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Lehrerverband fordert mehr Deutschunterricht in der Grundschule, um die Rechtschreibung zu verbessern – und wendet sich gegen „Schreiben nach Gehör“

DRESDEN. Der Sächsische Lehrerverband (SLV) fordert, dass der Bewertung der Orthografie und dem Schreiben von Diktaten in der Primarstufe ein höherer Stellenwert beigemessen wird. „Richtiges Lesen und Schreiben bildet die Grundlage für funktionierende Kommunikation und fördert das Welt- sowie Selbstverständnis von Schülerinnen und Schülern“, so heißt es in einer Pressemitteilung anlässlich einer Diskussion im sächsischen Landtag zum Thema.

Immer mehr Schüler haben Probleme mit der Rechtschreibung. Foto: dotmatchbox / flickr (CC BY-SA 2.0)

Immer mehr Schüler haben Probleme mit der Rechtschreibung. Foto: dotmatchbox / flickr (CC BY-SA 2.0)

Um die Rechtschreibleistungen von Schülerinnen und Schülern zu fördern, seien ein gesicherter Orientierungswortschatz, gefestigte Kenntnisse über orthografische Regelmäßigkeiten und Möglichkeiten zur selbständigen Erweiterung und Kontrolle des Wortschatzes sowie der Umgang mit dem Wörterbuch unverzichtbar, meint der Verband. „Aufgrund der guten Erfahrungen unterrichten viele Grundschullehrkräfte im Fach Deutsch nach der analytisch-synthetischen Leselernmethode, aus der ein silbenorientierter Schreiblehrgang mit Rechtschreibregeln hervorgeht. Die Schülerinnen und Schüler erlernen – wie im Lehrplan vorgesehen – zuerst die Druckschrift und anschließend die Schreibschrift.“

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Der Sächsische Lehrerverband halte es dabei für unerlässlich, dass erste Regelkenntnisse in Rechtschreibung und Grammatik bereits ab Klasse 1 gelehrt werden. Fehler im Schreiben müssten sofort analysiert und berichtigt werden, damit sich die richtige Schreibweise einprägt. „Um die Vermittlung der Rechtschreibkompetenz konsequent weiterführen zu können, muss der Anteil der Deutschstunden in der Stundentafel der Grundschule wieder erhöht werden. Für den nahtlosen Übergang an die weiterführende Schule ist zudem eine bessere Abstimmung der Lehrpläne der Grundschule mit denen der nachfolgenden Schularten vonnöten.“

Kritisch sieht der Sächsische Lehrerverband auch die Methode „Lesen durch Schreiben“ . Dadurch würden nach Ansicht vieler Grundschullehrkräfte die Schülerinnen und Schüler mehr Rechtschreibfehler verursachen. Es bestünden auch erhebliche orthografische Probleme, die auf die Methode „Geschrieben wie Gesprochen“ zurückgeführt würden. Nachteilig für die Kinder sei auch, wenn sie in Klasse 4 anstelle der Schreibschrift wieder die Druckschrift benutzen und das in Klasse 5 beibehalten.

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„Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung und der ständigen schriftlichen Kommunikation über soziale Medien gewinnt die Vermittlung richtiger Deutschkenntnisse an Bedeutung. Dazu bedarf es neben ausreichender zeitlicher Ressourcen – sprich einem hohen Anteil von Deutschstunden in der Stundentafel an den Grundschulen – genügend vollständig ausgebildeter Grundschullehrkräfte. Denn in der Grundschule, insbesondere im Anfangsunterricht, wird der Grundstein, das Fundament, für das spätere Lernen und Leben gelegt“, sagt Renate Eichele, SLV-Fachverbandsvorsitzende Grundschulen, nach ihrer Stellungnahme im Landtag. N4t

 

 

14 Kommentare

  1. Richtig so! Das unterstütze ich voll und ganz!

    Vor allem benötigen Grundschullehrer mehr Zeit fürs Üben. Man hat einfach viel zu wenig Zeit dafür und man kann nicht darauf setzen, dass die Eltern zu Hause nachholen, was in der Schule nicht geschafft wurde. Außerdem benachteiligt es jene Kinder, denen die Eltern nicht helfen können (oder wollen).

    „Schreiben nach Gehör“ und die Abwertung von Rechtschreibung und Grammatik haben versagt. Das muss endlich anerkannt werden.

