckt und Wissen gegen populistische Scheinargumente vermittelt werden. dpa

Schüler fordern mehr und besserem Unterricht in Politik und Wirtschaft – weniger Theorie, mehr Lebensnähe

17 Kommentare

  1. Wie soll man ohne Theorie lernen, wie Demokratie funktioniert? Eigentlich verlangen solche Fragestellungen gerade nach mehr und abstrakterer Theorie.

    • Das ist doch immer das selbe Gequatsche von Lebensnähe. Fragen Sie mal 100 Leute, was sie unter lebensnah verstehen, dann bekommen Sie 100 verschieden Antworten.
      Schule sollte doch gerade das Beibringen, was nicht unbedingt an den Zeitgeist gebunden ist. Es wird doch immer gesagt, dass sich die Zeiten so schnell wie nie ändern – Schule hätte nie eine Chance da mit zu halten.

      • Gerade deswegen muss sich Schule auf die Theorie beschränken, damit die Schüler diese Grundlagen auf die sich immer schneller ändernde Welt anwenden können. Dadurch würden allerdings auch die als Laberfächer gescholtenen Politik, Erdkunde, Sozialwissenschaften/Politik richtig anspruchsvoll werden. Das kann die SPD nicht wollen.

  2. ZITAT: “Ponzi machte sich auch für mehr kontroverse und offene Diskussionen, Treffen mit Abgeordneten und Wissenschaftlern sowie Besuche in Parlamenten stark. Dadurch könne auch wieder Begeisterung für Politik und Gesellschaft geweckt und Wissen gegen populistische Scheinargumente vermittelt werden.”

    Diese Aussage ist selbst wiederum nur Theorie, die an der Praxis scheitern wird – genauso wie das jahrelange Gefasel davon, dass man das Wahlalter senken müsse, um junge Leute für die Politik zu begeistern. Das Wahlalter wurde hier und da gesenkt und das Interesse an Politik ist nicht gestiegen und – ich sage mal so – die politischen Präferenzen wurden nicht “in die (vermeintlich) richtige Richtung gelenkt”.

    Das ist alles auch wieder nur Theorie, klingt schön und bringt nichts.

  3. Seien wir doch mal ehrlich. Die meiste Unterrichtszeit verlieren wir nicht durch zu viel Theorie (Praxisaufgaben kosten gewöhnlich noch mehr Zeit); die meiste Zeit verlieren wir durch Unterrichtsstörungen. Soll Bildung wieder erfolgreicher sein, müssen wir wirksamer gegen die Unterrichtsstörungen vorgehen (dürfen).

    Ich habs mal gerade überschlagen: Wenn in jeder Stunde nur 5 Minuten für Störungen draufgehen, sind das pro Tag durchschnittlich 30 Minuten “ohne Unterricht im Unterricht”. In der Woche macht das 150 Minuten, also bereits gut 2,5 Unterrichtsstunden, die wegen Störungen verloren gegangen (quasi ausgefallen) sind. Im Halbjahr (a 20 Wochen) jede Woche 2,5 Unterrichtsstunden zu verlieren, macht insgesamt 50 Unterrichtstunden im Halbjahr !!! Das sind schon gut 1,5 WOCHEN Unterrichtsausfall wegen Störungen.

    Im ganzen Schuljahr sind das also gut 3 WOCHEN “Unterrichtsausfall” nur wegen Störungen, die der Lehrer beheben / klären muss (wenn ich überall nicht abrunde, sondern jeweils aufrunde, ist es sogar ein ganzer MONAT “Unterrichtsausfall” !!!). Mal ganz abgesehen von der nervlichen Belastung, die auf Dauer viele Kollegen krank macht und also zu weiterem Ausfall führt (und wie oft betragen diese Störungen pro Stunde nicht nur 5 Minuten)?!?

    Wann tun wir was dagegen?

    • Wie lebensfern ist denn die Annahme von 5 Minuten? In vielen Schulen geht etwa die Hälfte einer Unterrichtsstunde für “Störungen” drauf.

  4. @ ach dicke bank,

    ich wollte vorsichtig schätzen. Ich stimme Ihnen durchaus zu, dass es u.U. mehr ist. Es ist ein versuchter Mittelwert, der nicht übertreiben will. Es ist ja auch je Klasse, je Lehrer, Stunde anders.

    Es wäre aber mal wichtig, finde ich, uns allen und vor allem den Außenstehenden ins Bewusstsein zu rufen, wofür die meiste Zeit “verloren geht” und warum wir immer dies und das und jenes nicht schaffen, was wir alles machen ( = beibringen) sollen.

    • Diese “vorsichtige Schätzung” ist aber realitätsfern für große Teile der sekI-Schulen.

