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“Die um sich greifende Gute-Laune-Pädagogik schadet unseren Kindern” – Josef Kraus zieht Bilanz und pointiert dabei (mal wieder)

BERLIN. Josef Kraus ist wohl Deutschlands bekanntester Pädagoge. Als Bestseller-Autor („Helikopter-Eltern“), Talkshow-Gast und „Bild“-Kolumnist scheut sich der mittlerweile pensionierte Schulleiter und langjährige Präsident des Deutschen Lehrerverbands nicht, seine Thesen pointiert vor einem Millionenpublikum auszubreiten. Kraus übergibt am 1. Juli das Amt an der Verbandspitze an den bisherigen Philologen-Chef Heinz-Peter Meidinger. In einer Feierstunde in Berlin wurde Kraus, der dem Deutschen Lehrerverband als Ehrenpräsident erhalten bleibt, nun gewürdigt. Er zog dabei selbst Bilanz – wir dokumentieren einen Auszug aus seinem Vortrag.

Mann der deutlichen Worte: Josef Kraus, 30 Jahre lang Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Lehrerverband

Mann der deutlichen Worte: Josef Kraus, 30 Jahre lang Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Lehrerverband

Von Josef Kraus

Die Spaß-, Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik tut – paradoxerweise reichlich angestrengt – so, als ob Schule immer nur cool sein müsse, damit sich Kinder doch ja nicht langweilten. Kindgemäßheit nennt sich so etwas. Man könnte es auch Infantilisierung über den Kindergarten hinaus nennen.

Mit am meisten zugeschlagen hat diese Art von Erziehung im Bereich der sprachlichen Bildung: …Sprachbarbarei ist daraus geworden:

–       Klassiker in leichter Sprache,

–       Teile der Rechtschreibreform,

–       Grundschüler dürfen gegen jede Orthographieregel „phonetisch“ schreiben (Motto: „Wenn Falsches richtig ist.“),

–       der mutter- und der fremdsprachliche Wort-„Schatz“ wurde drastisch gekürzt (von 1.100 auf 700),

–       ein Auswendiglernen von Gedichten findet fast nicht mehr statt,

–       Deutschprüfungen bestehen im Ankreuzen von Multiple-Choice-Aufgaben oder im Ausfüllen von Lückentexten.

Die Beispiele sind Legion.

„PISA offenbart ein erbärmliches Bildungsverständnis“: Teil zwei der Bilanz von Josef Kraus (gepfeffert wie der erste Teil)

Ich setze dagegen:

Bildung geht nur mit Anstrengung, Disziplin, Sorgfalt, Durchhaltevermögen, Selbstkritik, Wissensdurst. Die um sich greifende Gute-Laune-Pädagogik schadet unseren Kindern. Wir müssen Kindern wieder mehr zutrauen und auch mehr zumuten.

Dass pseudopädagogische Erleichterungsattitüden falsch sind, wussten Generationen von Eltern und Lehrern seit der Antike. Selbst ein Sigmund Freud, der bekanntermaßen vieles auf das Luststreben des Menschen zurückführte, war überzeugt: Leistung und Erfolg, ja das Erleben von Glück, setzen Bedürfnis- und Triebaufschub voraus.

Einer der großen Schriftsteller der Weltliteratur und einer der größten Analytiker menschlicher Psyche, Fjodor Michailowitsch Dostojewskij, schrieb dazu: „Die ganze Pädagogik kennt jetzt nur noch die Sorge um die Erleichterung. Erleichterung ist aber keineswegs eine Förderung der Entwicklung, sondern im Gegenteil ein Verleiten zu Oberflächlichkeit.“

Moderne Pädagogik tut genau dies: Sie erzieht zur Oberflächlichkeit. Wenn etwas schwierig erscheint, dann denkt Pädagogik nicht darüber nach, wie man den Kindern das Schwierige beibringen könnte, sondern sie senkt die Ansprüche – anstatt eine Portion Durchhaltevermögen, Sitzfleiß und Dickschädeligkeit auch in Sachen Lernen zu fördern.

Trotzdem wurden Trieb-. und Bedürfnisaufschub, Leistung und Anstrengung vor allem von einer 68er-geprägten Pädagogik zu Missgunst-Vokabeln. Da ist im Zusammenhang mit Schule immer noch die Rede von „Leistungsstress“, „Leistungsdruck“, „Leistungsterror“.

Wer Leistung aber zur Missgunst-Vokabel macht, versündigt sich an der Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft. Denn wer das Leistungsprinzip bereits in der Schule untergräbt, setzt eines der revolutionärsten demokratischen Prinzipien außer Kraft. In unfreien Gesellschaften sind Geldbeutel, Geburtsadel, Gesinnung, Geschlecht Kriterien zur Positionierung eines Menschen. Freie Gesellschaften haben an deren Stelle das Kriterium Leistung vor Erfolg und Aufstieg gesetzt. Das ist die große Chance zur Emanzipation für jeden einzelnen.

Jeder soll seines Glückes Schmied sein können. Mit Ellenbogengesellschaft hat das nichts zu tun. Vielmehr ist auch der Sozialstaat zugunsten Benachteiligter, Kranker und Alter nur realisierbar mit der millionenfachen Leistung und Anstrengung der Leistungsfähigen. Auch Sozialstaatlichkeit ist nur mit dem Leistungsprinzip machbar.

Auch im internationalen, im globalen Wettbewerb geht es nicht ohne Leistung. Wir sollten ansonsten auch froh sein, wenn wir leistungshungrige junge Spitzenleute für zukünftige Eliten haben.

Denn: Demokratie darf nicht zum Diktat des Durchschnitts werden. Eine zur Gleichheit verurteilte Gesellschaft wäre zur Stagnation verurteilt. Wer Elite legitimerweise sein kann, darüber gilt es zu streiten. Bloße Macht-Elite oder blanker Geldadel kann es nicht sein. Eine Leistungs- und Funktionselite muss es sein, die zugleich Reflexions-, Vorbild-, Verantwortungs- und Werte-Elite ist. Vor einem solchen Hintergrund ist selbst Ungleichheit gerecht – nämlich dann, wenn Elite allen nützt, wenn das Handeln von Eliten quasi zu einem „inequality surplus“, zu einem Mehrwert führt. Das Bildungswesen muss dazu einen Beitrag leisten, indem es Talente entdeckt und fördert.

Philologen-Chef Heinz-Peter Meidinger löst nach 30 Jahren Josef Kraus als Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes ab – was das bedeutet

 

63 Kommentare

  1. ZITAT: “Deutschprüfungen bestehen im Ankreuzen von Multiple-Choice-Aufgaben oder im Ausfüllen von Lückentexten.”

    Das ist ja ein Witz (falls das stimmt und nicht maßlos übertrieben ist).

  2. ZITAT: “Das ist Legion.”

    Was bedeutet das?

  3. ZITAT 1: “Bildung geht nur mit Anstrengung, Disziplin, Sorgfalt, Durchhaltevermögen, Selbstkritik, Wissensdurst. Die um sich greifende Gute-Laune-Pädagogik schadet unseren Kindern. Wir müssen Kindern wieder mehr zutrauen und auch mehr zumuten.”

    ZITAT 2: “Moderne Pädagogik tut genau dies: Sie erzieht zur Oberflächlichkeit. Wenn etwas schwierig erscheint, dann denkt Pädagogik nicht darüber nach, wie man den Kindern das Schwierige beibringen könnte, sondern sie senkt die Ansprüche – anstatt eine Portion Durchhaltevermögen, Sitzfleiß und Dickschädeligkeit auch in Sachen Lernen zu fördern.”

    Volle Zustimmung, Herr Kraus. Schade, dass Sie gegangen sind und uns nicht weiter untersützen gegen Hubschraubereltern, Drohneneltern, Beißmütter und die ganze Kuschelmuschelpädagogik. 🙂

    Kann man auch in den Lehrerverband direkt eintreten? Ist doch nur ein Dachverband, oder?