    • Eine Halbtagesschule kann nicht alles Üben in der Schule auffangen. Wenn das mit den Eltern zum Großteil nicht mehr klappt, muss man sich konsequenterweise über die Schulform Gedanken machen. Die Grundschule so herunterzubrechen, dass nur noch am Vormittag in der Schule geübt wird und die Schüler keine Hausaufgaben haben, halte ich für falsch. Den Schüler sollte schon so viel neu mit anschließender Übung vermittelt werden, dass es in den Zeitrahmen Halbtagesschule + Hausaufgaben oder Ganztagesschule passt, ansonsten wäre mir das zu wenig Stoff.
      Allerdings sehe ich es auch so, dass es in der Grundschule einige unnötige Lehrplaneinheiten gibt und man die eine oder andere abspecken könnte um mehr Zeit für die Übung zu haben.

      • Je nachdem wie der Nachmittagsbereich einer Grundschule gefüllt ist, kann auch die Ganztagsschule nicht alles Üben auffangen. Dazu kommt ja noch die Verplanung mehrerer Nachmittage pro Woche mit Sportverein, Musikschule usw.

  2. Die Methode ist nicht entscheidend und die Verteufelung der oben beschriebenen mag u.a. den Marktschreiern der AfD zupasskommen (s. deren Wahlprogramm), ist aus meiner Sicht aber nicht gerechtfertigt. Wer also großspurig von „Versagen“ spricht, sollte sehr gute Argumente haben und diese auch anbringen.

    Es ist übrigens manchmal sehr amüsant Elternbriefe, Entschuldigungen etc. zu lesen. Mit welcher Methode haben die wohl die Rechtschreibung gelernt?

    • Axel von Lintig

      AB

      Die unkritisch Anwendung ist höchst bedenklich, und was hat die Gegnerschaft zu dieser Methode mit der AfD und deren Programm zu tun.Die Argumente wurden hier schon ausgetauscht , u.a. im Dezember 2016.
      Da können Sie gerne nachlesen oder sie gehen auf die Internetseite von Jansen grundschulservice Lesen durch Schreiben.

      • Etwas einfach mit der AfD in Verbindung zu bringen, soll m.E. bei Mangel an Argumenten für strategischen Erfolg sorgen. Nichts anderes scheint mir AB mit seiner/ihrer Anspielung im Sinn zu haben. Zu Recht fragen Sie: „was hat die Gegnerschaft zu dieser Methode mit der AfD und deren Programm zu tun“?
        Geradezu witzig finde ich dass er/sie von Meinungsgegnern „sehr gute Argumente“ fordert, diese selbst aber nicht hat oder bringt und darum die Forderungen des Lehrerverbandes ohne nähere Begründungen einfach mit dem Parteiprogramm der AfD in Verbindung bringt.
        Ich wundere mich immer wieder, mit welchen Mätzchen manche Leute Stimmungsmache betreiben, vom Meinungsgegner aber Argumente verlangen.

        @sofawolf
        Ich unterstütze das auch voll und ganz.

      • @von Lintig: Ich weiß nicht, ob Sie oder andere Gegner der besagten Methode etwas mit der AfD zu tun haben bzw. mit dieser sympathisieren. Das möchte ich niemanden unterstellen! Sie haben aber recht: Den Querverweis zur AfD, die dieses Thema aus meiner Sicht lautstark und undifferenziert für den Wahlkampf missbraucht, hätte ich mir an dieser Stelle vielleicht sparen können.

        Natürlich kann man eine Methode in Frage stellen und sicherlich gibt es auch an der hier diskutierten berechtigte Kritikpunkte. Ich kenne aber keine Methode, die jedes Kind gleichsam zum Erfolg führt (aus diesem Grunde sollte eine gute Lehrerin / ein guter Lehrer ja auch über ein breites Methodenspektrum verfügen). Desweiteren verweise ich auf den Kommentar von Kollege / Kollegin Palim – ich zitiere: „Welche Methode es immer ist, es ist immer notwendig, dass Lehrkräfte sich mit der Methode und ihrer Schülerschaft auseinandersetzen.“ Das sehe ich genauso.

