Startseite ::: Nachrichten ::: “Umsetzung funktioniert nicht”: CDU-Spitzenkandidat Althusmann fordert einjährigen Aufschub bei der Inklusion

“Umsetzung funktioniert nicht”: CDU-Spitzenkandidat Althusmann fordert einjährigen Aufschub bei der Inklusion

HANNOVER. Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen, Bernd Althusmann, hat einen einjährigen Aufschub der Inklusion gefordert. «Die Umsetzung der Inklusion funktioniert derzeit nicht», sagte Althusmann der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Mittwoch). Die Lehrer würden mit den Problemen der Eingliederung gehandicapter Schüler alleingelassen, kritisierte er. In Niedersachsen wird im Januar 2018 ein neuer Landtag gewählt.

In der Kritik: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann. Foto: Kultusministerium Niedersachsen

War hier noch Kultusminister: Niedersachsens CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann. Foto: Kultusministerium Niedersachsen

Althusmann, zwischen 2010 und 2013 niedersächsischer Kultusminister, warf der rot-grünen Landesregierung massive Versäumnisse in der Bildungspolitik vor, ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen. Bis zum neuen Schuljahr dürften Förderschulen, in denen viele Kinder mit Handicap derzeit noch separat unterrichtet werden, nicht mehr geschlossen werden, forderte Althusmann. In Niedersachsen wird am 14. Januar 2018 eine neue Landesregierung gewählt. dpa

So kann Inklusion funktionieren: Stets eine Lehrkraft, ein Sonderpädagoge und ein Helfer im Unterricht – aber wo gibt’s das?

14 Kommentare

  1. So ein Quatsch.
    Die CDU hat gemeinsam mit der SPD beschlossen, was umgesetzt wird – zu genau diesen Bedingungen, die in Nds. gelten. Jetzt Kritik zu üben, ist einfach, aber ist dann mit auf die eigenen Fahnen zu schreiben.

    Die Inklusion wird aufsteigend umgesetzt, inzwischen sind alle Grundschulklassen dabei und fast alle Klassen der Sek I., Standorte der FöS Lernen Grundschule sind bereits geschlossen, Standorte SekI haben so wenige SuS, dass sie zusammengelegt werden für die letzten 2 Schuljahre … denn alle anderen Kinder werden bereits inklusiv beschult.
    Ein Aufschub um 1 Jahr würde gar nichts bringen, da ja nur die SuS von Klasse 9+10 ein Jahr länger auf den FöS bleiben könnten.
    Man kann die FöS-Lernen-Kinder gar nicht an die FöS schicken, da es diese gar nicht mehr gibt.
    Die Kinder jahresweise wechseln zu lassen, ist ebenso unsinnig.

  2. Nachtrag:

    “Bis zum neuen Schuljahr dürften Förderschulen, in denen viele Kinder mit Handicap derzeit noch separat unterrichtet werden, nicht mehr geschlossen werden, forderte Althusmann. ”

    Das Schuljahr in Nds. hat noch ziemlich genau 21 Schultage, da wir bereits Mitte Juni in die Sommerferien gehen. Schließungen, die jetzt vollzogen werden, sind schon längst beschlossen, die Schulen werden derzeit ausgeräumt. Schüler wissen bereits, wo sie nach den Sommerferien zur Schule gehen, Lehrkräfte zum Teil zumindest, zu welcher FöS sie dann gehören: es gibt dann Zentren, die für die Versorgung der umliegenden Schulen die Lehrkräfte “verwalten”, die FöS-Lehrkräfte leisten ihre Stunden an den umliegenden Regelschulen – meist versorgen sie mehrere Schulen mit je ein paar Stunden.

  3. Palim schrieb: „Die CDU hat gemeinsam mit der SPD beschlossen, was umgesetzt wird – zu genau diesen Bedingungen…“

    Hanebüchener Quatsch ist das, was Sie da erzählen!

    Althusmann sagt in dem Interview mit der HAZ:
    „Nirgendwo steht in der UN-Behindertenrechtskonvention, dass die Förderschulen langfristig quasi abgeschafft werden müssen. Ich habe als Vorsitzender der Kultusministerkonferenz vor einigen Jahren die Arbeit zu diesem Thema koordiniert. Inklusion heißt, dass man das Wohl des Kindes in den Vordergrund stellt und dass es nicht darum geht, die Kinder mit Einschränkungen in das reguläre Schulsystem zu pressen.“
    (http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Interview-mit-CDU-Spitzenkandidat-Bernd-Althusmann)

    Damit referiert er übrigens fast wortgleich, was auch Michael Felten in seinem sehr lesenswerten Buch „Die Inklusionsfalle“ feststellt:

    „Als Motor der etwa in NRW zu beobachtenden radikalen, übereilten und unterfinanzierten Inklusionsentwicklung müssen Motive angenommen werden, die man nicht anders als kindeswohlfern bezeichnen kann. Die einen erhoffen sich Einsparpotentiale im Bildungssektor, andere missbrauchen die Inklusion vor allem als Türöffner für eine doch noch zu realisierende Einheitsschule; diesen gilt Inklusion als generelles Egalitätsprojekt im kalten Kapitalismus, jene vertuschen nur noch die Blamage eines administrativen Scheiterns. Solcher Unbildungspolitik gehört in die Speichen gegriffen – und dabei sind wir alle gefragt – Lehrer, Eltern, Bürger […]

    Die UN-BRK fordert gerade n i c h t die Abschaffung unserer hochspezialisierten Förderinstitutionen, sondern verpflichtet primär zur Orientierung am Kindeswohl – unter Wahrung der elterlichen Verantwortung. Deshalb steht keineswegs an, das Schulsystem strukturell zu revolutionieren, sondern es ‚dual-inklusiv‘ (Otto Speck) zu optimieren. Wir müssen um eine Inklusion mit Augenmaß ringen: um die ausgewogene und dynamische Kooperation von integrationsoffenen Regelschulen und ergänzenden Förderschulen. Die Devise kann nur sein: So viel hochqualitative Integration wie sinnvoll, so viel durchlässige Separation wie nötig! Jedes Kind soll an dem für es sinnvollsten Ort lernen können – und dies kann durchaus auch, wie weltweit üblich, zeitweise eine Spezialschule oder Separatklasse sein.“
    (http://www.news4teachers.de/2017/05/gastbeitrag-zur-inklusion-nicht-eine-schule-fuer-alle-sondern-fuer-jedes-kind-die-beste/)

    • Für das Land Niedersachsen wurde die Umsetzung der Inklusion in den Schulen am 20. März 2012 vom Landtag beschlossen: beginnend mit dem SJ 13/14 sollte die Inklusion flächendeckend umgesetzt werden, die FöS Lernen aufsteigend auslaufen.
      Die “Hinweise für Schulträger” sind im Internet noch zu finden, sie stammen aus dem November 2012.
      Damals gab es eine schwarz-gelbe Landesregierung und der Kultusminister hieß Bernd Althusmann (steht ja oben im Text). Er war also selbst maßgeblich an dem beteiligt, was in Nds. umgesetzt wird.

      • Palim schrieb: “Für das Land Niedersachsen wurde die Umsetzung der Inklusion in den Schulen am 20. März 2012 vom Landtag beschlossen […] ”

        Richtig. Aber die Interpretation “Inklusion vor allem als Türöffner für eine doch noch zu realisierende Einheitsschule” (Felten) kam ganz gewiss nicht von den Konservativen, sondern von Rot-Grün. Deshalb fehlen uns jetzt die Förderschulen – und die ehemals dort tätigen Kollegen verbringen ihre Arbeitstage im Auto statt im Unterricht, weil sie von Regelschule zu Regelschule düsen, um überall mal ein paar Minuten reinzuschauen.

        Ist das wirklich so schwer zu verstehen für Sie?

        • Nein, ich verstehe das, ich habe es ja selbst vor Augen, in meiner Schule sind in jeder Klasse mehrere i-Kinder.

          Von einer Einheitsschule hat übrigens Herr Althusmann gar nicht gesprochen und ich finde, dass es in Niedersachsen mit Hauptschulen, Realschulen, Oberschulen, Integrativen Gesamtschulen und Gymnasien durchaus Auswahl hinsichtlich der SekI-Schulen gibt. Das verquickt zwei Diskussionen, wobei es doch eigentlich um die Ausstattung der Schulen gehen sollte, die die Inklusion seit mindestens 4 Jahren durchführen … etliche schon vorher in den sogenannten RIK (Regionalen Integrations Konzepten).

          Aber ich verstehe nicht, warum Herr Althusmann etwas schlecht findet, was er selbst initiiert hat. Die Auflösung der FöS war ja unter seiner eigenen Federführung bereits beschlossene Sache. Die Bedingungen wurden kurz vor den Sommerferien bekannt.
          Wenn er erkennt, dass die Inklusion, so, wie er sie angeleiert hat und wie sie jetzt läuft, nicht klappt, hat er trotz Mahnungen von Beginn an einige Jahre für diese Erkenntnis benötigt.

          Warum er aber EIN JAHR AUFSCHUB fordert und wie das gehen soll, ist mir schleierhaft. Wir können ja nicht die i-Kinder der Grundschulen, die alle noch nie auf einer FöS waren, für 1 Jahr in eine Schule schicken, die es gar nicht mehr gibt: keine FöS-Lehrkräfte, die sind ja verteilt, keine FöS-Schulleiter, die sind auch verteilt, keine Tische, Schränke, Stühle, Materialien. Gleiches gilt für die Klassen 5-8, ab Sommer Klasse 9.

          Wie will man denn 5 Wochen vor den Sommerferien plötzlich das Rad um 4 Jahre zurück drehen?