  4. Meine Rede.

    Es stimmt allerdings nicht, dass ausschließlich Unterrichtsinhalte gestrichen wurden. Es kamen auch neue Unterrichtsinhalte dazu. Diese sind aber in der Menge weniger und nahezu ausnahmslos auf einem wesentlich geringeren Niveau als die gestrichenen Inhalte.

    Der Mathematik-GK war zu meiner Abiturzeit anspruchsvoller als der heutige LK (NRW).
    Ich habe mal in einem DDR-Buch Realschuläquivalent Klasse 10, Ende der 1970er Jahre, geblättert. Etliche der Inhalte werden heutzutage keinem LK in der Oberstufe mehr zugetraut.

    Bei den Fremdsprachen fallen mir konkret die zweisprachigen Wörterbücher ein. Einige Schulen lassen sogar elektronische Wörterbücher zu.

  5. Axel von Lintig

    Es ist eine sehr detaillierte und zutreffende Schilderung der Veränderungen in den Schulen seit den 80 er Jahren und sie deckt sich mit unseren Beobachtungen.
    Vergessen wurde allerdings die unterlassene Hilfeleistung beim unkritischen Einsatz von Anlaut-Tabellen im eigen initiativen Schriftspracherwerb ohne eine direkte Instruktion durch die Lehrerinnen und Lehrer im Anfangsunterricht.

    • Axel von Lintig

      Hinzugefügt werden müsste noch zu den Gründen des Niedergangs im Schriftsprach- und Leseerwerb die direkte Verknüpfung von Lesen und Schreiben im Erlernen des Lesens.
      Auch hier sollen die Schüler ohne automatisierende Einübungen sich das Lesen weitgehend selbstständig aneignen, wobei die Schüler weitgehend im Zustand des Dechiffrieren mit dem Arbeitsgedächtnis verharren und die Texte in der Folge einer unzureichenden Automatisierung nicht mehr erfassen können.
      Geeignete Lehrwerke, wie das Intra-Akt-Plus-Konzept und der Kieler Leseaufbau werden den Schülern vorenthalten.
      Man stützt sich bei diesen Methoden des eigen initiativen und Schüler gesteuerten Lese- und Schriftspracherwerb auf ein theoretisches , vier gliedriges Konstrukt des Schriftspracherwerbs. Dieses bringt den Schüler in keiner Weise weiter.Es wird so getan, als wäre das Ganze ein fließender Übergang, dabei entwickeln die Schüler, je nach Förderung, gleichzeitig verschiedene Strategien des Schriftspracherwerb.

      • Axel von Lintig

        Will meinen, sie wenden die Methode Lautierung an in Verbindung mit Wortverlängerungen zur Aufösung des Problemes der Entlauthärtung und wenden das Wortstammprinzip an.
        Das kann man alles einüben. Da ist jeder Schüler unterschiedlich weit in seiner Entwicklung.

    • Ja, ein “interessanter Standpunkt”.
      Wann haben Sie oder der Autor des Artikels wohl zuletzt einen IQ-Test durchgeführt oder eine Auswertungsübersicht gelesen und zur Einschätzung eines Schülers herangezogen?
      Wissen Sie, welche Parameter darin erfragt werden und zur Einschätzung des IQ genutzt werden?

      In welcher Altersstufe sollten SuS denn eingestuft werden?
      http://www.sueddeutsche.de/wissen/entwicklung-von-jugendlichen-iq-kann-sich-in-der-pubertaet-noch-aendern-1.1169035

      • Es stimmt, dass der IQ eine nur begrenzte Aussagekraft hat. Wenn jedoch jedes Kind mit im Prinzip dem gleichen IQ-Test getestet wird, dürfte sich die Fehlerhäufigkeit in Grenzen halten. Außerdem ist die Bevölkerung darauf sozialisiert, was Proteste ebenfalls in engen Grenzen halten dürfte. Man muss jedoch hoffen, dass das schweizer Schulsystem so offen ist, dass Fehleinschätzungen korrigiert werden können.

        • “Es stimmt, dass der IQ eine nur begrenzte Aussagekraft hat. Wenn jedoch jedes Kind mit im Prinzip dem gleichen IQ-Test getestet wird, dürfte sich die Fehlerhäufigkeit in Grenzen halten.”
          Zum einen herrscht wohl eine freie Wahl vor, zum anderen ist der gemessene IQ-Wert ein Durchschnitt, der einen groben Anhaltspunkt gibt, aber einer genauen Betrachtung bedarf:
          Hat das Kind die schwachen Werte in einem besonderen Bereich, z.B. visuell? Sind die Werte durch eine akustische Schwäche oder eine Merkschwäche zu erklären? Ist der IQ-Wert deutlich negativ durch mangelnde Anstrengung, Aufmerksamkeit und Motivation? Ich habe 3 Kinder dabei im Sinn, alle sind in meiner Klasse, alle haben einen annähernd gleichen (schwachen) IQ-Wert und doch sind ihre Leistungen, ihr Leistungsvermögen und ihr Lernen grundverschieden.

          Obwohl die Kinder einen ähnlichen IQ-Wert erreichen, muss die Förderung auf die Teilleistungen abgestimmt werden. Je nachdem, in welchem Bereich die Schwächen liegen und wie gut darin eine Förderung greifen kann, kann auch der IQ-Wert nach wenigen Jahren anders ausfallen, ohne gezielt die dort gestellten Aufgaben zu üben.

          • Und wenn Herr Kraus meint: “Moderne Pädagogik tut genau dies: Sie erzieht zur Oberflächlichkeit. Wenn etwas schwierig erscheint, dann denkt Pädagogik nicht darüber nach, wie man den Kindern das Schwierige beibringen könnte, sondern sie senkt die Ansprüche – anstatt eine Portion Durchhaltevermögen, Sitzfleiß und Dickschädeligkeit auch in Sachen Lernen zu fördern.”

            … halte ich dagegen, dass Pädagogik heute nicht alle über einen Kamm schert, sondern den Kindern durchaus Druchhaltevermögen abverlangt und Leistung einfordert. Auch bei Kindern, deren IQ schon in frühen Schuljahren schwach getestet wird, muss das Lernen gefördert werden.

            Dabei gibt es SuS, die einfach nicht besser lernen können, weil ihnen wichtige Fähigkeiten fehlen, die sie sehr mühsam trainieren müssen um sie zu verbessern.
            Und es gibt SuS, die schon vorab so wenig Anreize bekommen und viel zu wenig erzogen sind, dass sie das Lernen an sich gar nicht gelernt haben und sehr mühsam eine Lernfähigkeit trainieren müssen.

          • Ihr Einwand bezieht sich auch auf das ansehen der schule. In Deutschland ist es schlecht, lernen wollen gilt als uncool. Nach dem Zeitungsartikel ist das in der Schweiz vollkommen anders. Wer eine Chance auf das Gymnasium haben möchte, muss ackern. Auf dem Gymnasium selbst sowieso. 20% abitur im vergleich zu 40-50% wie in Deutschland sprechen Bände.

      • Zitat:
        “Studien zeigen, dass der IQ schulischen und beruflichen Erfolg am besten voraussagt – besser als Motivation, Fleiß oder Disziplin.”

        Die im Artikel genannte Elsbeth Stern forscht auf diesem Gebiet. Ich schätze mal, sie kennt sich aus.

        • Axel von Lintig

          Grias Di

          Der IQ ist aber nicht statisch, sondern er ändert sich unter dem Einfluss von systematischer Arbeit,von Fleiß und Disziplin.
          Wie ist es sonst zu erklären, dass die Kinder von asiatischen Einwanderern auf Grund ihrer geringeren Sprachkenntnisse zunächst gegenüber ihren amerikanischen Mitschülern schlechter schulisch abschneiden, am Ende aber bessere Endergebnisse erreichen. Das gelingt überwiegend durch strukturiertes, regelmäßiges Arbeiten.

