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GEW und VBE begrüßen Digitalpakt für die Schulen – fordern aber personelle Ressourcen für Wartung und Fortbildung

STUTTGART. Die Kultusministerkonferenz hat den Weg für einen Digitalpakt mit dem Bund frei gemacht, in dessen Rahmen fünf Milliarden Euro für die technische Ausstattung der Schulen fließen sollen – und die GEW sowie der VBE begrüßen den Schritt. Beide mahnen allerdings an, dass es nicht mit einer Einmal-Investition getan sei. Die Lehrervertretungen fordern insbesondere eine Fortbildungs- und Qualifizierungsoffensive für die Lehrkräfte. Die müsse aber dann auch als Arbeitszeit anerkannt werden.

Schöne neue Lernwelt? Die Schulen in Deutschland stehen vor einer digitalen Revolution. Foto: Ed Ivanushkin / flickr (CC BY-SA 2.0)

Schöne neue Lernwelt? Die Schulen in Deutschland stehen vor einer digitalen Revolution. Foto: Ed Ivanushkin / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die GEW erkennt nach eigenen Worten die angekündigten finanziellen Anstrengungen der Bundesregierung, um die digitale Infrastruktur in den Schulen zu verbessern, an. „Um diese Strukturen für ein pädagogisches Gesamtkonzept zu nutzen, brauchen die Schulen allerdings auch nachhaltige und angepasste Konzepte der Fort- und Weiterbildung. Und sie benötigen Freiräume, diese umzusetzen“, sagte Ilka Hoffmann, für Schule verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied. Die Ausstattung mit der entsprechenden Infrastruktur dürfe keine Eintagsfliege bleiben, betonte Hoffmann. Beispielsweise müssten Hard- und Software gewartet und fortlaufend modernisiert werden. „Deshalb brauchen wir ein langfristiges Finanzierungskonzept, das zusätzliche personelle Ressourcen einschließt“, machte die GEW-Schulexpertin deutlich.

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„Zudem sind Konzepte für eine umfassende Medienbildung notwendig, die sowohl die Risiken als auch die Chancen der Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt in den Blick nehmen. Die Digitalisierung darf nicht zu einer weiteren sozialen Spaltung der Gesellschaft führen. Deshalb muss das Prinzip der Lernmittelfreiheit auch hier gelten“, sagte Hoffmann.

Der VBE forderte in einer Erklärung eine „Digitalisierung mit Augenmaß“. Verbandschef Udo Beckmann sagte: „Die neue Bund-Länder-Vereinbarung zur Unterstützung der Bildung in der digitalen Welt im Bereich Schule unterstützen wir. Wir erkennen an, dass sich die Partner eine große Kraftanstrengung vornehmen wollen. Besonders freut uns, dass deutlich herausgearbeitet wird, dass das Primat des Pädagogischen trotz allem gilt.“ Nicht die vollständige Ablösung des Analogen, sondern der Mehrwert durch die Nutzung digitaler Endgeräte müsse im Fokus stehen.

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Beckmann verwies auf eine Umfrage, die der VBE unlängst gemeinsam mit dem Branchenverband Bitkom in Auftrag gegeben hat, wonach jeder zweite Lehrer gerne öfter digitale Medien einsetzen würde. Danach meinen drei Viertel der Lehrkräfte, dass nicht genügend digitale Lernmaterialien zur Verfügung stehen. 71 Prozent meinen, dass an den Schulen Personal fehlt, das sich um die Wartung der Technik kümmert.

“Lehrkräfte abholen”

„Sie sehen die Vorteile“, sagte der Verbandsvorsitzende. „ Es gilt nun, sie dort abzuholen und sie flächendeckend zu qualifizieren. Hierbei gilt: Qualifizierung darf nicht on top als Mehrbelastung passieren, sondern in der Dienstzeit.“ Beckmann sprach sich dafür aus, alle Felder gleichermaßen anzugehen: „Nur gut qualifizierte Lehrkräfte können einem auf die neuen Herausforderungen angepassten Lehrplan gerecht werden und in adäquat ausgestatteten Schulen unterrichten. Wir erwarten, dass dies bei der Umsetzung bedacht wird.“

Auch wandte sich Beckmann gegen Überlegungen, private Schülergeräte – vor allem Smartphones – in den Unterricht einzubeziehen. „Die Länder und Kommunen müssen Mittel und Wege finden, digitale Endgeräte bereitzustellen. Es ist erklärter Anspruch, Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Nur mit ‚Bring-Your-Own-Device‘ wird das nicht gelingen“, meinte er. Soll heißen: Wenn Schüler auf privaten Geräten lernen sollen, sind sozial schwache Familien benachteiligt. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

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