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Gute Lehrer, schlechte Lehrer: Sorgenfälle im Kollegium – was tun bei schlechten Arbeitsergebnissen?

KÖLN. Lehrerinnen und Lehrer, die professionellen Standards nicht genügen, seien ein verdrängtes Thema, findet die Referentin des Wiener Bundesbildungsministeriums Helga Braun. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Schulverwaltung nrw“ analysiert sie das Tabuthema.

Was ist ein schlechter Lehrer? Um dem nahezukommen definiert die Wiener Schul- und Qualitätsentwicklerin Helga Braun  als Erstes den „guten“ Lehrer nach Hattie. „Man braucht Liebe zum Stoff, eine ethische, zugewandte Haltung, die dem Wunsch verbunden ist, anderen diesen Gefallen am Fach oder gar diese Liebe für das Fach, das man unterrichtet, nahe zu bringen.“ Schlechte Lehrer seien dagegen solche, die relativ dauerhaft und in überdurchschnittlichem Ausmaß Probleme im Beruf haben. Diese Probleme werden dabei weitgehend in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der unterrichtlichen Tätigkeit und den damit zusammenhängenden erzieherischen Aufgaben gesehen.

Qualitätsdefizite können dabei in aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen, etwa aus Unterricht und Unterrichtsentwicklung, es können die Leistungsergebnisse der Schüler sein, die Kommunikation mit den Eltern, Schulkultur in Form von Beziehungsqualität. Die Probleme können sich ebenso mannigfaltig ausdrücken. Etwa, dass Eltern sich über eine Lehrperson beschweren, Kollegen sich weigern, mit der Person zusammenzuarbeiten oder Schüler befürchten, bei dieser Person weniger zu lernen und einen Nachteil zu haben.

Braun, die auch als Schulaufsichtsbeamtin gearbeitet hat, rät Lehrkräften, die betroffen sind, sich unbedingt durch die Schulleitung, Schulaufsicht o.ä. beraten und begleiten lassen, um ihre Probleme anzugehen. Zu den üblichen, aber keinesfalls zu den zielführendsten Wegen zählt Braun Versetzungen in andere Schulen, weniger Stunden zu arbeiten oder einen Neubeginn in einer anderen Klasse wagen. „Lehrpersonen haben die Selbstverantwortung, in ihre berufliche Entwicklung zu investieren; sie haben allerdings auch ein Recht auf systematische Begleitung durch die Schulleitung unter Zuhilfenahme aller möglichen Ressourcen.“

Daumen rauf - oder Daumen runter? Schüler in Bayern sollen künftig Lehrer bewerten, und zwar verpflichtend. Foto: Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Daumen rauf – oder Daumen runter? Lehrer haben ein Recht auf systematische Begleitung durch die Schulleitung. Foto: Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Führungskräfte, die sich der Probleme annehmen brauchten Kraft, Zeit und Mut. „Eine Hürde kann die herrschende Vorstellung sein, Unterricht falle ausschließlich in die Verantwortung der Lehrperson, kein anderer habe sich einzumischen“, das gelte es zu überwinden, schreibt Braun. Schulleitungen müssten außerdem mit typischen Konfliktdynamiken wie Widerständen oder Schulzuweisungen rechnen und benötigten unbedingt Durchhaltevermögen. Aber: es lohne sich. Denn auf dem steinigen Weg gebe es auch Erfolge. Und: „Lehrerversagen ist Schulversagen, das darf nicht einfach hingenommen werden. Hinschauen und Handeln sind notwendig.“

Um diesen Schwierigkeiten vorzubeugen, sei es  grundsätzlich hilfreich, Junglehrer in den ersten Berufsjahren durch die Schulleitung systematisch zu begleiten. „Was hier an Personalentwicklung versäumt wird, schlägt im Laufe der Berufslaufbahn oft schmerzlich zu Buche“.

Sinnvoll seien unter anderen die folgenden Maßnahmen: Unterrichtshospitationen, Feedbackgespräche im Kollegium und durch die Schulleitung, Regelmäßige Beratung durch Fachkoordinatoren, Teambildung und Mentorenschaft, Gemeinsame Unterrichtsplanung und Reflexion, Fortbildungen, Konfliktklärung am runden Tisch, Instrumente der Qualitätssicherung. nin

10 Kommentare

  1. Unglaublich. Am besten verteilt man nur Einser und Zweier dann macht man sich nicht mehr verdächtig und alle lieben einen.

  2. Zitat:
    „„Man braucht Liebe zum Stoff, eine ethische, zugewandte Haltung, die dem Wunsch verbunden ist, anderen diesen Gefallen am Fach oder gar diese Liebe für das Fach, das man unterrichtet, nahe zu bringen.“

    Das ist ja mal ganz neu 🙂
    Endlich mal jemand der nicht den Quatsch: „wir unterrichten Kinder keine Fächer“ nachplappert.