        Pauschalurteile bringen uns sicherlich nicht weiter und Killersätze wie „…haben versagt.“ auch nicht. Nichts für ungut! 😉

    • Es wurde auch in den vergangenen Diskussionen bereits angemerkt, dass das Verbot einer einzelnen Methode eine Scheinmaßnahme ist, zumal diese Methode längst nicht so weit verbreitet ist, wie hier immer dargestellt wird und von den wenigsten Lehrkräften in Reinform unterrichtet wird.
      Welche Methode es immer ist, es ist immer notwendig, dass Lehrkräfte sich mit der Methode und ihrer Schülerschaft auseinandersetzen.
      Dass man sich an einer einzigen Methode in der Kritik festbeißt führt leider dazu, dass andere Faktoren keine Berücksichtigung erhalten und Hilfen für Kinder mit Wahrnehmungsschwächen, die generell Schwierigkeiten haben, nicht in den Fokus kommen und nicht gewährt werden. Es ist natürlich einfacher, ein anderes Lehrwerk anzupreisen, als in die Tiefe zu gehen und wirkliche Ursachen bei der heterogenen Schülerschaft in die Überlegungen und in die Ressourcen-Notwendigkeiten einfließen zu lassen

  3. Ein sehr interessanter Artikel! Eine Abwertung der Rechtschreibung und Grammatik sollte nicht sein. Geschriebenes mit vielen Fehlern ist eine Zumutung für jeden Leser.

  4. Axel von Lintig

    AB
    Der Widerstand gegen den eigen initiativen und Schüler gesteuerten Schriftspracherwerb in den Grundschulen mit Hilfe von Lesen durch Schreiben bzw. Schreiben mit einer Anlaut-Tabelle nimmt zu.
    Als Argument für diese Art von unterlassener Hilfeleistung wird das frühzeitige eigene Schreiben und eine angeblich Methoden bedingte hohe Motivation sein. Diese ist bei Schülern in den ersten zwei Jahren sowieso vorhanden,sie geht aber spätestens in der dritten Klasse verloren, wenn die Schüler merken, dass sie wieder vollkommen umlernen müssen.
    Diese Frustration erspare ich meinen Kindern.

  5. Schreiben nach Gehör ist wie Rechnen nach Gefühl. Lehrer sollten sich nicht aus falsch verstandener Pädagogik davor drücken, ihren schutzbefohlenen Kindern rechtzeitig einfach zu sagen, was richtig und was falsch ist

    • Ich wiederhole Palims Worte:
      „… zumal diese Methode längst nicht so weit verbreitet ist, wie hier immer dargestellt wird und von den wenigsten Lehrkräften in Reinform unterrichtet wird.“
      Mich würde es echt einmal interessieren, wo das überhaupt so in REINFORM unterrichtet wird. Bei Palim in Niedersachsen und bei mississippi in Baden-Württemberg auch nicht. Bei uns in Bayern auch nicht. Wir wissen nur von Axel von Lintig in der Umgebung von Münster und er weiß es als Elternteil. . .
      Auch Schüler, die nach der analytisch- synthetischen Methode unterrichtet wurden, machen Rechtschreibfehler. Immer wieder gibt es hoffnungslose Fälle. Bei den meisten liegt es an einer schlechteren Voraussetzung von den Merkfähigkeiten her und dann, was hier oft zu beoabchten ist, wenn die Erfolgserlebnisse nur schwer eintreten – an Übungsvermeidung. So ist es auch oft beim Lesen. Wer sich schwer tut, vermeidet eher das Üben; das ist vor allem bei den Jungs ausgeprägt. Das Üben kann in der Schule nicht aufgefangen werden. Die Spirale dreht sich dann weiter nach unten, denn dazu kommt noch, dass Eltern zuhause zu wenig Nerven dafür haben, ständig gegen Widerstände anzukämpfen. So bessert sich kaum etwas und das Kind fühlt sich ständig überfordert.

  6. AUSZUG:

    „“Was in der Grundschule passiert ist, dass die Kinder nicht einfach Wort für Wort lernen und dann in eine Art Säckchen tun, indem dann das Wort orthografisch intakt immer zur Verfügung steht, sondern indem sie der Rechtschreibung beim Lesen begegnen, indem sie Übungen in der Schule machen, indem die Lehrerinnen und Lehrer ihnen Regeln erklären, verändern sie für sich die Strategien des Schreibens.“

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