      Wir landen wieder bei der erziehung. Die Grundlagen des Arbeits- und Sozialverhaltens müssen im Elternhaus angelegt sein, sie können in der Schule nur weiterentwickelt werden. Wenn goße Teile der Schülerklientel aber entsprechenden basale Kompetenzen nicht mehr mitbringen, da sie anders sozialisiert sind, ist störungsfreies Unterrichten eine Utopie. Für das Sozialtraining muss dann eben Zeit im Fachunterricht geopfert werden. Wenn also große Teile der Schülerschaft nicht oder nur bedingt “ausbildungsreif” sind, ist es müßig mit den Fingern auf die “Schule” zu zeigen. Der Gesellschaft ist in großen teilen der Erziehungskonsens verloren gegangen. Welche werte der Gesellschaft wichtig sind, wird heute mehr oder weniger durch ihre Rolle als Konsumenten bestimmt. Die bürgerlichen Pflichten werden als lästige Bevormundung der Zivilgesellschaft verstanden und im Sinne falsch verstandener Individualisierung lediglich auf die eigenen Rechte gepocht.

      Der Schulabschluss – möglichst die allgemeine Hochschulreife – wird eingefordert. Dies wird damit begründet, dass es in der Verantwortung der Schule liegt jedes Kind individuell und den Wünschen der Eltern entsprechend als Dienstleister zu fördern. Dass dieses nur gelingen kann, wenn die Eltern ihre Pflichten in der Erziehung entsprechend den gesellschaftlichen Erwartungen und im Rahmen der gesetzlich festgelegten Pflichten wahrnehmen, wird ausgeblendet. Die Tatsache, dass die Schüler eine eigene Verantwortung bezüglich ihres individuellen Lernerfolges haben, lassen wir einmal ganz außer acht.

      • Wie eigene Verantwortung für den individuellen Lernerfolg? Gerade die Schülerschaft, die die Reduktion von Stofffülle, Tiefgang usw. verursachten, sind so unverantwortlich, dass sie durch individuelle Förderung, Nachhilfe, gnädige Benotung der Lehrkräfte, weil andernfalls Ärger vom Schulleiter droht, Nachteilsausgleiche usw. notfalls gegen den eigenen Willen aber auf jeden Fall mit nur wenig eigenem Zutun die Versetzung und den (wenn meist auch nicht besonders guten) Schulabschluss schaffen.

  5. @ dicke bank,

    Sie werden vielleicht staunen, ich stimme Ihnen weitgehend zu.

    Mir ist wichtig, dass das auch mal thematisiert wird bei all den Diskussionen um neue schöne Lehrmethoden, um Spaß am Lernen und beste Ausstattung und all die Themen, die in die Schule gehören … Ich sage wieder vereinfacht, weil’s griffiger ist: Wir würden ja gerne, aber wir kommen nicht dazu, weil wir (eben auch) durch massive Unterrichtsstörungen massiv Unterrichtszeit verlieren.

    Das wäre doch mal ‘ne Schlagzeile: “Ein Monat Unterrichtsausfall pro Schuljahr allein durch Unterrichtsstörungen”!

    Und dann kommen die Krankschreibungen und fehlenden Lehrer ja noch oben drauf !!!

    • Meinetwegen auch:

      “2 Monate Unterrichtsausfall durch Unterrichtsstörungen” … + Krankschreibungen, + Lehrermangel + außerunterrichtliche Veranstaltungen (Zahnarzt, Verkehrsschule, Ausflüge, Klassenfahrten etc.) …

      Wann findet da überhaupt noch Unterricht statt?

      • Sie und Ihre Zahlen …

        Bezogen auf die Störungen gehen rund 30% der Unterrichtszeit verloren. Das sind drei Monate. Hinzu kommen die Krankentage von lehrendem und lernendem Personal sowie abgehängte Unterrichtszeiten (Stundenkürzungen, Schwänzen, vorzeitiger Urlaubsbeginn bzw. Urlaubsverlängerung, Beurlaubungen etc.), so dass letzt endlich der einzelne Schüler allenfalls 40% der 188 Wochenstunden, die für die Sekundarstufe I vorgeschrieben sind, in der Schule ist.

        In Summe kommen so rd. 3000 Fehlstunden in der sekI zusammen. Das sind 300 Unterrichtstage im Halbtag oder 15 Unterrichtsmonate bzw. 1,5 Schuljahre. Kein Wunder, wenn die Eltern an GY das G9 wieder einfordern:)

        Oder anders herum für die SekI; im Prinzip endet die Sschulzeit immer noch nach 8 effektiv abgehaltenen Vollzeitbesuchsjahren.

        • Stimmt. Die erziehung der Kinder zu weniger störendem Verhalten ist den Eltern nicht zuzumuten.

          • Andersherum wird ein Schuh draus. – Die Kinder werden in die Schule geschickt, da sie zuhause stören.

          • Aber wehe die Lehrer mischen sich in die Erziehung ein oder sehen die hochbegabung nicht.

          • Aus Sicht mancher Eltern sind selbst “strohdoofe” bzw. “alternativ begabte” Kinder hochbegabt- – Alles eben eine Frage der Perspektive.

          • Die GS-Eltern wissen doch oft selbst nicht mehr, wie man sich verhält. Die Distanz/ der Respekt vor den Lehrern wird immer geringer.

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