Startseite ::: Titelthema ::: Jeder siebte Grundschüler hat eine Lernstörung – Wanka will den Schulen bald Hilfen anbieten

Jeder siebte Grundschüler hat eine Lernstörung – Wanka will den Schulen bald Hilfen anbieten

BERLIN. Fast jedes vierte Grundschulkind in Deutschland hat Probleme, das Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen zu erlernen. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen sind die Lernschwierigkeiten so  gravierend, dass bei ihnen eine schulische Entwicklungsstörung, also eine Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörung, diagnostiziert wird. Bundesbildungsministerin Wanka reagiert jetzt auf den Befund – und lässt für die Schulen in Deutschland Diagnose-Instrumente und Fördermaterialien entwickeln.

Jedes vierte Grundschulkind hat Probleme, Lesen, Schreiben oder Rechnen zu lernen. Foto: Greg Westfall / flickr (CC BY 2.0)

Jedes vierte Grundschulkind hat Probleme, Lesen, Schreiben oder Rechnen zu lernen. Foto: Greg Westfall / flickr (CC BY 2.0)

Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation liegt eine Lernstörung vor, wenn ein Kind eine schlechtere Leistungen als die Norm in mindestens einer der schulischen Grundkompetenzen Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zeigt, obwohl seine Intelligenz weit bessere Leistungen erwarten lassen würde. Das betrifft in Deutschland 13,3 Prozent der Grundschüler, wie ein Forschungsverbund mehrerer Universitäten mit bundesweit über 2000 teilnehmenden Grundschülern im Auftrag des Bundesbildungsministeriums bereits 2012 herausgefunden hat. Dazu kommen der Untersuchung zufolge noch einmal die Fälle von Kindern, die bedeutend schlechtere Leistungen als der Durchschnitt erbringen, ohne dass allerdings eine deutliche Diskrepanz zwischen Intelligenz und Leistung bestünde, sodass bei insgesamt 23,3 Prozent der Kinder eine Lernschwäche in einer oder mehrerer der Grundkompetenzen besteht.

Studie: Jeder siebte Schüler hat eine Lernstörung

„Es ist unbedingt notwendig, dass Schwierigkeiten beim Lesen-, Schreiben- oder Rechnenlernen möglichst frühzeitig erkannt werden und den Kindern schon zu Beginn ihrer Schulzeit mit individueller Förderung geholfen wird“, sagt jetzt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). „Nur wenn sie diese wichtigen Kulturtechniken beherrschen, können sie an allen Aspekten des gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens teilhaben und alle Bildungschancen wahrnehmen. Hier liegt eine große Verantwortung der Länder und ihrer Schulen. Mit unserem neuen Forschungsvorhaben wollen wir sie dabei wirksam unterstützen.” Rund fünf Millionen Euro stellt Berlin dafür bereit.

In dem Projekt werden wissenschaftlich fundierte Diagnose- und Förderinstrumente entwickelt und im Anschluss erstmals auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt. So können sich künftig Schulen, Schulpsychologen, Lerntherapeuten, kommunale Jugendämter und Eltern über die Instrumente informieren und diese nutzen. Ziel ist es, dass evidenzbasierte Informationen sowie Instrumente und Konzepte der Diagnostik möglichst vielen Kindern und Jugendlichen mit schulischen Entwicklungsstörungen helfen.

Immer noch fallen viele Schüler mit Legasthenie und Dyskalkulie durchs Raster – Ministerpräsident Ramelow weiß das: Er ist selbst betroffen

Prof. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München, und Prof. Marcus Hasselhorn, Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main, leiten das Projekt mit dem etwas sperrigen Titel: „Entwicklung und Implementation einer Online-Plattform zur Diagnostik und Förderung von Kindern mit einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (OnDiFoe)“. Auch für die besonderen Bedürfnisse von Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erlernen und Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben zeigen, sollen Möglichkeiten der schulischen Förderung erarbeitet werden. Besonders wichtig sind dem Forscherteam die schulischen Hilfen und die bisher vernachlässigten psychischen Belastungen, insbesondere von Ängsten der Schulkinder mit Lernstörungen. „Denn wer Angst vor Mathe und dem Vorlesen hat“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums, „traut sich weniger zu und verliert immer mehr die Motivation am Lernen.“