          • Je älter die Menschen werden, desto stärker wird ihr Erfolg vom IQ geprägt. Kann im frühen Kindesalter ein mäßiger IQ noch durch gezielte Förderung angehoben werden, so werden diese Effekte je höher das Alter immer geringer. So sagt zumindest die Forschung.

  6. Axel von Lintig

    Palim

    Da stimme ich Ihnen voll zu.

    • Danke.

      Übrigens glaube ich außerdem, dass sich “Gute-Laune-Pädagogik” – verstanden als Gute Laune –
      und Zutrauen, Zumuten und Anerkennen überhaupt nicht ausschließen.

      Vielmehr unterstützt eine gute Lernkultur die Leistung eines jeden Kindes, des Hochbegabten wie des Beeinträchtigten und auch des “Normalen” (was auch immer das ist) und fordert alle auf ihre Weise heraus und unterstützt bzw. fördert sie.
      Dieses Ideal wäre mit besseren Ressourcen leichter umzusetzen, käme schon in der Grundschule vielen Kindern zu Gute und würde sie in ihren Fähigkeiten unterstützen.

      • Axel von Lintig

        Palim

        Genau, denn lernen mit Angst hemmt die Kreativität,den Lernzuwachs und die Selbstständigkeit der Schüler. Die Schüler sollten wir auch in den ersten zwei Schuljahren möglichst dabei unterstützen, um zu einem eigenständigen Arbeiten zu kommen und wir sollten sie dazu ermuntern ihre Kreativität in der Schrift, dem Lesen und Rechnen zu entfalten.

        • Mir ist diese Darstellung zu einseitig, denn Angst kann auch Antriebsmotor sein.
          Ich begann z.B. erst meine Faulheit zu überwinden, als mir das Sitzenbleiben drohte und ich Angst bekam. Vorher konnte ich mich kaum dazu zwingen, auch mal was für die Schule zu tun.
          Immer nur die Freude, Lust und Kreativität (was immer jeder darunter versteht) zu betonen, kommt mir etwas lebensfremd vor.

          • Axel von Lintig

            Die moderne Hirnforschung (Hürter, Güntürkün,Spitzer) hat aber ergeben, dass beim Lernen mit Angst die Kreativität zu kurz kommt.
            Sie hemmt die Aufnahmefähigkeit.
            Sie lernen übrigens ihre Umgebung mit (Versuch mit 4 Gruppen von Tauchern unter und über Wasser mit dem Abfragen der Lernergebnisse über und unter Wasser).
            Glauben Sie denn, dass sich Ihr Unterbewusstsein gerne an unangenehme Situationen erinnert? Nein, Ihre Aufnahmebereitschaft sinkt sogar noch ab.
            Natürlich bleiben Extremsituationen , zum Beispiel im Rettungsdienst stark emotional hängen, dafür schleppen Sie dann auch lange emotionalen Ballast mit sich herum.
            Was wichtig ist,das ist der emotionale Aspekt des Lernens.
            Wir alle können besser lernen, wenn wir ein assoziatives Lernerlebniss haben, wenn der Unterricht anregend und unterhaltsam ist.
            Und wenn wir dann noch ein gutes Verhältnis zum Lehrer haben, dann klappt es noch viel besser.Dieser kann auch einen schlechteren Schüler so weit aufbauen, dass er selbst sich steigern kann.
            Die Eigenreflektion des Schülers, was kann ich und was will ich erreichen , ist dann noch wichtig(Alles Ergebnisse der Hattie-Studie).

  7. Milch der frommen Denkungsart

    Die Ursuppe des Übels ist doch, daß man den Leistungsgedanken zuletzt planvoll als vorgeblich elitär, ja gar undemokratisch verteufelt hat, obwohl gesellschaftlicher Aufstieg, der aus eigener Leistung resultiert, das
    primäre Anliegen sowie letztlich eine der Haupterrungenschaften der Aufklärung war.
    Heute wird solch wettbewerbsorientierte Haltung allenfalls noch im Sport als selbstverständlich angesehen,
    da sie sich auf diesem Feld nun einmal nicht durch eine wolkige Gerechtigkeits- oder Gleichheitsrhetorik weg-
    schwadronieren lässt, die schulische Mindestanforderungen per se als sozialdarwinistisches Haifischbecken ver-
    unglimpft.

    • Axel von Lintig

      Richtig, der positive Leistungsgedanke , die Bereitschaft auch an seine eigenen Grenzen zu gehen und dabei dann eine positive Rückmeldung zu erfahren, ist genauso wichtig wie das gute emotionale Verhältnis zum Lehrer. Benotung ist wichtig und sollte nicht als Abstrafung verstanden werden. Jeder von uns wird in seinem beruflichen Umfeld beurteilt und erfährt eine Rückmeldung zu seiner Leistung. Wer diesen Leistungsgedanken vernachlässigt, der schadet unserer Gesellschaft.
      Und natürlich müssen talentierte Schüler entsprechend gefördert und belohnt werden.
      Dazu gehört auch , dass die Lernzielkataloge nicht weiter abgesenkt werden und nicht jeder auf das Gymnasium gehen muss.
      Jeder sollte seinen Fähigkeiten entsprechend gefördert werden.Deshalb halte ich die derzeit praktizierte Sparversion der Inklusion für falsch.Viel zu wenig Lehrer, eine totale Überlastung der Lehrkräfte und eine viel zu große Heterogenität der zusammengewürfelten Lerngruppen mit dem Ergebnis, dass allen im System geschadet wird.

  8. “der positive Leistungsgedanke , die Bereitschaft auch an seine eigenen Grenzen zu gehen und dabei dann eine positive Rückmeldung zu erfahren”

    Ich denke, schulischerseits ist dieser Gedanke nicht „weg“. Er schließt aber eben auch ein, dass jedes der Kinder “an seine eigenen Grenzen” geht: Kinder mit Schwächen oder Beeinträchtigungen genauso wie Kinder mit Begabungen.
    Diese Kinder werden nicht über einen Kamm geschoren, sie leisten nicht alle zur gleichen Zeit dieselben Inhalte. Als Lehrkraft hat man dies im Blick und fordert die Kinder auf unterschiedliche Weise immer wieder heraus.
    Dazu gehören auch Wettbewerbe in Sport, im Vorlesen, in Mathematik, ebenso wie das Trainieren des Lesens bei der Alphabetisierung der Migranten oder der Beschulung der Förderkinder oder Punkte-Vergleiche z.B. beim PC-gestützten üben (Ma-Rechentrainer oder Antolin) … und immer wieder eine positive Rückmeldung, WENN sich das Kind angestrengt und gute Leistungen gezeigt hat.:
    Derjenige, dem das 1×1 zufällt, braucht also kein stetiges Lob, dass er es so gut kann, sondern Aufgaben, die Fähigkeiten einzusetzen oder in anderen Bereichen zu trainieren.
    Derjenige, dem das 1×1 nicht zufällt, braucht Übung, Ansporn oder auch ein deutliches Einfordern.
    Demjenigen, dem das Lesen nicht so leicht gelingt, stecken wir erreichbare Ziele bei Antolin – auch wenn das Erreichen mit einiger Mühe verbunden ist.
    Demjenigen, dem das Lesen leicht fällt, stecken wir ganz andere Ziele.
    Dadurch kommt es, dass in meiner Klasse allein unter den Kindern ohne Förderbedarf manche 10mal so viele Punkte bei den PC-Programmen haben, als andere – so viel zur Heterogenität und zur Differenzierung.
    Innerhalb einer Klasse eine Lernkultur zu pflegen, ist auch Aufgabe und Arbeit. Zu erwarten, dass Lernen und Leistungsbereitschaft vom Himmel fällt, ist eine Haltung, mit der man sich als Lehrkraft am Ende auch selbst schadet. Man kann inzwischen nicht mehr davon ausgehen, dass diese Lernkultur von zu Hause mitgegeben wird und m.E. muss man den Unterricht entsprechend anpassen, damit Kinder die notwendige Anleitung und Förderung erhalten (Lernen lernen).

