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Pensionierungswelle bei Erzieherinnen: Neue Ausbildung zur Fachkraft für Kitas soll schnell mehr Personal bringen – GEW sieht Sparmodell

SCHWERIN. Mit einer kürzeren und bezahlten Erzieherausbildung will die Landesregierung in Schwerin dem Fachkräftemangel begegnen. Die ersten Klassen sollen im August starten. Gewerkschaften und Opposition kritisieren das Projekt scharf.

Die Landesregierung hat in Schwerin am Mittwoch eine neue duale Ausbildung zur Fachkraft in Kindertagesstätten vorgestellt. Sie soll im Unterschied zur vierjährigen schulischen Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher nur drei Jahre dauern, praxisorientierter sein und vergütet werden, erläuterten Sozialministerin Stefanie Drese und Bildungsministerin Birgit Hesse (beide SPD) im Landtag. Die Absolventen sollen in Krippen, Kitas und Horten Kinder im Alter bis zu zehn Jahren betreuen dürfen.

Hintergrund für die Neuerung ist die erwartete Pensionierungswelle bei den etwa 11.000 Erziehern im Land. Rund 25 Prozent von ihnen seien 55 Jahre oder älter und gingen in den kommenden zehn Jahren in Rente, sagte Drese. Hesse betonte, es handle sich bei der neuen Ausbildung nicht um einen Ersatz für die herkömmliche Erzieherausbildung, sondern um ein zusätzliches Angebot. So sollen auch mehr Männer und ältere Quereinsteiger für den Erzieherberuf motiviert werden. Vorbild sei Baden-Württemberg, wo es bereits ein ähnliches Konzept gebe.

Für den zunächst auf 125 Plätze limitierten Ausbildungsgang können sich Interessierte mit Mittlerer Reife bis zum 14. Juni bewerben. Ab dem 1. August sollen die Klassen in den Berufsschulen für Sozialwesen starten. Damit beginne das Projekt ein Jahr früher als im Koalitionsvertrag vorgesehen, sagte Drese. Der Landtag soll der notwendigen Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes im Juli zustimmen.

Gewerkschaften und Opposition kritisieren die Pläne als Sparprogramm auf Kosten der Beschäftigten: Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Verdi befürchten eine schlechtere Ausbildung und in der Folge eine niedrigere Bezahlung der neuen Fachkräfte gegenüber den herkömmlichen Erziehern. Hesse betonte, die Ausbildungsinhalte für die bis Zehnjährigen seien gleichwertig.

Deshalb müsse der neue Beruf auch in der Bezahlung den Erziehern im Kita-Bereich gleichgestellt werden, sagte die Ministerin. Vorschreiben könne die Politik dies wegen der Tarifautonomie jedoch nicht, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Geschäftsführer des Awo-Sozialdienstes Rostock, Sven Klüsener, ging davon aus, dass die Tarifpartner sich in drei Jahren bis zum Abschluss des ersten Ausbildungsjahrganges einigen werden, sollte dies notwendig sein.

Die Gewerkschaften fordern unter anderem, dass der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes in vollem Umfang zum Tragen kommt und die Auszubildenden nicht auf den bestehenden Personalschlüssel in den Kitas angerechnet werden. Zudem soll auch der bestehende Erzieherabschluss auf dualem Ausbildungswege erreichbar werden. dpa

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