Praxistaugliches Material

In allen Bereichen arbeitet das Wissenschaftlerteam eng mit Praktikern zusammen, sodass alle Diagnose- und Förderinstrumente gut anzuwenden sein werden – verspricht das Ministerium. Die Forscher stellen beispielsweise Tests zur Verfügung, mit denen bereits in der Grundschule Risiken für Lernstörungen und psychische Belastungen festgestellt werden können. Hierzu entwickeln sie Fragebögen für Lehrkräfte, mit denen sie schnell und zuverlässig die Risiken für Lernschwierigkeiten eines Kindes feststellen können.

Immer größere Bedeutung in der Lernförderung bekommen laut Ministerium Computerspiele (sogenannte “Serious Games”), die basierend auf evaluierten Fördermethoden den Kindern spielerisch helfen, sich im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zu verbessern. „Dabei passen sich die Spiele dem individuellen Lernstand an und motivieren die Kinder durch eine schnelle Rückmeldung über Lernerfolge“, heißt es. Auch solche digitalen Materialien gehören zum künftigen Angebot der Plattform. Ein Termin, wann die Seite online geht, wurde nicht genannt. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Metaanalyse: Welche Therapie bei Legasthenie hilft, welche nicht

35 Kommentare

  1. Gibt es vielleicht einen Zusammenhang mit folgendem Artikel (zu lesen bei news4teachers)?

    “Macht der Bildschirm zu Hause Schüler im Unterricht zappelig und unkonzentriert? Studie der Drogenbeauftragten legt den Schluss nahe”

  2. Wenn Sie damit andeuten wollen, dass Lernstörungen vor allem auf übermäßigem Medienkonsum beruhen – dann: Nein! Legasthenie und Dyskalkulie lässt sich nicht mal eben durch ein Bildschirmverbot “heilen”. Bekannt ist beispielsweise, dass die meisten Pflege- und Adoptivkinder mit Lernstörungen zu kämpfen haben, was von Experten auf frühkindliche Traumata (die schon durch die Trennung von den leiblichen Eltern entstehen können) zurückgeführt wird. Deren heutigen Eltern den Ratschlag zu geben, sie sollten mal den Fernsehkonsum besser kontrollieren, wäre geradezu ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen. Hier geht es schon um komplexere Problemkonstellationen.

    • Aber vielleicht ist es ein Mosaikstein. Warum steigen die Zahlen derer, die solche Probleme haben? War das vor 10 – 20 Jahren auch schon so?
      Vielleicht ist gerade für solche “anfälligen” Kinder die Mediennutzung der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt?
      Wie gesagt, ich weiß es nicht, ich frage mich nur, warum die Zahlen immer weiter steigen.

      • Natürlich kann es sein, dass übermäßiger und inhaltlich nicht altersgemäßer Medienkonsum Kinder überreizt und ihre Konzentration beeinträchtigt, das will ich gar nicht ausschließen. Echte und dauerhafte Lernstörungen wurzeln aber tiefer.

        Ob die Zahlen steigen? So genau weiß das niemand. Früher gab es solche Erhebungen nicht. ADHS zum Beispiel ist ja schon mit der Geschichte vom “Zappelphilpp”, die bekanntlich aus dem 19. Jahrhundert stammt, belegt. Früher hatten allerdings solche Kinder viel mehr Möglichkeiten, ihre motorische Unruhe körperlich auszutoben – die Lebensräume von Kindern heute sind ja doch viel enger. Und wenn einer in der Schule scheiterte, dann gab es genügend Berufe, in denen Schulbildung nicht notwendig war. Auch das ist heute ja anders.

