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Medizin-Studie: Ärzte verschreiben immer noch zu oft Antibiotika

BERLIN. Antibiotika können Wunder wirken – zu oft werden sie jedoch falsch eingesetzt. Daran tragen die Patienten eine Mitschuld. Experten fordern deshalb mehr Aufklärung – für Patienten und Ärzte.

Ärzte verschreiben zu viele Antibiotika. Foto: heipei / flickr (CC BY-SA 2.0)

Ein Problem: Ärzte verschreiben zu viele Antibiotika. Foto: heipei / flickr (CC BY-SA 2.0)

Trotz erster Erfolge werden einer Studie zufolge immer noch zu viele Antibiotika unnötig verschrieben. Das gefährdet auf Dauer ihre Wirksamkeit. Für manche Erreger gibt es kein Gegenmittel mehr, weil sie Widerstände entwickelt haben. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte, Ärzten komme beim sachgerechten Einsatz von Antibiotika eine Schlüsselrolle zu.

Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske von der Universität Bremen fordert deshalb eine Handreichung für Ärzte zum Umgang mit dem Medikament. «Wir haben keine einzige Leitlinie, die den Ärzten genau darstellt, wie Antibiotika eingenommen werden sollen.» Außerdem müsse es in den Krankenhäusern mehr Hygienefachkräfte geben, damit die resistenten Keime sich nicht ausbreiten. Auch in die Forschung müsse mehr Geld investiert werden. «Von der Pharmazie ist das ein Bereich, der dramatisch vernachlässigt worden ist.»

Gesundheitsminister Gröhe betonte, neu entwickelte Antibiotika sollten möglichst sparsam eingesetzt werden. Das macht die Forschung für Pharmaunternehmen nicht besonders attraktiv. «Notwendig sind deshalb Anreize, die den wirtschaftlichen Nutzen zumindest teilweise vom Umsatz entkoppeln», sagte Gröhe der dpa. Im Auftrag der 20 Industrie- und Schwellenländer erarbeite die OECD dazu gerade eine Studie.

Der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hardy Müller, fordert vor allem mehr finanzielle Unterstützung der Initiativen in Krankenhäusern und Arztpraxen. «Entscheidend ist immer noch, was beim Patienten ankommt», sagte Müller.

Den TK-Zahlen zufolge ist die Quote der Antibiotika-Verordnungen zwar zurückgegangen, lag im vergangenen Jahr bei erkältungsbedingt krangeschriebenen Beschäftigten aber noch immer bei 27 Prozent. Im Vergleichsjahr 2008 waren es noch 38 Prozent. «Die überwiegende Zahl der Erkältungsinfekte ist durch Viren hervorgerufen – und gegen eine Virus-Infektion hilft das Medikament nicht», sagte Tim Steimle von der TK.

«Die niedergelassenen Ärzte verordnen Antibiotika in verantwortungsvoller Weise», sagte Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Häufig sähen Ärzte sich jedoch mit dem Wunsch der Patienten konfrontiert, unbedingt ein Antibiotikum zu erhalten.

Alle Seiten betonen deshalb den Stellenwert der Patientenaufklärung. «Wir brauchen in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass Antibiotika nicht bei jedem Husten oder einer tropfenden Nase helfen», sagte Gröhe. dpa

Ein Kommentar

  1. Eine sehr interessante Deutung eines bekannten Problems, die aber total falsch liegt mit unseren labortechnischen Untersuchungen bei Landwirten mit Großmastbetrieben.
    Warum lässt man es denn vom Landwirtschaftministerium zu ,dass der flächendeckende Antibiotikaeinsatz in Großmastbetrieben zu Resistenzen gegen Problemkeime , wie dem MRSA (multiresitente Staphylococcus aureus) führt und inzwischen fast jeder Großmastlandwirt von diesen Keimen, als Folge des unkritischen Eisatzes der Antibiotika, besiedelt ist.
    Hier wird von Seiten der Politik immer wieder der Zeigefinger auf die falsche Seite gerichtet, nämlich jene, die sich anschließend durch den unkritischen Einsatz der Antibiotika, mit den Folgen herumschlagen dürfen.
    Irgendwann einmal werden uns die Antibiotika gegen Problemkeime ausgehen, weil die Industrie am unkritischen Eisatz der Antibiotika,auch Reserveantibiotika,eine Menge verdient.

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