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Streit um das Turbo-Abitur: Philologen-Chef Meidinger fordert ein Machtwort von Kretschmann – pro G9

STUTTGART. “Bevormundung der Schüler und Eltern” sowie “Ignorieren des eindeutigen Willens der Schulfamilie” hat der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, der Landesregierung in Stuttgart, insbesondere den Grünen, vorgeworfen. Er fordert von Ministerpräsident Kretschmann ein Machtwort – pro G9.

oll ein Machtwort sprechen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann. Foto: Bündnis 90 / Die Grünen / flickr (CC BY-SA 2.0)

Soll ein Machtwort sprechen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann. Foto: Bündnis 90 / Die Grünen / flickr (CC BY-SA 2.0)

Der Verbandschef verwies darauf, dass mit Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen inzwischen die Mehrzahl der bevölkerungsreichsten Bundesländer in Deutschland zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückgekehrt sei, Baden-Württemberg sich aber nach wie vor weigere, dem Elternwillen nachzugeben und die Möglichkeit zu einer längeren, entschleunigten Gymnasialzeit über die genehmigten 44 Modellschulen hinaus auszuweiten. Bei den Neuanmeldungen für die baden-württembergischen Gymnasien vor einigen Wochen war der Ansturm auf die 44 G9-Gymnasien laut Meidinger so stark, dass viele Schülerinnen und Schüler abgewiesen werden mussten.

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„Auf massiven Druck der baden-württembergischen Grünen wurde im grün-schwarzen Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass der Wille einer Mehrheit von 80 Prozent der Bevölkerung für ein G9 an allen Gymnasien in Baden-Württemberg ignoriert wird. Es ist jetzt dringend geboten, diese Entscheidung zu korrigieren, wollen die Grünen nicht weiter als Bürger-Bevormundungspartei und Verfechter einer ideologischen Schulpolitik wahrgenommen werden“, betonte Meidinger.

Die rot-grünen Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen seien nicht zuletzt deshalb abgewählt worden, weil sie die Rückkehr zu einem G9 “gegen den Willen einer übergroßen Bevölkerungsmehrheit” blockiert hätten. „Es ist höchste Zeit, dass Ministerpräsident Kretschmann diese Entscheidung an sich zieht und ein Machtwort spricht!“, sagte der Philologenchef. n4t

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7 Kommentare

  1. Wer hat eigentlich diesen Begriff des “Turbo-Abiturs” erfunden. Ich finde diesen Begriff furchtbar, impliziert er doch, dass wir in Deutschland auf dem Weg zur Uni auf der Überholspur seien, aber andere große Industrienationen haben doch auch “G8” (Frankreich, Japan, USA, Großbritannien). Man kann ja zur Verweildauer bis zur Hochschulreife geteilter Meinung sein, aber den (globalen) Standard als “Turbo” zu bezeichnen, ist doch lächerlich.

    • Bernhard Färber

      Den Begriff haben die Medien erfunden. Ich glaube auch, dass man im G 8 nicht allzu viel Turbo finden kann.

      Der Vergleich mit den anderen Ländern hinkt trotzdem, da diese alle verbindlichen Ganztagsunterricht
      und dadurch auch eine wesentlich höhere Gesamtstundenzahl haben. Theoretisch müsste also die
      “Stoffdurchnahmegeschwindigkeit” beim G 8 höher sein. In der Praxis aber eher wohl nicht.

      • Studienreife ist auch eher mit Leistungsbereitschaft und kognitiven Fähigkeiten zu beurteilen. Die Politik verkennt das jedoch bewusst und setzt das Abitur (für alles und jeden) gleich mit Studienreife. Nach spätestens zwei Semestern erkennen dann viele, dass ein (noch so gutes) Abitur nicht zwangsläufig zu einem erfolgreichen Studium führen muss. Das ist dem Kultusminister im Gegensatz zum Forschungsminister aber reichlich egal.

          • Danke für den Link

          • Das liest sich ja wie von Pink Floyd. Die Abiturientin hat aber auf jeden Fall eine eloquente Ausdrucksweise, wenn in Jena jeder Abiturient so schreiben kann, dann bringt es ja doch etwas.

          • Den Stress hat sich die vormalige Abiturientin aber selbst gemacht. Die Prüfungsordnung ist natürlich bindend und das Wiossen um die Minimalanforderungen steht jedem gut zu Gesicht. Nur ein Abitur, das mit der Mindestpunktzahl – also einer 4 ( in Worten: “ausreichend”) – abgeschlossen wird, ist ein bestandenes Abitur, das eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung einschließt.

            Die Abiturientin ist eben nicht ihren Interessen an exotischen Fächern (Sprachen und Biologie) gefolgt sondern hat sich dem Interesse an Fächern, die eine möglichst hohe Punktzahl bei mittlerem Aufwand garantieren, untergeordnet. Gleichzeitig hat sie noch darauf geachtet mit den Pflichtbindungen möglichst die Fächer im Abitur abzudecken, um nicht unnötig viel Zeit in der Schule verbringen zu müssen.

            Wer freiwillig in so jungen Jahren am “rat race” teilnimmt und ins Hamsterrad steigt, dem ist nicht zu helfen.

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