        News4teachers hat mal einen Bericht gebracht, in dem ein erfahrener Schulpsychologe zu Wort kam. Der meinte: Es gebe zwar nicht mehr auffällige Kinder als früher, die Fälle würden aber krasser. Ach ja, hier ist er: http://www.news4teachers.de/2016/07/ein-schulpsychologe-zieht-bilanz-die-faelle-werden-schwieriger-und-komplexer/

        Was sich vielleicht mutmaßen lässt, ist, dass sich die veränderten Familienstrukturen bemerkbar machen: immer mehr Scheidungskinder, immer mehr Alleinerziehende. Bindungsstörungen, das ist bekannt (siehe Pflege- und Adoptivkinder), verursachen Lernstörungen.

      • Zumindest sind die nachgewiesenen schädlichen Wirkungen von Smartphones und Co schon so gravierend, dass man diese schon auch berücksichtigen sollte.

        • Dann müssten alle Jugendlichen Lernstörungen haben.

          • Weil alle Jugendlichen die gleiche Zeit vor dem Bildschirm mit den selben Inhalten verbringen?

          • Verstehen Sie mich nicht falsch:
            Wenn nachgewiesen wäre, dass stundenlanges Youtube glotzen, Whatsappen usw. den Lernerfolg erhöhen würde, die Konzentrationsfähigkeit erhöhen würde, wäre meine Meinung zu diesem Thema eine andere.

          • Ich glaube nicht, dass sich gravierende Lernprobleme monokausal auf digitale Medien zurückführen lassen. Alle Jugendlichen nutzen Smartphones, und ja: alle nutzen sie täglich stundenlang.

            Trotzdem gibt es immer noch gute Schüler, und es gibt ja auch unbestreitbar positive Effekte: Smartphones erhöhen die Kommunikation ungemein. Noch nie haben Jugendliche so viel miteinander kommuniziert wie heute (und sie lesen und schreiben dabei auch). Früher haben sie stattdessen Fernsehen geglotzt – war das besser? Auch damals, als das Fernsehen aufkam, schien die Welt schon unterzugehen. Und das hat auch kaum jemandem geschadet. Davor waren es die Comics …

          • Wer spricht hier von monokausal???

            Noch nie fühlten sich Kinder durch Kommunikation so gestresst wie heute.

            Zitat:
            “Jeder vierte der befragten 8- bis 14-Jährigen gab an, sich durch die permanente Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp gestresst zu fühlen. 8 Prozent der jungen Smartphone-Besitzer nutzen ihre Geräte derart exzessiv, dass sie als suchtgefährdet gelten.
            48 Prozent erklärten, durch das Handy etwa von den Hausaufgaben abgelenkt zu werden. 20 Prozent gaben schulische Probleme durch starke Handy-Nutzung zu. 15 Prozent bemängeln, dass die echten Kontakte zu Freunden zu kurz kommen. 11 Prozent sind bereits Opfer digitalen Mobbings oder von Ausgrenzung aus WhatsApp-Gruppen geworden.”

  3. Ich denke, die Ursachen können vielfältig sein. Wenn man es von der Gehirnforschung her sieht, dann sind die entsprechenden Zellen nicht genug aktiviert. Jetzt lässt sich darüber streiten, welches die Ursachen sind, warum diese blockiert sind. Sind es die Stimulationen oder sind sie blockiert? Kann man durch motorische Techniken wie die Kinesiologie die Blockade lösen bzw. die Zellen anregen? Oder brauchen sie eine direkte Stimulation durch das “Thema”? Das sollten mal die Gehirnforscher belegen. Die Uni Zürich hat vor Jahren einmal ein Experiment mit einem von ihnen entwickelten Rechenprogramm (Computerprogramm) gemacht. Tatsächlich waren dann, nach Durchführung des Programms wesentlich mehr Gehirnzellen, die fürs Rechnen zuständig waren, aktiv.
    Ich halte eine Förderung so locker im Laufe der Grundschule fast schon zu spät. Wichtig ist die Grundlegung von basalen Fähigkeiten im Kindergartenalter (nichts der Schule wegnehmen, aber die Basic schaffen, d.h. Wahrnehmung, Koordination usw. schulen). Drohende Dyskalkulie muss schon im 1. Schuljahr angegangen werden, wenn man in den niedrigen Zahlenräumen ist und Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten (so ein bisschen Zeit sollte man schon zum Zusammenlesen geben) spätestens ab Klasse 2.

