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Steinmeier kritisiert anhaltende Diskriminierung von Behinderten – und fordert, gelingende Inklusion nicht schlechtzureden

BERLIN. Inklusion bedeutet gleiche Rechte und gleiche Chancen auch für Menschen mit Behinderung. Doch oft bleibt dies Theorie. Probleme bereitet insbesondere der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern in der Schule. Notwendig ist der Einsatz aller, sagt der Bundespräsident.

Mahnt ein breites gesellschaftliches Engagement für die Inklusion an: Frank-Walter Steinmeier. Foto: Stephan Roehl / Heinrich-Böll-Stiftung / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Mahnt ein breites gesellschaftliches Engagement für die Inklusion an: Frank-Walter Steinmeier. Foto: Stephan Roehl / Heinrich-Böll-Stiftung / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die anhaltende Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen kritisiert. «Noch immer werden Behinderte im Alltag diskriminiert, noch immer gibt es zu viele Barrieren», sagte Steinmeier am Mittwoch beim Jahresempfang der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele in Berlin.

So kann Inklusion funktionieren: Stets eine Lehrkraft, ein Sonderpädagoge und ein Helfer im Unterricht – aber wo gibt’s das?

«Berührungsängste und Vorurteile verschwinden nur, wenn Menschen mit und ohne Behinderung sich begegnen.» Deshalb müssten möglichst viele Menschen bei der «Inklusion mitmachen und selbst erleben, dass Offenheit und Toleranz zu einem besseren Miteinander führen, von dem am Ende alle etwas haben.» Inklusion bedeutet, dass alle Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – egal, ob sie eine Behinderung haben oder nicht.
Das fordert die UN-Behindertenrechtskonvention, die auch Deutschland unterzeichnet hat. Dabei geht es um Schule und Arbeit, aber auch um Wohnen und Freizeit.

Steinmeier betonte, Inklusion dürfe kein Thema nur für Experten sein. «Jede und jeder kann in seinem Umfeld einen Beitrag leisten. Und es ist wichtig, dass wir mehr über gelungene Inklusion sprechen.» Natürlich gebe es auch Probleme, Spannungen und Konflikte. «Aber wir dürfen nicht zulassen, dass alles, was gelingt, schlechtgeredet wird.» dpa

4 Kommentare

  1. Reden schwingen und Phrasen dreschen: Es sind gerade die Politiker, die die Kinder im Rahmen der Inklusion einfach im Stich lassen. Interessant ist der heutige Artikel in der FAZ zur Inklusion. Geschrieben von einem ehemaligen Juristen aus dem Kultusministerium im Saarland. Deswegen die Bitte: Liebe Politiker, kriegt den Hintern hoch und lasst den Worten Taten folgen.

  2. Naja, naja, naja ….. aber ist es letztlich nicht eine viel schlimmere Diskriminierung, wenn Behinderte nicht in Förderschulen besonders gefördert werden, sondern in Regelschulen letztlich und tatsächlich einfach nur untergehen?!

  3. @sofawolf
    Deine Bedenken habe ich schon gelesen und teile diese zum Teil. In der Tat ist es ein großes Problem ist, dass ¾ der Kinder an Förderschulen keinen Abschluss erhalten.
    Die Rahmenbedingungen sind für diese Zahl in Hessen aber rechnerisch klar: ca. 4 Förderlehrerstunden investiert das Land je Schüler – brutto allerdings.
    Jetzt kommen diese Schüler in ein angebliches inklusives System. Die Klasse besteht nun nicht nur aus 10 Schülern sondern 27 plus der Schüler, die zur Sprachintegration in Teilen die Klasse begleiten.
    Statt zwei oder drei Personen, die mit unterschiedlichen Ausbildungen für Hilfestellungen in der Klasse mit 10 Schülern wären, bietet das inklusive System in Hessen in Frankfurt derzeit 1,53 Stunden je Schüler brutto, in anderen Teilen des Landes 0,0 Stunden brutto.
    Die Kernfrage ist nicht, ob die Regelschule Inklusion nicht will, sondern wie die Leistungen der Schüler, die einen Förderbedarf haben, unter diesen Bedingungen besser werden sollten.
    Das wird nicht gehen.
    Es spricht viel dafür, wenn man Förderschulen als „Separation“ empfindet, den Weg zu gehen, Regelschule in wirkliche Lernstätten weiter zu entwickeln. Dass dazu Jahre benötigt werden, die Gebäude hergerichtet und ausgestattet werden, versteht sich. Es ist eine Frage des Geldes, aber eine, die sich in einem Prozess klären lassen würde.
    Nur eben: Diesen Weg geht kein Bundesland, wenn ich das übersehe, sondern es wird mit Mogelpackungen gearbeitet, die alles können, nur eines nicht: Das Recht des betroffenen Kindes auf eine angemessene Förderung.
    Und eben dieses Recht wird in der Diskussion kaum thematisiert, denn für die Kinder muss Positives erreicht werden, nicht für Lehrer, Bundesländer, Parteien oder sonst was.

  4. Ich streite vehement ab, dass _gelingende_ Inklusion schlecht geredet wird. Nur leider gelingt sie so gut wie nirgendwo und das immer aus denselben Gründen. Diese Gründe wurden von der Politik verursacht und werden aktuell tot geschwiegen.

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