  3. Zitat:
    „Führungskräfte, die sich der Probleme annehmen brauchten Kraft, Zeit und Mut.“

    Wer bringt bei – im Schnitt – 350 Überstunden pro Jahr diese Zeit auf?

  4. Gute Lehrpersonen, schlechte Lehrpersonen: diese Frage führt Schulen kaum weiter.
    Die Frage dreht sich im Kreis der ewig ähnlich lautenden gegenseitigen Schuldzuweisungen.
    Bei meiner Tätigkeit im Bereich ‚individuelle Lernförderung‘ an verschiedenen Schulen und verschiedenen Klassen – seit 10 Jahren – taucht zuerst bei mir die Frage auf: wie gut ist das Schulsystem als Ganzes, welche Möglichkeiten und Freiräume haben die Schulen? Wie respektvoll begegnet man den Lehrpersonen? Wie weit sind Wohlbefinden und Gesundheit von Lehrpersonen ein Thema? Daraus leitet sich das Verhalten der einzelnen Lehrpersonen im Kollegium und in der einzelnen Unterrichtsstunde ab. Selektive Systeme verlangen eine besonders hohes Bewusstsein bei den Lehrpersonen bezüglich der Dilemma-Situation ‚fördern und selektionieren‘.

  5. „„Man braucht Liebe zum Stoff, eine ethische, zugewandte Haltung, die dem Wunsch verbunden ist, anderen diesen Gefallen am Fach oder gar diese Liebe für das Fach, das man unterrichtet, nahe zu bringen.“ Schlechte Lehrer seien dagegen solche, die relativ dauerhaft und in überdurchschnittlichem Ausmaß Probleme im Beruf haben. Diese Probleme werden dabei weitgehend in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der unterrichtlichen Tätigkeit und den damit zusammenhängenden erzieherischen Aufgaben gesehen.“

    Ahhh ja.
    Gute Lehrer sind also die, die sich um ihre Fachwissenschaft kümmern – das ist anscheinend das Wichtigste, die sich aber sonst nicht der Probleme ihrer Schüler annehmen, die außerhalb ihres Faches keine Zuständigkeiten sehen und Probleme lieber verschweigen? DAS kann man auch in diesem Statement sehen.

    Außerunterrichtliche Aufgaben, die ein immenses Maß an Zeit benötigen, sind problemlos zu meistern und berühren die unterrichtlichen Tätigkeiten nicht. Schulentwicklung wird gar nicht bedacht.

    Desweiteren könnte man aus den Sätzen ableiten, dass es (mal wieder) der Lehrer ist, der selbst schlecht ist, wenn er mit den Herausforderungen des Unterrichts wie Inklusion und Migration, Heterogenität und Verwahrlosung nicht zurecht kommt: Da muss er „nur“ in seiner „Freizeit“ ein paar Hospitationen und Fortbildungen machen, sich seinem Schulleiter anvertrauen und schon ist alles gut.

    Eigentlich sind die Probleme in der Schule alle nur von schlechten LehrerInnen herbeigeredet!

    • Die Passage habe ich genauso aufgefasst wie Sie. Sie hat mich auch geärgert und frustiert, weil der Lehrer als Sündenbock wieder durchschimmerte.

    • Zitat:
      „Gute Lehrer sind also die, die sich um ihre Fachwissenschaft kümmern – das ist anscheinend das Wichtigste, die sich aber sonst nicht der Probleme ihrer Schüler annehmen, die außerhalb ihres Faches keine Zuständigkeiten sehen und Probleme lieber verschweigen?“
      Wenn Sie es so verstehen wollen.
      Hier wird „sich um Schüler kümmern“ nicht gegen „Liebe zu Fach“ ausgespielt – dies bringt niemand weiter. Das eine geht ohne das andere nicht!!!

  6. Damit auch Referenten/Referentinnen des Wiener Bundesbildungsministeriums professionelle Standards erfüllen, müssten sie jedes Jahr mindestens 10 Halbtage an verschiedenen Schulen und in verschiedenen Schulstufen verbringen, mit anschliessenden Gesprächen mit dem Kollegium, verbunden mit schriftlichen Anträgen zu Handen der verantwortlichen Behörde.

  7. „Zu den üblichen, aber keinesfalls zu den zielführendsten Wegen zählt Braun …, weniger Stunden zu arbeiten ….“.
    Na, dann darf man aber nicht Lehrer*in in NRW sein: Teilzeitanträge gehen nur noch durch, wenn man die Betreuung minderjähriger Kinder anführen kann. Unsere Kollegen, die aus gesundheitlichen Gründen weniger Stunden unterrichten wollen, werden alle zum Amtsarzt zitiert. Da möchte ich mal erleben, was passiert, wenn ich in die Antragsbegründung schreibe, ich wäre eine schlechte Lehrerin und möchte deswegen weniger Stunden arbeiten.

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