  4. Ich finde, viel zu schnell wird methodisches Versagen auf eine Lernstörung geschoben, die dann statt mit veränderten Methoden mit all diesen Nachteilsausgleichen behoben bzw. unter den Teppich gekehrt werden soll (mehr ist es ja oft anscheinend gar nicht).

    (Ich habe NICHT gesagt, dass es nicht auch wirkliche hirnorganisch begründete Lernstörungen gibt.)

  5. “….und lässt für die Schulen in Deutschland Diagnose-Instrumente und Fördermaterialien entwickeln.”
    Na, dann sollen sie mal machen. Das wäre dann Nr. x
    Es gibt schon genug Diagnose- Programme und Fördermaterialien. Jeder Verlag bringt ständig etwas Neues heraus. Es sei denn, es wird einmal das Wunderprogramm erfunden, das dann effektiv hilft.
    Vielleicht könnte man das Geld eher in die Förderung durch geeignetes Personal stecken anstatt das x. Diagnoseinstrument und das x. Material zu entwickeln.
    Bei diesen Kindern können oft Eltern nicht mehr, wie früher, als zuverlässige “Übungspartner” angesehen werden. Ich glaube, dass die aktive Mithilfe von Eltern beim Üben früher viel mehr Rechenschwächen, Lese- und Rechtschreibstörungen verhindert hat, als man glaubt. Man darf auch nicht vergessen, dass wir durch die Inklusion wesentlich mehr Lernschwache in der Klasse haben.
    In Bayern gibt es ebenso die Lese- und Rechtschreibstörungen, obwohl wir nicht nach der hier so kritisierten Methode LdS unterrichten. Allerdings glaube ich unabhängig von der Methode auch, dass man Schülern so früh wie möglich Rechtschreibbewusstsein vermitteln sollte und Falsches in der Regel nicht stehen lassen sollte. Wenn Schüler fragen, wie ein Wort geschrieben wird oder nachschlagen und nicht einfach etwas hinschreiben oder Abgeschriebenes nochmals kontrollieren, dann zeigt es, dass sie der Rechtschreibung einen wichtigen Stellenwert beimessen.
    Für mich sind Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörungen bei normaler Intelligenz keine Lernstörungen, sondern Teilleistungsstörungen bzw. Schwächen. Eine Lernstörung würde ja alle Bereiche des Lernens beinhalten, auch z.B. das Merken von Sachverhalten.

  6. Wie wäre es denn, wenn man an Stelle der äußeren Rahmenbedingungen die Methoden des eigenständigen und eigen initiativen Lernens der Schüler in den Fokus für das heute zu beobachtende Ansteigen des Lernversagens rückt.
    Wahrscheinlich ist doch ein großer Teil der Schüler einfach mit dieser Art sich Wissen beizubringen sprachlich,organisatorisch, kognitiv, audiovisuell und auditiv überfördert.

    • ysnp hat es ja mehrfach schon deutlich gesagt: “In Bayern gibt es ebenso die Lese- und Rechtschreibstörungen, obwohl wir nicht nach der hier so kritisierten Methode LdS unterrichten.”

      Lese- und Rechtschreibstörungen haben weltweit mindestens eine Quote von 3-5%
      Die Methode LdS gibt es weltweit angeblich gar nicht, auch in Deutschland gibt es nur wenige, die diese Methode in Reinform umsetzen.
      Wenn also weltweit gar kein LdS unterrichtet wird, wird die Quote von 3-5% auf etwas anderes zurückzuführen sein.

