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Landtagspräsidentin Aras will muttersprachlichen Unterricht nicht länger den Konsulaten überlassen – vor allem den türkischen nicht

STUTTGART. Wie soll es mit dem muttersprachlichen Unterricht in Baden-Württemberg weiter gehen? Soll er in Zuständigkeit der Konsulate bleiben, der staatlichen Schulaufsicht überantwortet oder ganz gestrichen werden? Die Koalitionspartner Grün und Schwarz beantworten die Frage unterschiedlich.

Türkisch-Unterricht durch regimetreue türkische Lehrer sei "mindestens tendenziös": Muhterem Aras (Grüne). Foto: JochenDetscher / Wikimedia Commons (CC-BY-SA 4.0)

Türkisch-Unterricht durch regimetreue türkische Lehrer sei „mindestens tendenziös“: Muhterem Aras (Grüne). Foto: JochenDetscher / Wikimedia Commons (CC-BY-SA 4.0)

Muttersprachlicher Unterricht soll nach Ansicht von Baden-Württembergs Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) unter die deutsche Schulaufsicht gestellt werden. Der in Verantwortung der Konsulate stehende sprachliche Unterricht vermittele auch Werte, erläuterte sie in Stuttgart. Sie nannte griechischen, italienischen und türkischen Unterricht, wobei letzterer «mindestens tendenziös» sei. Die CDU wies den Vorschlag als unausgegoren zurück. Generalsekretär Manuel Hagel betonte, Voraussetzung für gute Bildung für Kinder mit Migrationshintergrund sei, dass sie schnell und gut Deutsch lernten.

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Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht Handlungsbedarf bei muttersprachlichem Unterricht für Kinder mit ausländischen Wurzeln. «Damit müssen wir uns beschäftigen», sagte er am Dienstag in Stuttgart. Es gebe bereits erste Überlegungen. Dazu gehöre auch, den bislang von den Konsulaten verantworteten Unterricht unter staatliche Schulaufsicht zu stellen. Gespräche würden auf allen Ebenen geführt, auch mit den Konsulaten. Er werde die Frage in Kürze auch mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erörtern, kündigte der Regierungschef an.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) verwies darauf, dass insgesamt 14 Konsulate muttersprachlichen Unterricht im Land anbieten. «Wenn in einem Konsulat etwas nicht in Ordnung ist, heißt es nicht, dass es in den 13 anderen auch falsch gemacht wird.» Es dürfe keinen Generalverdacht geben. Einzelne kritische Fälle müssten aber genau geprüft werden, sagte Kretschmanns Stellvertreter.

Aras erläuterte, es kämen – zumal nach dem gescheiterten Militärputsch – regimetreue Lehrer aus der Türkei für drei Jahre nach Deutschland. Ihnen sei die hiesige Kultur und Gesellschaft nicht bekannt. «Sie unterrichten nicht im Sinne einer liberalen pluralistischen Gesellschaft», sagte die türkischstämmige Politikerin. Grundsätzlich sei der Unterricht in der Muttersprache wichtig, betonte die Parlamentschefin. Sie helfe bei der Identitätsfindung und beim Lernen jeder weiteren Sprache. «Wenn wir die Muttersprache insgesamt mehr wertschätzen, darf sie auch nicht mehr in der Obhut der ausländischen Konsulate bleiben.»

Sinn des muttersprachlichen Unterrichts?

Hagel verwies auf Kosten von 60 Millionen Euro, wenn der muttersprachliche Türkisch-Unterricht in staatliche Verantwortung übernommen werde. Er bezweifele auch den Sinn des muttersprachlichen Unterrichts. Experten sähen darin keine Vorteile für die Integration. «Die Intention der EU-Wanderarbeiterrichtlinie, wonach Kinder mit Migrationshintergrund für die Rückkehr in ihr Heimatland gut vorbereitet sein sollen, ist faktisch überholt.» Überdies sei die direkte Förderung des muttersprachlichen Unterrichts kein Bestandteil des grün-schwarzen Koalitionsvertrages. dpa

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