          Die Umsetztung der Inklusion wurde 2012 gemeinsam getragen, gerade weil eine Wahl bevor stand und man sich nach diversen Reformen auf “Schulfrieden” einigen wollte.
          Auf weitere Wahlversprechen seitens der Parteien bin ich gespannt, nachdem die Bildungspolitik in NRW und SH offenbar ja einen wichtigen Stellenwert bekommen hat.

          • Könnte es sein, dass Althusmann seine Meinung geändert und etwas Neues gelernt hat?

          • Und warum hat sie dort diesen Stellenwert bekommen?
            Weil in diesen rot-grün regierten Ländern vieles dermaßen im Argen liegt, dass den Wählern die Bildungspolitik zwangsläufig immer wichtiger werden musste.
            So ist doch die Realität: Erst wenn etwas durch schlechtes Funktionieren auffällt, erweckt es Interesse und bekommt einen höheren Srtellenwert

          • Palim schrieb: “Von einer Einheitsschule hat übrigens Herr Althusmann gar nicht gesprochen…”

            Ach was… (Immerhin das haben Sie richtig verstanden.)

            Palim schrieb: “Aber ich verstehe nicht, warum Herr Althusmann etwas schlecht findet, was er selbst initiiert hat.”

            Mit Verlaub: Sie scheinen so einiges nicht zu verstehen, wenn man sich die Reaktionen auf Ihre Beiträge hier im Forum so anschaut. Sowohl Kollegen anderer Schulformen als auch Eltern kritisieren Sie. Gibt Ihnen das überhaupt nicht zu denken? Vielleicht sollten Sie die Beiträge anderer erstmal in Ruhe zuendelesen und alle Fakten zur Kenntnis nehmen, bevor Sie übereilt und überemotionalisiert nach dem immer gleichen reflexartigen Muster antworten. Dann würde Ihnen auch ein Lapsus wie “Von einer Einheitsschule hat übrigens Herr Althusmann gar nicht gesprochen…” nicht passieren. (Und wenn Sie ernsthaft glauben, ich hätte behauptet, dass Althusmann von der Einheitsschule gesprochen habe, dann können Sie ganz offensichtlich nicht lesen. Jeder User kann sich ansehen, was ich oben geschrieben bzw. wen ich an welcher Stelle zitiert habe.) By the way: Implizit kritisiert hat er die von Rot-Grün gewollte Einheitsschule natürlich schon, indem er das Auslaufen der Förderschulen kritisiert hat…
            Na, kommen Sie noch mit?

            Palim schrieb: “Wenn er erkennt, dass die Inklusion, so, wie er sie angeleiert hat und wie sie jetzt läuft, nicht klappt, hat er trotz Mahnungen von Beginn an einige Jahre für diese Erkenntnis benötigt.”

            Er hat sie eben n i c h t so angeleiert, wie sie jetzt läuft – nämlich als Sparmodell und Vehikel zur Durchsetzung der “einen Schule für alle” mit dem “Einheitslehrer für alle Schüler”. (Übrigens auch lediglich ein weiteres Sparmodell.)
            Aber selbst dann, wenn Ihre Behauptung zuträfe, wäre Althusmanns Reaktion, einen Fehler zuzugeben, immer noch sehr viel honoriger und intelligenter, als die Wähler zu beschimpfen, wie es Rot-Grün momentan tut – nach dem Motto: “Wir haben alles richtig gemacht, der Wähler hat es bloß nicht verstanden.”

            Nuff said…

          • Wenn Sie schon dabei sind, mir die Welt zu erklären, dann können Sie mir sicherlich auch die eigentliche Frage beantworten, wie man die laufende Inklusion um 1 Jahr aufschieben kann.

            s.o.: “Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen, Bernd Althusmann, hat einen einjährigen Aufschub der Inklusion gefordert”

          • Diese Forderung kann ich Ihnen sogar erklären: Vorerst keine weiteren Förderschulschließungen und keine weitere Radikalinklusion durch noch mehr Absenkung der vorgegaukelten elterlichen Wahlmöglichkeiten.
            Die Landtagswahl in Niedersachsen ist nicht mehr weit und da ist Herr Althusmann gut beraten, die desaströse Bildungspolitik in Sachen Inklusion aufzuhalten, um bei einem erhofften Regierungswechsel nicht auf ausweglos schwierige Verhältnisse zu stoßen.
            Ich frage mich allerdings, wie er die Tatsachen, die in Niedersachsen eiligst und eifrigst geschaffen wurden, noch in Richtung einer echten Wahlmöglichkeit für Eltern verändern will.

  4. Ich bitte um einen zehnjährigen Aufschub, damit ich rechtzeitig in Rente gehen kann. 😉

  5. @ Wilma,

    danke für Ihren Beitrag.

    PS: Palim ist hier bekannt dafür, schnell mal etwas zu behaupten, was jeglicher Grundlage entbehrt.

    • @ Sofawolf: Abwertende Bemerkungen gegenüber Mitschülern dulde ich in meinem Unterricht nicht. Wie handhaben Sie das?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*