      Es braucht andere Hilfen bei Lernstörungen und häufig auch Begleitung für die Kinder und mehr Zeit zum Erlernen der Inhalte, weil die Kinder wichtige basale Fährigkeiten ausbauen oder den Mangel kompensieren müssen.
      Hierfür ist genaue Diagnostik notwendig, und im Anschluss entsprechende individuelle Förderung.
      Ein Beispiel:
      Ein Kind mit Merkschwäche wird sich vieles nicht merken können – keine Zahlbilder, keine Buchstabenreihenfolge, keine Rechenoperationen. Dieses Kind würde in allen möglichen Tests auffällige Ergebnisse erzielen, weil es sich nichts merken kann. Es gibt dann Ergebnisse, dass dieses Kind eine auditive Störung habe, der Test als solcher verlangt nämlich das Merken von Zahlenfolgen. Hier scheitert das Kind am Merken, nicht an der Wahrnehmung oder Verarbeitung. Ob das Kind zusätzliche eine auditive Störung hat, ist nur schwer zu ergründen.
      Ein anderes Kind mit wirklicher auditiver Störung scheitert nicht am Merken, es könnte visuelle Bereiche darstellen, dennoch kann es Zahlen oder Laute, die gehört (oder hörend gedacht) sind, nicht behalten und widergeben. Dieses Kind benötigt aber andere Hilfe als das erstere.
      Ein drittes Kind kann die Sprache nicht und ist zunächst damit beschäftigt, diese zu erlernen, um dann Laute und Grapheme der neuen Sprache in Beziehung zu setzen. Es geht also um die Alphabetisierung im Zweitspracherwerb. Auch dieses Kind benötigt Hilfe.

      Diese Kinder können eine Lese- und Rechtschreibschwäche entwickeln, jedoch aus ganz unterschiedlichen Gründen.
      Sie können in ein und derselben Klasse sitzen und brauchen zusätzliche Übungen und Hilfen, bis sie sicher lesen lernen. Manche Übungen kommen allen drei Kinder zugute, andere Übungen nicht.
      Differenzierung bedeutet in heutigen Klassen, Unterricht zu führen, der allen Kinder hilft, entsprechend ihrer Fähigkeiten zu lernen und letztlich annährend gleiches zu erreichen – in diesem Fall: Lesen.

      Wie wäre es mal mit einer Studie, in der nicht Materialien überprüft und für die Marktreife getestet werden, ebenfalls keine Diagnose-Bögen, sondern Geld dafür in die Hand genommen wird, dass in den ersten Klassen die Förderung der Kinder erfolgen kann, die bereits in den ersten Wochen auffallen.
      Es scheitert nicht an der Diagnose der Lehrerinnen, es scheitert in der Regel daran, dass sie sich nicht vervielfältigen können, was aber angesichts der vielen Aufgaben wirklich erleichternd wäre.

      • Natürlich gibt es bei so vielem, was negativ auffällt, oft ein Mix aus Ursachen. Es wirkt eher ablenkend von einzelnen Übeln, wenn immer wieder darauf verwiesen wird, dass ja auch andere Dinge noch eine Rolle spielten.
        Das stimmt zweifellos, doch eine Bekämpfung der Ursachen hat doch nur Aussicht auf Erfolg, wenn die Einzelteile aufs Korn genommen werden.

        • “negativ” – “Übel” – “Bekämpfung” – “aufs Korn genommen”

          Ich hatte über Kinder mit Lernschwierigkeiten geschrieben,
          worüber schreiben Sie?

          • Ich bilde mir ein, auch über Kinder mit Lernschwächen geschrieben zu haben, indem ich auf den Mix ihrer lernschwächenden Ursachen hinzuweisen versuchte.
            Was nützt der Hinweis auf lernschwache Kinder ohne Gedanken über die Ursachen von Lernschwächen. Und da meine ich, dass es schon einiges brächte, wenn…
            An dieser Stelle müsste ich meinen vorigen Kommentar wiederholen, was albern wäre.

