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Experten wollen Brandschutzerziehung zur Pflichtaufgabe in Schulen machen

DIEDORF. Lieber guter Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ Nachbars an. Nur die wenigsten Menschen werden sich beim Brandschutz heute noch auf den heiligen Florian verlassen. Brandkatastrophen epischen Ausmaßes, bei denen große Teile von Städten verwüstet wurden, sind in Deutschland weitgehend aus dem Bewusstsein verschwunden. Was einst eine beständige Sorge von Stadt- und Landbewohnern war, ist durch den technischen Fortschritt als Gefahr marginalisiert worden. Nicht unerheblich aber nur selten öffentlich benannt hat dazu auch die Brandschutzerziehung beigetragen. In vielen Schulen und Kindergärten gehört sie selbstverständlich zum Erziehungsauftrag, denn das Spiel mit dem Feuer birgt für jedes Kind und jeden Jugendlichen Gefahren. In Thüringen setzen sich Fachleute für eine Stärkung der Brandschutzerziehung ein, denn noch immer sterben jedes Jahr rund 50 Kinder durch Brände.

«Wie entsteht Feuer?», fragt Stefanie Kaufhold die Kinder im Katholischen Kindergarten Diedorf (Unstrut-Hainich-Kreis). Pepe, Klara, Elia und Finn fällt dazu einiges ein. Sie unterscheiden zwischen Feuern in Wohnungen und aq3Häusern und solchen bei Lager- und Maifeuern – in Kindersprache: böse Feuer oder gute Feuer. Sie sprechen mit Kaufhold auch darüber, was man im Brandfall tun könne. Kaufhold ist eine von sechs hauptamtlichen Brandschutzerziehern in Thüringen – ein Angebot, dass es nach Meinung von Experten noch viel zu wenig in Thüringen gibt.

Nach Ansicht von Fachleuten eine unverzichtbare schulische Aufgabe: Brandschutzerziehung. Bild: Fort Rucker / flickr (CC BY 2.0)

Nach Ansicht von Fachleuten eine unverzichtbare schulische Aufgabe: Brandschutzerziehung. Bild: Fort Rucker / flickr (CC BY 2.0)

Nur in drei Landkreisen und drei kreisfreien Städten gebe es solche Stellen, sagt Herbert Christ vom Jugendfeuerwehrverband Thüringen. Dort sind die Brandschutzerzieher inzwischen Stammgäste in Grundschulen. Im Ilm-Kreis, im Unstrut-Hainich-Kreis und im Kreis Gotha profitieren zudem auch Kindergartenkinder von dem freiwilligen, nach Ansicht von Fachleuten aber unersetzlichen Angebot.

Stefanie Kaufhold ist erst wenige Wochen auch in Kindergärten wie dem in Diedorf unterwegs. Seit Februar ist die 30-Jährige beim Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises angestellt. Zuvor brachte sie schon einige Jahre lang Grundschülern die Gefahren von Rauch und Feuer nahe, wurde da aber noch vom Land über das «Thüringer Grundschulmodell» bezahlt. «Wir mussten das unbedingt fortführen und bei der Fachabteilung ansiedeln», sagt Fachdienstleiter Lutz Rösener. Der Personalrückgang in den Feuerwehren sei Alarmsignal genug. Hinzu komme, dass jährlich deutschlandweit bis zu 50 Kinder durch Rauch und Flammen sterben. Nicht nur deswegen müsse das Angebot auch auf Haupt- und Regelschulen ausgedehnt werden, fordert er.

«Wer als Kind Fahrrad fahren lernt, vergisst das ein Leben lang nicht», sagt Christ. So sei es auch mit dem Brandschutz. Der 52-Jährige weiß, wovon er spricht. Er ist seit 18 Jahren im Kreis Gotha als Brandschutzerzieher unterwegs. «Brandschutzerziehung ist mehr als ins Gerätehaus gucken und das Fahrzeug vorbeifahren sehen.» Er stellt beispielsweise den Grundschülern ein Puppenhaus hin, und dann erzählen die Kinder ihm, was an dem Haus brandschutztechnisch alles nicht in Ordnung ist. Nachfragen von Schulen und Einrichtungen hat auch Christ jede Menge. «Ich muss viel absagen», bedauert er.

Dort, wo Brandschutzerziehung auf dem Stundenplan steht, profitieren auch die Jugendfeuerwehren, hat Oberbrandmeister Uwe Nüchter festgestellt. Der 56-Jährige kümmert sich im Ilm-Kreis um eine kindgerechte Aufklärung im Umgang mit Feuer und dem Erkennen von Gefahren. «Das bringt was», ist er überzeugt. «Neben dem Erlernen des Brandschutz-ABC kommt auch Nachwuchs für die Feuerwehren.» Nachdem Nüchter alle 22 Grundschulen besucht hat, freut sich die eine oder andere Jugendwehr über Zuwachs.

Deswegen bedauern die Experten, dass es ein solches Angebot in Thüringen bisher nicht flächendeckend gibt. Die Brandschutzerziehung müsse im Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetz als Pflichtaufgabe festgeschrieben werden, fordert Christ. Der Gesetzentwurf sei in der Abstimmung mit den verschiedenen Ressorts, heißt es aus der Pressestelle des Innenministeriums. «Bezüglich des intensiv diskutierten Themas Brandschutzerziehung sollen innerhalb des Gesetzgebungsverfahrens natürlich Lösungen gefunden werden, die – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – die Brandschutzerziehung in Thüringen stärkt beziehungsweise flächendeckend sicherstellt.» (dpa)

3 Kommentare

  1. Es gibt so viel Wünscheswertes, was die Schule heutzutage den Kindern beibringen sollte, aber es gibt nur eine begrenzte Zeit.

    Am Ende können alle Kinder den Abfall richtig trennen; wissen, wie man sich die Zähne putzen soll; kennen sich im Straßenverkehr gut aus und und und – aber können weder richtig lesen noch schreiben noch rechnen und also das, was Schule trotz allem nicht vermittelte, sich auch nicht selber beibringen.

    Oder sie haben künftig auch in Klasse 1 schon Unterricht von 08.00 – 16.00 Uhr ?!?

    • Was machen Eltern eigentlich heutzutage mit ihren Kindern?

      Ach ja, man sieht sich ja nur noch zum Abendbrot + Gute-Nacht-Geschichte (ggf. medial).

      • Sofern sich die Eltern überhaupt für ihre Kinder interessieren.

        Brandschutzerziehung habe ich im Kindergarten und in der Grundschule genossen.
        Vorteil: Mein Vater war in der Freiwilligen Feuerwehr, mein Bruder ist noch drin und mein Onkel ist sogar Leiter der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. So bekomme ich auch einiges mit und die Möglichkeit von der Freiwilligen in die Berufliche zu wechseln sollte den Schülern bei Nachfrage durchaus beantwortet werden. Auf der anderen Seite freut es mich riesig, dass so die Freiwilligen Nachwuchs bekommen, schließlich haben wir es in D unseren Freiwilligen Kräften, dass die gesetzlich vorgeschriebenen 8 Minunten eingehalten werden.

        Allerdings sollten die Schulen auch gemäß des Brandschutzes ausgerüstet sein und eine gute Fluchtwegskennzeichnung haben. Vorbildfunktion lässt grüßen.

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