    Dass Kinder sich mit dem Ersten und Einfachsten zufrieden geben, beobachte ich auch, und bin mir nicht sicher, ob das früher auch so war.
    Es ist schon so, dass in Deutschland jemand der gut oder gerne lernt, häufig eher verschrien als gelobt und gefördert wird. Kindern und Eltern mit Begabungen schlägt eher Misstrauen entgegen als Anerkennung. Da würde ich mir ein Umdenken wünschen, was aber gesellschaftlich angelegt werden muss: Mehr Anerkennung für besondere Leistungen, wobei dies ja nicht auf kognitive Ziele begrenzt sein muss.

    • Genau, und gerade das, was du schreibst, Palim, geht in die Richtung, in die die moderne Pädagogik zwangsläufig gehen muss. Wir können keine eintrainierten Fähigkeit wie Fleiß, Durchhaltevermögen oder unter dem neueren Begriff: “Arbeitshaltung” zusammengefasst von den Elternhäusern erwarten.
      Die aktuellen Lehrpläne mussten zwangsläufig Themen wie Selbstreflexion und Lernen lernen aufnehmen (Lernen lernen ist eine große Chance, effektiv zu lernen), weil eben die einfachen “Tugenden”, wie man sie früher nannte, nicht mehr da sind. Nicht, dass sie die Lehrer das nicht gerne hätten (mir wäre es auch lieber, ich könnte wie “früher” einfach den Stoff vermitteln), sondern es musste ein Weg gefunden werden, um Schülern Grundlagen, die man braucht um im Lernen weiterzukommen, nahezubringen. Viele mögen diese Kompetenzorientierung ablehnen, doch sie ist notwendig, um den erzieherischen Beitrag für die heutige Schülergeneration zu leisten.
      Zum zweiten finde ich den Beitrag von Axel von Lintig vom 23.5. 10:07 wichtig, der die Ergebnisse von Gehirnforschern – untermauert von der Hattie- Studie – aufgezeigt hat. Lernen und Motivation kann positiv und “gesund” nur in einem positiven Umfeld geschehen, einerseits durch den Lehrer und andererseits durch eine anregende Lernumgebung. Die Lernmgebungen sollten schon einen Qualitätsstandard haben. Das hat nichts mit Bespaßung zu tun. Wenn man etwas Praktisches macht, heißt das noch lange nicht, dass man die Schüler bespaßt, aber sie haben Spaß und sind eher motiviert. Beispiel Sachunterricht: Man hat schon immer Sachunterricht Schüler beobachten und auch einmal experimentieren lassen. Doch jetzt wird das noch mehr vom Lehrplan unterstützt und eingefordert; die Schüler arbeiten nun methodisch “wissenschaftlicher”, indem sie vermuten, beobachten, aufschreiben und Schlussfolgerungen ziehen. Oder ein Beispiel aus der Mathematik: Bei der schriftlichen Addition/Subtraktion wird nicht nur die einfache Addition oder Subtraktion geübt, sondern es müssen anschließend aus einem Zahlenpool Aufgaben gefunden werden, deren Ergebnisse zwischen 400 und 500 liegen, usw. Solche Aufgabenstellungen schulen den Blick und das Gefühl für Zahlen. Solche Aufgaben gab es in “alten Mathematikbüchern” nicht. Diese Beispiele ließen sich fortsetzen. Ich gehe jetzt von meinen Erfahrungen aus.

      • Axel von Lintig

        Wir mussten diese Kompetenz das Lernen zu lernen bereits im Gymnasium ab der fünften Klasse lernen.Da ist es allerdings sehr hilfreich für den Schüler, wenn die Eltern die Kinder dabei unterstützen. Das kann man aber nicht von jedem Elternteil erwarten, weil diese sich für die Schule nicht interessieren, diese Ansprüche nicht an die Kinder stellen oder auch gar nicht die Fähigkeiten dazu mitbringen, diese zu vermitteln.
        Schließlich kann die Überforderung der Schüler in der übertriebenen Eigenarbeit auch zur Schulverweigerung(siehe Bericht aus Thüringen) führen.
        Zuerst müssen die Schüler aber das geeignete Rüstzeug zum eigenständigen Lernen erarbeiten und da kann nicht akzeptiert werden, dass bis zum Erreichen der neunten Klasse die Orthographie und automatisiertes Lesen vermittelt werden, wie es die Vertreter vom Grundschulverband , siehe Frau Vorst von der Universität Schwäbisch-Gmünd, fordern.
        Ich wiederhole mich eigentlich nicht gerne.Es wird deshalb auch zu deutlichen Veränderungen in der Grundschulpädagogik kommen müssen. Es geht nicht an, dass unverändert derart wenig zielorientiert mit Selbstlernprogrammen nach Sommer-Stumpenhorst( Der Teufel ist böse) ein zielorientierter Unterricht verhindert wird.
        Das kann man den weiterführenden Schulen nicht anhängen und es ist auch mit ein Grund, warum die Schüler in den weiterführenden Schulen derartige Probleme haben, da ihnen das nötige Rüstzeug in Teilen der Grundschulen nicht ausreichend vermittelt wurde.

        • Sie sollten ergänzen: “Grundschulpädagogik in ……..” , also das Bundesland oder Gebiet erwähnen, weil das, was Sie schreiben, z.B. für Bayern nicht relevant ist.

        • Dann müssen Sie aber in den Grundschulen Muttersprachler von den Kindern mit andere Muttersprache als deutsch trennen. Ihre Erfahrungen beziehen sich lediglich auf die Vermittlung von Inhalten des Faches Deutsch an Muttersprachler. Ihnen schein nicht bewusst, dass Deutsch an Schulen lediglich grundlegende Kenntnisse der Unterrichtssprache an alle vermitteln soll, damit sie die Arbeitsaufträge im Unterricht sowie Aufgabenstellung sprachlich nachvollziehen können. Über 40% der Schülerschaft haben keinen muttersprachlichen Hintergrund, bei denen wird zuhause in einer anderen Verkehrssprache als Deutsch kommuniziert. Bezogen auf bestimmte Schulformen kann der Prozentsatz der Nicht-Muttersprachler im deutschunterricht auf über 90 anschnellen.

          Für viele Schüler ist deutsch also eine fremdsprache. – Und die lernt man am besten nach Gehör durch phonetische nachahmung.

        • “Wir mussten diese Kompetenz das Lernen zu lernen bereits im Gymnasium ab der fünften Klasse lernen.Da ist es allerdings sehr hilfreich für den Schüler, wenn die Eltern die Kinder dabei unterstützen. Das kann man aber nicht von jedem Elternteil erwarten, weil diese sich für die Schule nicht interessieren, diese Ansprüche nicht an die Kinder stellen oder auch gar nicht die Fähigkeiten dazu mitbringen, diese zu vermitteln.”

          Ja, das trifft es.
          Unterricht stellt sich darauf um und ein, dass Kindern nicht von den Eltern geholfen werden kann.

          Mein persönliches Beispiel sind Referate. Diese sind bei uns (nds.) im Curriculum für Klasse 3+4 enthalten, z.T. als Schülerbeitrag/Präsentation verpflichtend zur Notenerhebung vorgegeben.
          Sie sind sicherlich nicht so umfassend, wie das, was man in der Sek.I. erwartet, dennoch wird in Fächern – meist Sachunterricht – ein Referat oder eigener Beitrag erarbeitet.

          Natürlich kann man das Thema verteilen und erwarten, dass die Kinder die Referate zu Hause erstellen. Dann ist aber auch klar, dass viele Eltern dies für ihre Kinder übernehmen: wikipedia kopieren, Bilder ausdrucken, Zeichnungen anfertigen + anmalen, alles säuberlich aufkleben, gerne auch noch Anschauungsobjekte finanzieren und kaufen.
          Das Erstellen von Referaten im Rahmen des Unterrichts in einer 3. oder 4. Klasse ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, da SuS die dafür notwendigen Vorgehensweisen erst vermittelt und die SuS immer wieder darauf fokussiert werden müssen.
          Dieses Beispiel ist stellvertretend für viele andere Inhalte und Fähigkeiten: Natürlich ist es gut, wenn Eltern helfen können und mit ihren Kindern üben, wobei sie nicht die Hausaufgaben ihrer Kinder erledigen sollen.
          Immer aber ist es ein Abwägen, was zu Hause erreicht werden soll und kann und was in der Schule geleistet werden muss.