      • Axel von Lintig

        Palim

        Ich glaube über die Verbreitung der Methode Lesen durch Schreiben sind Sie nicht so richtig informiert, da diese Methode im Anfangsunterricht in NRW sehr weit verbreitet ist.
        So ist zum Beispiel die Rechtschreibwerkstatt des Schulmaterialien-Unternehmers Norbert Sommer-Stumpenhorst sehr weit in NRW verbreitet.
        Der Methode LDS des N.Sommer-Stumpenhorst hat sich ein ehemaliger Lehrer aus dem NRW Kultusministerium gewitmet, nämlich unter www. grundschulservice.de/ Rechtsschreibwerkstatt. Und in Foren und Zeitungen beklagen sich vielfach Eltern über diese Methode. Es gab sogar in NRW eine Petition im Jahr 2015 für ein Verbot der Methode und einen Verbotsantrag in Hamburg,sowie im Landtag in NRW 2013.
        In NRW wurde diese Methode schließlich im Landtag zu einer Standartlehrmethode erklärt, welche zum Methodenrepertoire im Anfangsunterricht gehört und selbstverständlich zum Anfangsunterricht dazu gehört.
        Und deshalb findet diese Methode auch eine weite Verbreitung im Land NRW und anderswo.
        Und schließlich weiß ich von Vertretern konkurierender Schulbuchunternehmen von der Verbreitung dieser Methoden, weil jedes Unternehmen inzwischen derartige Materialien mit im Programm hat.

        • Mir scheint, dass der Begriff der Lernstörung hier von manchen nicht so richtig verstanden wird – es geht nicht um kleine Konzentrationsschwächen, die aich mit einer Woche Fernsehverbot beseitigen ließen. Es geht auch nicht um ein paar Rechtschreibfehler, die sich mit einer möglicherweise falschen Gewichtung der Orthografie im Schreibunterricht erklären ließen. Wir reden hier von Kindern, die in der Schule sitzen und noch im 3. oder 4. Schuljahr an einfachsten Rechenaufgaben oder schon am Verständnis von Buchstaben scheitern, obwohl ihre Intelligenz relativ gute Lernergebnisse erwarten ließe.

          Dahinter stecken in aller Regel komplexe Problemlagen – Scheidungen, Ängste, Beziehungsstörungen, zerbrochene Familien, Drogen-, Medikamenten- und/oder Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft etc. Und ein wesentliches Element, solchen Problemen entgegenzuwirken, ist: Bindung. Die Frage ist, wie Schule lernförderliche Beziehungen für solche Kinder ermöglichen kann – so, wie sie derzeit strukturiert und ausgestattet ist, jedenfalls nicht.

          • Jetzt wird’s restlos zum Gemischtwarenladen.
            Vielleicht hat noch jemand Lust, sein Verständnis von Lernstörung und Hauptursachen vorzubringen.
            Die Einleitung “Mir scheint, dass der Begriff der Lernstörung hier von manchen nicht so richtig verstanden wird ” ist bemerkenswert. Sie soll wohl den Eindruck vermitteln, dass jetzt der wahre Experte spricht.

          • Nein, es soll den Eindruck vermitteln, dass in der Diskussion oben Nebenkriegsschauplätze eröffnet werden, die mit dem Thema Lernstörungen nichts zu tun haben. Und: Ja, ich habe Erfahrungen im Umgang mit betroffenen Kindern – Sie auch?

            Haben Sie auch inhaltlich etwas zur Debatte beizutragen?

          • Axel von Lintig

            Und genau diese Schüler wurden und werden mit LDS traktiert.
            Vielfach sind spezifische Fördermethoden, wie das Intra-Akt-Plus-Konzept und andere oder spezielle Rechenförderprogramme Lehrern einfach nicht bekannt. Das ergibt zumindest sich aus dem direkten Kontakt mit denen.

          • Axel von Lintig

            Im übrigen, wenn beiuns in Deutschland der Anteil der Schüler mit Lernstörungen derart hoch ist, Weltweit aber der Anteil der Schüler mit einer Lese-, Schreib- oder Rechenschwäche um 3-5 % liegt, dann stimmt hier etwas nicht., und dieser Zustand ist dann Methoden bedingt.
            Oder hält man unsere Kinder für degenerisrt. Auch in anderen Ländern kommunizieren Schüler mittels Handys, schauen TV und spielen am Computer.

