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Studie: Sinnvolle Lerntherapien scheitern oft am fehlenden Geld der Eltern – wenn sie stattfinden, dann häufig zu spät

BERLIN. Obwohl die integrative Lerntherapie als wirksame und zugleich kostengünstige Maßnahme der Jugendhilfe gilt, werden bundesweit in mehr als 60 Prozent der Fälle die Kosten für eine Lerntherapie zur Überwindung einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Rechenschwäche (LRS oder RS) noch immer privat getragen. Das stellt das Duden-Institut in einer Studie fest. Grund ist eine uneinheitliche Förderung der Therapien je nach Kommune. Damit scheitert die Hilfe für betroffene Kinder oft an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern.

Die vorliegenden Zahlen machen deutlich, dass in Berlin mit klaren, landesweiten Regelungen und einem Rahmenvertrag mehr Kinder und Jugendliche unabhängig vom Einkommen der Eltern eine Lerntherapie erhalten als im bundesweiten Schnitt. So beträgt der Anteil der finanziell unterstützten Therapien in den Duden Instituten in Berlin inzwischen bei rund 80 Prozent, bundesweit nur bei 40 Prozent. Gerade Alleinerziehende profitieren überproportional von der staatlichen Unterstützung. Fast 45 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen haben Eltern, die in Trennung oder Scheidung leben. Allerdings bleiben auch in Berlin Kinder und Jugendliche aus finanziell schwachen Familien deutlich unterrepräsentiert: Der Anteil von Familien mit Kindern ohne erwerbstätige Eltern liegt berlinweit insgesamt bei 17 Prozent, unter den Familien, die Unterstützung für eine Lerntherapie erhalten, beträgt der Anteil nur rund 10 Prozent.

Lerntherapien werden häufig zu spät begonnen, sagen die Autoren der Studie. (Grafik: Duden-Institut)

Auch wurde deutlich, dass die Therapie in vielen Fällen zu spät erfolgt. Im Mittel beginnt die Therapie im vierten Schuljahr, was für viele Kinder eine lange Leidensphase bedeutet. Ein Grund dafür ist, dass – auch in Berlin – eine finanzielle Unterstützung erst dann zum Tragen kommt, wenn bereits eine (drohende) seelische Behinderung als Folge einer LRS oder RS festgestellt wurde. Ein anderer Grund sind komplizierte Antragsverfahren, die oftmals Hürden darstellen.

Dr. Lorenz Huck, Psychologe, Lerntherapeut und einer der Autoren der Studie: „Die Ergebnisse der Studie belegen, dass klare und einheitliche Regelungen wie in Berlin gerade finanziell schwächeren Familien den Zugang zur Lerntherapie ebnen. Andere Bundesländer und Kommunen haben hier Nachholbedarf. Dazu muss zum einen die Antragsprozedur vereinfacht und zum anderen eine Therapie bewilligt werden, bevor psychosoziale Folgen auftreten. Hier ist die kommende Bundesregierung gefordert, bei der geplanten Reform des Sozialgesetzbuches für einen einheitlichen und verbindlichen Förderrahmen zu sorgen. Auch aus bildungsökonomischer Sicht wäre eine frühzeitige Förderung empfehlenswert, da die Behandlung der Folgebelastungen letztlich viel höhere Kosten für den Staat verursacht.“

Weitere Informationen

Als Vorgriff auf die in der kommenden Legislaturperiode anstehende Reform des SGB VIII beleuchtet die Studie der Duden Institute für Lerntherapie, wann Familien lerntherapeutische Hilfe für ihr Kind in Anspruch nehmen und wie viele von ihnen dafür finanzielle Unterstützung von Jugend- und Sozialämtern erhalten. Als Grundlage wurden mehr als 1.000 in Berlin durchgeführte Lerntherapien ausgewertet.

Zur Studie geht es hier

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