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Lehrermangel auch in Sachsen-Anhalt: Land will mehr Nachwuchs für den Schuldienst ausbilden (der wäre dann in etwa sechs Jahren fertig)

MAGDEBURG. Forderungen nach mehr Lehrern sind in Sachsen-Anhalt nichts Neues. Jetzt gibt es erstmals Zahlen, die auch den langfristigen Bedarf belegen. Die Studienkapazitäten an den Universitäten sollen deshalb vergrößert werden. Am aktuten Lehrermangel ändert das jedoch zunächst einmal nichts.

Neue Zahlen befeuern die Debatte um zusätzliche Lehrer in Sachsen-Anhalt. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) legte am Dienstag Berechnungen einer Expertenkommission zum künftigen Bedarf an Lehrern vor. Demnach sind bis zum Schuljahr 2030/31 jährlich im Durchschnitt rund 650 Vollzeitstellen neu zu besetzen. Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) kündigte deshalb an, die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen. Er gehe künftig von mindestens 800 Studienplätzen pro Jahr aus.

Die Zahlen der Experten zeigten den Handlungsbedarf, sagte Tullner. Erstmals lägen nun verlässliche Zahlen für den künftigen Lehrer-Bedarf im Land vor. Den Berechnungen zufolge wird die Schülerzahl deutlich langsamer sinken als bislang angenommen. Bis 2023 wird sie zunächst sogar von derzeit rund 174.000 auf 181.000 steigen. Danach erwarten die Experten einen Rückgang auf etwa 169.000 Schüler an den allgemeinbildenden Schulen bis 2030.

Dementsprechend steigt auch der Bedarf an Lehrern bis 2025 auf mehr als 14.800 Vollzeitstellen. Die schwarz-rot-grüne Kenia-Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 einen Stand von 14.500 Stellen zu erreichen. Unterrichtsausfall und fehlende Lehrer sorgten in den vergangenen Monaten regelmäßig für Diskussionen im Land. Die Unterrichtsversorgung lag zuletzt noch immer unter dem angestrebten Wert von 103 Prozent. Eine Volksinitiative sammelt Unterschriften für mehr Lehrer.

Über den bekannten Langzeit-Bedarf dürfe deshalb auch die akute aktuelle Situation nicht vergessen werden, erklärte SPD-Fraktionschefin Katja Pähle. Es müssten Anstrengungen unternommen werden, so schnell wie möglich mehr Lehrer vor die Klassen zu bekommen. Um dafür finanzielle Spielräume zu schaffen, dürfe auch ein Nachtragshaushalt kein Tabu sein.

Willingmann sagte, Ziel müsse sein, genau so viele Lehrer an den Universitäten auszubilden, wie auch im Land gebraucht würden. In der Vergangenheit sei oft über Bedarf ausgebildet worden. «Das soll sich nicht wiederholen.» Jeder, der ein Studium beginne, müsse auch eine Perspektive haben, später in Sachsen-Anhalt als Lehrer zu arbeiten.

Die Bedarfszahlen bis 2030 machten jedoch klar, dass zusätzliche Kapazitäten an den Universitäten erforderlich seien. Als erster Schritt sollen deshalb an der Universität in Halle im Herbst erneut 700 Erstsemester starten. Bislang liegt die Zielvereinbarung zwischen Land und Hochschule bei 550 Studienplätzen pro Jahr. Sie war im vergangenen Jahr zunächst einmalig auf 700 erhöht worden.

Für die Zeit nach 2018 werde auch mit der Universität Magdeburg gesprochen, sagte Willingmann. Bislang findet die Lehrerausbildung schwerpunktmäßig in Halle statt. Für den dauerhaften Mehrbedarf müsse dann auch mehr Geld im Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Die Erhöhung auf 700 Studienplätze in diesem Herbst soll die Uni Halle zunächst aus vorhandenen Mitteln bestreiten. dpa

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