          • Axel von Lintig

            schon wieder mal auf dem Handy vertippt

  7. @ Gerald,

    Anna ist schnell bei der Hand, die Äußerungen anderer als Unsinn abzuqualifizieren (@ Redaktion, gleich kommt die Begründung.) So entsteht der Eindruck, sie glaube, sie selbst habe die Weisheit mit Löffeln gefressen. Das war neulich in der Inklusionsdebatte so und hier nun wieder. Es wurde ja von niemandem bisher bestritten, dass es echte Lernstörungen gibt. Es wurde gesagt, dass man heute schnell damit ist, Kindern mit schlechten Leistungen eine Lernstörung zu attestieren, statt genauer zu schauen, wie die schlechten Leistungen zustande kamen/kommen. Es sind nicht immer hirnorganische Beeinträchtigungen, sondern manchmal ganz profane Gründe – wie u.a. mangelnde Unterstützung daheim oder vielleicht auch schlechter Unterricht.

    • So ist es! Ich kann Ihnen nur beipflichten, sofawolf.

    • Nichtdestotrotz verweist @anna aber auf einen Teil der Ursachen für Lernstörungen.
      Die Förderung der SuS mit festgestellter Lernschwäche (Förderbedarf Lernen) ist in erster Linie Beziehungsarbeit. Und hier liegt der Hauptknackpunkt der derzeitigen Ausgestaltung des Imklusionsversuches. Diese Beziehungsarbeit lässt sich im Fachlehrerunterricht an allgemeinbildenden weiterführenden Schulen mit Klassenstärken um die 26 bis 30 SuS nicht sicherstellen.

      Der Vorteil der FöS sind die kleinen und überschaubaren Strukturen, die angemessen auf die Bedürfnisse der suS eingehen können. Dies ist in dem benötigten Umfang an Regelschulen nicht leistbar. Schüler mit Förderbedarf L oder ESE an sechszügigen Gesamtschulen können einem eher leid tun in dem komplexen System, das sie an allen Ecken und Enden überfordert, da es ab Jahrgang 7 immer weniger Struktur bietet und es neben den G-Kursen keine Kurse auf Förderschulniveau gibt.

      • G-kurse sind auf förderschulniveau? Falls ja ist das erschreckend niedrig für die gesamt- bzw. Hauptschule und kein wunder, dass so viele förderschüler den abschluss nicht schaffen.

        • E-Kurse auch, die Frage ist doch, ob die I-Kinder zieldifferent oder zielgleich unterrichtet werden.
          Tatsache ist, dass für die allermeisten “Lerner” das Niveau der G-Kurse (Hauptschulniveau) nicht zu erreichen ist

          • “Tatsache ist, dass für die allermeisten „Lerner“ das Niveau der G-Kurse (Hauptschulniveau) nicht zu erreichen ist”

            Weshalb sie ja auch Unterstützungsbedarf Lernen haben mit zieldifferenter Beschulung.

            Für die Grundschule bedeutet das recht pauschalisiert:
            Stoff der 1. Klasse wird auf Klasse 1+2 verteilt, Stoff der 2. Klasse auf Klasse 3+4. Am Ende der Grundschulzeit sollten die Kinder also zumindest auf dem Stand einer Zweitklässlers sein. Dazu gehört, dass diese Kinder dann Lesen können, was für viele Fächer notwendige Voraussetzung zur Mitarbeit ist und den Kindern dann eine bessere Teilhabe insgesamt ermöglicht.

            Unter den Kindern mit Förderbedarf Lernen gibt es solche, die weit mehr können und in einem oder mehreren Fächern immer knapp am Grundschulniveau hängen, und andere, die selbst die o.g. Ziele nicht erreichen – mit oder ohne Förderung.
            Wer mit FöS-Lernen Kindern arbeitet und weiß, dass trotz intensiven Übens Inhalte immer wieder erneut erschlossen und trainiert werden müssen, wird den Vorwurf der Faulheit oder der mangelnden Unterstützung im Elternhaus unterlassen. Er wird auch die Eltern kennen, denn die Arbeit mit diesen Kindern macht häufige Absprachen zwingend notwendig, und wird einschätzen können, dass sich sehr viele Eltern ausgesprochen stark für ihre Kinder engagieren und sehr wohl mit ihren Kindern üben. Sie müssen jedoch über Jahre sehr hartnäckig sein, wenn sie genaue Diagnosen oder Therapien von Ärzten haben möchten, gerne dauert es 2 Jahre oder länger.