          • Mappenführung doch nicht anders. Alles das sind Kompetenzen, die zeitaufwendig mit Schülern der 5. und 6. Klassen trainiert werden müssen. Klar sind Kinder im Vorteil, wenn die Eltern daheim sie unterstützen. Das ist nicht anders als bei den Referaten.

            Für die “früher war alles besser (TM)-Fraktion: Wie hat man eigentlich zu Zeiten der schiefertafeln, die unterrichtsergebnisse dauerhaft, für Eltern nachvollziehbar und vor allem hinsicht lich der benotung justiziabel dokumentiert bzw. abgelegt?

          • Ja, Mappenführung, auch ein gutes Beispiel.

            Übrigens finde ich die Aussage, dass man das “Lernen lernen” erst ab Klasse 5 üben würde, falsch.
            Schon in Klasse 1 LERNEN Kinder und man übt mit ihnen Herangehensweisen und Methoden.

            Dies ist in den letzten Jahren erheblich verstärkt worden, wobei es auch darum ging, den Kindern die Prozesse bewusster zu zeigen, auf der Meta-Ebene zu besprechen (in Kl. 1 mit nicht schulreifen Kindern schwierig umzusetzen), Rückmeldungen zu geben oder auch Selbsteinschätzungen der Kinder einzufordern.
            Wenn man in Kl. 1 kleinschrittig damit beginnt, hat man in Kl. 3 erheblich mehr Möglichkeiten und selbstständigere SuS (Arbeitsorganisation, zeichnen, beschriften, Tabellen anlegen, Heftführung, Zeitmanagement …)

          • Stimmt. Lernen lernen ist bei uns in fast allen Fächern im Lehrplan integriert

          • @dickebank: Ich vermute mal, dass zu Zeiten der Schiefertafel der Lehrer als derart autoritär angesehen wurde, dass niemand auch nur im Ansatz darüber nachdachte, justiziabel gegen irgendwelche Noten bzw. Entscheidungen vorzugehen.

            @Palim: Das Problem am “Lernen lernen” an der Grundschule ist, dass die meisten echten Gymnasiasten, also etwa die bessere Hälfte der Kinder, die dort angemeldet werden, der Stoff ohne nur ansatzweise etwas dafür zu lernen zugeflogen kommt. Sie brauchen also nicht zu lernen geschweige denn das Lernen zu lernen. Das rächt sich leider spätestens ab Klasse 7 oder 8, wo das Niveau massiv anzieht und die Kinder merken, dass sie doch nicht so besonders sind. Die Pubertät macht die Sache nicht besser. An den Gesamtschulen kann sich diese Erkenntnis bis zur Einführungsphase verzögern, weil klevere Gesamtschüler ohne zu Lernen die ZAP mit Quali bestehen können.

          • Das passiert, wenn alle zur gleichen Zeit die gleichen Anforderungen gestellt bekommen:
            Wärhend die einen nicht folgen können und aufgeben, haben die anderen Langeweile – und geben auch auf oder beschäftigen sich anderweitig oder langweilen sich “brav”.

            Anders ist es, wenn man eine hohe Differenzierung umsetzt und auch “der besseren Hälfe” Herausforderungen bietet oder Aufgaben stellt, in denen sie sehr wohl gefordert sind, weil die Anforderungen höher sind oder aus Bereichen kommen, die ihnen nicht liegen bzw. zufliegen.
            Gerade dann zeigt sich auch, wer in der Lage ist, Aufgaben zu bewältigen, die nicht im Interessengebiet liegen, oder wer bereit ist, auch zu/extem schwierigen Anforderungen am Ball zu bleiben und sein Möglichstes zu versuchen.

          • Der entdeckende (versus nachvollziehende) Unterricht wirkt ebenso der Aufgabenlangweile entgegen. Da kann jeder die Aufgaben nach seinem Verständnisniveau bearbeiten, hinterher wird ein Resümee gezogen, die Besseren können ihre Vorstellungen mit einbringen, die sich auf einer einfacheren Niveaustufe bewegen, lernen dazu. Wenn die Aufgabenstellung gut ist, muss man gar nicht so viel durch zusätzliches Angebot diffenzieren, sondern die Aufgabenstellung differenziert automatisch. Ganz gute Ideen aus dem Bereich der Mathematik kommen aus der SINUS – Programm – Ecke.

  9. Axel von Lintig

    Statt der Vermittlung von selbst erarbeiteten Kompetenzen der Schüler, sollte der Unterricht wieder verstärkt auf ein nachhaltiges Erlernen ausgerichtet sein. Dies gelingt am ehesten durch wiederholende Übungen ähnlicher Inhalte, verstärkt durch den positiv emotionalen Bezug zum Lehrer.
    Diese Vertiefung des Wissens bewirkt auf neuronaler Ebene Umstrukturierungen der synaptische Verbindungen, welche einen schnelleren Zugang zum Erlernten bewirken. Neuronale Abläufe gelingen schneller,das Geflecht an neuronalen Verbindungen nimmt zu, wird ständig umstrukturiert und das Wissen nachhaltiger in unserem Gedächtnis verankert.
    Und diese Art zu lernen begleitete unsere Menschheitsgeschichte seit der Antike. Dabei handelt es sich nicht um ein stumpfes Wiederholen vom Selben, sondern der Inhalt wird unterschiedlich aufgearbeitet, an Vorwissen wird angeknüpft und dadurch das Wissen mit dem neuen verbunden.
    Die 68 er Reformpädagogen waren geprägt vom autoritären, von Gewalt geprägten Unterrichtsstil unserer Vorfahren geprägt und nahmen nicht wahr, dass beides, wiederholendes Lernen und Schlagen etc. nicht zwangsläufig zusammengehört. Also wurde alles über Bord geworfen und einfach alles anders gemacht.

    Kreiert wurde der eigen initiative, selbst erforschende und Schüler gesteuerte , Material zentrierte Unterricht mit einer nur geringen spürbaren Lehrer Beteiligung für den einzelnen Schüler.
    Wer arbeitet sich schon gerne bereits in der Grundschule wie ein Bücherwurm durch endlose Blattsammlungen von Material ohne eine emotionale Einflussnahme des Lehrers und der Mitschüler.
    Diese 68 er Pädagogik des eigenständigen und eigen initiativen “Unterricht” ist ein Auslaufmodell und die Ergebnisse werden zunehmend sichtbar.Hinzu kommt dann noch diese unheilvolle Durchmischung aller möglicher Schülergruppen, welche die Lehrer vor unlösbaren Aufgaben stellen.
    Alles unterliegt dem Diktat des Sparen. Ohne die notwendigen personellen Verstärkungen kann dies Art von Unterricht sowieso nicht gelingen.Das hat inzwischen eigentlich jeder gemerkt, sogar Teile der politischen Entscheidungsträger.
    Und da ist ein Zurück ins Bekannte besser als ein ständiges Weiter so ins Ungewisse.

    • Axel von Lintig

      Hinzu kam bei diesen ideologisch denkenden “Reformern” die Idee , durch diesen eigen initiativen,entdeckenden und scheinbar Schüler gesteuerten Unterricht, letztere zu demokratisch denkenden Menschen zu erziehen.
      Was diese “Reformer” erreicht haben ist eine gesellschaftliche Abwärtsspirale in der Vermittlung von Allgemeinwissen, im schriftlichen Ausdruck, Syntax,Orthographie und im Erfassen von Textinhalten der Schüler.