            So selten sind Diagnosen dennoch nicht, für die i-Kinder in meiner Schule weiß ich bei fast allen die medizinischen Hintergründe. „Es sind nicht immer hirnorganische Beeinträchtigungen“, nein, es gibt auch andere organische Beeinträchtigungen und Wahrnehmungsstörungen (wie auch immer die zu klassifizieren sind), die das Lernen beeinträchtigen.
            Wer sich mit diesen Kindern beschäftigt, erkennt sehr schnell, dass es kein Anzeichen von Faulheit ist, wenn Kinder Lernstörungen haben. Dass es aber mangelnde Diagnostik und Methodik ist, wenn man sich als Lehrkraft den Hintergründen verschließt und Kinder und Eltern mit der Problematik allein lässt, unterschreibe ich gern.

            Eine meiner letzten Praktikantinnen meinte über die Leistungen eines meiner Kinder mit Unterstützungsbedarf (zieldifferent mit großem Abstand): “Können die Eltern mit diesem Kind nicht nachtmittags ein bisschen mehr üben?”
            Ich frage mich, welchen Eltern blinder Kinder man wohl vorschlagen würde, die Eltern sollten “ein bisschen mehr” üben, damit das Kind endlich Lesen lernt (ohne Braille wohlgemerkt) oder sehend wird.

            Üben Sie bitte so lange das Hören, bis Ihnen der Marderschreck der Autos eine Gänsehaut verursacht!
            Oder werfen Sie doch alle Ihre Brillen in den Müll und üben täglich ein bisschen intensiver das Sehen. Dann klappt es auch bald wieder mit dem störungsfreien Autofahren.

          • Man soll sich einmal klar werden, was zieldifferentes Unterrichten heißt. Im Extremfall ist es so, dass man in einer Klasse von normaler Klassengröße Kinder hat, die in manchen Fächern – meist in D und M – ein anderes Lernprogramm haben. Wenn die Lehrkraft keine oder wenig Unterstützung hat, muss sie den Unterricht umplanen und auch die anderen viel materialgestützt arbeiten lassen, denn gerade schwächere Kinder brauchen in ihren Lernprogrammen viel Unterstützung. Ein normales, gemeinsames Unterrichten der Klasse, auch mit modernen kooperativen Methoden kann ich mir für diese Fächer schwer vorstellen. Es ist die Frage, was dann hinterher herauskommt. In kleineren Klassen mag das ja noch gehen, aber wie ist das in größeren Klassen?
            Ich selbst hatte bisher kaum zieldifferent zu unterrichtende Kinder, deshalb musste ich den Unterrichtsstil nicht umstellen. Dennoch war es schon schwierig genug in meiner großen Klasse ein Kind während des normalen Unterrichts in seinem Extraprogramm zu unterstützen.
            Meiner Erfahrung nach zögern (bei uns) Eltern, das zieldifferente Unterrichten zu beantragen, weil dadurch schon von vorneherein klar ist, dass Abschlüsse schwer zu erreichen sind, weil ja die jeweiligen Klassenziele nicht erreicht werden (entweder schreibt man die Proben von allen mit oder die Note ist ausgesetzt, differenzierte Arbeiten gibt es nicht) und die Kinder so in die nächste Klasse weitergegeben werden.

      • Oder man erarbeitet alles zu Hause und Pfeift auf die staatlichen “Schulen” mit den Selbstlernmethoden. Jeder freie Tag ist ein kompletter Schultag zu Hause mit der 1:1 Betreuung und direkter Förderung.
        Mein Vertrauen in diese Methoden ist zerstört und mir ist auch langsam egal was da so versucht wird. Besser man verlässt sich auf sich selbst.
        Alphabetisierung beginnt zu Hause und mir gehen diese Rechtfertigungen für eine organisierte unterlassene Hilfeleistung mit Selbstlernmethoden gewaltig auf des Gemüt.
        Die Indoktrinierung für diese Methoden der unterlassenen Hilfeleistung beginnen in den entsprechenden Universitäten; Bremen, Münster, Köln,Siegen,Schwäbisch-Gmünd,Paderborn um nur einige zu nennen.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*