      Die unzureichende Hilfestellung bei Kindern von Migranten, von Kindern aus einem an Sprache armen häuslichen Umfeld und Kindern mit auditiven Wahrnehmungsstörungen unterschiedlichster Genese , macht diese Pädagogik der unterlassenen Hilfeleistung zu einem reaktionären Modell, welches nur noch den Kindern aus dem Bildungsbürger eine Chance zum sozialen Aufstieg ermöglicht.
      Sicherlich kommen die Kinder des Bildungsbürgertum mit dieser neuen Pädagogik besser klar , da sie von zu Hause sehr viel mehr Unterstützung erhalten und sicherlich auch deutlich bessere kognitive Voraussetzungen mitbringen als die Kinder mit schlechteren häuslichen Rahmenbedingungen.

      • Axel von Lintig

        dickebank

        Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Industrie die Reformpädagogik eines Herrn von Hentig, eines Herrn Brügelmann, Barnitzki oder Reichen eingefordert hätte.
        Dieser Klaumauk wurde doch schon vorher implementiert und wird hier in Münster und Umgebung weiter mit unbeirrbarer Überzeugung weiter betrieben.Und genauso läuft das auch am linken Niederrhein ab.

        • Nee, sie wurde aber von der unsäglichen B.Stiftung entsprechend propagiert.
          Und dass die Industrie von der Idee des longlife-learning abgerückt wäre, ist vermutlich nicht nur mir entgangen? Das Kompetenzgewürge ist ein zu eins übernommen worden. – Und es ist nicht in didaktischen Elfenbeintürmen entwickelt worden.

          Seit R. Berger und andere Beratungsfirmen den Bereich Schule für sich als Tätigkeitsfeld entdeckt haben, ist nicht vieles besser geworden.

          Eine Frage, was ist für Sie der rechte Niederrhein?

          Sie kommen mir wie einer der nach einer Motivationsveranstaltung einers Unternehmerverbandes Erleuchteten vor, der wie andere die Aufgabe hat, die Höhe des Fahnenmastes vor dem Tagungshotel zu ermitteln. Nach unzählicgen Versuchen iherrseits den Fahnenmast zu erklimmen und die Höhe zu bestimmen, machen sie sich über andere lustig, die so clever waren, den Fahnenmast vom Hausmeister umlegen zu lassen und so die Länge zu bestimmen. Ihr einziger Kommentar ist dann: “Wie blöd sind denn die? Die sollen doch die Höhe und nicht die Länge bestimmen.”

          oder kurz und knapp, Ihre eigenen Erfahrungen beim Unetrrichten ihrer Tochter in allen Ehren, Aber diese Bemühungen, die Tochter individuell zu fördern, nach eigenen Methoden und Wegen zu suchen und die dabei gemachten Erfahrungen gehen mir tangential an der Gesäßfläche vorbei, da ich mich unterrichtstäglich auf eine Schar von 20 bis 32 SuS stundenweise wechselnden Recipienten verschiedener Altersgruppen und unterschiedlicher Lernvoraussetzungen in mehreren Fächern einlassen muss und dabei feststellen konnte, dass es die allein seligmachende Unterrichtsmethode nicht gibt. Selbst das, was in der einen Unterrichtsgruppe hervorragend funktioniert hat, kann bei einer parallelen Lerngruppe gnadenlos scheitern.

          Wer nicht in den öffentlichen Dienst eintreten möchte, kann getrost auf Ortographie verzichten. Die rechtschreibkenntnisse älterer Semester, die in der Nachkriegsära zu Schule gingen, sind auch nicht besser. Von deren Fremdsprachenkenntnissen erst einmal ganz zu schweigen.

          • Axel von Lintig

            Oh doch das sind diese.
            Anscheinend haben Sie nicht erfasst, worauf sich meine Kritik stützt, nämlich die Weigerung eines Teils ihrer Grundschulkollegen gezielt in den Schriftspracherwerb einzugreifen. Und da hat ein großer Teil der Bevölkerung etwas dagegen, dass es so weiter läuft wie bisher.
            Es kann und darf nicht sein, dass wir diesen Mist durch teure Nachhilfe ausbügeln dürfen.
            Ich pfeife auf dieses eigen initiative, lautgetreue Geschreibe in der Grundschule und es stehen massive wirtschaftliche, ideologische Interessen und das Ansehen dieser Leute auf dem Spiel.
            Wir haben ein Recht auf valide und effektive Lernmethoden und da wird Ihre Lernfreiheit dann auch enden.Der Druck wird weiter steigen, wie in anderen Bereichen der Gesellschaft.

          • “Wir haben ein Recht auf valide und effektive Lernmethoden ”

            aha

            Sie waren es doch, der immer kritisiert, dass es im Bildungsbereich keine validen Studien zu effektiven Methoden gäbe.

            Und nun kommen Sie nicht mit Hattie…

          • Axel von Lintig

            So etwas, wie Methode der Rechtschreibwerkstatt nach Sommer-Stumpenhorst gibt es im anglo-amerikanischen Raum nicht.
            Wo hätte es da eine Untersuchung geben können.

          • Axel von Lintig

            Woraus stützen Sie ihre Behauptung, die Bertelsmann-Stiftung hätte sich für phonetische Methoden beim Schriftspracherwerb eingesetzt.
            Zu Aussagen bezüglich der Rechtschreibleistungen verweise ich auf das Buch von Günther Thomée: ABC und andere Irrtümer über Orthographie,Rechtschreiben,LRS/Legasthenie.
            Es wird Ihnen wohl nicht entgangen sein, dass die Fähigkeiten zu lesen und zu schreiben sich entscheidend auf den schulischen Erfolg und den Werdegang der Schüler auswirken.
            Wir klären dann ihre Schüler über die Ursachen ihres Versagens auf und Sie erklären denen dann, dass das mit der Rechtschreibung uncool und ihre mangelnden Schreibfertigkeiten egal sind.
            Viel Spaß bei den Reaktionen.

          • Axel von Lintig

            Vielleicht gefallen Ihnen sogar die unterirdischen Kommentare dieser intellektuellen Nieteaus den USA, die sich über Twitter an seine Fans wendet, anstatt sich den Fragen der Presse zu stellen.
            Wollen wir auf dieses Niveau abfallen?
            Ich weiß auch nicht welche Maibäume Sie bisher erklommen haben.

          • Axel von Lintig

            gemeint war dickebank
            und der rechte , wie auch der linke Niederrhein dürfte Ihnen bekannt sein.

          • AvL ich habe als werstudent sehr viel sowohl im Bergbau als auch der eisenschaffenden und metallverarbeitenden Industrie in den 80ern gearbeitet. Zu diesen zeiten gab es in den von mir genannten Branchen sogenannte Betriebsschreiberinnen, weiblich Angestellt zumeist mit realschulabschluss, die den “Schreibkram” für die meisterebene erledigten – also Warenbegleitscheine, Tages- und Wochenrapporte etc. ausfüllen.
            Was meinen Sie, warum die Notwendigleit zur Einführung dieser Tätigkeiten als Betriebsschreiberin zu den genanten Zeiten bestanden haben könnte? Also früher war alles besser (TM), ist nicht. Und das die Zementer in BE geistige Riesen mit untadeliger Rechtschreibung wären, lässt sich aus meiner nachbarschaftlichen Sicht nicht erkennen.

          • Axel von Lintig

            dickebank

            Diese Ausführungen haben Sie bereits schon einmal verfasst.
            Ja, es stimmt, selbst Abiturienten werden nach Jahren des Nicht-Lesens und und der Vermeidung von eigenem Schriftverkehr zu funktionellen Analphabeten.
            Das war auch ein interessantes Ergebnis der LEO-Studie. Die sollten Sie und Palim( wieder mal nicht Hattie) kennen.
            Und ihre Beobachtungen decken sich auch mit meinen.
            Um die eigene Lese- und Schreibfähigkeiten zu erhalten, sollte man regelmäßig beidem nachkommen.
            Im übrigen bin ich kein Fetischist der Rechtschreibung, aber es ist schon angenehmer statt Dreiwort-Sätzen anderes zu lesen.
            Im übrigen kenne ich als Duisburger genügend ehemalige Bergleute und Thyssen-Arbeiter die lesen und schreiben können.
            Jetzt wissen Sie auch ab welcher Stelle des Rheines der rechte Niederrhein beginnt.

          • Axel von Lintig

            Dicke Bank

            Das Sie mich hier in meinem Auftreten mit einem Vertreter der Industrie vergleichen ehrt mich.
            Schließlich war es die Generation meines Vaters, die nach dem Krieg als 17 Jährige erst ihr Abitur nachholen durfte, in Clausthal-Zellerfeld als Studenten parallel zum Studium Eisenerz fördern durfte und in den Semesterferien in Peine im Stahlwerk arbeiten musste , um ihr Studium zu finanzieren.
            Und natürlich konnten die schlechter Englisch als meine Generation.
            Aber dafür können wir fließend Englisch und Französisch sprechen und schreiben.

          • Die Beflissenzeit müssen die Bergbaustudenten heute noch ableisten.
            Und um an Kohle zu kommen, hat jeder an der TUC immatrikulierte schon immer in den semesterferien auf’m Pütt. inne Hütte oder im Stahlwerk oder sonst wo malocht. Da haben die sich nicht con den Bergschülern groß unterschieden.
            Und das mit der Aufbauleistung wird immer wieder gerne erzählt. – Aber nach den 1000 Jahren war ja auch nicht mehr viel da und somit musste vieles neu geschaffen werden. Letzteres klappte im materiellen bereich ja auch ganz gut. Alles Andere dann nach 68 …

            PS Ich habe schon häufiger darauf hingewiesen, dass mein nick eine stratigraphische Bezeichnung aus dem ruhrkarbon ist.

    • Was soll denn nachhaltig gelernt werden?

      Wir haben doch die kompetenzorientierten Lehrpläne auf Drängen der Wirtschaftsverbände ausschließlich auf das Erlangen ökonomisch verwertbarer Kompetenzen zusammengestrichen. Auf die Rolle der Schulabgänger als zukünftige “citizen” also wahlberechtigte, kritikfähige und selbstbestimmte Teile der Gesellschaft wird doch inzwischen so gut wie kein Wert mehr gelegt

      Das “Menschenmaterial” aka human resources, das Schulen abgeben, soll “ausbildungsfähig” sein – also für einfache Tätigkeiten mindestens den MSA vorweisen können. Für alles Weitere wird mindestens die Fachhochschulreife verlangt. Selbst Realschulabsolventen, die bei banken oder Sparkassen ausgebildet worden sind, müssen nach Beendigung der Ausbildung vertragsgemäß ihren Fachwirt bestehen, um eine Chance auf dauerhafte Anstellung zu erlangen. Die zeiten, in denen man selbst mit neunjährigem Hauptschulöabschluss Hauptkassierer einer Bank werden konnte, sind vorbei. Und das liegt nicht daran, dass dieHauptschüler schlechter ausgebildet sind als vor 60 Jahren.

      Herr v.L., Sie mögen ja vieles zurecht kritisieren. Nur Sie sollten bedenken, dass viele Veränderungen im Bildungssystem (siehe auch G8) auf Drängen von Lobbygruppen und gegen die begründeten Bedenken von Lehrkräften umgesetzt bzw. vor die Wand gefahren worden sind. Vor lauter Lehrplanimplementierungen, Überarbeitungen schulinterner Curricula und evaluationen gerät nämlich das hauptgeschäft in den Hintergrund.

      Das, was Sie wollen, lehrerzentrierter Unterricht (nicht zu verwechseln mit Frontalunterricht) ist mit der heutigen Schülerschaft nicht mehr möglich. Und solange die individualisierte Gesellschaft sich nicht auf verbindliche Erziehungsziele, die von den Elternhäusern einforderbar erzielt werden müssen, einigen kann, sind Ihre Vorstellungen von Unterricht und erfolgreichem Lernen obsolet.

      Die Schizophrenie der Elternschaft als wesentlichem Partner der Schulfamilie aus Lehrkräften, Eltern und – an weiterführenden Schulen – Schülern ist doch, dass die Eltern nicht die bestmögliche Schulbildung sondern den höchstmöglichen schulabschluss einfordern. – Quasi das Abitur für alle. Stellt sich aber heraus, dass die cognitiven Voraussetzungen fehlen, dann ist die ursache die fehlende individuelle Förderung bzw. die unfähige lehrerschaft – nicht aber das grenzdebile eigene Kind, das die an ihn gestellten Anforderungen auch beim besten Wilen und viel nachhilfe nicht erbringen kann. Hinzukommt noch, dass das eigene Kind natürlich hochbegabt ist und durch die anderen lowperformer nur davon abgehalten wird, das maxximum an Leistung zu erbringen.

      Kurtum – die Eltern haben genau das schulsystem gewählt, dass sie vorgesetzt bekommen. Nur mit den wechselnden Mehrheiten in den landtagen muss jedes Kind auf dem weg bis zum Abitur mit mindestens drei grundlegenden Änderungen der schulrechtlichen bestimmungen leben, wobei nichts aufeinander abgestimmt ist sondern es nur ein “rin in die Kartoffen und raus aus den Kartoffen” gibt. Interessanterweise wird dann den rot-grünen Bildungspolitikern grundsätzlich ideologisches Handeln vorgeworfen, während die genauso diletantischen Bemühungen des gel-schwarzen Lagers als grundsätzlich ideologiefrei verkauft werden. Dabei werden aber auch nur die Label aufrecht erhalten. Das GY heutiger Prominienz ist nichts Anderes als die Gesamtschule aus den Anfängen dieser Schulform in den Siebzigern. Bei den einen ist sie – die Gesamtschule – das rote Tuch und bei den anderen das pädagogische Allheilmittel, das aus den unterschiedlichsten Gründen in den letzten fast 50 Jahren nicht gravierend fortentwickelt worden ist. die GY sind hingegen im Bestreben und auf Drängen der OECD die Akademikerquote in Deutschland deutlich zu erhöhen in Hauptschulen für bildungsnahe Gesellschaftsschichten verkommen, die alles außer Studierfähigkeit vermitteln

      Wenn heute jemand keinen Führerschein hat, wird das als gesellschaftliches/umweltpolitisches Statement angesehn. Wenn jemand nicht zumindest das Fachabitur (gemeint ist die Fachhochschulreife) hat, wir das als medizinische Diagnose (cognitive Teilleistungsfähigkeit) verstanden.

      Wenn Sie ein Zurück propagieren, dann sagen Sie bitte auch zurück wohin. Wollen Sie wirklich die Schulkultir der Nachkriegszeit zurück? Alles andere wäre ja reformpädagogisch – und diereformpädagogischen Ansätze stammen aus der Zeit der Weimarer Republik – angehaucht. Und das, was es in den Sechzigern noch gab, war doch sehr stark umweht von tausenjährigen Erfahrungen und Werten. der Bruch mit diesen Strukturen ist mithin kein Makel der 68er-Generation.

      • Axel von Lintig

        Ihr Kommentar ist gut und erweitert den Blickwinkel auf andere Einflussfaktoren.
        Aber Sie gehen in keinem Punkt auf meine Ausführungen ein.

      • Axel von Lintig

        Deutsch mit der Behandlung der neueren und klassischen Literatur(z.B.der Aufklärung/deutsche Revolution/Weimarer Zeit etc.)
        Mathematik mit praktischen Anwendungen mit Textaufgaben,welche einen praktischen Bezug zum Leben herstellen.
        Physik und Chemie mit praktischen Anwendungen.
        Angewandte englische und französische/italienische/spanische Sprachkenntnisse mit Schüleraustausch und Unterricht im Gastgeberland .
        fundierte Kenntnisse der deutschen Geschichte Völkerwanderung/Kaisertum/Renaissance/Reformation/Aufklärung/Napoleonisches Zeit/Restauration/deutsche Revolution/Reichsgründung/ Kolonialismus/1.Weltkrieg/Weimar und seine wichtigsten Vertreter/2.Weltkrieg/SS-Staat/Widerstand/Befreiung/deutsche Nachkriegsgeschichte/Ost-Westkonflikt/Wiedervereinigung g.g.m.
        Kunst/Geschichte der Kunst/Museumsbesuche ggf.Künstler besuchen
        Musik/Konzertbesuche der Klassen/ Das Ermöglichen zum Erlernen eines oder mehrerer Musikinstrumente(siehe Schweden)

        • Axel von Lintig

          Biologie mit praktischen Exkursionen/in der Grundschule Versuche mit Keimlingen/Pflanzenbestimmungen durch sammeln/beschreiben
          Erdkunde/regionale Erdkunde/Erde/Klima(Veränderungen

  10. Mir sind einige Argumente (aus bayerischer Sicht) zu verallgemeinernd:

    zu: Teile der RECHTSCHREIBREFORM
    Welche Teile sind damit gemeint? Ich selbst finde nur die Zusammen- und Getrenntschreibung komplizierter im Vergleich zu vorher.

    zu: Grundschüler dürfen gegen jede Orthographieregel „PHONETISCH“ schreiben (Motto: „Wenn Falsches richtig ist.“) Dann lesen Sie einmal die bayerischen Lehrplan Herr Kraus! Sowohl der alte und besonders der der neue lassen das nicht zu. Überall steht und stand, dass z.B. selbst geschriebene Geschichten überprüft und überarbeitet werden müssen auch in Bezug auf Rechtschreibung. Der Gebrauch des Wörterbuchs nimmt schon seit ca. 15 Jahren einen hohen Stellenwert in der Grundschule ein. Allerdings hat sich die Sichtweise zum Fehler schon seit dem alten Lehrplan verändert. Ein Fehler ist jetzt nicht mehr etwas absolutes “Schlimmes”, den man stur verbessern muss, sondern ein Fehler wird unter dem Gesichtspunkt betrachtet, was man falsch gedacht/ angewendet hat um nachhaltig daraus zu lernen. Das nannte sich einmal “neue Sichtweise des Fehlers”. Gerade in der Rechtschreibung sieht man in den Fehlern, in welche Richtung man falsch gedacht hat und darüber wird gesprochen um zukünfitg die richtige Denkweise anzubahnen. (Macht man ja auch in anderen Fächern und Bereichen.)
    Zurück zum Ausgangstext: Außerdem gibt es Vergleichsarbeiten, die die Rechtschreibung überprüfen. Die Aussage zur Rechtschreibung ist falsche Vereinfachung, die suggeriert, Schüler dürften schreiben wie sie wollen ohne Reflexion oder Auseinandersetzung. Hier einmal ein Link zu Klasse 1/2 Richtig schreiben:
    http://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/grundschule/1/deutsch

    zu: ein Auswendiglernen von GEDICHTEN findet fast nicht mehr statt
    Das machen wir noch in der Grundschule, zumindest an unserer Schule und benoten diese auch. Das gehört unter “zu anderen sprechen” im Lehrplan und ist dort verortet.

    zu: Reduzierung des GRUNDWORTSCHATZES: Das stimmt, das heißt aber nicht, dass es dabei stehenbleibt. Viele Wörter darüber hinaus werden über Rechtschreibfälle abgeleitet bzw. ergänzt.

    Deutschprüfungen bestehen im Ankreuzen von Multiple-Choice-Aufgaben oder im Ausfüllen von LÜCKENTEXTEN.
    Da wundere ich mich schon. Man fragt ja verschiedene Schwierigkeitsstufen ab. Die Aufgaben sind ganz abwechslungsreich, dass sie die Anforderungsstufen in ihren Anteilen von Reproduktion, Reorganisation, Transfer und problemlösendem Denken erfüllen. Da gibt es Zuordnungsaufgaben, Ankreuzaufgaben, Lückenaufgaben, Markierungsaufgaben, Umformulierungsaufgaben, Formulierungsaufgaben, Schreibaufgaben, Diktieraufgaben…. alles bunt gemixt. Darüber hinaus werden noch die o.g. Anforderungsstufen beachtet.

    Vielleicht hat Josef Kraus alles überzeichnet. Doch ich habe nicht das Gefühl, dass er den aktuellen bayerischen Grundschullehrplan gelesen bzw. sich mit ihm auseinandergesetzt hat.

    • Axel von Lintig

      yspn
      Herr Krauss bezog sich in seinen Äußerungen wahrscheinlich auf Bremen und NRW.

    • Axel von Lintig

      yspn

      Bestehen Deutscharbeiten wirklich im Ausfüllen von Multiple-Choise-Aufgaben ?Das interessiert mich .

      • Nein, es ist ein Aufgabenmix wie ich es oben beschrieben habe. Sie können sich ja einmal Vera Beispiel – Aufgaben ansehen, diese kann man im Internet einsehen. Es gibt ja auch verschiedene Möglichkeiten von Ankreuzaufgaben, z.B. muss man bei Vera ankreuzen, ob eine Aussage stimmt oder nicht, aber man muss auch frei antworten. Aufgaben werden unterschiedlichen Anforderungsstufen zugeordnet, wie oben beschrieben. Frei zu beantwortende Fragen können auch einmal leichter sein als Ankreuz- oder auch mal Zuordnungsaufgaben. Die Aufgabenart sagt nur bedingt etwas über die Schwierigkeit der Aufgabenstellung aus.

      • Letztlich können auch da Lehrkräfte selbst die Aufgaben und Aufgabenformen wählen, die ihnen geeignet erscheinen.
        Meine SuS bekommen Multiple-Choise-Aufgaben lediglich in den Vergleichsarbeiten vorgesetzt und vorab zeige ich ihnen einmal, worin da die Krux liegt: “Kreuze DIE Lösung an/ Kreuze ALLE Lösungen an…”

        Die Aufgabenformate sind erheblich vielfältiger geworden, die Inhalte auch,
        Anforderungsbereiche gab es früher auch, dennoch würde ich sagen, dass sie einen anderen Stellenwert erhalten haben.

        Zu den Formaten: Es gibt auch welche, in denen Lücken gefüllt werden z.B. Verben mit Vorsilben kombinieren und inhaltlich passend in einen Text einsetzen, da benötigt es einen Kontext, somit auch einer Lücke, ähnliches gilt für flektierten Verben oder Zeitformen.
        Ebenso gibt es auch Formate, in denen etwas im Text unterstrichen wird oder im Text verändert (z.B. Zeitformen, Pronomen),
        es werden Wörter im Wörterbuch nachgeschlagen – um des Nachschlagen Willens,
        Wortschreibungen mit Regeln erläutert oder nach Regeln eingruppiert,
        es gibt auch Abschreibübungen oder geübte, teilgeübte oder ungeübte Diktate.

        Dazu wird in den Bildungsstandards der KMK für Deutsch (übergreifend und für alle Bundesländer geltend) darauf verwiesen, dass Inhalte unterschiedlicher Themenfelder gemischt werden sollen – auch in den Bildungsstandards gibt es Beispiele dafür.

        Vermutlich sind die Vorgaben in den Bundesländern auch da wieder unterschiedlich, es gibt Schulen, die schreiben Rechtschreibarbeiten + Grammatiktests und andere, die beides mischen, ebenso gibt es Aussagen in Curricula, die darauf verweisen, dass Grammatik eine dienende Funktion habe und somit nicht allein stehen solle, sondern in Zusammenhang mit anderen Aufgaben (z. B. Wortarten kennen, um Groß- und Kleinschreibung zu beherrschen).

        Letztlich entscheidet sich die Zusammensetzung der Arbeit anhand der Inhalte, die man überprüfen will oder muss, sowie der Zeit, die man zur Verfügung hat.
        Lässt man Wörter im Wörterbuch nachschlagen, muss man die notwendige Zeit, die SuS im 2./3. Sj. dafür benötigen, einplanen. Diese Aufgabe kombiniert man also mit anderen, die weniger zeitaufwändig sind, aber ebenso Auskunft über die gelehrten – und hoffentlich gelernten – Inhalte geben.

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